Geschrieben am 28.07.10 um 11:40 Uhr

Ein bekanntes Phänomen ist ja seit den 50er Jahren, als deutsche Kleinwagen begannen, wie einst Hannibal die Alpen zu überqueren, die Kluft zwischen Lust und Frust im Urlaub. Das ganze Jahr über hat man sich auf die schönsten Tage im Jahr gefreut und ausgerechnet dann gibt es Stress in der Beziehung.
Forscher haben sogar festgestellt, dass dies mit die schwierigste Zeit im Jahr für Paare darstellt - jede dritte Trennung erfolgt nach dem Sommerurlaub! Neben Weihnachten sind die gemeinsam gemachten Ferien also für viele eine ungewollte Herausforderung.
Der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier. Der konditionierte Tagesablauf hat etwas Beruhigendes. Im Urlaub ist dann plötzlich alles anders; auch Rollenzuschreibungen in den Partnerschaften ändern sich, wenn der Mann sich plötzlich um die Kinder kümmern soll. Überhaupt: Immer diese Erwartungen an den gemeinsamen Urlaub! Ein Klient von mir, der eigentlich glücklich mit Frau und zwei Kindern im gemeinsamen Haus mit Garten, Grillplatz und Terrasse wohnt, beichtete mir, dass er eigentlich viel lieber zu Hause bleiben würde, als die ganze Bagage plus Schwiegermutter auf dem Hals zu haben. Sein wahrer Traum, den er zu Hause aber nicht offenbaren mochte, war, mit einem Freund mal für drei Wochen nach Skandinavien abzuhauen, in eine einsame Hütte zum Fischen und Angeln. Männerphantasien eben. Nur: Warum um Gottes Willen macht er das nicht einfach?! Auf näheres Nachfragen sind Töchter und Ehefrau durchaus tolerant und hätten wohl gar nichts dagegen, wenn er diesen Traum für sich realisieren würde.
Ein Problem ergibt sich demnach in vielen Fällen dadurch, dass die Menschen sich nicht trauen, ihren eigentlichen Neigungen und Vorlieben Ausdruck zu verleihen und sich damit auch durchzusetzen. Dieses Durchsetzen muss gar nicht "gegen" den Partner gerichtet sein oder sich für die Beziehung negativ auswirken - im Gegenteil: Sie eröffnet Freiheitsgrade, die eher Entspannung und Auflockerung in die Beziehung hineintragen.
Im Hintergrund wird deutlich, worum es in Wahrheit geht: Wir sind eben alle recht unterschiedlich, was unsere Urlaubsbedürfnisse angeht. Der eine sieht sich als Abenteurer und Erlebnistourist, der andere als relaxter Hängemattentester. Kompromisse sind vielleicht möglich, wenn man versucht, das eine mit dem anderen zu verbinden - allerdings ist diese Lösung schon wieder mit einem Fragezeichen zu versehen, wenn nicht beide wirklich damit einverstanden sind.
Somit ist denn auch das Erneuernde und Lustbetonte, das einer Beziehung wieder neuen Schwung verleihen kann, abhängig von den gemeinsamen Schwingungen, die auf ähnlichen Interessen beruhen. Dies wirkt sich insbesondere auf die intime Beziehung aus, denn im Urlaub hat man endlich wieder mehr Zeit für sich und den anderen. Also profitieren diejenigen von einer Intensivierung ihrer sexuellen Aktivitäten, die auch in den grundsätzlichen Dingen - was die gemeinsam zu verbringende Urlaubszeit betrifft - auf einer Linie liegen. Das ist das eigentlich interessante, finde ich: Nähe kann dann entstehen und sich weiter entwickeln, wenn auch Distanzwünsche und Unterschiede ernst genommen werden. Nur diejenigen, die sich auch in ihrer Autonomie gegenseitig unterstützen, haben auch wieder richtig Lust aufeinander und können dann auch berechtigt mit lustvoller Erwartung ihre Ferien antreten.
Geschrieben am 19.07.10 um 16:28 Uhr

Es ist Sommer, fürwahr. Die Sahara-Hitze bringt es mit sich, dass nachts die Fenster geöffnet werden. Und so dringt denn auch das eine oder andere Geräusch nach draußen. Mich erinnert das sofort an einen alten Freund aus Holland, den ich in Amsterdam noch zu Studienzeiten kennen gelernt hatte.
Er war seit Kurzem mit einer neuen Frau liiert und gleich nach dem zweiten Tête-à-tête berichtete er mir ungläubig fasziniert, dass es schon in der ersten Nacht zu einer ungewollten Störung gekommen war. Die Feuerwehr hatte vor der Tür gestanden, weil Nachbarn sie wegen furchtbarer Schreie aus der Wohnung alarmiert hatte. Natürlich hatte mein Freund nichts davon mitbekommen, weil er selbst zu beschäftigt war. Er war zwar schon beeindruckt von dem phonetischen Ausdrucksvermögens seiner neuen Partnerin gewesen - aber den Eindruck, dass möglicherweise gerade ein Verbrechen verübt werden könnte, hatte er natürlich nicht. Andere - Nachbarn - waren darauf gekommen und haben entsprechend reagiert.
Dies mag nun wahrlich ein Extrembeispiel sein. Aber man mag gar nicht glauben, wie viele Menschen von Ruhestörung sprechen, wenn es im Bett laut wird und das Fenster zum Hof offen steht. Und sind es eigentlich immer die Frauen, die zu den Ruhestörern werden, nie die Männer? Gibt es dazu noch keine Statistik?
Interessant ist ja hier die Vermischung bzw. Verknüpfung zwischen einem höchst individuellen Ereignis, das auf der einen Seite mit Lust und Hingabe und auf der anderen etwas mit einer moralischen Kategorie zu tun hat. Gibt es also für die Lautstärke beim Sex so etwas wie eine Benimmregel? Soll man Rücksicht auf seine Zeitgenossen nehmen? Nur - wer fühlt sich denn wirklich davon gestört und wenn ja, aus welchen Gründen? Man sieht, hier wird die ganze Sache schon etwas komplexer.
In einem Thread fand ich dazu einige sehr unterschiedliche Meinungsäußerungen. Die eine Gruppe verteidigte vehement das Recht auf freie Meinungs- bzw. Lustäußerung. Eine zweite meinte, dass es "Grenzen" gäbe, konnte oder mochte diese aber nicht näher definieren und eine dritte Gruppe lag so ein wenig dazwischen. Hier gab es u.a. das Beispiel eines jungen Ehepaares mit einem Neugeborenen, das durch den Sexkrach nicht schlafen konnte. Die Nachbarn hatten es offensichtlich auch im Hausflur getrieben, was man natürlich schon als eine gewisse Grenzverletzung sehen könnte. Nach einer offensiven Beschwerde hörte das abweichende Verhalten auf, und die sexuellen Begegnungen wurden in den Keller verlegt.
Dies bringt mich denn auch zu einem neuen Aspekt, einem eher psychologischen (endlich!): Denn sollte dieses Verhalten nicht doch auch ein wenig mit einem gewissen Hang zum Exhibitionismus zu tun haben? Die WOLLEN doch gehört werden, oder? Und gerade das macht ihnen Spaß, könnte doch sein.
Ehrlich gesagt, ich habe selbst eigentlich keine eigene Meinung dazu; ich leide wohl ein bisschen unter dem Sommerloch.
Hilfe - wenn's für Sex einfach viel zu heiß ist!
Geschrieben am 12.07.10 um 11:46 Uhr

In Berlin hatten wir heute 36 Grad und die Leute stöhnen schon wieder wegen der Hitze. Ich kann mich noch daran erinnern, dass es nicht allzu lange her war, und alle haben sich über den langen Winter und die Kälte beklagt. Aber das ist ja nichts Neues, der Mensch braucht halt was zu meckern.
Da es ja drinnen (noch) kühler ist, bin ich wieder mal beim Stöbern im Netz gelandet und finde dort diesen einzigartigen Beitrag in einem Blog zum Thema "Sex und Hitze":
"Momentan ist mein Partner so drauf, das er kein Sex möchte, wenn es so "heiß" ist. Wir haben schon alle Decken entfernt und er schläft momentan ohne Decke, schwitzt aber nur beim Liegen schon und sitzt am PC meist mit Handtuch. Habt ihr bei diesen "heißen" Temperaturen trotzdem Sex?! Wie verhält sich Euer Partner abends/nachts bei der Hitze?!"
Neugierig geworden musste ich feststellen, dass dieses Thema scheinbar eine Menge Menschen beschäftigt, u.a. auch Kollegen von mir, die sich ja immer gerne "wissenschaftlich" geben (meine Wenigkeit eingeschlossen, das dürfte dem geneigten Leser nicht verborgen geblieben sein...). Nun denn, wie also sieht das eine österreichische Sexualtherapeutin?
"Erotische Liebesspiele sollte man daher vor allem in den Früh- und Abendstunden einplanen, rät Sonja Kinigadner, Sexualtherapeutin im Berufsverband der österreichischen Psychologen (BÖP) im Interview mit der APA. Temperaturen von 22 bis 28 Grad sind für Menschen am angenehmsten."
Lustig, ich stelle mir dazu vor, wie ich vor dem Geschlechtsakt noch schnell einen Blick auf das Thermometer werfe, um mir dann resigniert den Schweiß vom Gesicht zu wischen und meine Frau auf kühlere Zeiten zu vertrösten. "Es ist einfach zu heiß, Schatz! Über 28 Grad! Lassen wir es lieber sein." Aber da habe ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht! Denn wie wird meine Frau wohl reagieren? Nun, nach den Erkenntnissen der Wissenschaft erleichtert, denn:
"Hitze lässt Frauen kalt. Bei hohen Temperaturen haben nur vier Prozent der Männer "richtig Lust auf Sex". Bei Frauen sind es noch weniger: 0,1 Prozent, also eigentlich null."
Unglaublich, ich gehöre zu einer Minderheit von nur 4 Prozent der männlichen Bevölkerung?! Und dann bei den Frauen? Eigentlich "null"!!!??? Wahnsinn! Das hätte ich jetzt nicht gedacht. Stimmen Sie doch mit ab beim Österreichischen Rundfunk, dort kann man abschließend zum Thema an einer Umfrage ("VOTE"!) teilnehmen, mit dem Titel "Hitze als Lustkiller". Möglicherweise bringen ja unsere ElitePartner-Leser und -leserinnen eine österreichische wissenschaftliche Erkenntnis ins Wanken. Darauf trinke ich dann ein schön gekühltes Glas Veltliner. Prost!
Der schwitzende Mann - abtörnend oder anregend?
Geschrieben am 01.07.10 um 12:31 Uhr

Bei Ebay habe ich kürzlich ein Bücherangebot im Artikelzustand "Gebraucht" entdeckt. Zwei Exemplare mit den Titeln "Der Mann als Haustier" und "Warum Männer nicht zuhören" gab es zu ersteigern.
Irgendwie hat mich da das komische Gefühl übermannt, dass sich da möglicherweise eine leichte Unordnung im Universum eingeschlichen hat. Vielleicht ähnlich dem, was Stephen Hawking mal über die Umkehrung des psychologischen und des thermodynamischen Zeitpfeils während der Kontraktion des Universums oder im Innern schwarzer Löcher beschrieben hat. Verstehen Sie, was ich meine?
Um das zu begreifen, müssen Sie doch nur die Werbespots in TV und Kino aufmerksam verfolgen. Dort werden Sie entdecken, wie der Blick auf das männliche Geschlecht gleichsam eine Zeitkurve rückwärts (?) macht. Dieses Stadium, in dem sich der Mann dort gegenwärtig befindet, könnte man auch als das "Neutralisierungsstadium" bezeichnen. Hauptsächlich macht sich das dabei an der Reaktion auf das in der Vergangenheit "typisch männliche" äußere Erscheinungsbild bemerkbar. Ein behaarter Mann ist nämlich out! Zusehends sucht er stattdessen Enthaarungspraxen auf, die vorzugsweise mit Wachs arbeiten ("Haarentfernung im Intim- und Analbereich"). Das einzige, was zugestanden wird, ist der "3-Tage-Bart", der sich in die haarlosen Zeiten hinüber gerettet hat.
Was allerdings als Höhepunkt der Neutralisierungspolitik gewertet werden muss, ist der Umgang mit den männlichen Schweißabsonderungen. Dies ist in einigen aktuellen Werbespots zu verfolgen, wo man ins Schwitzen kommt und frau sich richtig davor ekelt. Er soll gefälligst ein anständiges Deo benutzen! Hier ist die Industrie denn auch nicht untätig geblieben. Sie hat entsprechend den modernen Anforderungen ein 48-Stunden-Deo entwickelt. Eine zeitgeistige Zeitung schreibt dazu: "Toll: Männer bleiben jetzt 48 Stunden frisch!"
Was soll man dazu sagen? Stephen Hawking hat alles vorausgesehen. Das Universum gerät immer mehr in Unordnung, und wir können es nicht aufhalten. Mal sehen, wie sich der unbehaarte, frisch duftende Mann in Zukunft weiterentwickeln wird.
Geschrieben am 24.06.10 um 17:21 Uhr

Es ist schon ein etwas abgedroschenes Thema, die Frage nach der Verführbarkeit der Frauen. Gleichwohl haben sich die Klinische Psychologin Cindy Meston und der Evolutionspsychologe David Buss sehr viel Mühe gegeben.
Sie sind dieser Frage noch einmal sehr differenziert nachgegangen, um dies dann in ihrem Buch "Why Women have Sex" einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen.
Hervorzuheben ist dabei die doch wohl recht seriöse wissenschaftliche Untermauerung der Studie mit über 2000 Probanden und einem sehr ausführlichen Fragebogen. Trotzdem muss dabei immer die Frage gestellt werden, ob bei der Beantwortung solch intimer Fragen nicht die soziale Erwünschtheit (d.h. die Tendenz, Fragen nach einer bestimmten Erwartung zu beantworten) die Ergebnisse verfälscht haben könnte. Das einmal außer Acht gelassen erhalten wir aber beeindruckende Rückmeldungen, wie ich finde.
Diese Feedbacks konnten der Ordnung halber vier Oberkategorien zugeordnet werden, erstens "Körperliche Anziehung" (z.B. körperliche Vorlieben), zweitens "Zielorientierung" (z.B. finanzielle oder Versorgungsinteressen), drittens "Emotionen" (z.B. die Verbindung auf geistiger Ebene) und schließlich viertens "Unsicherheit" (z.B. Angst, den Partner zu verlieren). Die Gründe, mit dem anderen Sex zu haben, lagen dabei eindeutig am häufigsten in der ersten Kategorie, wobei überraschen mag, dass der Faktor "Liebe" bei beiden Geschlechtern eine untergeordnete Rolle spielte: Bei den Frauen lag die Antwort "Ich wollte meine Liebe zeigen." auf Platz 5 und bei den Männern auf Platz 8. Hier muss man allerdings auch mit Kritik ansetzen. Denn die Äußerung Nummer 1, also die am häufigsten gewählte Aussage: "Ich fühlte mich zu der Person hingezogen.", die sowohl bei den Frauen und bei den Männern auf Platz 1 landete, ist ja doch sehr vielschichtig zu verstehen. Sie ist immerhin so allgemein gehalten (sich "hingezogen fühlen"), dass sie durchaus die Aussage, seine "Liebe zeigen" zu wollen, mit beinhalten könnte. Mich würde interessieren, wie die Probanden geantwortet hätten, wenn man ihnen die Aussage "Ich fühlte mich zu der Person hingezogen, ohne sie zu lieben." präsentiert hätte. Garantiert nicht auf Platz 1. Deutlicher sind da die Aussagen "Ich wollte körperliches Vergnügen" (Platz 2 bei den Frauen, Platz 3 bei den Männern) und "Ich war sexuell erregt und wollte Befriedigung." (Platz 6 bei den Frauen und ebenfalls Platz 6 bei den Männern.)
Überhaupt fällt die Gemeinsamkeit bei den Geschlechtern auf, die in den ersten drei Äußerungen übereinstimmen. Nur die Aussagen "Ich wollte einen Orgasmus" (Platz 9) und "Ich wollte meine Partnerin glücklich machen" (Platz 10) tauchen ausschließlich bei den Männern unter den ersten 10 auf. Dafür antworteten die Frauen auf Platz 9 "Ich habe begriffen, dass ich verliebt bin" und auf Platz 10 "Ich war im Eifer des Gefechts". Diese offensichtlichen Unterschiede in der Präferenz bestimmter Motive für seine sexuelle Aktivität gibt Anlass zu mancherlei Interpretation. So könnte man meinen, dass die Männer zwischen Egoismus und Schuldgefühlen hin- und hergerissen bleiben und die Frauen zwar auf der einen Seite die Beziehungsorientierteren sind. Auf der anderen Seite aber auch diejenigen sind, die es hinterher häufiger bereuen, "Ja!" gesagt zu haben. Aber das ist sicherlich auch nur ein psychologisches Vorurteil, was meinen Sie?
Fußball-Fieber sorgt für Liebesflaute
Geschrieben am 16.06.10 um 10:56 Uhr

Während der Fußball-WM ist alles anders. Auch das Liebesleben, so die Befürchtung vieler Frauen, liegt zu dieser Zeit brach. Schließlich haben die Männer anderes im Kopf und richten ihre geballte Leidenschaft ausschließlich auf das runde Leder.
Und schon so mancher Fußball-Profi hat schließlich bereits verkündet, ein Tor zu schießen sei aufregender als Sex.
Umso erstaunlicher deshalb das Ergebnis einer Studie, die ein Hersteller von Erotikspielzeug in Auftrag gab. Demzufolge finden 92 Prozent der befragten Frauen, ihr Sexleben sei ausgerechnet während einer WM besonders anregend. Womöglich lassen sie sich von der Leidenschaft ihrer Männer anstecken, und vielleicht ist es auch eine Sache der Wahrnehmung? Und noch etwas Überraschendes: Stolze 96 Prozent gaben bei einer anderen Befragung im Auftrag des Kondom-Herstellers Durex an, sie würden sofort auf die Fußball-Übertragung im Fernsehen verzichten, wenn sie stattdessen mit ihrer Liebsten Sex haben könnten. Fragt sich, welche Liga da wohl gerade übertragen wird. Sicherlich kein wirklich wichtiges Spiel.
Chance für Fußball-Muffel
Denn die internationale Studie "Football Passions" vom britischen Institut Social Issues Research Center (Sirc) zeichnet ein ganz anderes Bild. Sie stellte unter 2000 männlichen Fans im vergangenen Jahr mit Blick auf die Europameisterschaft (EM) fest, dass viele Männer sich lieber einem wichtigen Spiel widmen als dem intimen Kontakt mit der Partnerin. 72 Prozent der Spanier, 64 Prozent der Deutschen und 62 Prozent der Holländer geben der Vorrunde statt dem Vorspiel den Vorzug. Ihr Liebesleben liegt während der Spiele weitestgehend brach. Man bedenke: Es handelt sich "nur" um die EM. Sicherlich werden dann auch mehr als nur 17 Prozent der Portugiesen den Fußball der Liebsten vorziehen.
Zum Glück gibt es ja noch einige Fußball-Verweigerer. Diese können sich völlig zu Recht in Zeiten des Fußball-Fiebers bessere Chancen auf mehr Sex ausrechnen. Und womöglich sind sie es, die den weiter oben zitierten Frauen ein aufregendes Sexleben bescheren, weil deren Partner so sehr im Fußball-Fieber sind, dass die Damen sich anderweitig vergnügen. Somit hätte sich der Kreis dann wieder geschlossen...
Putzende Männer haben mehr Sex
Geschrieben am 07.06.10 um 12:48 Uhr

Ein immer wiederkehrender Streitpunkt ist bei eigentlich fast jedem Paar die Hausarbeit. In vielen Beziehungen hängt der Haussegen schief, weil er sich zu wenig einbringt.
Wie viel Zeit beide tatsächlich mit dem gemeinsamen Haushalt verbringen, wollte der Haushaltsgerätehersteller Electrolux nun ganz genau wissen und gab eine entsprechende Studie in Auftrag. Das Ergebnis: Er wäscht, putzt und bügelt täglich durchschnittlich 34 Minuten, während sie es auf 62 Minuten bringt, also fast doppelt so viel.
Wenig erfreulich hinsichtlich der Romantik und der Emanzipation: Je fester die Beziehung, desto mehr Arbeit bleibt an ihr hängen. Allein lebende Frauen putzen lediglich fünf Minuten länger pro Tag als ein Single-Mann. Leben sie in einer Partnerschaft, sind es schon 19 Minuten, und Verheiratete putzen sogar 44 Minuten mehr als ihre Gatten. Besonders ungerecht wird es, wenn Kinder im Spiel sind: Dann investiert sie nämlich ganze 77 Minuten mehr in die häuslichen Pflichten.
Paschas haben weniger Sex
Für die Männer mag diese erstaunlich altmodische Arbeitsteilung im ersten Augenblick lohnenswert scheinen. So haben sie mehr Zeit, ihren Interessen nachzugehen, statt sich mit dem lästigen Haushalt abzumühen. Fakt ist jedoch, dass viele Frauen mit dieser Situation äußerst unzufrieden sind. Und ein engagierterer Einsatz im Haushalt zahlt sich auf mehr als nur einer Ebene aus. Das bestätigt eine Untersuchung aus den USA: Je mehr ein Mann seiner Frau im Haushalt zur Hand geht, desto mehr Sex hat er.
Klare Sache, sagt der Soziologie-Professor Scott Coltrane von der kalifornischen Riverside-Universität, die die Studie durchführte. Denn je mehr er mit anpackt, desto glücklicher sind die Frauen. Deshalb empfinden sie mehr Leidenschaft für ihren Mann. Und dann ist da noch eine Studie der London School of Economics (LSE), die besagt, die Scheidungsquote sei bei den Paaren besonders gering, bei denen sich der Mann an den täglichen Pflichten beteiligt. Zudem hat eine männliche Beteiligung beim Putzen, Einkaufen und Kinderhüten noch einen weiteren Vorteil: Sie hat in dieser Hinsicht keinen Grund zum Nörgeln, und es gibt weniger Streit.
Ansichtssache: Wann ist Sex Sex?
Geschrieben am 01.06.10 um 11:52 Uhr

Erinnern Sie sich noch an den Skandal um die Praktikantin im Weißen Haus? Der damalige Präsident Bill Clinton versicherte unter Eid, mit Monica Lewinsky keinen Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. Jedenfalls nicht richtig. Schließlich stellte sich heraus, dass es sich um Oralverkehr handelte.
Daraufhin wurde in epischer Breite diskutiert, ab welchem Punkt im Austausch von Zuwendungen man sagen würde, es sei Geschlechtsverkehr. Amerikanische Wissenschaftler sprechen gar vom "Clinton-Lewinsky-Effekt" und meinen, diese Affäre von damals habe die Wahrnehmung von Oralsex in der Gesellschaft verändert.
Aus diesem Grund wurde kürzlich an der Universität von Kentucky eine Umfrage unter 477 Studenten durchgeführt. In dieser sollten sie elf verschiedene Verhalten einordnen, um davon ausgehend herauszufinden, was sie unter "richtigem Sex" verstehen und was nicht. Eindeutig beantworteten fast alle 328 Frauen und 149 Männer, Vaginalverkehr falle in diese Kategorie, knapp 80 Prozent fanden dies ebenfalls bei Analverkehr.
Oralsex zählt nicht
Erstaunlich hingegen das Ergebnis beim Oralverkehr: Lediglich 20 Prozent der befragten Studenten hielten diese Sexualpraktik für richtigen Sex. In den Jahren 1991 und 2001 waren es bei ähnlichen Umfragen immerhin noch doppelt so viele gewesen. Die Autoren der Studie weisen zudem darauf hin, dass die Einschätzungen der Befragten unabhängig von Geschlecht, sozialem Hintergrund oder sexueller Erfahrung seien.
Mit seiner damaligen Aussage hatte Bill Clinton deutlich gemacht, dass Oralverkehr für ihn kein richtiger Sex sei, denn schließlich sei er nicht aktiv gewesen. Er hielt es lediglich für eine Form von Petting. Scheinbar hat sich diese Meinung seither durchgesetzt. Doch der "Clinton-Lewinsky-Effekt" ist laut US-Forschern nicht der alleinige Grund. Einen wesentlichen Beitrag zur Veränderung der Wahrnehmung von Oralverkehr in der Gesellschaft leistet auch die Allgegenwärtigkeit von Sex in den Medien.
So zeigte eine in Deutschland durchgeführte Befragung denn auch ein anderes Bild: Hier gaben 67 Prozent der rund 500 Befragten an, es handele sich auch bei Oralverkehr selbstverständlich um Sex. So stellt sich die Frage, ob auch wir erst einen Clinton und eine Lewinsky brauchen, um zu einer neuen Einschätzung dieses weltbewegenden Themas zu kommen. Vorschläge für potentielle Protagonisten, die dafür in Frage kommen, sind willkommen.
Frust statt Freiheit? Die Antibabypille
Geschrieben am 21.05.10 um 16:41 Uhr

Es war eine Revolution für die Frau: Durch die Antibabypille sollte sie ein uneingeschränktes Sexualleben genießen können. Zu Recht wurde die Pille zunächst als revolutionär gefeiert, denn sie trug viel zur Emanzipation der Frau bei.
Plötzlich konnten Frauen, genau wie Männer, selbstbestimmter ihre Sexualität ausleben, ohne die ständige Angst vor ungewollten Schwangerschaften haben zu müssen. Die hormonelle Verhütung hat einen weiteren Vorteil: Sie mindert prämenstruelle Beschwerden. Unter dem Prämenstruellen Syndrom, kurz PMS genannt, leiden weltweit viele Frauen psychisch und physisch so stark, dass ihre Lebensqualität deutlich eingeschränkt ist. Die Ursache ist eine komplizierte Wechselwirkung verschiedener Faktoren. Auch aus diesem Grund greifen viele Frauen gern zur Pille.
Pille mit Knackpunkt: Trotz aller positiven Wirkungen ist jedoch ein unerwünschter Nebeneffekt das häufige Auftreten von Sexualstörungen. Denn wirklich zufrieden sind viele Frauen mit ihrem Sexualleben trotz der Antibabypille nicht: Zwei von fünf Frauen haben Probleme beim Sex. Meist sind sie lustlos oder haben Schwierigkeiten, einen Orgasmus zu haben. Eine neue Studie von Medizinern der Universitäten Heidelberg, Tübingen und Basel legt nahe, dass die hormonelle Verhütung zu diesen Sexualstörungen beiträgt. Natürlich schlagen sich auch sexuelle Probleme auf die Lebensqualität nieder und beeinträchtigen das emotionale Wohlbefinden. Laut Autoren einer Studie, die im "Journal of Sexual Medicine" erschienen ist, sind die Ursachen sexueller Störungen vielfältig. Oft stehen deshalb Stress und die qualitativen Aspekte der Partnerschaft im Zentrum der Forschung. Die Rolle und Wirkung hormoneller Probleme in Bezug auf sexuelle Störungen bei Frauen werden erst seit wenigen Jahren diskutiert.
Ein Drittel sind betroffen: An der vorliegenden Studie nahmen mehr als tausend Medizinstudentinnen aus Deutschland teil. In einem Fragebogen gaben sie Auskunft über Kinderwunsch, Schwangerschaften, Rauchverhalten und andere Lebensstilfaktoren: 97,3 Prozent der Frauen waren zur Zeit der Studie sexuell aktiv und 87,4 Prozent verhüteten. Von den sexuell aktiven waren 32,4 Prozent Risikokandidatinnen für eine Sexualstörung, 5,8 Prozent litten an einer Libidostörung, jeweils ca. 1 Prozent klagte über mangelnde Erregung, Scheidentrockenheit oder Schmerzen beim Sex, 2,6 Prozent waren nicht befriedigt und 8,7 Prozent erreichten keinen Orgasmus. Es stellte sich heraus, dass die Probandinnen, die ohne Hormone verhüteten, weniger anfällig für Störungen und Unzufriedenheit waren als diejenigen, die mit Pille oder Hormonspirale verhüteten. Zwar spielt das Rauchen eine auffällige Rolle für die sexuelle Zufriedenheit, doch andere Lebensstilfaktoren wie Kinderwunsch, Alter oder die aktuelle Beziehung zeigten interessanterweise kaum Auswirkungen. Letztlich bleiben die Frauen in einem Dilemma, denn die Freude über die größere sexuelle Selbstbestimmung durch Einnahme der Pille wird von den Nebenwirkungen für viele deutlich geschmälert.
Geschrieben am 10.05.10 um 10:10 Uhr

Neulich ging es in einem Gespräch mit einem Freund mal wieder über das Thema, wie man sich von bestimmten "schlechten Angewohnheiten" befreien sollte. Auch wenn wir in der Öffentlichkeit nicht darüber sprechen: Solche schlechten Angewohnheiten können durchaus sexueller Natur sein.
Da geht es z.B. um die Idee, ob man etwa "sexsüchtig" sei, wenn man "es" mehrmals am Tag tun möchte; oder ob es schicklich ist, selbst des Öfteren Hand an sich selbst anzulegen. Offenbar hat der Mensch nach wie vor Schwierigkeiten damit, wenn es darum geht, sich zu mäßigen. Aber irgendwie ist er ja auf die Idee gekommen, dass genau das - die Mäßigung - unumgänglich sei, damit er sich wieder morgens im Spiegel anschauen kann. Beim Essen und Trinken ist exzessives Verhalten ja meist einfacher zu erkennen: Man nimmt entweder unangemessen zu oder es geht einem einfach so dreckig, dass man gleichsam gezwungen wird, auf weitere Ausschweifungen zu verzichten. Dann dauert es eine Weile, bis wieder ein paar Kilo abgespeckt sind oder die Leber sich einigermaßen erholt hat - und schon sündigt man wieder munter drauflos. Aber beim Sex? Was soll da schon groß Schädliches passieren? Wahrscheinlich meinen diejenigen, die von Sexsucht sprechen, eher die Konsequenzen ihres Extremverhaltens (sie selbst finden es extrem ...) und nicht konkrete körperliche Auswirkungen. Solche subjektiv als negativ empfundenen Konsequenzen können vielfältiger Natur sein: Etwa, dass man zu "nichts anderem mehr kommt", oder dass man sich selbst- bestrafend verurteilt, indem man sich sagt, es gäbe schließlich "Wichtigeres" im Leben, als den ganzen Tag lang munter drauf los zu vögeln. Nun ja.
Interessant sind auch die kulturellen Hintergründe, die hier offenbar eine Rolle spielen. Auf Jamaika z.B. hat eine Frau angeblich traditionellerweise das Recht, fremd zu gehen, wenn ihr Mann bzw. Partner drei Tage hintereinander nicht für einen Orgasmus gesorgt hat! Wow! Das könnte einige deutsche Männer ganz schön unter Druck setzen! Und hier in unseren Gefilden: Was gilt denn als "ausschweifend", was als "mäßigend"? Und wer setzt die Maßstäbe? Die Kirche hat ja schon immer eher einen Hang zur Mäßigung vertreten, ja diesen sogar als heilige Eigenschaft des Göttlichen verklärt. Und was sagen unsere Fußballfreunde dazu? Hier ein kleines Zitat:
"Exzesse und Ausschweifungen können kurzfristig berauschend sein, sind aber langfristig vernichtend. Mäßigung aber führt zu einem balancierten, stetigen und maßvollen Leben. Haben Sie so andere Schwerpunkte in Ihrem Leben, als nur den Fußball, wirft Sie eine Niederlage nicht um. Sie können dann mit Druck und Angstgefühlen besser umgehen. Sie spielen besser. Sie sehen Dinge in Proportion. Sie wissen, was Sie tun, spielen nicht in einem Koma. Sie können bewusst mal richtig voll herangehen, mit aller Kraft. Sie wissen aber, wenn etwas genug ist. Um zu gewinnen muss man nicht mit aller Kraft und geballter Energie ins Spiel gehen. Mit Leichtigkeit und Unbeschwertheit geht es viel besser."
Eine gewisse Verunsicherung stellt sich bei mir beim Lesen des obigen Ratschlages ein: Soll ich, oder soll ich nicht, ist hier die Frage. Früher hatte ich mich eher an den Überzeugungen der Propheten, wie William Blake einer war, orientiert, der da gesagt hat: "Der Weg der Ausschweifung führt zum Palast der Weisheit." Und auch ein Ausbilder in Gestalttherapie riet mir auf die Frage, wie ich es denn schaffen könne, mit dem Rauchen aufzuhören, dazu, einfach solange weiter zu qualmen, bis mir so schlecht werden würde, dass es mir aus den Ohren wieder rauskommt und ich von selbst aufhöre - oder eben nicht. Dann aber kam Michel Foucault mit seiner Abhandlung über "Sexualität und Wahrheit", in der er das Liebesleben der alten Griechen untersuchte. Er beschrieb, wie diese eine freiwillige Balance - jahreszeitlich bestimmt - alle Genüsse entwickelt hätte, die letzten Endes aber nur ein Ziel hatte: Den Genuss zu steigern. Das hat mich überzeugt!
Geschrieben am 28.04.10 um 10:31 Uhr

In den Anfangsjahren meiner therapeutischen Ausbildung in Gestaltpsychotherapie (Gestalttherapie), die in den frühen 80ern lagen, war eine gesellschaftspolitische Auseinandersetzung mit den Normen und Werten selbstverständlicher Bestandteil der Therapieausbildung.
"Nicht das Individuum ist neurotisch, sondern die Gesellschaft, in der es lebt." Dies war ein Credo, das zunächst übernommen wurde und die Haltung des Therapeuten mitbestimmen sollte. Ausschließlich von abweichendem Verhalten auszugehen, führte an den wahren Bedürfnissen der Hilfesuchenden vorbei - es ging darum, die Persönlichkeit in ihren gesunden Anteilen wiederherzustellen, zu fördern und zur Entfaltung zu bringen. Es sollte klar sein, dass das "Private das Öffentliche und das Öffentliche auch das Private" ist.
Dies galt und gilt auch heute noch insbesondere für den Bereich der Sexualität. In unserem intimsten Verhalten spiegelt sich immer auch eine gesellschaftliche Norm, die wir - bewusst oder unbewusst - verinnerlicht haben. Diese Verinnerlichung oder Identifizierung mit ganz bestimmten Vor-Lieben oder Überzeugungen geschah keinesfalls immer freiwillig. Die Folge davon waren Scham- und Schuldgefühle, Verunsicherungen der eigenen sexuellen Identität oder Hemmungen und Ängste. Ein wichtiger Wegbereiter zur Befreiung und Auflockerung war sicherlich die feministische Bewegung, die z.B. die männlich zentrierte Besetzung von erotischer Kunst und sexueller Symbolik als einseitig entlarvte. So wurde z.B. die berühmt-berüchtigte "Zwei-Orgasmus-Theorie", nach der die Frau eine Entwicklung vom klitoralen zum vaginalen Orgasmus durchmache, widerlegt. Die Theorie - beginnend mit Freud - wurde als "männliche Sichtweise" auf den weiblichen Körper begriffen, und heute weiß man, dass die Annahme einer solchen "Reifeentwicklung" nur zu unnötigen Schuldgefühlen bei vielen Frauen geführt hat. Und wahrscheinlich auch bei den Männern, wenn diese es nicht "geschafft" haben, für einen vaginalen Orgasmus zu "sorgen".
Heute frage ich mich manchmal, was eigentlich von diesen alten Vorstellungen in den Köpfen der Menschen noch übrig geblieben ist. Sind wir tatsächlich alle freier geworden und unabhängiger von äußeren Einflüsterungen? Sind wir inzwischen Herrscher über unsere Körper geworden? Sicherlich nicht. Wahrscheinlich ist, dass unsere Einstellungen und Vorlieben einfach nur mit der Zeit gegangen sind: Manche Dinge sind jetzt selbstverständlich, die früher noch als "unanständig" galten; andere hingegen sind schwieriger geworden. So hat sich der Blick auf den Körper - nicht mehr nur auf den weiblichen, sondern auch auf den männlichen - zwar nicht grundsätzlich, aber in seiner Intensität doch sehr geändert. Der Körper steht mehr denn je für Jugendlichkeit und Erfolg. Zudem gibt er dabei quasi "Auskunft" darüber, zu welcher gesellschaftlichen Gruppe wir gehören. Vielleicht ist das früher auch schon so gewesen, aber sicherlich nicht in diesem Ausmaß. Diese Verschiebung erlebe ich auch in der therapeutischen Praxis. Nicht so sehr konkrete sexuelle Probleme stehen im Vordergrund, sondern Ängste um den Wert der eigenen Person, der über den Körper reguliert wird. Diese "narzisstische" Entwicklung gilt für alle westlichen Industriestaaten und wird wahrscheinlich die Herausforderung für das moderne Individuum, wenn es um seine psychische Gesundheit und innere Stabilität geht. Was vielleicht verloren gegangen ist, ist die Radikalität einer Auseinandersetzung mit diesem Phänomen, vor allem sichtbar an dem Zustand der politischen Parteien. Hier könnte man sagen, ist also eine Spaltung zwischen Individuum und Gesellschaft - zwischen dem Öffentlichen und dem Privaten - wieder eingekehrt, die nicht weiter hinterfragt wird.
Fremdgänger, Teil 2: Die Frauen
Geschrieben am 16.04.10 um 10:46 Uhr

Auch Frauen gehen fremd. Es wird "statistisch" darüber gestritten, ob sie es im selben Umfang, weniger oder häufiger als Männer tun. Die letzten Zahlen neigen sogar eher zu einem kleinen Vorsprung, denn: Frauen sind verschwiegener! Nun ja, sei's drum - sie tun es.
Interessanterweise gehen beide Geschlechter mit dem Seitensprung ihrer Ehegatten unterschiedlich um. Während Männer, wenn sie von einem Fehltritt ihrer Liebsten erfahren, eher zuschlagen - seit Menschengedenken sind Mord und Totschlag sowie körperliche Misshandlungen eng mit Untreue verknüpft - sind Frauen eher geneigt, zu verzeihen. Ihre Rache findet auf anderer Ebene statt als der körperlichen.
In vielen Kulturen ist außerehelicher Geschlechtsverkehr nicht nur ein Kavaliersdelikt, sondern ein handfestes Vergehen, das strafrechtliche Konsequenzen mit sich bringen kann. Und das nicht nur in Zweit- oder Dritt-Welt-Ländern, in denen untreue Frauen gesteinigt oder geköpft werden. Noch bis vor nicht allzu langer Zeit wurden auch in Deutschland Ehepartner schuldig geschieden, die fremdgegangen waren. Meist wurden und werden nämlich die Fehltritte der Frauen weitaus rigoroser geahndet als die der Männer.
Doch selbst das kann den Ehebruch nicht ausmerzen. Deshalb liegt die Vermutung nahe, der Mensch sei womöglich genetisch auf den Seitensprung programmiert. Britische Evolutionsbiologen haben in den 90er Jahren Studien in verschiedenen Regionen Englands gemacht. Das Ergebnis: 20 Prozent der Befragten waren Kuckuckskinder. Zahlreiche andere Untersuchungen legen ebenfalls nahe, dass viele Kinder den Ehemännern von ihren Frauen "untergeschoben" werden. So empörend, wie das im ersten Moment scheint, ist es jedoch unter dem evolutionären Aspekt gar nicht: Auf diese Weise sicherten sich unsere Vorfahren die eigene biologische Zukunft, denn ein abwechslungsreicher Genpool war ein Garant für das Überleben der eigenen Gene.
Das "Kuckuckskind-Motiv", wie die Kulturanthropologin Ingelore Ebberfeld es nennt, ist also ein Überbleibsel aus alten Zeiten, doch noch sehr präsent. Dabei geht es gar nicht darum, ob die Frau einen konkreten Kinderwunsch hat. In der Tat gehen Frauen Seitensprünge häufig während ihres Eisprungs ein, und Forscher bewiesen, dass verheiratete Frauen, die eine Affäre hatten, die fruchtbaren Tage für den außerehelichen Verkehr bevorzugten.
Neben der Optimierung des Genpools brachte ein Urzeit-Lover seiner Gefährtin einen weiteren Vorteil: Die Jäger und Sammler von einst gaben den Geliebten etwas von ihrer Beute ab. Eine Frau mit Liebhaber hatte also auch materiellen Nutzen. Auch dieses Motiv wirkt bis heute. Noch immer gehen Frauen Affären dann ein, wenn es ihnen etwas bringt. Und sei es "nur", die größere Aufmerksamkeit und Zuwendung, die ihnen in ihren Ehen fehlt oder eben die intensivere Leidenschaft. Somit stimmt es nicht, dass ausschließlich Männer aufgrund eines biologischen Vermächtnisses fremdgehen. Für Frauen trifft das in etwas abgewandelter Weise ebenso zu.
Fremdgänger, Teil 1: Die Männer
Geschrieben am 09.04.10 um 10:24 Uhr

Beginnen wir mit einem Witz: Die Gattin des US-Präsidenten Calvin Coolidge (1872 - 1933) besuchte einst einen Musterhof und wunderte sich darüber, dass es nur einen einzigen Hahn gab.
Aber der vollziehe doch den Paarungsakt bis zu zwölf Mal am Tag, wurde ihr erwidert - woraufhin sie gesagt haben soll: "Sagen Sie das meinem Mann!" Als der Präsident von dieser Geschichte erfuhr, fragte er: "Jedes Mal dieselbe Henne?" Die Antwort lautete, es sei jedes Mal eine andere - worauf der Präsident entgegnete: "Sagen Sie das meiner Frau."
Die Wissenschaft spricht deshalb vom Coolidge-Effekt, wenn das sexuelle Interesse an einer Sexualpartnerin zurückgeht, jedoch von einer anderen wieder angefacht werden kann. Ein Phänomen, das bei vielen Säugetieren, beispielsweise Ratten, Stieren, Ziegen- und Schafböcken, durch zahlreiche Studien nachgewiesen wurde. Und tatsächlich sinkt auch in unserer westlichen Welt die Häufigkeit des Sexualverkehrs mit der Dauer der Beziehung. Dennoch ist die Sache bei uns Menschen ein wenig anders gelagert: Ist das sexuelle Interesse erlahmt, lässt es sich mit Hilfsmitteln wie Dessous oder erotischen Accessoires durchaus wieder entfachen. Französische Forscher wiesen nach, dass das männliche Hirn in Sachen sexueller Erregung großen Wert auf das Visuelle legt.
Frauen legen weniger Wert darauf, bzw. sind nicht so abhängig davon. Sie können ihr Begehren besser zügeln, während Männer "keine Wahl" haben - sie sind erregt. Aufgrund ihrer Sexualpsychologie sind Männer also eher geneigt, sexuelle Abwechslung zu suchen. Und solange sie dabei kein großes Risiko eingehen, streben sie außerehelichen Sex an. Das nahm sogar schon der berühmte Sexualforscher Alfred Kinsey in den 1940er Jahren an.
Wenn Männer also könnten und dürften, wie sie wollten, dann wäre wohl nahezu jeder Mann promisk. Dass es nicht so ist, dafür ist in erster Linie unsere Gesellschaft und unsere Kultur verantwortlich. Nicht immer und überall macht Gelegenheit auch tatsächlich Diebe. Und: Manch ein Mann möchte zwar gern die verbotenen Früchte konsumieren, hält sich aber aus Gründen der Moral, des Respekts gegenüber der Partnerin oder aus Furcht vor den Konsequenzen lieber zurück.
Geschrieben am 01.04.10 um 17:53 Uhr

Klingt etwas schrill, ist aber sexuelle Realität: Im Alter sind Männer fast doppelt so häufig sexuell aktiv wie Frauen. Eine US-Studie stellt fest: fast 40 Prozent der 75- bis 85-jährigen Männer sind sexuell aktiv, jedoch nur 17 Prozent der Frauen in dieser Altersgruppe.
Das ermittelten zwei Forscherinnen der Universität Chicago. Außerdem sind 40 Prozent der Männer dieses Alters unabhängig von ihrer Aktivität an Sex interessiert, bei den Frauen sind es aber nur 11 Prozent. Bei jüngeren Altersgruppen war das Geschlechterverhältnis ungefähr ausgeglichen. Sexuelle Aktivität und das Interesse an Sex waren bei Männern und Frauen in etwa gleich. Gefragt wurde nach Beziehungsstatus, der Zufriedenheit und Häufigkeit ihrer sexuellen Aktivitäten. Nicht überraschend dabei: je gesünder und fitter, desto besser das Sexleben im Alter.
Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung: Männer bis ca. 70 haben ein aktives Sexualleben, Frauen, bis sie ca. 65 sind. Interessant hierbei ist, dass sich die Differenz der Geschlechter bei denjenigen, die in einer festen Beziehung leben, bzw. einen Intimpartner haben, wieder ausgleicht. Männer haben erwiesenermaßen jedoch oft einen durchschnittlich schlechteren Gesundheitszustand.
Allerdings haben Männer, die mit Mitte 50 fit sind, auch durchschnittlich fünf bis sieben Jahre länger ein ausgeprägtes Sexualleben als ihre Geschlechtsgenossen, die in diesem Alter in schlechterer gesundheitlicher Verfassung sind. Bei Frauen lag dieser Wert bei drei bis sechs Jahren. Grundsätzlich gilt: Menschen, die fitter und gesünder sind, haben besseren Sex als diejenigen, die weniger fidel sind.
Eine gute körperliche Verfassung verlängert also nicht nur die Lebens-, sondern auch die Liebeserwartung. Männer haben oft länger Interesse an Sex als Frauen, wobei die Differenz mit dem Alter weiter zunimmt. Dass Frauen im Alter weniger zufrieden und aktiv sind, kann aber auch mit ihrer höheren Lebenserwartung zusammenhängen und damit, dass Männer auch in hohem Alter häufiger in einer Beziehung leben und zudem meist jüngere Frauen heiraten.
Vom Sinn und Unsinn der Monogamie
Geschrieben am 24.03.10 um 11:06 Uhr

Monogamie ist in unserer Gesellschaft selbstverständlich, die Vielehe ist sogar per Gesetz verboten. Dabei haben Wissenschaftler verschiedener Disziplinen längst herausgefunden, dass Monogamie kulturabhängig ist.
Denn anderswo ist Polygamie (Vielehe), bzw. Polygynie (Vielehe bei Männern) das Normalste auf der Welt. Ob bei den Inkas Südamerikas oder den Maoris Polynesiens, im alten China oder Ägypten, den Eskimos oder den Afrikanern - Vielehe wurde und wird auf allen Kontinenten und in allen Kulturen gelebt.
Und wo es verboten war - bei den alten Griechen, Römern oder den französischen Königen - gab es Konkubinen oder heimliche Nebenfrauen, die zwar offiziell nicht anerkannt, aber wohl stillschweigend auch halbwegs öffentlich geduldet waren. Es waren meist die wohlhabenden und einflussreichen Männer, die mehrere Frauen hatten. Der einfache Mann von nebenan musste sich meist mit nur einer Gattin zufrieden geben. Aber nicht, weil er so genügsam war, er war schlichtweg zu arm.
Für Europa liegen keine Zahlen vor, doch eine Befragung ergab, dass viele amerikanische Männer mit hohem Einkommen zwei Familien parallel unterhalten. Ein entscheidendes Motiv für die Vielweiberei wird hier deutlich: Mann möchte damit seine Macht und seinen Reichtum repräsentieren.
Doch er will ebenso seine genetischen Vorteile nutzen. Das belegte die Darwinistin Laura Betzig in einer Studie: Reiche, einflussreiche und mächtige Männer zeugen demzufolge mehr Nachkommen als Normalsterbliche. Ihre Kinder hatten schon immer aufgrund der besseren Lebensumstände auch die besten Überlebenschancen.
Und tatsächlich würden wohl viele Männer auch in unserer westlichen Gesellschaft einen polygamen Lebensstil nicht kategorisch ablehnen, wenn sie die Wahl hätten. Dass sie diese nicht haben, dafür sind die Frauen verantwortlich. Denn für sie ist es weniger vorteilhaft, nur eine von vielen zu sein. Für Frauen ist noch immer in erster Linie die Exklusivität des Partners von immenser Bedeutung. Während der Mann seine Gene relativ unproblematisch verbreiten kann, ist letztlich die Frau dafür verantwortlich, die Nachkommen aufzuziehen, was natürlich ungleich mehr Aufwand und Verpflichtungen bedeutet.
"Frühling, die Bäume denken wieder an Sex!"
Geschrieben am 15.03.10 um 17:01 Uhr

Dies ist ein nettes Zitat, das ich von einem Hobbyfotografen übernommen habe. Man kann ja langsam wirklich keinen Schnee mehr sehen! Zumal der für einen eingefleischten Städter wie mich eh meist in matschiger Form daherkommt. Aber auch die Werbefachleute haben den Sex wiederentdeckt.
Schauen Sie mal hier. Da haben die Wiener sich ja mal was richtig Originelles einfallen lassen.
Apropos "Sex im Frühling" und Österreicher: Forscher von der Uni Graz haben festgestellt, dass im Frühling wieder der Testosteronspiegel im Blut zu steigen beginnt. Er erreicht dann im August seinen Höhepunkt. Außerdem findet man einen ähnlichen Anstieg in Bezug auf das "Vitamin D". Auf jeden Fall ist es also demnach wissenschaftlich erwiesen, dass die Männer im Frühjahr wieder brünstiger werden. Ich hoffe, das weibliche Geschlecht kann dem entsprechend angemessen begegnen.
Der Biopsychologe Peter Walschburger von der FU Berlin schlägt in dieselbe Kerbe: Durch eine verstärkte Serotoninausschüttung werden wir alle vitaler und wacher, was natürlich auf die größere Lichtmenge zurückzuführen ist, die der Frühling - hoffentlich - so mit sich bringt. Es steigt die Stimmung und damit die Lust auf Flirten und Sex! Allerdings räumt er ein, dass die so genannten "Frühlingsgefühle" wissenschaftlich gesehen durchaus umstritten seien. Wahrscheinlich u.a. auch deswegen, weil insbesondere psychologische Faktoren mit eine Rolle spielen, wenn "die Anregungsbedingungen steigen". Und das tun sie, weil die Frauen kürzere Röcke tragen und tiefere Dekolletés zur Schau stellen. Soviel zum Thema Wissenschaftlichkeit.
Ich würde dann allerdings noch mal gerne wissen, wie dann die berühmt, berüchtigte Frühjahrsmüdigkeit in dieses Bild passt. Hebt die dann etwa die oben genannten Auswirkungen wieder auf?
Intelligenz, Religiosität und Treue
Geschrieben am 10.03.10 um 08:45 Uhr

Für was musste die Treue nicht schon alles herhalten. Von je her hat man sie mit der Farbe "Blau" assoziiert, angeblich weil wahres Treusein erst aus der Ferne - vor dem unendlichen Blau des Himmels - wirklich auf die Probe gestellt wird.
Dann nämlich ergeben sich ungeahnte Gelegenheiten zum Untreusein. Bei Wikipedia wurde ich außerdem darüber belehrt, dass Treue symbolisch dem "Hund" und dem "Anker" zugeordnet wird. Nun ja, das scheinen mir doch recht vordergründige Verbindungen zu sein.
Und jetzt also das: Ein Psychologe aus England (Dr. Satoshi Kanazawa, Londoner School of Economics and Political Science) hat eine (evolutionspsychologische) These aufgestellt, dass Männer mittlerweile in einem Stadium "sexuell exklusiver Beziehungen" angelangt seien - im Gegensatz zu früheren Zeiten, wo sie noch fröhlich dumm durch fremde Betten gehüpft seien. Die Betonung dabei liegt übrigens auf dem Wörtchen "dumm". Denn Kanazawa behauptet, dass sich Männer durch dieses Verhalten einen evolutionären Vorsprung verschaffen würden. Dies zeige sich eben auch an ihrer höheren Intelligenz im Vergleich zu denjenigen, die immer noch ihren steinzeitlichen Lüsten frönen. Fazit: Frauen können darauf wetten, dass sie mit einem Mann höherer Intelligenz weniger Wahrscheinlichkeit laufen, von diesem betrogen zu werden.
Für mich blieb allerdings die Frage unbeantwortet, warum dies denn nun eigentlich ein Vorteil sein soll? Und schließlich die Behauptung, dass Frauen sowieso schon immer eher auf der monogamen Seite gewesen seien. Das mag zwar für die Vergangenheit stimmen, für die Gegenwart in unserer hoch zivilisierten Gesellschaft allerdings schon längst nicht mehr. Denn Untersuchungen legen nahe, dass die Fremdgehrate von Frauen die der Männer mittlerweile in den Schatten stellt.
Was ich an der englischen Untersuchung wirklich interessant fand, war ein ganz anderer Zusammenhang. Man fand nämlich heraus, dass im Durchschnitt intelligentere Menschen (hier also beide Geschlechter) weniger religiös sind. Der Unterschied ist zwar nicht besonders groß, aber immerhin noch signifikant (103 zu 97, wobei ja bekanntlich 100 den durchschnittlichen IQ abbildet). Auch die politische Ausrichtung unterschied sich abhängig von der Variable Intelligenz: Liberalere Menschen waren etwas intelligenter als konservative (106 zu 95). Die Begründung lautet, dass höhere Intelligenz zu größerem Neugierverhalten führen würde, was letzten Endes die Konsequenz hat, dass komplexe Probleme besser gelöst werden können. Dem stehen enge und kontrollierende Einflüsse der Religion gegenüber, die zu einem gegenteiligen Effekt führen können.
Wie könnte dann nun vor diesem Hintergrund das Ergebnis für "Treueverhalten" interpretiert werden? Die verschiedenen Religionen haben ja immerhin bisher immer dafür Sorge tragen wollen, dass Menschen vor ihren Trieben und Gelüsten (= Untreue) geschützt werden müssen. Das 10. Gebot "Du sollst nicht begehren deines nächsten Weib..." ist dabei wohl die bekannteste Maßregel, der Menschen unterworfen wurden. Und nun stellt sich heraus, dass - gerade umgekehrt - diejenigen mit einer geringeren Religiosität treuer sind! Eine mögliche Sichtweise, um dies zu erklären, wäre, dass der Mensch eben doch stärker zum "Widerstandsverhalten" neigt, als man bisher angenommen hat. Das wissen wir ja spätestens seitdem es Kirschen in Nachbars Garten gibt. Aber offensichtlich ist eben ein intelligenter Mensch auch in der Lage, freiwillig und nach eigenen Maßstäben so zu handeln, dass moralische Grundsätze beachtet werden. Wenn das kein hoffnungsvolles Ergebnis ist!
Geschrieben am 01.03.10 um 11:13 Uhr

Neulich im Cafe las ich ein Interview im "Spiegel" mit der französischen Autorin Catherine Millet.
Die 62jährige Millet ist Kunstexpertin, lebt in Paris, ist verheiratet und hatte 2001 ein - vor allem in Frankreich - viel beachtetes Skandalbuch über ihr Sexualleben veröffentlicht (Das sexuelle Leben der Catherine M.). Offenbar hatte man ihr als "unscheinbar auftretende Frau" nicht zugetraut, mit einer famosen Kaltblütigkeit auch die letzten Instanzen ihres Trieblebens auszuloten, detailliert zu beschreiben und: Eine Menge Tantiemen dafür einzustreichen. Schließlich lag sie mit ihrer "schonungslosen" Vorgehensweise im Trend: Die Beschreibung sexueller Akte im Einzelnen nebst der Benennung aller dazu gehörenden körperlichen Geräusche, der Beschaffenheit der in Wallung geratenen Eingeweide und die Lust der Selbstdarstellung ist inzwischen Kult. Oder eigentlich auch schon nicht mehr? Denn da dieser Art von Entblößung jede Erotik abgeht, wird die Angelegenheit schnell langweilig - man möchte den Schlachthof menschlicher Verrenkungen, der in erster Linie das Aussondern von Körperflüssigkeiten beschreibt, nach einem kurzen Empörungs- oder Bewunderungsritual (je nachdem, welcher Gemeinde man sich selbst zuordnet) lieber schnell hinter sich lassen.
Nun also der Nachschlag. Frau Millet veröffentlicht ihr Buch "Eifersucht", das im Hanser Verlag auf Deutsch erschienen ist. Nach Meinung des "Spiegels" setzt sie in diesem Buch "die Erkundung des eigenen Ich fort". Wir haben es also demnach mit einer Art öffentlicher Psychoanalyse zu tun. Sich einer solchen zu unterziehen ist - vor allem, wenn man sie selber bezahlen muss, was in diesem Falle nur wahrscheinlich ist, denn es handelt sich um SELBSTERFAHRUNG - eine sehr teure Angelegenheit. Schnell überschlagen bedeutet das: Drei Jahre auf der Couch kosten bei vier Wochensitzungen mindestens 40.000 Euro! Diese dürfte die Autorin aber inzwischen längst wieder drin haben. In ihrem Buch beschreibt sie detailliert nun nicht mehr ihre körperliche Begierde, den Aufschrei ihrer Eingeweide also, sondern jetzt den Aufschrei ihrer Seele, nachdem ihr Ehemann ihr auf die Schliche gekommen ist und sich nun selbst in freizügige Abenteuer stürzt. Frau M. entdeckt, dass sie entdeckt wurde und: Wird eifersüchtig! Das mag überraschen, auch die Autorin fragt sich, was sie vielleicht selbst dazu beigetragen haben könnte, versteht aber ihre eigenen Reaktionen ganz vieldeutig und -schichtig - typisch Intellektuelle - als eine "Verschiebung eines schrecklichen Gewichts im Unterbewusstsein". So weit, so gut bzw. so banal. Was ich dann aber doch interessant fand, war ihre Antwort auf die Frage:
SPIEGEL: Aber die Leute blicken seitdem anders auf Sie, wenn Sie auftreten: Das ist die Catherine M. Ist das nicht unbehaglich?
Millet: Wissen Sie, die Leute, mit denen ich zu tun habe, sind in der Regel sehr höflich und wohlerzogen. So wie Sie ja auch. Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Frauen sich durch mich ermutigt fühlen, über sich selbst zu sprechen. Nein, ich höre kein unangenehmes Gewisper, wenn ich mich in der Öffentlichkeit zeige.
Frau Millet bewegt sich also offenbar in einem Umkreis, der diese Art von Selbstdarstellung bzw. öffentlicher Selbstoffenbarung nicht mit Stirnrunzeln und Entzug sozialer Aufmerksamkeit bestraft, sondern im Gegenteil: Viele Frauen fühlen sich jetzt sogar ermutigt! Diesen Frauen möchte ich jetzt eine Frage stellen: Wann gedenken sie, bitte schön, ebenfalls ihre Memoiren, seien sie sexuell oder von Eifersucht geprägt, der Öffentlichkeit bekannt zu machen? Ich denke da z.B. an einige psychologische Kolleginnen, oder an die Drehbuchautorin von nebenan, an die Ladenbesitzerin von gegenüber, die Kassiererin bei Kaisers oder die Politesse, der ich wieder mal ein Ticket letzte Woche zu verdanken hatte. Wie wäre es, wenn alle diese Frauen - und dementsprechend deren (Ehe-)Männer - einfach alle ihre Zügellosigkeiten plus emotionaler Auswüchse öffentlich bekennen würden - als eine Art kollektiver Selbstreinigung? Und die Tantiemen könnte man in einen gemeinsamen Topf fließen lassen, um endlich in Berlin dafür zu sorgen, dass die Strassen von ihrem Winterdreck befreit werden.
Geschrieben am 22.02.10 um 11:27 Uhr

Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass in den letzten Jahren im zunehmenden Maße alles Mögliche im Internet bewertet wird? Richtig losgegangen ist die Sache ja mit den so genannten Gesundheitsportalen.
Vor allem große Medienkonzerne, wie z.B. Bertelsmann oder Burda, versuchen so Kunden zu gewinnen und an sich zu "binden", wie es so schön heißt. Über Ärzte- und Krankenhausbewertungen bis hin zu herkömmlichen oder alternativen Behandlungsformen - so ziemlich alles wird vom User bewertet. Natürlich gab es massenhaft Probleme mit den Datenschutzbeauftragten der einzelnen Bundesländer - aber schließlich halfen einige Grundsatzurteile der entsprechenden Gerichte, hier für einigermaßen Rechtsklarheit zu sorgen. Vor allem diejenigen, die zu bewerten waren, haben sich natürlich anfänglich Sorgen gemacht, was da wohl hinten für sie herauskommen würde. Aber die große Mehrzahl nimmt die Bewertungsorgie als ein nicht mehr rückgängig zu machendes Zeitgeistphänomen hin. Der Bewertungszug ist nicht mehr aufzuhalten.
Inzwischen will ja auch niemand mehr darauf verzichten: Bei der Hotel- oder Fernreisebuchung, beim Kauf einer Kamera oder überhaupt jeder Art von Konsumartikel, verlassen wir uns mittlerweile auf das Benotungssystem unserer Mitverbraucher.
Sollte man sich da nicht fragen: Warum nicht auch beim Sex, bei der schönsten Nebensache der Welt? Und in der Tat: Das Bewerten hat auch vor dem Bereich des Intimen und Geschlechtlichen keinen Halt gemacht. So habe ich unlängst eine kleine, aber feine Website entdeckt, die sich das Bewerten von Sexspielzeug auf die Fahnen geschrieben hat. Es sind zwar noch nicht besonders viele Bewertungen vorhanden - irgendwie hat die Idee sich noch nicht bis ins Breitenbewusstsein vorarbeiten können - aber doch kann man sich schon über ein paar Dildos, eine Gleitcreme und anderes erregendes Zubehör seine sexuelle Meinung bilden. Ein kleiner Auszug gefällig?
"Das Vibro Ei kann eine Menge Spaß bringen. Vor allem bietet es mit 10 unterschiedlichen Programmwahlen ganz unterschiedliche Reaktionen. Von der Reichweite her kann ich nichts Negatives berichten! Da es selbstverständlich wasserdicht ist, bleibt ein breites Spektrum an Spielfantasien. Mit einer Länge von 80 mm und einer Breite von 34 mm sicherlich für jede Frau geeignet. Und da es keine Weichmacher beinhaltet und völlig geruchlos ist, spricht nichts gegen dieses Sexspielzeug!" (Quelle: Sexspielzeug-Bewertung.de)
Nun, das macht Spaß zu lesen, und man hat das Gefühl, man ist nicht allein mit seinem Hobby bzw. seinen Vorlieben.
Aber, keine Angst, das ist noch lang nicht alles! Die ultimative Bewertungsidee ist geboren worden und existiert bereits! Es geht dabei um das Bewerten von Singles, die über eine Partnerbörse ihren Traumpartner finden möchten. Dabei soll bewertet werden, wie authentisch bzw. wahrheitsgemäß sich jemand in seinem Profil dargestellt hat. Lügen haben ja bekanntlich kurze Beine - und die werden hier radikal zurechtgestutzt. Mit weiterer Bewertung dieses Angebotes möchte ich mich aber lieber zurückhalten. Denn eine Journalistin, die nicht nur lobende Worte für diese Idee fand, muss sich mittlerweile mit einem Gerichtsverfahren herumschlagen. Das zeugt, finde ich, mindestens von fehlendem Humor. Und der ist doch eigentlich immer notwendig, wenn es ums Bewerten geht, oder?
Auswirkungen sexueller Erfahrungen auf die Psyche Heranwachsender
Geschrieben am 17.02.10 um 16:50 Uhr

Zurzeit wird viel diskutiert über die Ursachen von sexuellem Missbrauch in der Kirche oder an Internaten und Schulen. Ich habe zwei interessante Studien entdeckt, die sich damit beschäftigen, ob und wie die Persönlichkeitsentwicklung bei jungen Erwachsenen durch ihre sexuellen Erfahrungen beeinflusst wird.
In den Studien ging es hauptsächlich darum, festzustellen, ob es einen Unterschied macht, wenn ein Heranwachsender diese sexuellen Erfahrungen in einer lockeren Beziehung bzw. einem "One-Night-Stand" oder in einer einer festen, "romantischen" Beziehung gemacht hat.
Zunächst ergaben die Zahlen eine überaus große Aufgeschlossenheit gegenüber sexueller Aktivität. Über 70 Prozent der Befragten der einen Studie (The Nature of Casual Sex in College Students, The Journal of Sex Research, Vol. 43, No. 3, August 2006, pp. 255-267) hatten schon einmal Sex außerhalb einer festen Beziehung gehabt. Dabei seien angeblich häufig "Drogen und Alkohol" mit im Spiel gewesen. Die Verfasser suggerieren in diesem Zusammenhang, dass sich die jungen Erwachsenen offensichtlich in einer Art enthemmten Zustand ihren vielfältigen sexuellen Aktivitäten hingegeben hätten. Auch eine Beschreibung der zur Anwendung gebrachten Sexualtechniken (wie "normaler Geschlechtsverkehr", Oral- und Analsex) fehlen hierbei nicht. Schließlich wurde auch eruiert, dass die Jugendlichen sich vollends darüber bewusst gewesen seien, dass sie ihre jeweiligen Sexualpartner nur deswegen gewählt hätten, um Sex mit ihnen zu haben: Keineswegs war Liebe im Spiel oder eine in diese Richtung gehende Absicht. Der Clou der Studie aber folgt zum Schluss: Man konstatierte nämlich, dass es bei einer parallelen Auswertung eines klinischen Persönlichkeitstests einen Zusammenhang zwischen der Häufigkeit des sexuellen Kontaktes außerhalb einer festen Beziehung und einer depressiven Symptomatik gab. Allerdings nur bei den Frauen! Die Schlussfolgerung der Studie lautete denn auch, dass weibliche Heranwachsende offenbar unter "beziehungslosem" Sex mehr leiden würden als männliche. Ja, dass sie sogar Krankheitssymptome aufzeigen, die die Vergleichsgruppe übertreffen.
Dumm nur, dass drei Jahre später eine ähnlich angelegte Studie (NewsRx Health & Science, December 27, 2009) zu einem vollkommen anderen Ergebnis kam. Hier fand man nämlich heraus, dass es für junge Erwachsene keinen Unterschied machte, ob sie ihre sexuellen Erfahrungen außer- oder innerhalb einer festen, "romantischen" Beziehung gemacht hatten. Zumindest dann nicht, wenn man diese Erfahrungen in Beziehung zu ihrer psychischen Verfassung setzte. Vor allem wurden keine geschlechterrelevanten Unterschiede festgestellt.
Mich hat dieses Ergebnis nicht überrascht, denn in diesem Alter haben zwar Liebesdinge eine nicht unerhebliche Bedeutung - aber so erschütternde Auswirkungen, dass gleich ein ganzes Geschlecht davon psychisch krank werden könnte, konnte ich mir nicht vorstellen. Was dann allerdings wieder zu meinem Erwartungshorizont passte, war die Tatsache, dass die Ergebnisse der ersten Studie auf der Internetseite der "Katholischen Nachrichtenagentur" CNA veröffentlicht wurden - unter dem Untertitel "Abstinenz und Keuschheit".
Sex und Geruch VI: Synästhesie, Sinnesmodalitäten und das sexuelle Gesamtkunstwerk
Geschrieben am 08.02.10 um 11:39 Uhr

Als letzte Folge unserer kleinen Serie über den Zusammenhang zwischen Sexualität und Geruch möchte ich mich einem eher selten beachteten Thema zuwenden: Dem der Synästhesie. Synästhetiker sind Menschen, die auf unterschiedlichen Sinneskanälen gleichzeitig Wahrnehmungen machen.
Oder anders formuliert: Die Stimulation einer bestimmten sensorischen Modalität führt mit hoher Sicherheit zu einer Wahrnehmung auf einer oder mehrerer anderer Sinnesebenen. Das bekannteste und am meisten verbreitete Beispiel ist die Fähigkeit, "Farben zu hören". Ein Mensch mit dieser Fähigkeit wird also beim Sehen einer bestimmten Farbe unmittelbar auch einen Ton hören. Man kann sich vorstellen, dass dieses Phänomen für manche Menschen auch zu einem Fluch werden kann - nämlich wenn sie nicht in der Lage sind, diese Art von Überstimulation oder Überreizung zu lenken bzw. sich davon innerlich abzugrenzen.
Das Phänomen der Synästhesie ist immer noch nicht ausreichend beforscht. Es ist aber deutlich geworden, dass es angeboren wird und nur ein geringer Teil der Menschheit davon betroffen ist. Ein berühmter Vertreter in Bezug auf die gleichzeitige Wahrnehmung von Formen und Farben war Vladimir Nabokow, der sich bei seiner Mutter darüber beschwerte, dass er ständig "falsche" Farben auf den Bauklötzen seines hölzernen Alphabetes sehen würde. Seine Mutter begriff schnell, dass dies darauf zurückzuführen war, dass ihr Sohn in einen Konflikt mit den Farben kam, die er innerlich den Buchstabenformen zuordnete: Sie stimmten nicht mit den vorgegebenen Farben überein. Die Mutter Nabokov's war selbst auch Synästhetikerin und konnte Farben aufgrund bestimmter Musik wahrnehmen. Dieses Beispiel belegt die Annahme der Erblichkeit.
Für unseren Zusammenhang ist interessant, dass einige Forscher davon ausgehen, dass jeder Mensch von Geburt an ausgeprägte synästhetische Fähigkeiten besitzt, die sich allerdings schnell wieder verflüchtigen. Warum dieses bei manchen Menschen anders ist und warum diese ihre ausgeprägte Synästhesie beibehalten, ist noch unklar. Aus der Annahme einer allgemeinen angeborenen Tendenz zur kreuz-modalen Wahrnehmung lässt sich ableiten, warum die meisten Menschen ganz bestimmte sensorische Erlebnisse haben, wenn sie sich an Vergangenes erinnern. So werden die meisten vielleicht schon einmal erlebt haben, wie ein ganz bestimmter Geruch in ihrem Inneren auftaucht, wenn sie sich an Erlebnisse aus der Vergangenheit erinnern. Bekannt ist dieses Phänomen auch in der Werbung. Dort wird es fleißig benutzt: So wird z.B. eine Zahnpasta, in der ja meist Pfefferminz enthalten ist, immer mit grünen oder blauen Farben produziert. Dies entspricht der Erwartung des Benutzers, der dadurch ein intensiveres und "stimmigeres" Erlebnis hat.
Eine Untersuchung hat nun festgestellt, dass es diesen synästhetischen Zusammenhang auch zwischen Düften und Farben gibt. Im Experiment konnte nachgewiesen werden, dass ganz bestimmte Gerüche immer mit den gleichen Farben assoziiert wurden, und zwar unabhängig davon, ob ein solcher Zusammenhang durch Kenntnis des Geruches vorher möglicherweise angelernt war. Dies führte dann eben zu dem Schluss, dass es tatsächlich angeborene "Reste" synästhetischer Fähigkeiten in jedem Menschen geben könnte.
Wenn wir nun diese Ergebnisse mit den Fakten zusammen bringen, die wir im Zusammenhang mit der Wirkung von bestimmten Düften auf den Bereich der Sexualität in den vorangegangenen Blogbeiträgen gesammelt haben, dann können wir die These aufstellen, dass bei dem Benutzen eines individuellen Parfums auch das Tragen einer dazu passenden Farbe angebracht wäre. Warum? Nun, es wurde deutlich, dass die WIRKUNG eines Duftes mit der gleichzeitigen Darstellung durch die "richtige" Farbe gesteigert werden kann! Das finde ich doch mal ein äußerst spannendes Ergebnis. Denn nun wird die Verführung auf den unterschiedlichen Ebenen der Ausstrahlung von Düften auf der einen, und der Ausstrahlung durch Kleidung auf der anderen Seite plötzlich zu einer Art Gesamtkunstwerk, die - vorher noch unabhängig voneinander erschienen - nun in einer synästhetischen Einheit zur Wirkung kommt.
Natürlich ist ein dickes Augenzwinkern bei dieser Überlegung angebracht. Aber warum sollte man nicht einmal ausprobieren, ob nicht bei der Auswahl eines bestimmten Parfums - das natürlich die Kriterien der "Passung" erfüllen muss - auch ein Auge auf die Wahl der Farbe der Bluse oder des Hemdes geworfen werden sollte. Deswegen präsentiere ich zum Abschluss noch einmal einige farblichen Entsprechungen der verschiedenen Duftrichtungen, damit Sie konkret zu Werke gehen können:
Florale Düfte (z.B. Rose, Hyazinthe): Helle Rottöne, Orange
Orientalische Düfte (z.B. Kardamon, Sandelholz): Braun- und Rotbraune Töne
Holzige Düfte (z.B. Moschus, Amber): Ocker- und dunkle Grüntöne
Citrus Düfte (z.B. Bergamotte, Veilchen): Gelb- und helle Grüntöne
Und denken Sie immer daran: Man kann alles tun, was man will, wenn man weiß, was man tut.
Sex und Geruch V: Duft, Partnerwahl und Homosexualität
Geschrieben am 02.02.10 um 09:02 Uhr

Eine sehr interessante Frage im Zusammenhang mit der auf Körpergeruch beruhenden sexuellen Anziehung zwischen den Geschlechtern lautet, ob dieses Phänomen auf heterosexuelle Paare beschränkt ist oder ob es auch für Homosexuelle gilt.
Zunächst konnte eine Studie um die Forscher Charles Wysocki und Yolanda Martins nachweisen, dass die Vorliebe für einen bestimmten Duft tatsächlich nicht nur vom Geschlecht, sondern auch von der sexuellen Orientierung abhängig ist. Dazu waren ungefähr 80 hetero- oder homosexuelle Probanden untersucht worden. Sie sollten Duftproben bewerten, die den Achselhöhlen anderer ebenfalls homo- oder heterosexueller Freiwilliger entnommen worden waren. Dabei stellte sich heraus, dass homosexuelle Männer den Duft anderer Homosexueller und den Duft der heterosexuellen Frauen mochten. Der Duft der homosexuellen Männer wiederum wurde dagegen von den Heteromännern und den Frauen am wenigsten häufig ausgewählt. Dies war nicht abhängig von der Intensität des Duftes. Hieraus schlussfolgerten die Forscher, dass es eine biologische Grundlage für die sexuelle Orientierung geben müsse, die auch über den Geruchssinn gesteuert wird.
Dieser These wollten andere Forscher aus Schweden nachgehen, die sich mehr um die Frage nach den neurologischen Grundlagen dieses Phänomens kümmern wollten. Sie untersuchten dabei zum einen das so genannte AND, einen pheromonähnlichen Lockstoff aus männlichem Schweiß und zum anderen das so genannte EST, eine Substanz, die aus dem weiblichen Urin gewonnen wird und sehr dem Östrogen ähnelt. Das Experiment wollte herausfinden, welche Gehirnregionen beim Riechen an diesen Substanzen aktiviert werden würden.
Auch hier zeigte sich, dass homosexuelle Männer und heterosexuelle Frauen gleich reagierten: Bei ihnen war im bildgebenden Verfahren deutlich zu sehen, dass beim Riechen von AND eine Gehirnregion aktiviert wurde, die bei sexuellem Verhalten eine Rolle spielt. Bei den Heteromännern blieb diese Region stumm. Bei neutralen Gerüchen reagierten alle drei Gruppen gleich. Auch dieses Experiment bestätigte also die These, dass Duftstoffe bei der Partnerwahl eine bedeutende Rolle spielen, und zwar auch bezogen auf die sexuelle Orientierung.
Das einzige, was bis zum Schluss unklar blieb, war die Interpretation dieser Ergebnisse. Sollte man annehmen, dass es sich bei den festgestellten Ergebnissen von neuronalen Prozessen im Hypothalamus um angeborene Unterschiede handelt (die dann also auch gleichzeitig auf eine angeborene Unterscheidung der sexuellen Orientierung hindeuten würden) oder vielmehr um Reaktionen auf die Düfte der Personen, die man im Laufe seiner sexuellen Erfahrungen als attraktiver einzuschätzen gelernt hat? Die alte Anlage-Umwelt-Frage ist also wieder einmal gestellt. Mein Tipp dazu: Wahrscheinlich wie in all diesen kontrovers diskutierten Bereichen handelt es sich um eine Kombination von beidem.
Sex und Geruch IV: Das Kreuz mit der Pille
Geschrieben am 26.01.10 um 14:27 Uhr

Vielfach durch die Presse geisterte in der vergangenen Zeit die Nachricht, dass Frauen, die die Pille nehmen, eine geänderte Geruchswahrnehmung besitzen würden und dass sich dies negativ auf die Partnerwahl auswirken könnte.
In England hatten dazu Wissenschaftler das von mir im ersten Beitrag dieser Serie erwähnte Experiment, in dem Frauen an getragenen Männer-T-Shirts schnüffeln mussten, wiederholt. Sie hofften, das Ergebnis von Wedekind & Co. bestätigen zu können. Danach lautete die These, dass Frauen normalerweise einen Männerduft präferieren, der ihrem eigenen genetischen Duftprofil entgegengesetzt ist. Wenn sie hingegen die Pille nehmen würden, sollte sich dieses Ergebnis umkehren und sie sollten auf ähnliche Männer (nach der Genetik beurteilt) fliegen. Tatsächlich hatten dies Wedekind und sein Forscherteam bestätigen können.
Zudem wurde festgestellt, dass Frauen, die ihre Verhütung mit der Pille betreiben, stärker auf Nahrungsgerüche reagieren (z.B. auf den Geruch von Rosenwasser), während Frauen ohne Pille stärker auf den Schweißgeruch von Männern stehen. Als Begründung wurde angeführt, dass die Pille eine Schwangerschaft gleichsam vortäuschen würde und dadurch -evolutionsbiologisch gesehen - die Ernährungsfrage für die Frau und ihre heranwachsende Nachkommenschaft wichtiger werden würde. Man könnte dies auch den "Versorgungseffekt" nennen. Hieraus wurde eben auch abgeleitet, dass frau besser ohne Pille auf Partnersuche gehen sollte, da sie ja dann eher den Partner anzieht - und attraktiv findet - von dem sie auch sexuell am meisten stimuliert wird. Und das ist schließlich gut und wichtig für eine bleibend erotische Beziehung. Die Versorgungsfrage sollte also beim Kennenlernen hinten an stehen.
Dies ist auch kulturell interessant, denn früher waren die Verhältnisse zwischen den Geschlechtern fast ausschließlich durch die Versorgungsfrage, d.h. durch die Sicherung des ökonomischen Überlebens, geprägt. Erst im Zeitalter der Romantik erhielten Liebesfragen einen deutlich höheren Stellenwert, und auch heute wird als erste Forderung die nach der gegenseitigen Anziehung gestellt - obwohl sich in Wirklichkeit auch dahinter oft knallharte Wirtschaftsinteressen verbergen mögen - allerdings auf beiden Seiten, sowohl beim Mann, als auch bei der Frau.
Zurück zum Thema: Die Engländer wollten also gerne das von Wedekind gefundene Ergebnis verifizieren - gingen aber leider (?) mit ihrer Studie ziemlich baden. Zunächst wurden nämlich bei den Probandinnen gar keine signifikanten Ergebnisse festgestellt: Weder fühlten diese sich durch Schweiß getränkte T-Shirts angezogen, noch erinnerten sie diese T-Shirts an ihre Partner, noch gab es einen Zusammenhang (Teil 2 der Studie) mit der Einnahme der Antibabypille. Erst als die Forscher durch statistische Maßnahmen die Gruppe der Testteilnehmer einschränkten, kamen sie wieder auf die postulierten Zusammenhänge, was natürlich wissenschaftlich gesehen einen etwas schwachen Eindruck macht.
Man muss also bei dem ganzen Thema etwas vorsichtig sein. Das Ganze ist eben nicht trivial, sondern ziemlich komplex. So belegte u.a. eine andere Studie, dass Paare sich sehr stark visuell anziehen - und zwar aufgrund ihrer genetischen Ähnlichkeit, was äußere Merkmale angeht. Dies wird mit der Tendenz begründet, dass Menschen ihre Partnerwahl eher in einem ähnlichen Kulturkreis treffen, einfach weil sie ich darin sicherer fühlen. Die sexuelle Anziehung auf der Basis des Geruches dürfte demnach nur ein Kriterium unter vielen sein.
Sex und Geruch III: Parfum und Partnerwahl
Geschrieben am 20.01.10 um 11:53 Uhr

Die Wahl des richtigen Parfums kann sich aus unterschiedlichen Gründen positiv auf die Partnerwahl auswirken. Zunächst haben wir in unserer kleinen Serie bereits festgestellt, dass bestimmte Inhaltsstoffe in Parfums den körpereigenen "Duftcode" gleichsam verlängern können.
Früher war man ja eher davon ausgegangen, mit einem Parfum unangenehmen Körpergeruch zu überdecken. Jetzt zeigt sich, dass dies eine falsche Herangehensweise war.
Bei der richtigen Auswahl des Parfums kann man sich zunächst an einem Kategoriensystem orientieren, das allgemein von der Industrie verwendet wird und als Entscheidungshilfe dienen kann. Vier Oberkategorien sind hier zu nennen: Als erstes gibt es die floralen Duftnoten, die nach frisch geschnittenen Blumen, leicht aldehydig oder auch nach süßen Gewürzen duften. Als zweites finden wir die orientalischen Duftnoten, in denen sich Düfte wie Sandelholz, Vanille oder Patchouli wieder finden. Zum dritten die holzigen Duftnoten, denen man Düfte nach Leder, Eichenholz oder aromatische Holznoten zuordnen kann. Und zuguterletzt die Citrus- oder frischen Duftnoten, die nach Gras oder Früchten duften.
Parfums bestehen schließlich aus drei Bestandteilen, der so genannten Kopf-, Herz- und Basisnote. Erstere verflüchtigt sich relativ schnell und bildet den ersten Eindruck eines Parfums; die Herznote hält für ungefähr 10 Minuten und stellt den Übergang zur Basisnote her, die schließlich für mehrere Stunden wirksam sein kann. Auf die letztere kommt es dann auch im Zusammenhang mit dem hier erörterten Thema an: Denn die Basisnote enthält die Inhaltsstoffe, die das genetische Duftprofil widerspiegeln können. Dies macht die Auswahl eines Parfums etwas zeitaufwendig, denn man sollte einen Duft doch etwas länger auf seiner Haut zur Wirkung kommen lassen, um damit die entscheidende Basisnote auch beurteilen zu können.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Wenn Sie ein Parfum für sich auswählen, verlassen Sie sich nur auf Ihre eigene Nase. Es ist problematisch, sich ein Parfum schenken zu lassen, das von jemandem ausgewählt wurde, der es bei sich selbst probiert hat und auf seiner Haut attraktiv fand. Testen Sie des Weiteren ein neues Parfum nur auf der Haut und nicht mit einem Teststreifen und lassen Sie es mindestens 15 Minuten wirken. Die oben erwähnten Inhaltsstoffe kommen - wie gesagt - in den Parfums erst nach einer Weile zur Entfaltung.
Neben der biologisch-genetischen Erklärung der Wirkung von Parfums gibt es noch eine andere, im Grunde einfachere Herangehensweise, wenn man sich mit der Frage nach der sexuellen Stimulierung durch ein Duftwasser beschäftigt. Forscher haben nämlich herausgefunden, dass allein das Benutzen eines als angenehm empfundenen Duftes die Stimmung seines Trägers aufhellen und beflügeln kann. Man wird in eine positive Stimmung versetzt; depressive und grüblerische Gedanken können im wahrsten Sinne des Wortes verfliegen. Und dies führt schließlich auch zu einer anderen Wahrnehmung des Gegenübers, bei dem man Interesse und Aufmerksamkeit wecken möchte. Diese, mehr psychologische, Erklärung scheint mir nahe liegend, auch wenn sie nicht so geheimnisvoll und "naturwissenschaftlich" klingen mag.
Zum Schluss sei dann auch noch erwähnt: Die Wirkung beim anderen Geschlecht nur dem Parfum zu überlassen, wäre wohl ziemlich naiv. Denn man sollte bedenken, dass man sich beim Kennenlernen meist in einer sozialen Situation befindet, in der auch andere Mitbewerber eine Rolle spielen. Die Wahrnehmung eines Duftstoffes setzt aber schon eine ziemlich intime und nahe Situation voraus. Die Verführungskunst sollte also im Vorfeld noch über einige andere Mittel verfügen...
Sex und Geruch II: Geruchsvorlieben und Parfums
Geschrieben am 12.01.10 um 13:01 Uhr

Wenn man sich mit der Wirkung von Düften und Gerüchen auf die gegenseitige sexuelle Anziehung bzw. mit Düften als sexuelles Stimulans beschäftigt, dann sollte man als erstes zwischen der Wirkung der so genannten Pheromone und der Wirkung herkömmlicher Parfums unterscheiden.
Pheromone werden teilweise auch Duftwässerchen beigemischt und als Helferlein auf dem schnellen Weg der Eroberung angepriesen. Sie sind aber normalerweise in Parfums nicht enthalten. Dafür sind sie aber natürlicher Bestandteil unserer täglichen Schweißabsonderung.
In diesem Zusammenhang ist die tatsächliche Auswirkung männlicher Schweißabsonderung auf der Basis dieser Geruchs-Sexhormone auf eine positive weibliche Reaktion bei weitem übertrieben worden. Dies liegt daran, dass es zwei über den Schweiß abgesonderte, unterschiedliche männliche Pheromone gibt; zum einen das Androstenol, welches mit frischem Schweiß produziert wird und zum anderen das Androstenon, welches entsteht, wenn frischer Schweiß eine kurze Zeit mit Sauerstoff in Verbindung gekommen ist. Nur der erstere Stoff, also das Andostrenol, hat eine gewisse anziehende Wirkung auf Frauen; der zweite Stoff törnt dagegen eher ab! Nun hat Mann dann aber schnell ein zeitliches Problem. Denn er müsste quasi immer wieder frischen Schweiß produzieren, um sicher zu sein, dass er sich auch auf dem richtigen Wege der Anziehung einer Partnerin befindet.
Wir können hier also schließen, dass es nichts bringt, sich allein sich auf seinen körpereigenen Geruch zu verlassen, wenn man ordentlich ins Schwitzen gekommen ist. Das sagt natürlich wiederum nichts darüber aus, wie ein "normaler" Körpergeruch, der nicht von altem Schweiß überdeckt worden ist, empfunden wird.
Einfacher und zielführender ist die Angelegenheit, wenn wir uns der Wirkung von Parfums zuwenden. Hier konnte auf der Basis der in meinem letzten Blogbeitrag gefundenen Untersuchungsergebnisse festgestellt werden, dass es eine direkte Beziehung zwischen dem eigenen Immunsystem und der Auswahl von Parfums für sich selbst und andere gibt. Dieser Zusammenhang besteht - kurz gesagt - darin, dass Parfums, die man an sich selbst mag, an anderen als unattraktiv empfunden werden. Das jedem Menschen eigene, individualspezifische und genetisch festgelegte Duftprofil konditioniert uns gleichzeitig auf eine subjektive und unbewusste Wahl ganz bestimmter Duftstoffe, wie sie eben in Parfums vorkommen.
Dies führt zu dem Schluss, dass man, wenn man das richtige Parfum gewählt hat, damit sein eigenes Duftprofil verstärken und untermauern kann, um damit dann auch den richtigen Duftpartner auf sexueller Ebene anzuziehen. Die Forscher haben dabei auch die Inhaltsstoffe identifiziert, die besonders stark zwischen den verschiedenen Dufttypen unterscheiden. Dazu zählten u.a. Rose, Hyazinthe, Kardamon, Sandelholz, Moschus, Amber, Bergamotte und Veilchen. Andere Inhaltsstoffe waren weniger effektiv. Woran das liegen mag, hat man bisher noch nicht herausgefunden.
Sex und Geruch I: Genetik und Duftmoleküle
Geschrieben am 04.01.10 um 15:14 Uhr

Wenn es um Sex geht, fällt mir für meinen neuen Blogbeitrag der wunderbare Song "Primitive" von Roisin Murphy ein. Zu sehen und zu hören auf YouTube mit dieser schönen Eingangsstrophe:
From the primordial soup
Out of the dim and the bloom we came
We are animal
By any of the name
Die Ur-Suppe, aus der wir stammen und unsere animalischen Triebe haben viel mit Instinkt zu tun. Dieser Instinkt wiederum führt uns - wenn wir uns denn auf ihn verlassen - auch zum richtigen Sexpartner. Ich möchte in diesem Zusammenhang mal wieder eine kleine Serie starten - und zwar zum Thema "Sex und Geruch".
Von unseren fünf Sinnesmodalitäten ist der Geruchssinn stammesgeschichtlich der älteste, damit aber auch der ursprünglichste. Er ist wissenschaftlich immer noch wenig erforscht, doch haben in den letzten zehn, 20 Jahren viele neue bahnbrechende Erkenntnisse auch ihren Weg in die Öffentlichkeit gefunden. Eine der Studien, die am meisten Aufmerksamkeit erregt haben, war die von Manfred Milinski and Claus Wedekind mit dem Titel "Evidence for MHC-correlated perfume preferences in humans." (Behavioral Ecology Vol. 12 No. 2: 140-149). Die beiden Forscher stellten fest, dass unser Geruchssinn eine wesentliche Rolle bei der Entscheidung über gegenseitige Anziehung und Partnerwahl spielt. Dabei geht es um auf dem Chromosom 6 lokalisierte polymorphe Gene, so genannte olfaktorische Rezeptorgene, die die Wahl eines Partners regulieren, um eine bestmögliche Immunprotektion für die möglichen Nachkommen aus dieser Verbindung zu gewährleisten. Das Fachwort für diesen Genabschnitt lautet Haupthistokompatibilitätskomplex, kurz HLA. Entscheidend dabei ist: Es ziehen sich immer die Partner gegenseitig an, die über unterschiedliche Informationen auf dem HLA-Komplex verfügen. Das führt dazu, dass die potentiellen Nachkommen eine höhere Variabilität in der Abwehr gegen Keime und andere Erreger aufweisen und damit besser geschützt sind. Frauen bevorzugen demnach den Geruch von Männern, deren Immunsystem sich von ihrer eigenen Immungenetik unterscheidet - und umgekehrt!
Die Natur hat also dafür gesorgt, dass unsere subjektiv wahrgenommene Attraktivität - bzw. die wahrgenommene Attraktivität eines Partners - von Geruchsmolekülen gesteuert werden. Wohlgemerkt: Es geht hier nicht nur um eine biologische Verankerung des Fortpflanzungsvorganges, sondern um eine unbewusste, über den Geruchssinn geleitete "Richtungsgebung", die unser Verhalten nachhaltig beeinflusst.
In den folgenden Beiträgen möchte ich mich gerne mit den Auswirkungen dieser biologischen Konditionierung auf die Wahl von Parfums, Parfum und Partnerwahl, die Rolle der Empfängnisverhütung, Duft und gleichgeschlechtliche Paare und das Thema Synchronizität von Sinnesmodalitäten beschäftigen.
Prestige beim Zählen der Sex-Partner
Geschrieben am 21.12.09 um 11:45 Uhr

Immer wieder zu Weihnachten, wenn die Stresskurve gefährlich nach oben steigt, lenke ich mich gerne durch kurzweilige und überflüssige, wissenschaftliche Untersuchungsergebnisse ab. Das entspannt. So auch diese jüngste Entdeckung zum Thema unterschiedliche Selbsteinschätzung von Männern und Frauen.
Ein Psychologie-Professor von der Universität Alberta hat sich mal wieder mit der Frage beschäftigt, wie Männer und Frauen sich selbst einschätzen, wenn es um die Zahl vergangener Sexualpartner geht. Er hatte dabei die Ausgangshypothese, dass es signifikante Unterschiede zwischen den Geschlechtern geben würde und dass diese Unterschiede durch die Art und Weise der Selbstwahrnehmung vor dem Hintergrund unterschiedlicher Geschlechterrollen zu erklären seien. Natürlich gab ihm das Ergebnis recht: Männer hatten im Durchschnitt über zwölf, Frauen im Schnitt nur über sechs vergangene Lover zu berichten. Das ist natürlich insofern interessant, als das sich die Frage stellt, ob es stimmt, dass so viele Männer herum laufen, die tatsächlich den Status eines American Gigolo aufzuweisen haben - oder ob sie einfach nur Angeber vor dem Herrn sind.
Die Probanden wurden nach Abschluss der Studie befragt, wie sie denn überhaupt auf diese Zahlen gekommen seien. Und hier ist dann doch ein ganz interessantes Ergebnis zu vermelden. Die Männer hatten gar nicht richtig nachgedacht, sondern waren von einer groben Schätzung ausgegangen, während die Frauen länger brauchten und auch genauer überlegt hatten, wer denn nun genau zu diesem auserlesenen Kreis gehörte. Trotzdem blieb es unklar, wie die Männer auf eine doch so hohe Zahl kamen, denn es stellte sich bei der Überprüfung heraus, dass sie sich auf jeden Fall hoch überschätzt hatten.
Aufklärung brachte dann - wie so oft - eine andere Studie zweier Wissenschaftlerkollegen (Peter K. Jonason und Terri D. Fisher von der Mexico State University, USA). Diese hatten zunächst ebenfalls herausgefunden, dass Männer dazu neigen, sich bei der Angabe ihrer verflossenen Partner weit zu überschätzen. Aber nun wurde der Ursache genauer auf den Grund gegangen. Und was war das Ergebnis?
Meiner Meinung nach nicht besonders überraschend, denn es ergab sich wieder einmal eine Bestätigung landläufiger Vorurteile: Die so genannte Mediator-Variable, also das Kriterium, das in der Untersuchung für den signifikanten Unterschied zwischen Männern und Frauen verantwortlich gemacht werden konnte, lautete: Prestige-Denken. Männern ist ihr Status wichtiger als Frauen, und eben dieser Status erhöhte sich subjektiv für sie mit einer steigenden Anzahl von Sexpartnern. Überhaupt war auch insgesamt das Thema "Anzahl Sexpartner" für sie wichtiger, als für die Frauen.
Man kann also beruhigt sagen, dass alles beim Alten geblieben ist zwischen den Geschlechtern.
Sex-Mythen: Weder Ehe noch Alter verderben uns die Lust auf Sex
Geschrieben am 15.12.09 um 14:15 Uhr

Nur Unverheiratete haben im Bett so richtig viel Spaß, so lautet ein gängiges Klischee. Bei Verheirateten breite sich bei der alltäglichen Hausmannskost zwischen den Laken schnell die Langeweile aus und führe langfristig zur unvermeidlichen Flaute.
Ein Team von der London School of Hygiene and Tropical Medicine hat nun das Gegenteil festgestellt. Die Wissenschaftler untersuchten Dutzende Studien aus fast 60 Ländern der Welt. Demnach haben verheiratete Menschen tatsächlich am häufigsten Sex.
Und noch eine überraschende Feststellung machten Experten aus Norwegen und den USA: Ältere Männer sind ähnlich zufrieden mit ihrem Sexleben wie ihre jüngeren Artgenossen zwischen 20 und 29. Demnach gibt es zwar eine starke Abhängigkeit zwischen fortschreitendem Alter und abnehmenden Sexualfunktionen, nicht aber zwischen Alter und sexueller Zufriedenheit.
Die Teilnehmer der Studie sollten ihre Zufriedenheit auf einer Skala von null (nicht zufrieden) bis vier (gute sexuelle Funktionen und keine Probleme) bewerten. Junge Männer in den Zwanzigern erreichten einen durchschnittlichen Wert von 2,79. Männer in den Fünfzigern erreichen jedoch gleich den zweithöchsten Wert mit 2,77. Die Altersgruppen dazwischen erreichen dennoch ähnlich hohe Werte. Erst ab 60 geht es bergab: Dann sinkt der Wert auf 2,46 und bei Männern über 70 fällt er gar auf 2,14. Mit zunehmendem Alter bewegten sich die Zahlen abwärts, wenn es nur um die Sexualfunktionen ging.
Auch andere Studien zeigen, dass Männer auch im Alter mit ihrem Sexualleben zufrieden sind. In verschiedenen Befragungen gaben 60 bis 70-Jährige an, sexuell aktiv und zufrieden zu sein. Bei den über 70-Jährigen sind es immerhin noch knapp 50 bis 80 Prozent.
Laut statistischem Bundesamt sind rund ein Viertel der Frauen über 65 verheiratet und über 70 Prozent alleinstehend. Bei den Männern ist es anders herum: Drei Viertel sind verheiratet und ein Viertel alleinstehend. Dass Frauen weniger aktiv sind liegt daran, dass es in den höheren Altersgruppen aus verschiedenen Gründen weit weniger Männer als Frauen gibt. Deshalb wird es für alleinstehende Frauen immer schwieriger, einen neuen Partner zu finden. Obwohl sich auch diese Frauen durchaus eine erfüllte Sexualität wünschen. Mangelnde weibliche Zufriedenheit in Bezug auf Sexualität ist also keineswegs durch abnehmendes Lustempfinden zu begründen!
Sexuelle Aktivität beugt dem Altersfrust vor
Geschrieben am 30.11.09 um 14:28 Uhr

Zuerst die gute Nachricht: Frauen sind glücklicher als Männer. Das ergab eine groß angelegte, internationale Studie der Universität Cambridge und der Universität von Südkalifornien. Nun die schlechte: Das trifft leider nur für Frauen in jungen Jahren zu.
Grundsätzlich haben beide Geschlechter dieselben Wünsche und Hoffnungen für ihr Leben. Dabei sind junge Männer vor allem in den Zwanzigern oft kreuzunglücklich. Während dieser Zeit genießen junge Frauen ihr Leben und den beruflichen Erfolg in vollen Zügen und gaben an, ausgesprochen glücklich und zufrieden zu sein.
Irgendwann dreht sich diese Situation: Bei den meisten Menschen tritt dieser Wendepunkt ungefähr in ihrem 48. Lebensjahr ein. Nun, so die überraschende Erkenntnis, übertrifft das männliche das weibliche Glück. Frauen Ende 40 fällt es zunehmend schwerer, mit verlorenen Hoffnungen und insbesondere mit verfehltem Liebesglück fertig zu werden. Grund genug, dem Alterungsprozess frühzeitig entgegen zu treten, denn bereits mit Mitte Zwanzig beginnt dieser, und die Reaktionsfähigkeit, Mobilität, Flexibilität und geistige Gewandtheit nehmen beständig ab, wenn man nichts dagegen tut.
Das Institut für Gerontologie an der Universität Heidelberg hat nun 15 Regeln für gesundes Älterwerden zusammengestellt. Ganz oben steht die Empfehlung, geistige, körperliche und soziale Aktivität bis ins höchste Alter hinein zu pflegen. Wer sein Leben mit positiven Inhalten füllt, altert gesünder und glücklicher.
Mobilität und Aktivität lauten die Zauberworte. Auf geistiger und körperlicher Ebene - und dazu gehört auch das Lieben. Denn damit hören viel zu viele Menschen viel zu früh auf. Die Medien suggerieren uns ein Bild von einer Sexualität, die nur in jugendlichen Jahren wirklich erfüllend sei. Völliger Quatsch, wie wir inzwischen wissen. Ein Drittel aller über 70-Jährigen ist sexuell aktiv, also hat mindestens einmal wöchentlich Geschlechtsverkehr. Und 70 Prozent der Männer und 60 Prozent der Frauen dieser Gruppe sagen, ihr Sex sei sogar ausgesprochen befriedigend. Auch eine weitere Annahme in Bezug auf den Silver-Sex wurde widerlegt: Sexuelle Probleme nehmen nämlich ganz und gar nicht zu. Im Gegenteil, sie werden weniger.
Aktiv bleiben, auch auf sexueller Ebene, lautet also die Zauberformel gegen den Frust des Alterns. Das hilft auch reiferen Frauen, dem Altern zufriedener und glücklicher entgegen zu sehen.
Schweinegrippe: So schützen Sie sich beim Sex
Geschrieben am 24.11.09 um 09:25 Uhr

Die Verwirrung ist groß, die Verunsicherung ebenso. Experten wissen noch immer nicht, wie gefährlich das H1N1-Virus tatsächlich ist. Noch verläuft die Schweinegrippe in Deutschland eher glimpflich.
Die Erkrankungen sind weniger schwerwiegend als befürchtet, oft klingen die Beschwerden nach kurzer Zeit ab, viele Betroffene erkennen ihre Erkrankung nicht einmal als Schweinegrippe.
Tatsächlich ist das Virus besonders tückisch, denn es ist bereits dann übertragbar, wenn noch keine Symptome erkennbar sind. So kann ein harmloser Kuss oder ein Nieser des Partners uns bereits infizieren. Was kann also alles beim intimen Kontakt passieren? Natürlich gelten auch hier die landläufigen Hygieneempfehlungen: Dazu gehört unbedingt regelmäßiges Händewaschen für mindestens 3 Minuten. Besser noch ist anschließendes Desinfizieren. Beim Husten und Niesen sollte man sich nicht die Hand vor den Mund halten, sondern seine Nase lieber in die Armbeuge halten. Auch sollten wir es uns abgewöhnen, uns oder unserem Partner ins Gesicht zu fassen. Diese grundsätzlichen Vorsichtsmaßnahmen sollten inzwischen selbstverständlich sein. Auf die Umarmung oder das Küsschen zur Begrüßung sollten wir zusätzlich lieber verzichten.
Sobald sich die ersten grippalen Anzeichen zeigen, sollten Sie gänzlich auf Körperkontakt, also auch auf Sex verzichten. Bestätigt sich der Schweinegrippe-Verdacht, ist besondere Vorsicht angesagt. Das Virus ist sehr widerstandsfähig und kann auch außerhalb des Körpers einige Zeit überleben. Deshalb schützen Kondome keineswegs vor der Übertragung der Schweinegrippe. Partner sollten möglichst weit voneinander getrennt schlafen und auch nicht gemeinsam Essen, raten Experten. Allerdings haben Erkrankte meist mit Gliederschmerzen und Abgeschlagenheit zu kämpfen, und die Lust auf intime Stunden zu zweit hält sich ohnehin in Grenzen.
Hoffen wir, dass die Schweinegrippe-Welle weiterhin so glimpflich vonstatten geht und wir die schönen Stunden zu zweit bald wieder unbeschwert genießen können.
Intime Einblicke und die Relativität von Forschungsergebnissen
Geschrieben am 16.11.09 um 14:21 Uhr

Studien und Umfragen sind ja immer nur so gut und aussagekräftig, wie die Methode, die dahinter steht.
So ist es nicht weiter verwunderlich, dass Befragte in persönlichen Interviews häufiger das antworten, von dem sie denken, es sei eine passende Antwort, während sie ihre tatsächliche Einstellung eventuell als unangemessen empfinden oder sich ihrer womöglich sogar ein wenig schämen. Das gilt insbesondere dann, wenn es um sehr intime Themenbereiche geht. Hinzu kommt eine höchst fragliche Umgehensweise mit diesen Ergebnissen von Seiten der Forscher.
In diesem Zusammenhang sei eine anonyme Umfrage erwähnt, in der knapp 15.000 Menschen zu ihrer Sexualität befragt wurden. Einige der Antworten waren nicht wirklich überraschend: So gaben zwei Drittel der Männer und drei Viertel der Frauen an, mit ihrer Partnerschaft recht zufrieden zu sein. Die meisten Paare hatten durchschnittlich ein- bis dreimal in der Woche Sex. Ebenso bekannt las sich das Ergebnis, dass die Häufigkeit sexueller Betätigung abnimmt, je länger die Beziehung dauert.
Eher aus der Reihe tanzte dagegen die Erkenntnis, dass Männer und Frauen sich in Sachen Selbstbefriedigung die Waage hielten: Nach den Angaben der Probanden dieser Studie taten "es" aber fast alle. Oft wurde ja angenommen, dass Frauen in dieser Hinsicht zurückhaltender seien. Weitere Ergebnisse, die uns mit dem Phänomen der "Sozialen Erwünschtheit" konfrontieren, lauteten: Frauen gehen weniger häufig fremd als Männer, und wenn sie es tun, dann haben sie in den meisten Fällen nur einen einzigen weiteren Partner. Männer hingegen neigen dazu, mehrere Affären zu haben. Entsprechen diese Ergebnisse wirklich der gesellschaftlichen Realität? Andere Studien fallen da nämlich genau konträr aus: Frauen gehen danach häufiger fremd als Männer - sie reden nur nicht darüber. Wir finden hier also deutliche Hinweise, dass - gerade in Bezug auf Fragen im sexuellen Bereich - das Bild, welches man zusammen mit seinen Antworten auf solche Fragen vermitteln bzw. aufrecht erhalten möchte, eine womöglich größere Rolle spielt, als eine "wahrheitsgemäße" Antwort.
Weiter zur Studie: Generell würde "Er" gern häufiger zur Sache kommen, während "Sie" mit ihrer Sexualfrequenz ganz zufrieden sei. Allerdings ständen Frauen gleichgeschlechtlichen Abenteuern offener gegenüber als Männer. Sie seien weniger "eindeutig" heterosexuell. Die Hälfte der Frauen machte bereits vor dem sechzehnten Geburtstag die ersten intimen Erfahrungen, was etwas früher lag als bei den Männern. Auch hier stellt sich die Frage nach der Authentizität der Ergebnisse und vor allem der Begründung: Was soll das bedeuten, die Frauen seien "ganz zufrieden"? Und geben Frauen möglicherweise gleichgeschlechtliche Kontakte leichter zu, als dies Männer tun?
Dazu passt: Das meist genannte Sex-Problem der Frauen sei der ausbleibende Orgasmus. Forscher vermuten, dass Frauen dem Orgasmus einen zu hohen Stellenwert beimessen (sic!) und deshalb das Ausbleiben desselben als besonders problematisch empfinden. Hier stellt sich meines Erachtens die Frage, ob nicht diese Forscher Opfer des Phänomens "Soziale Erwünschtheit" geworden sind? Vielleicht, weil sie sich mit einer konservativen Interpretation wohler fühlten, als mit der ebenso nahe liegenden: Dass nämlich Frauen offener über ihre Bedürfnisse sprechen und damit auch eher unerfüllte Wünsche "zugeben".
Und schließlich noch ein Ergebnis, das uns vor die Frage stellt, wie dessen Interpretation eigentlich zu bewerten ist: Oft sei "Sie" weniger am Sex interessiert als "Er" und empfände genau das als Makel; dabei würde es sich letztlich nur um eine unterschiedliche Interessenlage handeln, in der dann die Frau aus ihrem Rollenverständnis heraus die Position der "Schuldigen" annehmen würde. Hier geht der Forscher (ein "Er" oder eine "Sie"?) also davon aus, dass Schuldgefühle notwendig sind, um Unzufriedenheit mit dem Sexleben zu erklären. Man kann aber genauso wie im obigen Beispiel die Deutung zulassen, dass Frauen sich eher zu ihrer Unzufriedenheit bekennen. Schließlich ist ein Bewusstsein darüber notwendig, wenn man etwas an einer unbefriedigenden Situation ändern will.
Passen Sie also auf, werte Leserinnen und Leser, wenn Ihnen - auch an dieser Stelle - statistische Ergebnisse präsentiert werden. Man erfährt meist nicht, wie diese zustande gekommen sind und welche (Eigen-)Interessen auf Forscherseite sich dahinter verbergen.
Phallischer Mann - Vulvische Frau
Geschrieben am 03.11.09 um 11:26 Uhr

Eine interessante Wortschöpfung habe ich neulich im Netz gefunden: Der Begriff "vulvisch" war mir noch unbekannt. Die beiden Sexualtherapeuten Doris Christinger und Peter Schröter aus der Schweiz haben ihn, wenn nicht erfunden, so doch zu neuer Leuchtkraft verholfen.
Er soll das archetypisch Weibliche bezeichnen und zum Durchbruch in einer immer noch phallisch-dominierten Männerwelt verhelfen. Hintergrund ist mal wieder die ewige Frage nach der Kunst der bleibenden Anziehungskraft in einer längeren Beziehung / Ehe.
Bekanntlich gibt es ja viele Statistiken, die belegen, dass mit den Jahren die erotische Energie im Abnehmen begriffen ist und sich dann zwei Schlafmützen das Ehebett teilen. Wann genau dieser Zeitpunkt eintrifft, ist wohl sehr verschieden. Hier stellt sich also die Frage, wovon er abhängig ist und was man dann eventuell dagegen tun kann. Die beiden Schweizer Sexforscher empfehlen nun die Rückbesinnung auf unser archetypisches Erbe, d.h. männlich-weibliche Verhaltensweisen und Charakterzüge, die angeblich von Natur aus als gegeben angenommen werden dürfen. Ein uralter Streit und immer wieder Thema für politische (Un-)-Korrektheitsdiskussionen, bei denen die männlich-weiblichen Fetzen fliegen. Inhaltlich ist die These also nichts Neues: Dem Mann werden Eigenschaften, wie Mut, Risikobereitschaft, Wachheit, Verantwortungsbewusstsein, Klarheit und Aggression zugesprochen; die Frau soll vor allem "Liebe empfangen und verschenken". Das passt dann zu den beiden Sexualorganen, könnte man meinen, denn auch die "phallische Phase" in der Kindheitsentwicklung bezeichnet ja sowohl für Jungen als auch für Mädchen das aggressive Sich-Zeigen, das man braucht, um später mit Stolz gepaart ein gesundes Selbstbewusstsein vorweisen zu können. Von einer "vulvischen Phase" habe ich dagegen noch nie etwas gehört. Sich auf diese Ur-Prägungen zu besinnen, soll dann wieder zu mehr "Feuer" in der Beziehung und zu befriedigendem Geschlechtsverkehr führen. Ich finde das alles ja schön und gut; und kann selber noch die Anekdote vom kleinen Amor beisteuern, der mit seinen Liebespfeilen immer nur in die Richtung zielt, wo es spannend ist, sprich: Wo zwischen den Partnern noch Kontakt und Angriffslust herrschen. Muss man das aber unbedingt mit angeblich archetypischen Urbildern verknüpfen?
Einleuchtender finde ich eher die Hinweise beider Experten auf die fehlende Offenheit bei fortgeschrittenen Paaren, also die Tendenz, sich gegenseitig als "fertige Menschen" zu betrachten. Dann wird es mit der Zeit langweilig. Hier fehlt in der Tat bei vielen der Mut, klarer und deutlicher ihre Bedürfnisse zu kommunizieren.
Allerdings ist doch wohl das eigentliche Problem dabei, dass man sich nicht nur gegenseitig beim Stehenbleiben zuschaut, sondern auch vor sich selbst Schwierigkeiten hat, sich ständig neu erfinden und weiterentwickeln zu müssen, damit es dann auch in der Partnerschaft wieder funkt. Dies kann gerade einen Erwartungsdruck hervorrufen, dem viele dann nicht gewachsen sind und sich in sich zurückziehen. Man sollte also das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Auf der anderen Seite immer mal wieder ein Ansporn, sich auf etwas Neues einzulassen oder seinen Partner mit einer kleinen Selbstoffenbarung zu überraschen (Er: "Gestern habe ich da doch einen verdammt guten Porno gesehen!" Sie: "Mein Yogalehrer hat ja 'nen ganz schönen Knackarsch!") kann sicherlich auch nichts schaden...
Wege sexueller Lust, Teil 11: Internationaler Sex
Geschrieben am 26.10.09 um 14:49 Uhr

Es gibt in der Psychologie den Begriff des "Anschlussmotivs". Dies beschreibt im weitesten Sinne die Entstehung sozialer Bindungen zwischen den Menschen. Unter anderem. heißt es: "Aus Fremden Bekannte und schließlich Vertraute und freundschaftlich Gesinnte zu machen.
Dazu gehört auch, dass man dabei zurückgewiesen werden kann" (Heckhausen & Heckhausen, 2005, S.193). Das Anschlussbedürfnis besteht oder entsteht dabei nicht eigenständig, sondern wird erst durch Furcht und Unsicherheit geweckt (Schachter, 1959). Ziel des Anschlussverhaltens ist es, Furcht und Unsicherheit zu reduzieren.
Dieses Anschlussverhalten gilt auch für den Bereich der Sexualität. Das Sexuelle ist ja ebenfalls eine "terra incognita", die man erforschen muss. Und sie ist auch ein Gebiet, auf dem andere bereits ihre vielfältigen Erfahrungen gemacht haben, wenn man selber noch - im Stadium der Pubertät - zu den Novizen gehört. Interessant finde ich dabei, dass diejenigen, die bereits dazugehören, sich immer einer Fachsprache bedienen, die nach Außen ein gewisses Expertentum aufblitzen lässt - was wiederum Respekt und auch Unsicherheit beim Neuling entstehen lässt. Erst recht möchte man jetzt wissen, worum es sich handelt; man will unbedingt in die geheime Nomenklatur eingeweiht werden. Das berühmte "F"-Wort ist da ja nur ein allererster Schritt hinein in ein Universum vielfältiger und geheimnisvoller Ausdrücke und Bezeichnungen.
So gelange ich dann über diesen kleinen Umweg zu den Beschreibungen der unterschiedlichen Sexualpraktiken, die sich so im Laufe der Jahrhunderte offensichtlich an ganz bestimmten nationalen Zugehörigkeiten orientiert haben. Wie soll man sich dabei erklären, dass das "Französische" die oralen Sextechniken (Cunnilingus und Fellatio) oder "Französisch beidseitig" die 69-er Stellung bezeichnet und das "Griechische" den Analverkehr. Warum eigentlich nicht umgekehrt? Hier muss man wohl historische Wurzeln bemühen. Es ist ja bekannt, dass es zu einer gehobenen Stellung dazu gehörte, wenn griechische Männer in der Antike Kontakt zu jungen Vertretern des eigenen Geschlechts pflegten (obwohl keinesfalls immer Analverkehr ausgeübt wurde; oft "reichte" auch das Reiben zwischen den Schenkeln). Und Frankreich wurde schon immer gern als "Das Land der Liebe" bezeichnet. Dabei ist der Oralverkehr möglicherweise deswegen mit den Franzosen assoziiert worden, weil zu Zeiten der Syphilis die Huren in den Bordellen dazu übergingen, die Männer aus "Sicherheitsgründen" oral zu befriedigen. Aber das ist nur eine These.
Auch beim Begriff des "Deutschen" ist es nicht allzu schwer, den geschichtlichen Zusammenhang herzustellen. Während das "Deutsche" in Deutschland selbst einfach nur die Missionarsstellung bezeichnet, beschreibt sie international bestimmte sadomasochistische Handlungen. Das ist doch bezeichnend: Die Deutschen sehen sich selbst als langweilige Sexwesen, während uns die Außenwelt mal wieder oder immer noch mit unserer unrühmlichen Nazi-Vergangenheit assoziiert. Allerdings ist in diesem Zusammenhang auch das "Englische" gebräuchlich, womit dann Erziehungsspiele oder Bondage-Praktiken gemeint sind. Früher wurde wohl auch das Flagellieren (Auspeitschen) mit dem Begriff des "Englischen" belegt.
Die Russen haben in unserem Nationenvergleich die anale Praktik ohne Geschlechtsverkehr gepachtet (Ölmassage, "Oberschenkelsex"); es gibt dabei aber auch verschiedene Abstufungen bis hin zum "echten" Analverkehr. Während die Italiener für Sex in der Achselhöhle herhalten müssen, das "Schwedische" oder "Florentinische" für u.a. gegenseitige Masturbation oder eine Grifftechnik am Penis steht, scheinen die Spanier in erster Linie mit dem weiblichen Busen in Zusammenhang gebracht zu werden, warum auch immer. Eine Idee wäre, dass dadurch die Möglichkeit einer Schwangerschaft verhindert werden konnte. Dies ist z.B. auch der Grund dafür, dass in den gesellschaftlich gehobenen Kreisen arabischer Länder junge Frauen heutzutage häufig Analverkehr praktizieren, um noch als Jungfrau in die Ehe gehen zu können. Aber warum ausgerechnet die Spanier für den Busensex auserkoren wurden - schließlich müsste die obige These auch für andere Nationen gelten? Vielleicht hat ja jemand aus der geneigten Leserschaft eine Idee?
Insgesamt wird deutlich, dass die Herkunft der Namensbezeichnungen für diese Praktiken viel mit Vorurteilen und Projektionen über eine bestimmte Nation zu tun haben. Allerdings: Auch diese müssen ja einen "realen" Hintergrund haben und können sich eben nicht nur rein zufällig ergeben. So bezeichnet man ja bekanntlich bei uns das Kondom auch als "Pariser" - aber in Frankreich wird dann ein "Engländer" daraus...
"Flex Suite" - das zweite Schlafzimmer
Geschrieben am 15.10.09 um 15:55 Uhr

Irgendwie haben wir ja alle schon einmal dieses Thema gehabt: "Wie halte ich es mit dem zweiten Schlafzimmer zu Hause?"
Spätestens zu Beginn einer neuen Beziehung wird man gefragt, zu welchem Lager man sich zählt: Zu demjenigen der eisernen "Wir schlafen zu zweit!"-Verfechter oder aber demjenigen der postmodernen Alleinschlafvertreter. Oft stehen sich diese Lager unversöhnlich einander gegenüber, weil daran zentrale Fragen der Paarbeziehung geknüpft werden: "Liebt er/sie mich dann noch?" "Denken dann alle, wir haben keinen Sex mehr?" oder "Wie schaff ich's dann von dem einen ins andere Zimmer?". Fest steht jedenfalls: Der Trend setzt sich fort, wie schon vor einigen Jahren die "National Association of Home Builders" in den USA festgestellt hat. Bis zum Jahre 2015, schätzt man dort, sollen dann über 60 % der amerikanischen Haushalte mit einem zweiten Schlafzimmer ausgestattet sein. Und da wir in Europa ja bekanntlich immer dem amerikanischen Trend folgen, wird das dann sicher mit ein paar Jahren Verzögerung auch in den westeuropäischen Ländern so sein.
Der Hintergrund der ganzen Angelegenheit wird sozialpsychologisch, aber auch wieder evolutionspsychologisch, hergeleitet. Was den ersten Erklärungsansatz betrifft, wird auf das unerträgliche Schnarchen und die höchst individuellen Schlafgewohnheiten vieler Zeitgenossen hingewiesen, die einfach vom Partner auf Dauer nicht zu ertragen wären. Außerdem sei es zu gechlechterübergreifenden Rollenannäherungen gekommen; sowohl Mann als auch Frau müssen Arbeitsteilung und Haushaltsführung bewältigen und sind demnach inzwischen gleichberechtigt, auch was den Stress angeht. Damit haben sie auch gleichermaßen ihre nächtliche Ruhe verdient. In Bezug auf die Evolutionspsychologie scheint das Argument unwiderlegbar, dass offenbar Frauen mit einem Mann im Bett schlechter schlafen, weil sie unbewusst - eben evolutionsbedingt - auch im Schlaf die Verantwortung für den Partner mit übernehmen (Frauen sind für die Beziehung zuständig!), wobei der Mann wohl insgesamt mit seinem Weib im Bett besser schläft - er fühlt sich dann eher beschützt und aufgehoben. Dieser schreienden Ungerechtigkeit kann dann natürlich nur ein extra Schlafzimmer ein Ende machen.
Trotzdem zögern aber viele, diesen Schritt zu tun. Abgesehen einmal davon, dass doch wohl sehr viele Menschen gar nicht die Möglichkeit haben, ein zweites Zimmer herzurichten. Und sollte man dann auf der Coach im Wohnzimmer schlafen? Na ja. Vor das Entscheidungsproblem werden also wohl eher die Besserverdienenden gestellt. Aber auch die bleiben möglicherweise mit einem schlechten Gewissen vor ihren eigenen romantischen Beziehungsvorstellungen zurück. Dem haben die Amerikaner abgeholfen: Sie nennen das zweite Schlafzimmer nicht "Schlafzimmer", sondern "Flex Suite", zu deutsch "Flexibler Palast". Da drin möchte man dann doch eigentlich auch wieder zu zweit schlafen, oder?
Wege sexueller Lust, Teil 10: "Los, mach's mir jetzt!"
Geschrieben am 07.10.09 um 11:10 Uhr

Viele Wege führen nach Rom. Diejenigen, die wir bisher in unserer Serie beschrieben haben, waren allesamt eher auf der Verhaltensebene angesiedelt. Also fehlt noch eine wichtige Dimension, die oft vergessen wird: Die menschliche Sprache.
Ich habe dazu neulich auf Wikipedia gelesen, dass "Stummheit im Bett sehr oft schambedingt sei". Das hat mich dann doch etwas irritiert. Schamgefühle sind ja - psychologisch gesehen - anerzogene Hemmschwellen, die verhindern, dass sich jemand zeigt, so wie er ist. Mal ganz einfach formuliert. Der Hintergrund besteht darin, dass die "Zeigelust" bei einem Menschen gefördert werden muss; jemand, den man schon früh "beschämt" ("Wie siehst du denn aus!", "Was machst Du denn da!?"), der kann keinen Stolz auf sein "Sein" entwickeln. Im Gegenteil, er hat Angst, sich mit diesen früh kritisierten oder entwerteten Anteilen zu offenbaren: Er schämt sich. Selbstverständlich wirkt sich dies auch stark auf das Sexualverhalten aus. Denn nichts geht dem Menschen so nah, wie sein Körper. Entwertungen, die sich auf diesen beziehen, werden demnach als besonders schlimm empfunden. Wir können dies z.B. dann gut nachvollziehen, wenn wir Leute beobachten, die sich über andere auf der Körperebene lustig machen: Wir sind dann unmittelbar unangenehm berührt - und wenn wir mitlachen, dann meist nur halbherzig. Deswegen sind auch Witze, die sich auf körperliche Behinderungen beziehen, politisch absolut unkorrekt. Zu recht.
Kommen wir aber zurück zur Eingangsthese von Wiki. Diese beinhaltet ja unausgesprochen, dass das Sexuelle immer nur zusammen mit "sprachlicher Verstärkung" ("Dirty Talk") vollständig sei. Das finde ich übertrieben. Es ist schon komisch, sich vorzustellen, dass man jedes Mal seinen Partner mit Verbalerotik anfeuern muss, um nicht in den Verdacht eines Sexmuffels zu geraten. Echt Stress, finde ich. Auf der anderen Seite ist natürlich gegen ein Aufpeppen des Sexualaktes durch "lüsternes Flüstern" nichts einzuwenden - wenn es denn einigermaßen kreativ und originell ist. Und das ist bestimmt nicht immer der Fall. Ich will mir hier lieber gar nicht ausmalen, zu welchen absonderlichen Ausdrucksformen der sprachlichen Entgleisung manche Zeitgenossen im Bett finden können.
Dazu gibt es dann - na klar - auch gleich wieder Ratgeber, die einem zeigen, wie man richtig spricht beim Sex. So soll man z.B. "mehr als schmutziges Gerede drauf haben" und eben nicht nur "Kommandos ins Ohr flüstern", sondern z.B. ausmalen, wie "sie ihn heimlich in den Nebelschwaden eines Dampfbades verführt". Ich frage mich da, wie lang eine solche Anekdote werden soll? Hoffentlich ist der andere dann nicht längst eingeschlafen. Oder der Vorschlag, die "No Go's" vorher abzustimmen. Das passt gut zur deutschen Absicherungskultur: Bloß nichts Falsches machen! Und man soll auf keinen Fall nur eine Sprache sprechen, sondern vielleicht auch mal ins Französische oder Italienische ausweichen. Hier sind also Sprachwissenschaftler deutlich bevorzugt. Wundern würde mich nicht, wenn eine Statistik herausfinden würde, dass die dann auch tatsächlich den besseren Sex haben.
Abschließend sei noch die Idee erwähnt, eine kurze Pause zwischen Aufforderung, wie "Ich will dich in mir spüren!" nach dem "Ich will dich" zu machen. Das erhöht angeblich die Spannung! Na denn mal los.
Wege sexueller Lust, Teil 9: "PorYes" - "PorNo"
Geschrieben am 30.09.09 um 09:47 Uhr

Jetzt ist es schon über 20 Jahre (1987) her, dass Alice Schwarzer mit ihrer "PorNo-Kampagne" in der Zeitschrift "Emma" ein Anti-Porno-Gesetz forderte.
In dem Gesetzentwurf wurde Pornographie so definiert, dass der zentrale Sinn dabei sei, Frauenerniedrigung und -verachtung zu propagieren und zu realisieren. Diese These wurde schon damals heftig und kontrovers diskutiert und erfuhr erst vor kurzem (2007) eine Neuauflage. Wiederum in der Zeitschrift "Emma", wo nun definiert wurde: "Pornografie ist die Verknüpfung in Text oder Bild von sexueller Lust mit Lust an Erniedrigung und Gewalt." Interessant an dieser Haltung ist die Verknüpfung von Pornographie und Sadomasochismus. Beides wird in einem Atemzug genannt. Die Tatsache der gegenseitigen Freiwilligkeit wird dabei außen vor gelassen; vielmehr argumentiert Schwarzer so, dass sie Frauen masochistische Wünsche abspricht und ihnen eine "Kollaboration mit dem Feind" unterstellt. Letzteres ist natürlich eine ziemlich gewagte These, stellt sie doch damit viele Frauen, die behaupten, mit dieser Form der Sexualität selbstbestimmt zu sein und dies auch offen vertreten, in eine Anklageecke.
Überhaupt ist das Thema "Porno" eines der am heftigsten und gegensätzlichsten diskutierten Themen überhaupt. Besonders schwierig scheint eine Differenzierung zu sein. Dies sollte aber doch eigentlich möglich sein. Schauen wir uns dazu zunächst einmal eine aktuelle Statistik über die "Wunschproduktion Porno" an. Danach lehnen 30,3 Prozent der deutschen Pornos ab, 22,8 Prozent schauen sich Pornos allein an, 28,9 Prozent zusammen mit dem Partner und 14,1 Prozent geben an, dass sie dies gerne mit dem Partner täten. Selbstverständlich kann man sagen "Na, ja, mal wieder so eine Statistik" - andererseits geben die Zahlen zusammen genommen zumindest eine relativ offene bis neugierige Haltung wieder. Schade allerdings, dass nicht zwischen den Geschlechtern unterschieden wird. Was Sinn macht in dieser Diskussion wäre also, zwischen verschiedenen Arten von Pornos zu unterscheiden. Zum einen gibt es Pornos, die tatsächlich Gewalt verherrlichen oder wo einer der Partner erniedrigt wird (das ist im Übrigen gar nicht immer die Frau - auch manche Männer träumen offensichtlich von solchen Praktiken). Und zum anderen gibt es welche, wo eine mehr oder weniger gleichberechtigte gegenseitige Lustbefriedigung gezeigt wird.
Eine vollkommen andere Frage ist dann, ob eine pornographische Darstellung überhaupt dazu geeignet ist, die eigene Phantasie anzuregen und einen sexuellen "Kick" anzubieten. Diese Frage wird meist mit der Grundsatzkritik an der Pornographie im Allgemeinen vermischt. Wenn man also einmal davon absieht, dass im Porno immer nur "willige Objekte" dargestellt werden - dann geht es doch um die Verknüpfung von Sex und Erotik. In diesem Zusammenhang fordert die Betreiberin des Kreuzberger "Sexclusivitäten"-Ladens Laura Merrit "die zweite Hälfte des Pornos". Frauen machen ihrer Meinung nach die besseren Pornos, weil sie eben mehr die Beziehungsebene im Auge hätten und den Sexualakt eingebettet sehen möchten in eine (erotische) Handlung. Deshalb soll jetzt ein "PorYes"-Gütesiegel verliehen werden, das künftig gute Pornos von handelsüblicher Schundware unterscheidet. Aber auch hier gibt es wieder solche Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts, die sich von dieser Herangehensweise distanzieren und den "männlichen Blick" auf das Geschehen präferieren: "Wenn schon, dann schnörkellos und ohne Umschweife." Man sieht, dass die ganze Angelegenheit nicht über einen Kamm geschoren werden kann. Offensichtlich nämlich geht es um ganz bestimmte "innere Bilder", die rollenspezifisch mal mit einem eher männlichen und dann wieder mit einem eher weiblichen Blick daherkommen. Gemeinsam, denke ich, sollte ihnen sein, dass sie die spezifisch eigene Blickrichtung nicht dazu benutzen, den anderen abzuwerten oder nur für die eigenen Zwecke zu benutzen. Dann könnte es gleichgültig sein, ob man den Porno als Einakter oder als ein ganzes Drama dreht.
Liebe ohne Sex - Ein lebbares Konzept?
Geschrieben am 23.09.09 um 14:21 Uhr

Laut einer Umfrage eines Frauenmagazins könnte sich jeder Dritte vorstellen, eine Beziehung ganz ohne Sex zu führen.Und eine weitere Studie ergab, dass Paare ab Ende 60 oft ganz aufhören, miteinander Sex zu haben, auch wenn sie zuvor ein erfülltes Sexualleben genossen hatten.
Vor allem in langjährigen Partnerschaften kann es auch bei jüngeren Paaren immer einmal Phasen geben, in denen die Lust auf Sexualität nahezu zum Erliegen kommt. Sexuelle Abstinenz ist dann vollkommen in Ordnung, wenn beide Partner damit gut leben können. Besonders in fortgeschrittenem Alter nimmt der Sex eine weniger wichtige Rolle im Leben der meisten Paare ein. Liebe, Zärtlichkeit und Zuneigung zeigen sich in anderen Dingen. Wenn beide dahingehend auf der selben Wellenlänge liegen, ist dagegen nichts einzuwenden.
Problematisch wird es dann, wenn das Bedürfnis nach Sexualität bei einem ausgeprägter ist als beim anderen. Unerfüllte Sexualität kann nämlich ein ausschlaggebender Faktor für das Scheitern einer Beziehung sein. Erotik und die damit verbundene Spannung ist ein wichtiger Bestandteil der Liebe. Tatsächlich besteht die ideale Form einer Beziehung aus einem harmonischen Dreiklang von Liebe, Sex und Erotik. Gerade in langen Beziehungen bleiben Sex und Erotik aber oft auf der Strecke der Alltäglichkeiten. Obwohl zwischen den Partnern ein gewisses Maß an Zuneigung, Verbundenheit und gegenseitigem Respekt besteht, so fehlt jedoch ein wichtiges Moment, das in einer Beziehung für Spannung sorgt.
Fehlen Sexualität und Erotik in einer Beziehung gänzlich, so könnte man sie wohl eher als Freundschaft, denn als Liebe bezeichnen.So eine Verbindung mag angenehme Aspekte haben, doch sie wird statisch und verliert ihre Lebendigkeit. Auf Dauer wird das wohl nur in Einzelfällen gelingen. Eher wird sich einer der Partner seiner Unzufriedenheit irgendwann bewusst werden und sich neu orientieren oder untreu werden. Studien bestätigen, dass sexuelle Unzufriedenheit einer der führenden Trennungsgründe ist. Trotz aller Sicherheit, die eine sexlose Beziehung bietet, bleibt oft das bohrende, unterbewusste Verlangen. Sexualität ist ein wesentlicher Bestandteil der Persönlichkeit - ein zentraler Faktor für menschliche Lebensäußerungen. Jedes Paar sollte also einen eigenen Weg finden, der beide auch in sexueller Hinsicht befriedigt. Findet eine Beziehung ohne Sex statt, so ist es sinnvoll, die Gründe dafür zu hinterfragen. Handelt es sich um eine Phase, so ist das kein Grund zur Beunruhigung, denn eine Beziehung - so wie die menschliche Sexualität - verändert sich im Laufe der Zeit und es werden auch wieder andere Phasen kommen. Ist es jedoch ein Dauerzustand von Beginn an, so sollte dies beobachtet und erforscht werden.
Silversex - wie viel ist normal?
Geschrieben am 16.09.09 um 10:07 Uhr

Auch ältere Menschen können durchaus ein erfülltes Sexualleben haben. Eine amerikanische Studie besagt, erst ab Mitte Siebzig lässt die Libido bei vielen Menschen tatsächlich merkbar nach. Doch das ist natürlich individuell verschieden.
Es gibt ältere Menschen, die derart vital und jung geblieben sind, dass sie bis ins hohe Alter gern und oft Sex haben. Oft hängt ein erfülltes Sexualleben im Alter nicht allein von der Zahl der Lebensjahre ab: Viele Ältere haben keinen Partner oder gesundheitliche Probleme machen ihnen zu schaffen. Diese sind übrigens eher bei Männern ausschlaggebend, wenn es um die Sexualität geht. Frauen sind auch jenseits der Wechseljahre sexuell erregbar, während Männer gleichen Alters häufiger mit Erektionsproblemen zu kämpfen haben.
Viele Frauen haben trotz gleich bleibender Libido weniger Sex, je älter sie werden. Oft überleben sie ihre Partner und bleiben über Jahre hinweg allein. Glücklicherweise haben sie heutzutage die Möglichkeit, einen neuen Partner zu treffen und mit diesem lustvolle Stunden zu erleben. Oft ist die Sexualität im Alter sogar um Einiges entspannter als in jungen Jahren. Viele Ältere empfinden ihr Liebesleben als sehr befriedigend und intim, obgleich es womöglich nicht mehr so häufig stattfindet. Das ist kein Grund zur Beunruhigung, sondern eine recht normale Entwicklung. Denn unsere Sexualität verändert sich im Laufe unseres Lebens. Ist sie in der Jugend noch eher auf makellose Körper fokussiert, rückt der Austausch von Zärtlichkeiten und anderen Gesten der Zuneigung mit zunehmendem Alter oft in den Vordergrund, wenn womöglich vieles nicht mehr so klappt wie früher.
Wichtig ist, dass beide Partner ihre Wünsche und Bedürfnisse kennen und sich offen darüber austauschen. Die unbefangene und lustvolle Sexualität ist kein Privileg der Jugend. Ältere müssen jedoch bisweilen etwas kreativer werden, um sexuelle Befriedigung zu erleben. Es ist wichtig, das gängige Tabu zu überwinden, mit dem Sex im Alter noch immer belegt ist. Das ist nicht leicht, denn der eigene Körper wird von vielen als Makel empfunden und dadurch entstehen Schamgefühle. Darunter leiden besonders Frauen, denn in unserer Gesellschaft gelten Jugendlichkeit und Perfektion als Ideal und das Altern wird vielen dadurch nicht gerade leicht gemacht. Zum Glück gibt es immer mehr selbstbewusstes Senioren, die mit ihrer Lebensfreude dem Alter ein Schnippchen schlagen und ihre Sexualität so häufig und in der Form ausleben, die ihnen die größtmögliche Befriedigung verschafft.
Soll ich die Anzahl meiner Sex-Partner verraten?
Geschrieben am 09.09.09 um 17:50 Uhr

Eine Umfrage eines Frauenmagazins ergab: 15 Prozent der deutschen Frauen hatten mehr als zehn Sexpartner. Gut ein Viertel der Befragten (26 Prozent) hatten immerhin fünf bis zehn verschiedene Männer im Bett und satte 42 Prozent hatten nur zwei bis vier Sexpartner.
Bleibt die Frage, ob man(n) wirklich so detailliert wissen möchte, mit wie vielen Typen seine Herzdame vor ihm intim war.
Kommt die Sprache auf das Thema Sexpartner, so versuchen die meisten Menschen, die ausführliche Antwort irgendwie zu umgehen. Tatsächlich ist es nicht unbedingt eine Sache, die unseren neuen Partner trotz aller Neugier, etwas angeht. So eine Information kann ziemlich vernichtend wirken. Vor allem Männer sind noch immer aufgrund ihrer Geschlechterrolle auf ihre Männlichkeit fokussiert. Deshalb neigen Männer, nach der Anzahl ihrer Sexpartnerinnen befragt, auch häufig zu Übertreibungen. In den Augen vieler Geschlechtsgenossen gelten sie als umso toller und männlicher, je mehr Damen sie in ihrer Trophäensammlung aufzählen können.
Im Gegenteil dazu, untertreiben viele Frauen bezüglich ihres intimen Vorlebens. Sie befürchten, bei allzu zahlreichen Sexkontakten von ihrer Umwelt womöglich als moralisch fragwürdig angesehen zu werden. Und dies gilt umso mehr, wenn es der neue Partner ist, der sie dahingehend befragt. Vollkommen zu Recht halten sie lieber damit hinter dem Berg.
Liebe lebt unter anderem auch von dem Gefühl der Einzigartigkeit und der Exklusivität, das beide Partner empfinden und das stark verbindend wirkt. Da ist das Wissen um die Vielzahl der Vorgänger natürlich schwer zu ertragen, denn das nährt Zweifel, Unzufriedenheit und letztlich Frustrationen.
Es zählt, was die Partner im Hier und Jetzt verbindet. Womöglich haben auch sexuelle Erfahrungen aus früheren Beziehungen uns bis zu einem gewissen Punkt geprägt. Aber auch das ist etwas, das wir in erster Linie mit uns selbst ausmachen müssen und für das unser aktueller Partner nicht verantwortlich gemacht werden kann. Dass wir alle eine gewisse Liebes-Vorgeschichte haben, dürfte eigentlich jedem klar sein, doch die sollte strikt persönlich und ebenso diskret behandelt werden. Einem Partner ganz ohne Erfahrung zu begegnen ist schon recht unwahrscheinlich.
Die Zahl der Sexpartner ist somit irrelevant. Es gibt keine Zahl, die sagt, was "normal" oder "angemessen" ist. Das hängt von den jeweiligen Lebensumständen und der Persönlichkeit eines Menschen ab. Das gilt für Männer ebenso wie für Frauen. Immerhin 17 Prozent hatten übrigens nur einen einzigen Sexpartner - aber vielleicht gehörten die zu den eher jüngeren Befragten.
Wessen Angelegenheit ist die Familienplanung?
Geschrieben am 03.09.09 um 11:50 Uhr

Solange der Himmel voller Geigen hängt, ist es für jedes Paar selbstverständlich, gemeinsame Entscheidungen zu treffen. Was aber, wenn sich einer der Partner anders entscheiden will? Diese Frage wird dann besonders brisant, wenn es um die Familiengründung geht.
Wenn in dieser wirklich existenziellen Frage Einheit herrscht, ist es kein Problem. Ein Paar kann sich heutzutage ganz bewusst für oder gegen Kinder entscheiden. Die Zeiten, in denen es als befremdlich galt, wenn ein Paar aus freien Stücken kinderlos blieb, sind zum Glück vorbei. Problematisch wird es, wenn einer der Partner einen starken Kinderwunsch hat, der andere aber nicht.
Vor allem Frauen haben aufgrund immer besserer Verhütungsmethoden die Möglichkeit, selbst bestimmt zu entscheiden, ob und wann sie Kinder haben möchten. Familienplanung ist somit immer noch in erster Linie Frauensache und viele Männer fühlen sich dem fast schon ausgeliefert. Nicht von ungefähr kommt der Ausdruck "jemandem ein Kind unterjubeln". Dennoch ist es eher die Ausnahme als die Regel, dass sich eine Frau auch ohne die Zustimmung des Mannes für ein Kind entscheidet oder ihn bewusst hintergeht, indem sie entgegen der Absprache beispielsweise die Pille absetzt, um schwanger zu werden. Die Hoffnung, der Partner werde diese Entscheidung schon mittragen, wenn er erst mit den Tatsachen konfrontiert ist, haben realistischerweise nur wenige Frauen. Die meisten, klugen Frauen wissen nämlich, wie schwer das Alleinerziehenden-Dasein ist und dass letztlich vor allem die Kinder die Leidtragenden eines solchen Alleingangs sind.
Tatsächlich ist die Entscheidung für ein Kind eine Entscheidung, die beide gleichermaßen treffen und natürlich auch dauerhaft verantworten müssen. Das Klischee behauptet noch immer, es seien eher die Frauen, die sich auch ohne Partner für ein Kind entscheiden und die Männer werden oft gar nicht erst in diese Entscheidung miteinbezogen. Doch umgekehrt sind es meist die Männer, die sich gegen die Familiengründung aussprechen. Da ist die Berufsplanung, die noch nicht abgeschlossen ist, die wenig konsolidierte finanzielle Situation oder die eigene Sehnsucht, erst einmal das Leben zu genießen, bevor man(n) sich auf die Verantwortung der Vaterschaft einlassen möchte. Nur wenige Frauen entscheiden sich in so einer Situation gegen den Willen des Partners für ein Kind. Aus diesem Grund bleiben viele - vor allem Akademikerinnen - ungewollt kinderlos. Das Dilemma: Ist die männliche Karriere- und Egoplanung abgeschlossen, wünschen sich viele doch noch Kinder. Sie trennen sich und gründen mit jüngeren Partnerinnen eine Familie.
Wege sexueller Lust - Zwischenspiel
Geschrieben am 18.08.09 um 16:23 Uhr

Immer wieder stellt sich im Leben die Frage, wofür man sein Geld ausgeben will. Als ich zum Beispiel vor zwei Jahren meine Wohnung renovieren ließ, fragten mich einige Freunde verwundert bis irritiert, wieso ich denn so hohe Kosten in die Wohnung stecken würde, das sei doch nur eine Mietwohnung.
"Das lohnt sich doch gar nicht!" "Bist du verrückt!". Na ja, habe ich gedacht, ich will mich doch einfach nur wohlfühlen, und für die Ewigkeit bauen wollte ich doch auch nicht. Ich habe mich dann trotzdem riesig gefreut, als alles so weit fertig war und habe insgeheim gedacht: Ist doch alles nur Neid, die können mich mal! Man wird also mal wieder mit einer Mehrheitsmeinung konfrontiert und muss seine unabhängige Stellung verteidigen. Obwohl man dazu überhaupt keine Lust verspürt.
Im Grunde gibt es ja dieses Phänomen in allen Lebensbereichen. Das Schlafzimmer ist davon nicht ausgeschlossen. Auch hier herrscht offensichtlich das Prinzip "vernünftige Sachlichkeit". Ein zerwühltes Bett kommt mir nicht ins Haus! Außerdem will man Zeit sparen, wenn man morgens im Stress ist und schnell zur Arbeit muss. Und wer soll dann immer um Gottes Willen noch das Bett machen?! Es bleibt die willkommene deutsche Lösung: Ds Spannbettlaken. Das ist praktisch, gibt es in allen möglichen Größen und ist preiswert zu haben. Und ein Vorteil überwiegt alle anderen: E sorgt dafür, dass das Bett immer schön wie gemacht aussieht, denn nachts kann man es nicht zerwühlen!
Googeln Sie doch einmal im Netz unter "Bettlaken" (z.B. bei MisterInfo!) - Sie werden in den einschlägigen Online-Shops sicher schnell fündig werden - aber alles, was man sich im Bett für unten drunter wünscht, muss vorher hübsch gespannt werden. Fast alles, natürlich. Es gibt auch noch das, was ich eigentlich unter Bettlaken bisher verstanden habe, aber das heißt heute anders, es nennt sich "Betttuch" - inzwischen selbstverständlich auch mit drei "t". Dieses ominöse Betttuch wird manchmal auch damit angepriesen, dass man es nicht nur fürs Bett, sondern z.B. auch als Banner benutzen könnte. ??? Als Banner? Oder als Tischdecke - wirklich. Das heißt also, dass die alte Idee eines Bettlakens, das man oben, unten, links und rechts drunter legen muss, in Wirklichkeit völlig abhanden gekommen ist und man sich nun rein marketingtechnisch gesehen damit behilft, es nun gleichzeitig für ganz andere Zwecke anzupreisen. Sonst würde das überhaupt niemand mehr kaufen!
Aber es gibt einen Lichtblick! Einen Lichtblick, der allerdings sehr, sehr teuer ist. Geradezu unverschämt teuer. So teuer, dass meine Freunde, die sich über meine Wohnungsrenovierung aufgeregt haben, mich wahrscheinlich endgültig in die Rasse der Snobs verbannen würden, wenn sie wüssten, dass ich wieder auf und unter einem echten Bettlaken schlafe. Es handelt sich um die italienische Bettwäschenmarke "Frette". Schauen Sie doch nun bitte noch einmal im Netz nach und gehen Sie auf frette.com. Dort finden Sie Wäsche, die endlich den richtigen Rahmen für romantischen, guten Sex bietet. Allerdings müssen Sie sich in Ihren Gewohnheiten umstellen, was aber leicht fallen dürfte, wenn Sie einmal im Urlaub in einem etwas teureren Hotel in Italien logiert haben. Erinnern Sie sich, wie dort die Betten gemacht waren? Genau! Es gibt nur ein großes Laken und eine große Decke. Trotzdem bleibt für jeden genug Platz, wenn man sich danach zur Seite rollen und seine Ruhe haben will. Wenn nun diese Laken aus einem satinartigen, fein gewebten Baumwollstoff besteht - dann handelt es sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um die Marke Frette. Übrigens: Weltweit machen sehr feine Hotels damit Werbung, dass sie Frette-Bettwäsche auf den Zimmern haben.
Warum also nicht einmal etwas tiefer ins Portemonnaie greifen - wo man doch sonst für so viele unnötige Dinge sein Geld zum Fenster hinaus schmeißt?! Mit einem echten italienischen Bettlaken dürfte dann ein wichtiger Baustein auf dem Weg zurück zu einer lustvollen und erotischen Begegnung im häuslichen Schlafzimmer gesetzt sein.
Wege sexueller Lust, Teil 8: Die Lust am Spiel
Geschrieben am 11.08.09 um 17:09 Uhr

"Für Maria war alles ein Spiel, ein Anlass zu ständig neuen Erfindungen, und keine Idee war zu ausgefallen, um nicht wenigstens einmal ausprobiert zu werden. Wir liebten uns bekleidet und unbekleidet, bei Licht und im Dunkeln, im Haus und im Freien, auf ihrem Bett und darunter.
Wir hüllten uns in Togen, Höhlenmenschenkostüme und geliehene Smokings. Wir taten, als seien wir uns fremd, wir taten, als seien wir verheiratet. Wie spielten Arzt und Krankenschwester, Kunde und Kellnerin, Lehrer und Schülerin und umgekehrt."
Dies ist eine Szene aus dem Buch "Leviathan" von Paul Auster, das gerade meine Bettlektüre ist. Eine schöne Begründung für die Spielfreude von Maria liefert Auster auch: "Das alles war wohl reichlich kindisch, aber Maria nahm diese Eskapaden ernst - nicht als Zeitvertreib, sondern als Experimente zur Erforschung der wandelbaren Natur des Ich." Das ist natürlich eine recht romantische und auch eher philosophische Interpretation - es bleibt etwas unklar, was dieses Verhalten für die Beziehung bedeutet, denn der Partner bleibt außen vor.
Die meisten, die gerne Rollenspiele in ihr Sexleben integrieren, begründen dies damit, ihr Sexleben damit "auffrischen" zu wollen und für mehr Spaß im Bett zu sorgen. Aber natürlich spielen auch andere Aspekte eine Rolle. So kann man hier auf spielerische Art und Weise das Thema "Dominanz und Unterwerfung" abhandeln - denn dies bestimmt die Dramaturgie der meisten Rollenspiele. Warum mag das so sein? Hierarchie in Beziehungen kann zu festgefahrenen "Rollen" führen, und genau das ist es dann auch, was der Erotik empfindliche Dämpfer versetzen kann. Wir erfüllen unsere Pflichten als Vater, Mutter, Versorger, Hausfrau, Beschützer und vieles mehr. Aber oft haben wir auch das Gefühl, dass gerade diese Rollenzuschreibungen uns einschränken und festlegen. Hier setzt sicherlich der Reiz von sexuellen Rollenspielen an, denn nun kann man einmal in eine ganz andere Rolle schlüpfen, und man weiß, dass es mit Lustgewinn, d.h.: einer Belohnung verbunden ist. Aber auch Anteile der Person, die im "normalen Leben" weniger zugänglich und vielleicht sogar mit Scham oder Schüchternheit besetzt sind, kann man auf diesem Wege "rehabilitieren". Indem man sie jetzt einmal auf kreative Art und Weise mit dem Partner erlebt und in den Vordergrund stellt. Die Rolle, die man einnimmt, kann einem dann auch dazu verhelfen, eine gewisse Distanz zur "Alltagsperson" herzustellen und ermöglicht somit, unbekannte Areale zuzulassen.
Natürlich können auch "tiefer liegende" Wünsche und Begehrlichkeiten im Rollenspiel zur Geltung kommen. Offenbar hat sich gerade bei einigen Männern, die in ihrem Beruf sehr viel Verantwortung tragen oder hohem Druck und Stress ausgesetzt sind, das Bedürfnis entwickelt, sich im sexuellen Rollenspiel auszuliefern und damit vorübergehend zu entlasten. Man könnte also von einer Art kontrollierter Regression auf eine frühere Entwicklungsstufe sprechen. Sicherlich kann dies in einer Beziehung auch problematisch werden, wenn solche Wünsche ausgesprochen, aber vom Partner nicht verstanden werden - oder er sich dadurch unter Druck gesetzt fühlt oder es vielleicht sogar mit der Angst bekommt. Es muss also eine Gegenseitigkeit in der Wunscherfüllung vorliegen, sonst wird es nicht wirklich gut funktionieren. Und es spiegelt sicherlich auch wider, wie tolerant beide Partner miteinander umgehen, wie neugierig sie aufeinander sind.
Da wären wir dann wieder bei Maria und ihrer "wandelbaren Natur des Ich".
Wege sexueller Lust, Teil 7: Die Trauer des Exhibitionisten
Geschrieben am 29.07.09 um 12:44 Uhr

Was waren das noch für Zeiten, als der unheimliche Mantelträger mit plötzlichem und unerwartetem Zurückschlagen seines Kleidungsstückes Schock und Abscheu bei dem überrumpelten Opfer hervorrufen konnte! Dieser Effekt könnte schon jetzt der Vergangenheit angehören.
Wir müssen nämlich konstatieren, dass der eigentliche Reiz, dem das exhibitionistische Verhalten zugrunde liegt, einer globalen Entwicklung hin zur Auflösung von Schamgrenzen gewichen ist. Um diese These zu verdeutlichen, schauen wir uns einmal eine der neueren psychologischen Deutungen an, die ein Exhibitionist bislang über sich ergehen lassen musste. Die Grundidee dabei ist, dass das plötzliche "Zurschaustellen" von intimen Körperteilen eine ganz besondere Art von Beziehungsangebot darstellen würde, die das Opfer nicht oder nur schwer ablehnen kann. Selbstverständlich geht es dabei um Macht und Kontrolle. Der Täter hat hierbei sein Opfer fest im Blick und erzeugt bei ihm eine Art von Schockstarre, die mit einer plötzlichen Regression (= Herabfallen auf eine frühere, kindliche Entwicklungsstufe) und einem Gefühl der Beschämung einhergeht. Dadurch verliert das Opfer jegliches Gefühl für Grenzen und geht somit in die (psychische) Gewalt des Gegenübers ein. Es geht also darum, die exklusiven Interessen und Bedürfnisse des Angreifers widerstandslos zu erfüllen und sich ihnen hinzugeben. Dies wiederum erzeugt beim Täter extreme Erregung und ein Gefühl der Beherrschung, die dann eben auch sexuell erlebt wird. Was aber passiert nun, wenn das Opfer gar nicht reagiert oder - schlimmer noch für unseren Mantelträger - in lautes Lachen ausbricht? Damit wäre natürlich jeglicher Reiz dahin und das "Beziehungsangebot" wäre also gescheitert. Eine traurige Sache: Unser Exhibitionist würde leer ausgehen. Ich meine, dass diese Reaktion mittlerweile ziemlich wahrscheinlich sein dürfte. Denn - und jetzt kommen wir wieder zu unserer Ausgangsthese zurück - die Schamgrenzen haben sich in unserer Zeit immer mehr gewandelt und sind dabei, sich vollends aufzulösen. Intimität muss neu definiert werden. Schauen wir doch nur einmal ins Fernsehen, wo sich tagtäglich Menschen grundlos demütigen und öffentlich entwerten lassen - ohne mit der Wimper zu zucken; ja, im Gegenteil: Sie scheinen es sogar zu genießen, sich auf diese Art und Weise ins Rampenlicht stellen zu dürfen. Einmal im Leben bekannt sein, ist eben mehr, als sich auf eine offenbar nur schwer erfahrbare "menschliche Würde" zu besinnen.
Das Fazit ist: Man schämt sich nicht mehr. Die Grenzen zwischen privat und öffentlich, zwischen Individuum und Gesellschaft, lösen sich immer mehr auf. Das sehen wir z.B. auch am Erfolg des Online-Dienstes "Twitter". Und gerade lese ich auch, dass Bill Gates sein Facebook-Profil gelöscht hat, weil inzwischen Zehntausende sein Freund werden wollen. Das war ihm einfach "zuviel Stress". Das "Zurschaustellen" von Körperteilen zum Zwecke exhibitionistischer Neigungen findet also mittlerweile in einem anderen Kontext statt und kann die damit ursprünglich verbundene Absicht - nämlich jemanden unter seinen totalen Einfluss zu bringen - nicht mehr erfüllen. Der Exhibitionist muss sich etwas anderes einfallen lassen.
Wege sexueller Lust, Teil 6: Ist Voyeurismus eine Bagatalle?
Geschrieben am 22.07.09 um 12:51 Uhr

Das Wort "Voyeur" kommt aus dem Französischen von "voir" = sehen. Man spricht deswegen auch von der Schaulust, also eigentlich der "Lust am Zuschauen".
Uns interessiert hier natürlich in erster Linie die sexuelle Dimension. Aber es gibt auch einen Zusammenhang mit dem Sinn nach Schönheit und Ästhetik, also der Lust, sich an schönen Dingen zu erfreuen. Wenn wir mal wieder den guten alten Freud bemühen wollen, ist auch dieses Phänomen ein Durchgangsstadium hin zur genitalen Sexualität und hängt ursächlich mit der Neugier und dem Vergleichen zusammen. Auch die "Zeigelust" - also das, was wir später als Exhibitionismus bezeichnen - gehört hierher. Interessant: offenbar spielen sich viele Entwicklungsphasen in Form von Polaritäten ab. Der Masochismus beinhaltet den Sadismus, und der Voyeurismus den Exhibitionismus. Allerdings scheiden sich hier auch oft die Geister: Ob im Sklaven wirklich immer ein Herr steckt, und ob die Domina sich heimlich immer nach der Unterwerfung sehnt, ist umstritten. Doch zurück zu unserem Voyeur. Zunächst wird auch in diesem Bereich den Männern eine gewisse Übermacht nachgesagt, ähnlich wie bei den anderen Seitenpfaden menschlicher Sexualität. Nicht wenige Frauen empfinden dies als neue Form der Diskriminierung und beschweren sich zum Beispiel darüber, dass man ihnen keine Fetische oder andere Formen "perverser" Neigungen zutrauen würde: Sie fühlen sich benachteiligt! Dies ist ein nettes Beispiel dafür, wie die Bereiche "Pathologische Form der Sexualität", "Normale Sexualität" und "Sexuelle Spielarten" miteinander verwoben sind und sich - je nach Stellenwert und gesellschaftlichem Hintergrund - vermischen. Was passiert aber, wenn man einen Voyeur bei seinem liebsten Tun, dem Schauen, erwischt? Da finde ich zum Beispiel einen jungen Mann, der heimlich mit einem Spiegel unter der Wand einer Umkleidekabine in einem öffentlichen Schwimmbad die Mädels beim Ausziehen beobachtet hat. Und man hat ihn dabei ertappt. Jetzt gab es eine Anzeige, und die Frage stellte sich, wie denn diese Handlung strafrechtlich einzuordnen sei. Als Bagatelle? Das ist keinesfalls so einfach, denn das reine "Spannen" kann eigentlich nur dann bestraft werden, wenn es z.B. mit dem heimlichen Aufzeichnen von Videoaufnahmen verbunden ist. Aber Achtung: Wenn der voyeuristische Übergriff als "Beleidigung" eingestuft wird, was wohl häufig geschieht, kann das bis zu einem Jahr Gefängnis bedeuten. Die Frage, die sich stellt: Sollten wir uns tatsächlich beleidigt fühlen, wenn jemand uns heimlich - zugegeben: Zu seiner eigenen Luststeigerung und Befriedigung - bewundert? Grenzt dies nicht schon wieder ein bisschen an Prüderie? Oder sollte man vielleicht sogar soweit gehen und die Frage stellen dürfen, ob sich nicht auch der Akteur selbst, also der Schaulustige, manchmal ob des Gesehenen ein wenig beleidigt fühlen dürfte? Allerdings war dies keinesfalls die größte Sorge unseres jungen Mannes. Vielmehr fürchtete er, dass bei einer Vorladung bei der Polizei einer seiner Elternteile auftauchen würde bzw. man diese mit in Kenntnis über sein Vergehen setzen würde. Man kann sich also ungefähr vorstellen, welche inneren Konflikte hier losgetreten wurden, die sich ähnlich bei vielen von uns in der Pubertät abgespielt haben mögen. Wenn man dann aber irgendwann darüber hinausgewachsen ist - was wir im Nachhinein auch unserem Protagonisten von Herzen wünschen! - und wir uns also nicht mehr vor dem "Erwischtwerden" zu fürchten brauchen und uns vielmehr offen zu unseren voyeuristischen Neigungen bekennen können - dann zeigt sich das oft darin, dass die Pornohefte endlich nicht mehr unter der Coach versteckt werden müssen. Denn dann darf endlich auch öffentlich geschaut werden!
Wege sexueller Lust, Teil 5: "Der Anblick Ihres Fußes verwirrt mich"
Geschrieben am 13.07.09 um 14:34 Uhr

"Den Rücken dem Licht zugekehrt, neigte Madame Arnoux sich über ihn. Er fühlte ihren liebkosenden Atem auf der Stirn, und durch die Kleider hindurch die unbestimmte Berührung ihres ganzen Körpers.
Ihre Hände pressten sich, die Spitze ihres Schuhes kam ein wenig unter dem Kleide hervor, und seiner Sinne kaum mächtig, sagte er zu ihr: "Der Anblick Ihres Fußes verwirrt mich." (aus: Gustave Flaubert, "Education Sentimentale")
Zum ausgehenden letzten Jahrhundert war es der Assoziationspsychologe Alfred Binet (1857-1911), der als einer der ersten mit der Theorie der angeborenen Perversion aufräumte. Er entdeckte, dass bestimmte Fixierungen und Zwänge im sexuellen Bereich in einen Zusammenhang mit frühkindlichen Erfahrungen gebracht werden konnten. So schildert er das Beispiel eines Patienten, der als Kind immer bei den Eltern schlafen musste und dabei die Mutter mit einer Nachthaube bekleidet beobachtete. Später entwickelte er dann eine fetischistische Neigung, die sich auf ebensolche Nachthauben bezog. Die Theorie der Assoziation war geboren: Ein Verhalten wird durch ganz bestimmte, natürlich bedeutungsvolle Erlebnisse geprägt und - sicher zusätzlich begünstigt durch noch andere Faktoren - z.B. zu einem Fetisch ausgebildet. Diese Annahme von Binet wurde dann von anderen Wissenschaftlern aufgegriffen und mündete später in der Behauptung einer polymorph-perversen Veranlagung beim Kinde, formuliert von Freud.
Als einer der ersten Wissenschaftler, die sich vom Degenerationsmodell der Sexualität verabschiedeten und eine gleichsam liberale und fortschrittliche Sicht auf das Sexuelle zuließen, war Iwan Bloch (1812-1922). Er zeigte auf, dass eine Unzahl sexueller Praktiken in vielen Kulturen üblich ist und führte dies auf ein allgemein- menschliches Bedürfnis nach einem offenen Ausdruck und der Befriedigung sexueller Bedürfnisse zurück.
Freud selbst blieb indes beim Diktat des Genitalen, dem er alle anderen sexuellen Äußerungen unterordnete. Dafür führte er den Begriff des "Partialtriebes" ein, d.h. die von bestimmten Körperteilen (Mund, Anus, Haut) ausgehende, sexuelle Energie. Die "erogene Zone" war damit geboren. Eine ?Fixierung? auf eine solche Zone, die anhaltend ist und eine Entwicklung zur genitalen Reife verhindert, wurde dann mit dem Begriff "Perversion" belegt. Der Begriff der "Fixierung" ist hier entscheidend, denn er erklärt erst, warum es zur Ausbildung eines bestimmten, festgelegten Sexualverhaltens kommen kann. Wie weit eine solche Fixierung gehen kann, zeigt ein aktuelles Beispiel aus dem Rhein-Main-Gebiet, wo ein Schuhfetischist sein Unwesen treibt.
Interessant ist für uns in diesem Zusammenhang allerdings auch, dass Freud den Fetischismus als in gewissem Masse "normal" und Teil unseres Alltagslebens ansah. Gott sei Dank!
Wie kommt es aber nun zu solchen Fixierungen? Hier wird das eigentlich psychologische bzw. psychoanalytische Denken Freuds wichtig. Er stellt nämlich einen Zusammenhang her mit der Kastrationsangst des Knaben. Dieser ist schockiert wegen des fehlenden Penis bei der Mutter und hat Angst, kastriert zu werden. Der Schuh - und vor allem der hochhackige! - bildet den Ersatz für den Penis der Mutter, der über das Betrachten des Beines (von unten!) gleichsam symbolisch einen neuen Penis schafft, um sich psychisch Erleichterung - und Erregung - zu verschaffen. Eine These, die sicherlich auch heute noch - vor allem bei der Verbreitung von High Heels und Pumps - zu erstauntem Stirnrunzeln führen dürfte. Zum Beispiel bei den Teilnehmerinnen eines Wettlaufes, veranstaltet von der Zeitschrift "Glamour", die auf ihren High Heels durch die Berliner Innenstadt gerannt sind. Ob die sich über die Implikationen bei ihren männlichen Bewunderern am Straßenrand bewusst waren?
Wege sexueller Lust, Teil 4: Oben und unten in der Sicht der Wissenschaft
Geschrieben am 01.07.09 um 16:14 Uhr

Eine nicht ganz ernst zu nehmende Studie der Universität Illinois (Alison, L., Santtila, P., Sandnabba, N. K., Nordling, N. (2001). Sadomasochistically oriented behavior: Diversity in practice and meaning.
Archives of sexual behavior 30(1):1-12) wirft ein Licht auf den Versuch, sadomasochistische Praktiken im Labor zu untersuchen, um daraus Ableitungen auf Beziehungsgestaltung und auch auf hormonelle Veränderungen der beteiligten Personen zu schließen.
Zunächst wurde eine Anzahl von Paaren ausgewählt und mit Hilfe eines Fragebogens vorab nach ihren Präferenzen - ob eher dominant oder devot - gefragt. Vor und nach dem Sex wurden die Paare nach Testosteron und Cortisol - einem Stresshormon - mittels ihres Speichels untersucht. Die bahnbrechende Erkenntnis der Wissenschaftler war zunächst die Entdeckung einer Steigerung des Cortisolhaushalts - was sicherlich nach einer Anwendung sadomasochistischer Praktiken, die u.a. aus Fesselungen, Peitschenhieben und der Verabreichung von Brustclips bestand, nicht weiter verwunderlich sein dürfte. Man versuchte ferner, Hypothesen darüber aufzustellen, wie die Verteilung von Testosteron vorauszusagen sein könnte. Die Vermutung ging dahin, dass Beteiligte in der dominanten Rolle einen höheren Testosteronschub aufweisen würden, als diejenigen in der devoten Rolle. Dem war aber nicht so. Beide Personengruppen wiesen einen ähnlich hohen Anstieg bei diesem Hormon nach. Die Erklärung der Wissenschaftler lautete, dass auch diejenigen in der devoten Rolle durch eine gesteigerte Erwartungshaltung dessen, was mit ihnen passieren würde, zu der gesteigerten Hormonproduktion gekommen seien. Das ist immerhin eine Erkenntnis. Zudem ergaben sich Schwierigkeiten bei der Durchführung des Experiments. Nicht alle Probanden hielten eindeutig ihre vorher angekündigte Rolle durch: Manche, die sich zur devoten Praktik bekannt hatten, endeten schließlich in der entgegen gesetzten Rolle, was von den Untersuchern offensichtlich als Störung betrachtet wurde. Da muss man schon ein wenig schmunzeln, finden Sie nicht? Schließlich machten die Wissenschaftler es möglich, beim Akt selbst mit dabei zu sein und ihn "live" zu beobachten; schließlich wäre man auf dem Gebiet der Standardisierung solcher Inhalte "erfahren", da man sich mit selbigen "auskennen" würde. Was soll das heißen? Müssen Wissenschaftler in Zukunft selbst nachweisen, dass sie bestimmte sexuelle Vorlieben mitbringen, um auf diesem Gebiet überhaupt forschen zu dürfen?
Ein weiteres Ergebnis war, dass die Beteiligten an dem Experiment ihre Paar-Bindung durch die Anwendung eben dieser SM-Praktiken festigen und vertiefen würden. Das ist eine Allerweltsweisheit und schon lange bekannt: Die Einigkeit auf dem Felde der gegenseitigen Lustzufügung muss an sich schon zur Beziehung beitragen, wenn sie denn auch als lustvoll und befriedigend erfahren wird - egal, ob man unten oder oben liegt.
Wege sexueller Lust, Teil 3: Dominanz und Unterwerfung
Geschrieben am 25.06.09 um 16:40 Uhr

Sadomasochistische Praktiken sind nicht erst mit dem Marquis de Sade beschrieben und bekannt gemacht worden. Die Lust an der Unterwerfung und das Gegenstück, die Lust am Beherrschen, sind wohl so alt wie die Menschheit selbst.
Jede Kultur stellt dabei besondere Praktiken in den Vordergrund, jedoch ist ihnen meist ein inhaltliches Thema gemein: Der Wunsch, mit Kontrolle in die eine oder die andere Richtung zu spielen, um dadurch den Lustgewinn zu erhöhen.
Man trifft heutzutage in der Medizin die Unterscheidung zwischen sexuell abweichendem und damit der Diagnostik zuzuordnendem Verhalten einerseits und andererseits einem Verhalten, das dem gegenseitigen, zusätzlichen Lustgewinn dient und damit als solches nicht mehr als "abweichend" gesehen wird. Insofern ist in den letzten hundert Jahren eine Liberalisierung innerhalb der Sichtweisen auf Sexualität - auf das, was "normal" ist - vonstatten gegangen. Aber man muss auch anmerken, dass diese liberalisiertere Form der Wahrnehmung von Sexualität nur in westlichen Gesellschaften, und auch dort nur in Teilen der Gesellschaft wirklich angenommen und gelebt wird. Als Beispiel sei die aktuelle Reaktion der Hamburger CDU-Politikerin Elisabeth Motschmann erwähnt, die sich heftig und öffentlich gegen die Nominierung von Charlotte Roche zur neuen "3 nach 9"-Talkshowmoderatorin geäußert hat: "Ihr Buch 'Feuchtgebiete' ist von der ersten bis zur letzen Seite obszön, pervers und bedient sich durchgängig einer Fäkalsprache, die Ihresgleichen sucht."
Hier fällt er also wieder, der Begriff "pervers". Die Art und Weise, mit Hilfe des menschlichen Körpers und seiner Lüste und Ausscheidungen Macht auszuüben, hat sich also nur teilweise wirklich gelockert - noch immer versuchen Institutionen und Einzelpersonen, die sich als Vertreter und Verteidiger gesellschaftlicher Moralvorstellungen fühlen oder profilieren wollen, diese Macht über die Art und Weise des Sprechens über und des Betrachtens von Sexualität auszuüben.
Interessanterweise ist nun aber gleichzeitig auch das Thema "Dominanz und Unterwerfung" bzw. ihre sexuelle Spielart in der sadomasochistischen Handlung als Fesselung ("Bondage"), Schlagen oder Demütigen eine Form der Machtausübung. Nur eben ist hier die Definition und die Art und Weise der Kontrolle den sexuell Handelnden überlassen. Der Skandal für die Obrigkeit besteht also vor allem darin, dass sich hier Menschen einer öffentlichen Kontrolle und Definition entziehen und selbst bestimmen, wie sie ihre Lust und ihre Körper definieren und wie sie damit umgehen wollen. Insofern kann man also durchaus die These aufstellen, dass die Ausübung von SM-Praktiken immer auch etwas mit dem Wunsch zu tun hat, sich gerade einer Kontrolle von Außen zu entledigen und sich selbst wieder zur unabhängigen Instanz zu machen. Dabei darf man natürlich nicht verschweigen, dass es auch Menschen gibt, die unter diesen Praktiken leiden. Das ist aber nur dann der Fall, wenn das Gefühl der Freiwilligkeit und Selbstbestimmung verloren gegangen ist oder wenn man tatsächlich das Opfer von Gewalt geworden ist. Dies ist sicherlich klar von einer selbst gewählten Form zu unterscheiden.
Oft wird also die Anwendung von SM-Praktiken gerade als Befreiung empfunden, was manchem als Paradox scheinen muss. Gelegenheit, dies aufs intensivste mit zu erleben, haben wir in dem Kinofilm "Gefahr und Begierde" von Ang Lee, in dem eine Frau zum ersten Mal ihre wahre sexuelle Potenz entdeckt.
Wege sexueller Lust, Teil 2: Etwas Theorie muss sein
Geschrieben am 09.06.09 um 17:51 Uhr

Wenn man die unendliche Variabilität menschlicher Sexualität und ihrer vielfältigen Äußerungen verstehen will, kommt man um den Doyen der Psychoanalyse, Sigmund Freud, nicht herum.
In seinem berühmten Werk von 1905 "Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie" entwickelte er als Erster ein zusammenhängendes, kongruentes Bild menschlicher Sexualentwicklung. Dies bedeutete in erster Linie die Vertreibung der Kinder aus dem asexuellen Paradies der Unschuld. Das Kind durchläuft dabei verschiedene Phasen, beginnend mit der Entdeckung lustvoller Gefühle und Sensationen im Zusammenhang mit Körperfunktionen (Ausscheidung, Sauglust), weiter über autoerotische Befriedigung am eigenen Körper bis hin zur Besetzung einer erogenen Zone durch Masturbation. Freud schreibt sogar, dass im Grunde der ganze Körper eine solche erogene Zone sei - obwohl natürlich bestimmte Bereiche für das Lustempfinden prädestiniert seien. Wichtig in diesem Zusammenhang ist seine Betonung und Unterscheidung von nicht in erster Linie genital bestimmten Trieben, den so genannten Partialtrieben. Erst später in der Pubertät verlagert sich das Lustempfinden auf die Genitalien, während vorher orale und anschließend anale Triebempfindungen durchlaufen werden. An dieser Stelle tauchen also die Begriffe auf, die wir später in der Beschreibung bestimmter sexueller Praktiken, die wir als "Spielarten" bezeichnet haben, wieder finden. Vor allem die Herausbildung bestimmter fetischistischer Neigungen kann in diese frühe Phase kindlicher Sexualentwicklung zurückverfolgt werden.
Kritisch muss man an dieser Stelle anmerken, wie Freud das Verhältnis der Geschlechter in der Sexualentwicklung bewertet und festgeschrieben hat. Obwohl er grundsätzlich von einer bisexuellen Veranlagung des Menschen ausging, schreibt er dem Mann quasi die Vorherrschaft durch den Phallus zu und lässt die Frau in dessen Schatten stehen. Dies wird später aber auf vielfältige Art und Weise revidiert werden und ist heute nur noch in einer klassisch-reaktionären Interpretation der Psychoanalyse vorzufinden.
Was für unser Thema besonders interessant ist, ist die Frage, warum Freud den Weg des Pathologischen dem des Gesunden vorgezogen hat, d.h. warum er eigentlich die Abweichungen vom Normalen in das Zentrum der Forschung stellt und diese als Ausgangspunkt wählt und nicht zunächst eine normale, gesunde Sexualentwicklung annimmt, von der aus dann schließlich ein Blick auf die sexuellen Abirrungen geworfen werden kann. Beeindruckend bestätigt wird dieses Vorgehen Freuds durch seine Annahme eines "polymorph-perversen" Charakters des Menschen als eine Art Ausgangspunkt sexueller Entwicklung. Eine Antwort auf diese Frage könnte lauten, dass Freud damit überhaupt das Betrachten von Sexualität in einen neuen Blickwinkel gestellt hat, indem er die Annahme von Sexualität als eines immergleichen, "normalen" Vorganges in Frage stellt und auf die Tatsache hinweist, dass Sexualität in einen komplizierten Bewertungsprozess biologischer, sozialer und psychologischer Faktoren eingebettet ist. Er stellt also die "Norm" in Frage. Dies ist auch gegenwärtig immer noch von hoher Brisanz - denn was ist diese Norm überhaupt? Michel Foucault sagt dazu: "Das legitime, sich fortpflanzende Paar macht das Gesetz. Es setzt sich als Modell durch, es stellt die Norm auf und verfügt über die Wahrheit." Dabei ist es natürlich nicht das sich "fortpflanzende Paar" selbst, das diese Norm aufrechterhält, sondern gesellschaftliche Institutionen und Mechanismen (Kirche, Justiz, Medien usw.), die Gebote und Verbote aussprechen und kontrollieren.
Die "Wahrheit" über Sexualität und ihre "Ver-Normung" wird also auf gesellschaftlicher Ebene "konstruiert", beobachtet und gelenkt. Dieser Prozess ist bis heute gültig, hat sich aber auf vielfältige Art und Weise aufdifferenziert und wird zunehmend von einzelnen gesellschaftlichen Gruppen und Entwicklungen aufgehoben und in Frage gestellt. Nicht mehr das sich fortpflanzende Paar allein bestimmt darüber, was "gesunde Sexualität" bedeuten soll, sondern parallel dazu neue Ideen und Bewertungen, was Sexualität sein könnte und damit auch, welche Spielarten von Sexualität als lustvoll und positiv gelebt werden.
Wege sexueller Lust, Teil 1: Perversionen oder Spielarten?
Geschrieben am 04.06.09 um 17:14 Uhr

Kleine Vorbemerkung: Wie die geneigten Leser vielleicht mitbekommen haben, hat der Autor dieses Blogs die Neigung, sich in Serien auszudrücken, was möglicherweise für einen Blog etwas ungewöhnlich ist.
Nun - dies mag daran liegen, dass mir oft zu einem bestimmten Thema so viele unterschiedliche Dinge einfallen - was ja beim Thema "Sexualität" auch nicht anders zu erwarten ist - dass ich es schade finde, auf einen gewissen Komplexitätsgrad zu verzichten. So erlaubt mir "die Serie", verschiedene Aspekte ein und desselben Bereiches hintereinander abzuhandeln. Genauso erging es mir bei dem Thema "Perversionen, oder Spielarten des Sex".
Gerade in der therapeutischen Praxis begegnet mir dieses Thema immer wieder, durchaus aber nicht nur im Sinne eines Problem behafteten Bereiches, sondern vielmehr als eine Sache, die positiv gesehen wird und gar nicht weiter problematisiert werden muss. Im Gegenteil: Oft findet man hier Ressourcen bzw. Fähigkeiten, sich Lust zu verschaffen, die dabei helfen können, Selbstbewusstsein zu erhalten oder in anderen Bereichen aufzubauen. Natürlich gibt es auch den entgegengesetzten Fall, wo "das Problem" in diesem Feld verortet wird und man sich damit direkt in der Therapie beschäftigen muss.
"Das meiste, was über Perversionen gesagt wird, ist verlogen. Was man pervers nennt, ist ein Mythos. Etwas in einer bestimmten Weise erleben, anders als andere, ist nur ein gradueller Unterschied zum Erleben der Perversen. Indem man Perversionen beschreibt, grenzt man sich selbst ab und distanziert sich. Jede Gesellschaft produziert Perversionen und die Perversen, die sie braucht." Fritz Morgenthaler
Das obige Zitat nimmt Stellung und wird manchen provozieren. Aber es bringt die Sache auch auf den Punkt: Während Ende des letzten Jahrhunderts noch "übermäßiger sexueller Trieb" und Masturbation als abweichend von einer sexuellen Norm galten, ist es heutzutage fast umgekehrt. Regelmäßiger Sexualverkehr wird in allen Nuancen öffentlich dargestellt und damit hoffähig gemacht; die Onanie wird ärztlicherseits als gesundheitsfördernd empfohlen, z.B. bei Männern, die ein Prostataproblem haben. Sex wird auch von Jugendlichen immer häufiger, selbstverständlicher und früher ausgeübt. Zudem hat sich das Verhältnis der Geschlechter im Laufe der Jahrzehnte fast umgekehrt. Während mit Freud noch der Mann den "Phallus" mit sich herum trug und damit als Macho verewigt wurde, wird heute in den Medien nach den Männern als "dem schwachen Geschlecht" gefragt. Der Penisneid der Frau hat sich in den multiplen Orgasmusneid des Mannes verwandelt. Was ähnlich geblieben ist: Immer noch stehen sich die Geschlechter verfeindet gegenüber. Die Sexualität ist Austragungsort des Geschlechterkampfes geblieben, nur mit anderen Vorzeichen.
Im Rahmen dieser Entwicklungen hat sich also auch die Einschätzung dessen, was als "pervers" bzw. "abweichendes Sexualverhalten" zu verstehen sei, radikal geändert. Während man früher von einer (pseudo-)biologischen Sichtweise wertend auf das sexuelle Verhalten des Individuums herabgeblickt hat, versucht man heute, tolerant alle möglichen Formen der Lustbefriedigung zu begleiten. Dies gilt zumindest für die westliche Hemisphäre. Wie schnell dies allerdings auch wieder in Verfolgungseifer und Abwertung umschlagen kann, hat man jüngst in Moskau erleben dürfen, als Homosexuelle von Militär und Polizei eingekesselt und bedroht wurden. Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, hat es schwer mit seinem Moskauer Amtskollegen.
Bei uns hingegen fällt die Abgrenzung schwer, wenn es um kriminelles Verhalten geht, bzw. um sexuell abweichendes Verhalten, das nicht in einer gleichberechtigten Partnerbeziehung stattfindet und damit einem Menschen schaden kann. Aber gleiches gilt ja im Grunde auch für "normales" sexuelles Verhalten: Denn dieses wird ebenfalls nur dann gutgeheißen, wenn es unter dem Primat der Freiwilligkeit stattfindet. So ist es also auch eben dieses Prinzip - das des freien Willens - das den Bereich der Perversion von einer sexuellen Spielart abgrenzt. Wenn zwei Menschen sich zusammenfinden und freiwillig darüber entscheiden, wie sie sich gegenseitig Lust (oder Schmerz!) zufügen wollen, dann wird dies gemeinhin - allerdings immer noch innerhalb gewisser Grenzen - von der Öffentlichkeit akzeptiert, auch wenn sich der Einzelne damit nicht identifizieren kann. So beobachte ich es desöfteren mit einem gewissen Schmunzeln in meiner Nachbarschaft Berlin-Schöneberg, die stark von einer homosexuellen Kultur geprägt ist, wenn ein vielleicht älteres Touristenehepaar vor einem Schaufenster mit Lack und Leder steht und - wie jüngst geschehen - die Frau mit gespielter schauriger Empörung auf Lederstiefel, Masken und Peitschen hinweist und der Mann sie konsterniert weiterzieht, sich dabei aber seine kleinen Heterowitze nicht verkneifen kann. Dass gleichzeitig immer wieder Homosexuelle in der Nachbarschaft Opfer von Gewalt werden oder sogar Eisdielenbesitzer - wie ebenfalls jüngst geschehen - sie nicht weiter bedienen wollen, zeigt, wie brisant und brüchig dieses Thema immer noch ist.
Welche Spielarten es gibt und wie sich entwickelt haben - damit möchte ich mich dann in den weiteren Folgen dieser Serie auseinandersetzen.
Geschrieben am 20.05.09 um 18:01 Uhr

"Schwindlig und berauscht wie ich war dank solcher stillenden Züge von Glück, lag ich auf dem Sofa, träge ausgestreckt, in höchst köstlicher Mattigkeit, die alle meine Glieder durchdrang." (John Cleland: "Fanny Hill", 1750).
Endlich zum Ziel gekommen, wenn sich die Forderungen der Libido gelegt haben und an deren Stelle ein Zustand der Entspannung und Ermattung getreten ist, tritt etwas ein, was man auch als "Schwebezustand des Lebendigen" bezeichnen könnte. Ein sehr interessanter Zustand, von dem wir auch für andere Lebensbereiche viel lernen könnten.
Um diese Überlegung etwas zu verdeutlichen, folgt ein kurzer Exkurs in die Theorie der Gestalttherapie, die ich selbst als interessanteste und lebendigste Therapieausbildung in sehr guter Erinnerung habe. Die Theorie der Gestalttherapie kennt das Konzept der so genannten "Kontaktkurve". Diese bezeichnet die aufeinander folgenden Schritte eines beliebigen Organismus, wenn er versucht, sich kreativ an seine Umgebung anzupassen. Dies geschieht in einer immer gleichen Abfolge:
1. Bedürfnis wahrnehmen (Vorkontakt)
2. Prüfen der Umwelt (Kontaktaufnahme)
3. Handlung (Kontaktvollzug) und
4. Integrieren der Erfahrung (Nachkontakt)
So ist das auch beim Sex. Wir spüren zunächst die eigene Lust, dann überlegen und prüfen wir, wie wir diese befriedigen können, schließlich gehen wir über zur eigentlichen Handlung und schlussendlich genießen wir das, was wir erfahren haben - oder wir empfinden es als schal und unbefriedigend - das kann natürlich auch passieren.
Viele Menschen haben nun an der einen oder anderen "Stelle" dieser "Kurve" Probleme. Bei manchen hapert es schon gleich zu Beginn, wenn sie nicht in der Lage sind zu spüren, ob sie überhaupt "wollen oder nicht". Andere scheitern in der "Selektionsphase" - das sind dann die, die sich "nicht entscheiden" können. Wiederum andere passen beim Kontaktvollzug. Das sind in unserem Fall diejenigen, die Probleme mit dem Orgasmus haben: Sie können sich meist nicht richtig hingeben. Und am Ende gibt es diejenigen, die Schwierigkeiten im Nachkontakt haben: Sie können nicht wirklich genießen und entspannen und müssen sofort zur nächsten Aktion schreiten. Jede dieser einzelnen Schwierigkeiten ist mit einer dazugehörigen, speziellen Angst gekoppelt.
Nun sehen wir, wie wir diese Beispielabfolge auf viele andere Lebensbereiche übertragen können. Es geht im Grunde - natürlich vereinfacht und schematisch dargestellt - immer wieder um denselben Prozess, der sich auch entlang folgender handlungsrelevanter Fragen beschreiben ließe: Was will ich eigentlich? Wie will ich es erreichen? Bin ich bereit, mich dem ganz hinzugeben? Was hat es mir gebracht? Der Zustand, der kurz nach dem Kontaktvollzug folgt und den wir oben als "Schwebezustand des Lebendigen" bezeichnet haben, ist deswegen so interessant, weil er uns einen Augenblick Ruhepause verschafft zwischen dem gerade Vollzogenen und dem noch nicht wieder neu Geplanten. Es ist ein Moment der Freiheit von Bedürfnissen und auch von neuen Aufgaben. Dann freilich geht es fröhlich wieder von vorne los - mit der nächsten Kontaktkurve...
Geschrieben am 13.05.09 um 12:21 Uhr

Wer erinnert sich nicht gerne an die herrliche Szene aus dem Kultfilm "When Harry meets Sally": Meg Ryan und Billy Cristal streiten sich über das Verhalten von Paaren. Und Harry (B.Cristal) behauptet, er könne mit Sicherheit merken, wann seine Partnerin einen Orgasmus nur vortäuschen würde.
Das sei ihm natürlich noch nie passiert...bis schließlich Sally (M. Ryan) ihren öffentlichkeitswirksamen Auftritt hinlegt.
Die Aufregung drum herum mutet uns vielleicht heute etwas merkwürdig an - immerhin sind ja seit dem Film auch schon wieder 20 Jahre ins Land gegangen. Überhaupt: Noch in prähistorischen Zeiten, aber auch im klassischen Altertum konnte der Geschlechtsakt samt orgiastischer Verzückungen noch ohne Schuldgefühle und falsche Scham dargestellt werden. Das änderte sich schnell, und eine solche Freizügigkeit war in der Kunst des Abendlandes nicht mehr denkbar. So wurde man auf eine Vulva anhand eines Geigenkastens hingewiesen, und der Verlust der Unschuld wurde durch einen umgestürzten Obstkorb symbolisiert. Eine solche Zensur findet heutzutage so gut wie gar nicht mehr statt.
Alles ist möglich, ja, man könnte, was das Sexuelle angeht, fast wie Obama sagen: "Yes, we can!". Aber das ist natürlich trügerisch. Schon Michel Foucault hat in seinen Untersuchungen zu "Sexualität und Wahrheit" herausgearbeitet, dass die scheinbare Befreiung der Sexualität, die durch das Sprechen über Sexualität und das Zeigen von Sexualität stattfinden soll, in Wirklichkeit nur neue Machtverhältnisse schafft, die das Individuum einengen und manipulieren. Welche Um- und Abwege wir auf dem Wege hin zu dieser befreiten Sexualität zurücklegen können, hat z.B. Wilhelm Reich beschrieben: mit seinem Orgonakkumulator könnten wir endlich zu unserem endgültigen und vollständigen Orgasmus gelangen... "Yeees, we caaaan!"
Geschrieben am 08.05.09 um 12:38 Uhr

Wenn auf die Umarmung auch eine Vereinigung der Körper folgt, dann sind die Wünsche der Liebenden erhört worden: "Jetzt schlug sie laut, die heißerflehte Schäferstunde, jetzt dämmerte mein Glück. Erhörung zitterte auf deinem brennenden Munde, Erhörung schwamm in deinem feuchten Blick."
Das trägt uns Friedrich von Schiller zum Thema vor, und Clemens von Brentano meint: "Wer zur Wollust geboren ist, und sie nicht übt, führt ein recht lasterhaftes Leben." Das letztere Zitat ist ein interessantes psychologisches "Reframing" (eine Umdeutung), wie man sie auch in einer Psychotherapie nutzen könnte. Denn vielfach ist ja immer noch das Sexuelle vermischt mit unausgesprochenen Ängsten, Hemmungen oder moralischen Urteilen, denen wir mehr oder weniger unbewusst unterworfen sind.
Bei vollständiger und angstfreier Hingabe jedoch, darf die Energie zum Fließen kommen, und die Wege der Lust, die dorthin führen, sind unerschöpflich. Um einmal in Indien zu bleiben: Hier besticht das berühmte Kamasutra, dass schon im dritten nachchristlichen Jahrhundert vielfältige Liebespraktiken beschrieben hat. So werden dort z.B. vier Schlagarten beim Liebesspiel aufgezählt, samt den für solche Schläge zulässigen Körperzonen und unterschiedlichen Arten lusterfüllter Schmerzenslaute. Es ist sowohl vom "Beißen" und "Kneifen" die Rede, als auch davon, dass dieses nur in gegenseitiger Übereinstimmung stattfinden dürfe. SM-Praktiken nebst den dazugehörigen Sicherheitsregeln sind also allemal nichts Neues.
Auch die zum Fließen kommende Energie (s.o.) wurde vielfach untersucht, in diesem Fall auf der physiologischen Ebene. Der Psychologe J. Panksepp hat das Prickeln auf der Haut, das schon beim Vorspiel und dann beim Sex selbst als "süßer Schauer" entstehen kann, untersucht und dabei neurochemische Ähnlichkeiten im Nervensystem mit einem richtigen Orgasmus festgestellt. Deswegen spricht er auch in diesem Zusammenhang von einem "Ganzkörper-" oder "Hautorgasmus".
Wiederum hat auch zu diesem Phänomen schon das Kamasutra seine Aussagen gemacht: "Wenn mit diesen gut zusammengefügten (Nägeln) in der Gegend des Kinnes, an den Brüsten oder der Unterlippe eine leichte Bewegung ausgeführt wird, ohne dass dabei eine Spur entsteht, und nur am Ende infolge der bloßen Berührung ein Sträuben der Härchen stattfindet und aus dem Zusammenprallen ein Ton erwächst, so ist das das klingende Mal. (Kamasutra, 4.10)"
Spüren Sie es schon, das süße Prickeln? Aber bitte nicht an die Werbung mit der Bierflasche und dem Bauchnabel denken, das wäre denn doch zu profan...
Geschrieben am 15.04.09 um 17:09 Uhr

Gerade habe ich eine Reise nach Indien hinter mir. Drei Wochen lang ging es kreuz und quer durch Rajasthan, den nördlichen Teil, beginnend im unteren Himalaja Gebiet bei Rishikesh bis hinunter nach Udaipur.
Zurück in der Heimat und wieder vor meinem Blog sitzend lag es nahe, einige Eindrücke dieser Reise mit zu berücksichtigen, da sie sich direkt oder indirekt in unsere kleine "Liebesserie" einpassen.
Wir befinden uns an einer entscheidenden Stelle: Dem Übergang zwischen Kuss und Umarmung, wo sich entscheidet, ob die ganze Sache einem weiteren Höhepunkt entgegenstrebt - oder ob es bei den bisherigen Zärtlichkeiten und Kontaktversuchen bleibt. Interessanterweise ist in Indien diese Reihenfolge vertauscht. Man sieht dies in den vielen Bollywoodfilmen, die ohne Unterbrechung im indischen Fernsehen zu sehen sind und die man sich gerne nach einem anstrengenden Ausflug in "die Finsternis" (wie Aravind Adigar sein Indien so treffend in dem Buch "Der weiße Tiger" bezeichnet) zu Gemüte führt. Hier gibt es eine Menge von Andeutungen eindeutiger Sexszenen - aber niemals einen Kuss in Seitenansicht! Man sieht höchstens die einander zugewandten Gesichter - aber einen "französischen Kuss" - Gott, besser: Shiva bewahre! Das verletzt das indische Moralgefühl aufs Äußerste. Auch das Anfassen in der Öffentlichkeit ist unüblich, obwohl junge Leute schon mal ein solches Wagnis eingehen mögen. Junge Männer dagegen laufen häufig Arm in Arm herum - als Zeichen ihrer Freundschaft. Auch die tantrischen Darstellungen an den Hindutempeln stehen in einem merkwürdigen Gegensatz zu den zeitgenössischen Verhaltenkodizes. Sie werden zwar von den Touristenführern gezeigt; man hat aber den Eindruck, dass sie das übermäßige Interesse beim Nachfragen eher unangenehm finden und es auch nicht nachvollziehen können. Was haben diese Touristen bloß immer nur, begreifen sie denn nicht, dass es sich um rein symbolische Fruchtbarkeitsrituale handelt?!
Die leidenschaftliche Umarmung war auch bei uns vor noch nicht allzu langer Zeit von hohen Ambivalenzen geprägt. Junge Mädchen gaben sich dem Petting hin und wurden vor den Jungs gewarnt, die "ihre Kontrolle verlieren" könnten. Heute haben die Jungs Angst vor den leidenschaftlichen Forderungen des anderen Geschlechts und haben den Rückzug angetreten. Die Sache hat sich fast umgekehrt. Davon ist die indische Gesellschaft noch Jahrzehnte entfernt. Das Ritual ist streng eingebettet in Regeln und Absichten; die Kastenzugehörigkeit bestimmt immer noch das individuelle Verhalten.
Aber auch bei uns muss einer Umarmung noch nicht unbedingt der Liebesakt folgen. Es gibt sogar eine Gruppe von jungen Menschen, die wieder Keuschheit vor der Ehe geloben, so wie dies in Indien eine Selbstverständlichkeit ist. Forscher haben allerdings herausgefunden, dass es mit der Umsetzung dieses Gelübdes nicht weit her ist: Die Hälfte von ihnen ist trotzdem bereits vor der Eheschließung sexuell aktiv. Und offenbar hat die selbst auferlegte Zurückhaltung sogar einen entscheidenden Nachteil, denn nur 24 Prozent benutzen beim Eidbruch ein Kondom - während dies immerhin 34 Prozent derjenigen tun, die nicht gelobt haben, auf Sex zu verzichten. Was lehrt uns das nun wieder über die menschliche Natur?
Treu und treu gesellt sich gern
Geschrieben am 24.03.09 um 17:59 Uhr

Tatsächlich ist es so, dass wir bei der Partnersuche darauf achten sollten, einen Menschen auszuwählen, der ein ähnliches Verständnis von Treue hat, wie wir selbst. Wenn in diesem Bereich die Ansichten nämlich zu sehr auseinander klaffen, schafft das auf Dauer nur Unmut und belastet die Beziehung.
Warum sind wir überhaupt untreu? Weil wir uns in unserer Beziehung nicht mehr wohl fühlen, uns der Sinn nach etwas Neuem und Aufregendem steht. Weil uns vielleicht etwas fehlt, gewisse Wünsche und Bedürfnisse, vor allem auf sexueller Ebene nicht befriedigt werden. Oder: Weil wir den Verlockungen einfach nicht widerstehen können. Letzteres ist ein sehr interessanter Punkt: Warum gelingt es manchen Menschen besser, sich zurückzuhalten und der Versuchung nicht nachzugeben als anderen?
Dafür verantwortlich sind verschiedene Faktoren, so fanden kanadische Wissenschaftler unlängst heraus. Da sind zum einen die eigene Veranlagung und dann die persönliche Haltung zur gängigen Moral. Aber darüber hinaus auch die individuelle Beziehungshistorie: Je mehr längere Partnerschaften ein Mensch hatte, desto schwerer fällt es ihm, tatsächlich absolut treu zu sein. Ein Mensch, der schon früh treu war und womöglich nur eine oder wenige längere Partnerschaften hatte, wird in den allermeisten Fällen auch weiterhin treu sein.
Fragt sich nun, wie man herausfindet, ob jemand treu ist oder nicht. Da hilft nur das offene Gespräch. Entsteht der Eindruck, das Gegenüber sieht es mit der Treue eher lässig, aber man selbst legt großen Wert darauf, so sollte man sich frühzeitig einigen, wie in der Beziehung mit einem möglichen Fehltritt umgegangen werden soll. Und wenn es doch passiert ist und man weiß, dass der Partner damit ein Problem haben wird? Nicht immer ist Offenheit die beste Möglichkeit. Allerdings birgt das Verheimlichen erst Recht unabsehbare Risiken. Fliegt ein Betrug durch Zufall auf, ist die Verletzung wahrscheinlich noch größer, als wäre er gebeichtet worden. Eine Belastung für die Liebe ist es aber in jedem Fall.
Geld oder Liebe - Nur schwer zu vereinen
Geschrieben am 18.03.09 um 15:14 Uhr

Wenn Paare sich streiten, geht es oft um das liebe Geld. Warum sind finanzielle Angelegenheiten so konfliktträchtig in einer Beziehung?
Forscher erklären das so: Der Mensch unterteilt sein Leben in den geschäftlichen und den sozialen Bereich, und die sind so unterschiedlich, dass es nur zu Konflikten kommen kann, wenn sie einander berühren.
US-Wissenschaftler der Universität Denver in Colorado haben in einem Versuch herausgefunden, dass Menschen in ihrem sozialen Umfeld wesentlich eifriger arbeiteten, wenn sie dies ohne Bezahlung und als Gefallen taten. Wurden sie für die gleiche Aufgabe bezahlt, so blieb dieser Eifer aus. Im sozialen Umfeld herrschen also Geborgenheit, Nähe und Vertrauen, während das Geschäftliche anderen Gesetzen unterliegt. Hier muss sich ein Einsatz lohnen und etwas einbringen. Und das ist keine gute Basis für die Liebe.
Weitere Studien belegen, dass eine Beziehung umso besser gelingt, wenn die beiden Partner in finanziellen Dingen einig sind. Und tatsächlich: Geld verändert eine Beziehung merklich. Ein Versuch der US-Studie zeigte: Schon der Anblick von Geldscheinen bringt Menschen dazu, sich abzuschotten. Die Probanden vergrößerten den Abstand zu ihrem Partner, nachdem sie zufällig ein Bild von Geldscheinen auf einem Monitor erblickt hatten. Geld weckt in uns also den Wunsch, uns abzuschotten und das auch in einer Liebesbeziehung.
Im Sinne eines harmonischen Liebeslebens sollten Sie sich also unbedingt möglichst frühzeitig darüber einigen, wie Sie Ihr finanzielles Miteinander regeln wollen. Sonst riskieren Sie womöglich Ihr Glück. Ob Sie ein gemeinsames Konto oder getrennte Kassen wählen, bleibt Ihnen überlassen. Machen Sie sich aber schon zu Beginn einer Beziehung darüber Gedanken, wie Sie das handhaben wollen und finden Sie eine für beide Seiten befriedigende Lösung.
Kopfkino: Erotische Fantasien müssen nicht unbedingt real werden
Geschrieben am 11.03.09 um 12:19 Uhr

Hand aufs Herz: Haben Sie Ihre erotischen Fantasien schon einmal einem anderen Menschen anvertraut? Nein? Dann sind Sie nicht allein: Die wenigsten von uns haben dem Menschen, mit dem sie Tisch und Bett und auch sonst alles teilen, von ihren geheimsten sexuellen Träumen erzählt.
Hobbypsychologen mögen versucht sein, dies als Zeichen zu werten, dass der Beziehung womöglich etwas fehlt. Aber dem ist nicht so. Im Gegenteil: Eine Studie verglich Frauen, die eine Therapie wegen sexueller Störungen machten mit Frauen, die ein erfülltes Sexleben hatten. Und das Ergebnis: Ausgerechnet in der zweiten Gruppe gaben sich wesentlich mehr Frauen ihren erotischen Träumen und Vorstellungen hin. Eine weitere Erklärung untermauert dieses Ergebnis weiter, denn Frauen haben allgemein eher eine Neigung zu Tagträumen, so dass ihre erotischen Fantasien wohl mehr damit zusammenhängen, als mit einem unerfüllten Sexualleben.
Homosexuelle oder aggressive Fantasien haben nichts mit tatsächlichen Wünschen zu tun. Viele Frauen stellen sich in ihren Träumen beispielsweise gern eine lesbische Begegnung vor. Dennoch sind sie keineswegs homosexuell veranlagt und verleugnen ihre Wünsche. Gerade die Szenarien, die weit von unserer Lebenswelt entfernt sind, wirken besonders Lust bringend. Und: Die inneren Bilder helfen uns, die Beschränkungen der Realität zu überwinden oder auch nur auszuhalten.
Sinnliche Träumereien dienen aber nicht nur der Flucht aus dem Alltag, so das Ergebnis einer Befragung. Knapp ein Viertel der Interviewten bezeichneten ihre Fantasien als eine Art Stimmungsaufheller. Besonders interessant ist der Aspekt der absoluten Privatheit. Dieses Kopfkino spielt sich dort ab, wo niemand sonst Zutritt hat, und genau das macht es so sinnlich und anregend - denn es ist geheimnisvoll und gehört nur uns allein. Werfen Sie also alle Bedenken, Schuldgefühle oder Scham über Bord und geben Sie sich lustvoll Ihren ganz persönlichen Fantasien hin!
Es muss nicht immer Sex sein...
Geschrieben am 03.03.09 um 10:12 Uhr

Zweimal pro Woche - so oft haben aktuellen Studien zufolge die erwachsenen Deutschen Sex. Was? Sie nicht? Keine Sorge, denn bei genauerem Hinsehen zeigt sich nämlich ein ganz anderes Bild.
Die Uni Göttingen befragte in ihrer Studie 13.500 Männer und Frauen, wie häufig sie in den letzten vier Wochen Sex mit ihrem Partner hatten. 5,6-mal so lautet der Mittelwert. Aber: Manche Paare haben wesentlich häufiger Sex, andere deutlich weniger oder gar keinen. Gerade einmal 25 Prozent, also nur ein Viertel kommt auf zwei sexuelle Begegnungen pro Woche. Immerhin 17 Prozent der Befragten gaben zu, den vergangenen Monat gänzlich ohne Sex verbracht zu haben. Diese Zahlen werden von einer Leipziger Studie ebenfalls bestätigt. Und darüber hinaus fand diese heraus, dass zehn Prozent der Befragten in den Altersgruppen 30, 45 und 60 Jahre in ihrer jeweiligen Beziehung im gesamten Vorjahr lediglich ein bis zehnmal intim mit ihrem Partner gewesen waren.
Die Schlussfolgerung der Forscher lautet: Die sexuelle Zufriedenheit nimmt innerhalb der ersten zehn Jahre einer Beziehung kontinuierlich ab. Danach pendelt sie sich auf einem recht niedrigen Niveau ein. Viele Paare haben auch innerhalb ihrer Partnerschaft wenig bis keinen Sex und das über einen längeren Zeitraum hinweg. In unserer übersexualisierten Gesellschaft ist das allerdings ein Tabuthema, über das kaum jemand freimütig sprechen mag.
Und nicht alle empfinden es als wirklich großes Problem. Man hat sich arrangiert und lebt damit. Manchmal reichen schon kleine Anstöße, um der eingeschlafenen Sexualität wieder neue Impulse zu geben: Nehmen Sie sich bewusst Zeit für Intimitäten. Schaffen Sie eine erotische Atmosphäre für diese Begegnung. Es muss dabei nicht unbedingt zum Verkehr kommen. Oft reicht es fürs Erste vollkommen aus, sich gegenseitig zu streicheln und zu liebkosen. Alles Weitere ergibt sich dann meist von allein. Nehmen Sie dabei aber in Kauf, dass es zunächst ungewohnt oder gar peinlich sein könnte. Dennoch bringt Sie eine solche Begegnung einander wieder näher. Falls alles nichts hilft und die Enthaltsamkeit zum Problem wird, empfiehlt sich der Gang zum Sexualtherapeuten.
Geschrieben am 23.02.09 um 10:29 Uhr

Es ist doch interessant, dass die Wissenschaft sich so eingehend mit der Sexualität und ihren Spielarten beschäftigt - aber recht wenig mit dem Küssen.
Wenn wir einen neuen Partner kennen lernen, ist dies nach der ersten Phase des "Abtastens" schließlich ein außerordentlich intimer Vorgang! Für manche sogar intimer als der Sex selbst. Nicht umsonst ist es bei Sexprofis üblich, sich eben nicht küssen zu lassen, weil sie damit scheinbar ihre Distanz noch wahren können. Mit dem Kuss kommen wir uns ja nicht nur sprichwörtlich sehr nahe, sondern wir tauschen bewusst Körpersäfte aus. Hier könnte auch mit ein Ursprung für dieses Verhalten liegen: mit dem Speichel werden auch gleichzeitig Geruchsstoffe ausgetauscht (Schmecken und Riechen liegen als Sinneseindrücke dicht beieinander) und somit von beiden Partnern entschieden, ob der potentielle Partner tatsächlich für uns attraktiv genug ist, den nächsten Schritt zu machen, oder nicht. Dabei könnten auch unbewusste Entscheidungsprozesse über eine eventuelle spätere Fortpflanzungsmöglichkeit stattfinden, denn man hat herausgefunden, dass die Genetik sehr stark über den Geruchssinn gesteuert wird.
Aber das Küssen ist ja auch an sich etwas sehr Lustvolles. Sigmund Freud hat es mit der oralen Phase in Zusammenhang gebracht, in der das Baby an der Mutterbrust saugt und festgestellt, dass dies auch mit einer sexuellen Komponente versehen zu sein scheint. Insofern ist der Kuss also auch ein leichter Rückfall in diese Phase und wir lernen daraus: Das, was früher geschehen ist, muss keineswegs ad acta gelegt werden, sondern wird auf einer reiferen, erwachsenen Ebene immer wieder wiederholt. Zu unser aller Ergötzen!
Auch die Verhaltensforscher steuern ihren Teil zum Verständnis des Küssens bei, bringen ihn aber eher in die Nähe analer Zonen. Denn man hat gesehen, dass Tiere sich sehr gerne am Hinterteil beschnüffeln - was sich dann beim Menschen verständlicherweise in leichter zugängliche Bereiche verlagert hat.
Ein Kuss kann zärtlich oder leidenschaftlich, trocken oder nass und vor allem: "gut" oder "schlecht" sein. Menschen haben hier sehr anspruchsvolle und wohl auch sehr unterschiedliche Erwartungen. Jemanden damit zu beschreiben, dass er "gut küssen kann" ist jedenfalls eine große Auszeichnung! Und ein Kuss ist immer wieder auch ein Motiv für Poeten, Künstler und dekadente Fotografen...
Geschrieben am 10.02.09 um 18:04 Uhr

Der Tastsinn ist die Mutter aller Sinne. Es ist wahrscheinlich der erste Sinneseindruck, der sich schon im Embryonalstadium entwickelt und auf dem die anderen Sinne - Sehen, Hören, Schmecken und Riechen - aufbauen. In der Kommunikation gibt es nichts Gradlinigeres als die Berührung.
Eine Berührung gibt uns unmittelbare Rückmeldung über die Bedeutung einer Situation. Und wir sind mehr oder weniger empfindlich für solche Berührungen. Manche empfinden wir als außergewöhnlich angenehm; von anderen wiederum fühlen wir uns geradezu impulshaft abgestoßen. Ja, es kann sogar vorkommen, dass wir mit dem einen Sinn etwas vollkommen anderes wahrnehmen, als mit dem anderen. So hören wir z.B. liebevolle Worte und ernten interessierte Blicke; gleichzeitig aber fühlen wir uns in der im selben Augenblick stattfindenden Umarmung zurückgewiesen. In der Psychologie nennt man eine solche Erfahrung eine "Double-Bind-Situation". Dabei wird auf der einen Sinnesebene eine konträre Botschaft als auf einer anderen Sinnesebene vermittelt. Aber wir könnten sicher sein: wenn wir uns auf unseren Tastsinn verlassen würden, dann würden wir den wahren Inhalt einer Botschaft entschlüsseln können! Eine zärtliche oder leidenschaftliche Berührung vorzutäuschen ist weitaus schwieriger als einen trügerischen Blick zu senden oder eine Lüge auszusprechen. Von dieser Tatsache profitieren auch die Liebenden. In der ersten kleinen Berührung und schließlich in der ersten Umarmung erfahren sie viel über die Wahrhaftigkeit ihrer gegenseitigen Absichten.
Man könnte grundsätzlich zwischen zwei verschiedenen Formen von Berührungen unterscheiden. Zum einen denjenigen, die in familiären oder freundschaftlichen Beziehungen stattfinden; zum anderen denjenigen, die in Liebesbeziehungen zum tragen kommen. Die ersteren haben einen mehr warmherzigen, zärtlichen "touch", die anderen sind eher sexuell betont. So ist auch nachgewiesen, dass im ersten Jahr einer Liebesbeziehung deutlich die sexuell betonten Berührungen überwiegen und dies im Laufe der Zeit zugunsten der zärtlichen Berührungen zurückgeht. Oft können dabei zwischen den Geschlechtern Missverständnisse auftreten. Männern wird immer noch nachgesagt, dass sie mehr an sexuell betonten Berührungen interessiert seien, während man von Frauen behauptet, sie wären eher an zärtlicher Berührung interessiert. Ich halte dies für ein kulturell geprägtes Vorurteil, das höchstens mit immer noch existierenden Rollenklischées belegt werden kann: Männer glauben von sich, sie seien "männlicher", wenn sie in eine Berührung gleich den sexuellen Bedeutungsgehalt mit hineinnehmen, während Frauen von sich glauben, es wäre "unweiblich", wenn sie eine Berührung sofort mit einem eigenen sexuellen Bedürfnis verknüpfen. In beiden Fällen ist man aber von seiner eigentlichen Bedürfnislage entfremdet: es ist eben immer BEIDES möglich, und nur die Situation entscheidet darüber, welchem Bedürfnis man den Vorzug geben sollte.
Eine wunderbare Möglichkeit, die ersten Berührungen auszutauschen, ist beim Tanz. Wahrscheinlich ist der Tanz das älteste Ritual, das die Berührung zwischen zwei fremden Menschen erlaubt und ihnen somit die Möglichkeit gibt, Kontakt aufzunehmen. Der Maler Richard Lopez hat dies in meisterlicher Art und Weise zum Ausdruck gebracht. Auch wenn man also - so wie meine Wenigkeit - im Jugendalter die Tanzstunde geschwänzt hat, ist ein Tanzkurs auch im etwas fortgeschrittenen Alter immer noch sehr zu empfehlen...
Vorspiel II: Frauen haben den Flirt in der Hand
Geschrieben am 04.02.09 um 10:28 Uhr

Ist es nicht so, dass die ganze Welt die Liebenden liebt - aber nicht die Flirtenden? So sagt Mr. Pooter in Grossmiths "Tagebuch eines Niemands" (1894): "Ich mochte die Art nicht, wie sie ständig kicherte und Lupin Klapse gab und ihn zwickte. Und ihr Lachen war eher eine Art Kreischen, das mir direkt in die Ohren drang. Dass es überhaupt nichts gab, worüber man eigentlich lachen konnte, machte die Sache nur noch ärgerlicher."
Das Flirtverhalten von angehenden Paaren wurde nicht nur in der psychologischen Wissenschaft untersucht - auch die Zoologen haben ihren Beitrag geliefert, indem sie es als Relikt des tierischen Paarungsverhaltens beschrieben haben. Für Außenstehende kann es amüsant sein zu beobachten, wie erwachsene Männer die Bäuche einziehen oder Frauen unschuldige Gesten einsetzen. Exzessive Körpersprache und das Vorzeigen von als attraktiv empfundenen Körperteilen gehört genauso zum Flirt, wie die zunächst mit Berechnung vorgeschobene Zurückweisung, um die Spannung weiter zu erhöhen. Männer behaupten dabei zwar von sich, sie hätten den Ablauf im Griff - aber nach allgemeiner Auffassung sind es dann doch die Frauen, die die Kontrolle ausüben. So sagt es auch G.B. Shaw in "Mensch und Übermensch": "Narr: Du bist es, der gejagt wird, das notierte Opfer und die ausersehene Beute bist Du." Schauen Sie sich doch einmal dieses wunderschöne Gemälde von William Hogarth an, in dem ein junger Mann seinen Angriff auf die Ehre eines jungen Mädchens unternimmt. Und auch Edouard Manet weiß, indem er uns in einen Sommergarten entführt, über den Zauber und die Hingerissenheit des Flirts zu berichten...
Sex mit Reichen macht Frauen mehr Spaß
Geschrieben am 28.01.09 um 10:13 Uhr

Endlich müssen sich Frauen, die auf reiche Typen stehen, keine Vorwürfe mehr machen lassen, sie seien ja nur hinter der Kohle her!
Eine Untersuchung britischer Forscher an der Newcastle University hat nämlich festgestellt, dass es offensichtlich einen Zusammenhang gibt zwischen hohem Einkommen der Männer und der Orgasmushäufigkeit ihrer Frauen. Nun - jetzt kann die Begründung bei der Partnerwahl einfach lauten: "Wieso Geld? Ich wollte schließlich einen Mann, der es mir richtig besorgt!"
Zu Überprüfung der These würde ich im Übrigen folgendes Experiment vorschlagen: erstens könnte man Frauen die Info über die Kontohöhe ihres Partners vorenthalten und dann ein "Vorher" und "Nachher" testen. Wenn die Orgasmuskurve nach Bekanntwerden des Kontostands signifikant gestiegen ist - ja, dann muss da wohl wirklich was dran sein, oder? Zweitens könnte man auch eine so genannte Längsschnittuntersuchung ankurbeln, in der man Frauen über ihre Beziehungen hinweg eine Weile begleitet. Wenn sich nun herausstellt, dass sie mit armen Schluckern relativ seltener den Höhepunkt erreichen als mit solchen Partnern, die Porsche fahren und in einer Villa am See wohnen: dann ist da was dran!
Interessant auch die Begründung: natürlich mal wieder - wie wir schon einmal in diesem Blog beschrieben haben - die Evolutionsbiologen bzw. -psychologen. Sie argumentieren, dass der Orgasmus gleichsam die Auswahlschiene darstellt, auf der die Frau die allgemeinen Fähigkeiten des Mannes nach guter, liebevoller und zuverlässiger Versorgung der Nachkommenschaft überprüft und dann auch gewährleisten kann.
Es gibt nur eine Sache, die ich mich frage: es ist seit langem bekannt, dass die sexuelle Aktivität im Laufe längerer Partnerschaften abnimmt und dass sie auch unter dem Stress leidet, die nun mal eine hohe Versorgungsdichte für Kinder usw. mit sich bringt. Sollte es also so sein, dass die Orgasmen wieder in ihrer Häufigkeit abnehmen, wenn die Nachkommenschaft erst einmal da und ihre Versorgung sichergestellt ist? Und was ist eigentlich mit den Frauen, die viele Kinder haben, aber leider noch nie oder nur selten einen Orgasmus? Und umgekehrt denen, die ständig wunderbare Höhepunkte bekommen, aber keine Kinder kriegen? Oder wie denn nun?
Ich merke beim Schreiben, dass die Verwirrung steigt, und finde, man sollte jetzt mal die Orgasmushäufigkeit bei den Evolutionsbiologen bzw. -psychologen selbst testen. Vielleicht gibt es da ja einen Zusammenhang zwischen der Länge ihrer Studien und der Aufmerksamkeit, die diese in der Öffentlichkeit erregen.
Geschrieben am 21.01.09 um 09:49 Uhr

Der erste Blick, der verzaubert, kann ganz unerwartet kommen. Er kann magische Qualitäten besitzen, kann verführen oder abstoßen. Er kann zärtlich oder lüstern daherkommen. Die romantische Idee der Liebe auf den ersten Blick hat sich bisher - trotz aller wissenschaftlichen Unkenrufe - gehalten. Gott sei Dank!
Neulich meinte ein Bekannter zu mir, (es ging ums Thema "Fremdgehen" und warum man es oft NICHT macht) dass er innerlich eine Art Bilanz aufstellen würde: Die Mühe, die es macht, sich in ein neues Abenteuer zu stürzen versus die Vorteile, die das Festhalten an der bestehenden Partnerschaft hat. Diese Ökonomisierung der Paarbeziehung ist zwar wissenschaftlich abgesichert - aber doch ziemlich abstoßend. Dazu gehört dann wohl auch der "abschätzende" Blick, der etwas unangenehm Starrendes haben kann. Damit wollen wir uns hier lieber nicht beschäftigen.
Ein verführerischer Blick ist als unmittelbare Botschaft zu verstehen und wird hoffentlich auch richtig entschlüsselt. Wer einen solchen Blick "erntet", wie diesen hier von der Schönen am Strand, darf sich glücklich schätzen, gemeint zu sein. Das Bild ist von Paul Baudry (1828 - 1886) und heißt "Die Perle und die Woge". Wie würden Sie das Lächeln beschreiben: Ist es lüstern oder anzüglich? Vielsagend, einladend? Die sich brechenden Wellen strahlen jedenfalls eine Kraft und Energie aus, die man als "sexuell" bezeichnen kann. So ist also der Blick der erste Brückenschlag, der unser Leben in vollkommen neue Bahnen lenken kann.
Ein anderes Beispiel ist der Blick von Poison Ivy, aus dem Film Batman. Wunderbar dargestellt von Uma Thurman. Dieser Blick kann einem wirklich durch Mark und Bein gehen! Es ist also auch immer das Versprechen von etwas Gefährlichem in solch einem Blick enthalten. Und nicht selten reißt ein Adressat gerade davor aus - angstvoll schaut er schnell woanders hin. Haben wir das nicht auch alle schon einmal erlebt?
Wilhelm Reich und die Funktion des Orgasmus
Geschrieben am 14.01.09 um 12:07 Uhr

In einem Blog zum Thema "Sexualität" muss irgendwann auch einmal Wilhelm Reich, der große Arzt und Sexualforscher, erwähnt werden. Mir ist aufgefallen, dass ich das bisher versäumt habe. Ich möchte an dieser Stelle nicht auf seine umstrittenen Theorien zur "Orgonenergie" oder dergleichen eingehen, sondern ein paar Zeilen dazu schreiben, wie man in der heutigen Zeit seine Orgasmus-Theorie betrachten kann, bzw. wie aktuell diese - 52 Jahre nach seinem Tod - immer noch ist.
Gegenwärtig werden häufig sexuelle Themen in einen Zusammenhang mit soziologischen und vor allem auch evolutionsbiologischen Erkenntnissen gestellt. So wird z.B. das Treueverhalten des Mannes verglichen mit dem Treueverhalten der Frau. Es wird darauf hingewiesen, dass Männer deswegen eher fremdgehen, weil sie angeblich einem biologischen Programm zur Verbreitung ihres Genguts folgen würden. Frauen dagegen wären besonders eifersüchtig, wenn ihr Partner sich verlieben würde, weniger allerdings, wenn er "nur" fremdgehen würde - weil sie dies angeblich in ihrem Wunsch nach Versorgungssicherheit (Kinder, Familie) mehr bedrohen würde. Das Sexuelle selbst wird meist in Ratgebern in der Form abgehandelt, dass man den Hinweis bekommt, man solle doch offener "darüber sprechen" (Stichwort Kommunikation), öfters "etwas Neues ausprobieren", obwohl man eigentlich keine Lust dazu hat (Stichwort Gewöhnung) oder "mal wieder Blumen mitbringen", "ein schönes Essen zu zweit organisieren" und "eine neue Stellung versuchen" (Stichwort Beziehungspflege). Wer aber sagt uns etwas darüber, wie wir die schönste Nebensache der Welt ERLEBEN, wie wir uns dabei FÜHLEN?
Zunächst einmal hat Reich deutlich gemacht, dass er den Sex keinesfalls für die schönste Nebensache, sondern für die eigentliche Hauptsache im Menschenleben hält. Auch dies steht im Widerspruch zu heutigen Auffassungen, wonach es auch normal sei, dass Menschen durchaus ganz auf Sex verzichten können: sie sollten sich bloß nicht unnötig unter Druck setzen! Darüber hätte Reich nur gelacht und wahrscheinlich die Anmerkung gemacht: wieder mal eine neue, gerissene Lüge, um den Menschen von seinen eigentlichen Bedürfnissen und Wünschen abzulenken. Denn: für ihn hat der Orgasmus eine zentrale Funktion für das Wohlbefinden des Organismus. Als "vollständiger Orgasmus" nämlich stellt er das Individuum in eine Situation, in der es frei ist von allen (auch gesellschaftlichen) Zwängen und zutiefst - in einem anarchistischen Sinne - es selbst sein kann. Der vollständige Orgasmus ist ein biologisches und ein (gesellschaftliches) Beziehungsphänomen. Ein "biologisches" in dem Sinne, als dass wir jede Muskelverspannung überwinden und uns ganz unserer Lust hingeben können. Ein "Beziehungsphänomen" in dem Sinne, als dass wir jede Moral beiseite lassen und unserem Partner absolut vertrauensvoll begegnen, um eben eine ungetrübte Lust zur Entfaltung bringen zu können. Nach Reich sind also beim Orgasmus nicht nur lebensnotwendige, sondern lebenserweiternde Funktionen im Spiel: wir stellen uns unseren Ängsten auf der körperlichen Ebene und nutzen diese Ebene, um uns von Verboten, Zwängen und falschen Einflüsterungen zu befreien. In diesem Sinne war Reich revolutionär und ist es noch.
Reich hat die Idee des "Körperpanzers" entworfen. Der Körperpanzer bezeichnet die muskuläre Verspannung des Körpers, die ein Mensch heranbildet, um sich vor seinen eigenen Energien und Gefühlen zu schützen. Dies tut er, weil er Angst vor diesen Energien hat. Interessant dabei ist zu verstehen, dass es sich um POSITIVE Energien handelt. Diese aber sind durch Kontrolleinflüsse durch die Umwelt zu etwas Bedrohlichem geworden. Ein Kind z.B. wird beschämt oder zurechtgewiesen, wenn es mit seinen Genitalien spielt. In der Werbung z.B. wird das Sexuelle in Zusammenhang mit Macht und Dominanz dargestellt. Oder das Sexuelle wird zur rein mechanischen Ausübung von Körperverrenkungen degradiert. Schließlich gibt es auch Theorien die behaupten, man könne das Sexuelle in etwas anderes - z.B. etwas Kreatives - verwandeln oder man müsse es - in welcher Form auch immer - "zurückhalten". Es gibt tausende von Beispielen für diese Manipulation unserer eigentlichen "Menschennatur" - oder wie Reich es ausdrückt "des Menschentieres". Die Funktion des Orgasmus ist für ihn immer etwas Befreiendes, etwas, das den Menschen wieder in Einklang mit seiner eigentlichen Natur bringt - soweit eine kurze Erinnerung an diesen großen Wissenschaftler.
Sexualverhalten und Kinderlosigkeit
Geschrieben am 07.01.09 um 11:47 Uhr

Dass Kinderlosigkeit in der modernen Gesellschaft ein zunehmendes Phänomen darstellt, ist seit längerem bekannt. Zunächst kann natürlich Kinderlosigkeit gewollt oder ungewollt sein. Beide Geschlechter sind davon gleichermaßen betroffen, wobei die jüngeren Generationen zunehmend häufiger betroffen sind.
Bei den Akademikern kann man feststellen, dass eine Elternschaft zunehmend mehr nach hinten verschoben wird. Dies wird mit dem Studium, zeitintensiven Weiterbildungen und in steigendem Maße auch mit einer damit verbundenen, hohen "Mobilitätspflicht" begründet.
In den Bevölkerungsgruppen mit niedrigerem Bildungsniveau sieht die Verteilung zwischen kinderlosen Männern und Frauen ungleich aus: hier überwiegen die kinderlosen Männer, die fürchten, mit ihrem Einkommen keine Familie unterhalten zu können. (Anmerkung: Warum Frauen dies nicht ebenfalls und genauso häufig als Grund angeben, obwohl sie sicherlich im Durchschnitt sogar noch weniger als die Männer verdienen, mag daran liegen, dass sie von ihrem Rollenverständnis her immer noch eher auf den beruflichen Erfolg als auf eine Familie verzichten). Diese bisher beschriebenen Zusammenhänge sind seit längerem bekannt. Ins neue Blickfeld der Sozialstudien rückt mittlerweile jedoch das Beziehungsverhalten jüngerer Generationen. Hier wird deutlich, dass ein häufiger Wechsel des Sexualpartners, verbunden mit immer kürzeren Partnerschaften, dazu führt, dass es nicht zu einer Familiengründung kommt. Natürlich nehmen parallel auch die Alleinerziehenden bzw. Zweipersonhaushalte zu, wenn es doch zu einer - gewollten oder ungewollten - Schwangerschaft gekommen ist, eine Familiengründung mit dem Partner aber nicht in Frage kam. Offenbar trägt also auch die "Wunschproduktion" im Sexualbereich zu einer abnehmenden Kinderzahl bei. Dem wiederum stehen - allerdings örtlich begrenzt - Entwicklungen entgegen, die im Gegenteil eine zunehmende Bereitschaft für Familiengründung gerade in den jüngeren Kohorten nahelegen. Ein Beispiel dafür ist der Bezirk Prenzlauer Berg in Berlin, wo es geradezu von jungen Familien wimmelt. Beim genaueren Hinsehen wird aber auch deutlich, dass es sich hier um Vertreter einer mittleren bis gehobeneren Bildungsschicht handelt, die das Risiko eines Auseinanderfallens der Familie durch neue Partnerschaften bewusst in Kauf nimmt und zunächst einen Familienwunsch an die erste Stelle setzt.
Erotische Schriften - das etwas andere Weihnachtsgeschenk
Geschrieben am 18.12.08 um 10:30 Uhr

Eine zur Weihnachtszeit passende Entdeckung habe ich jüngst in Form einer Empfehlung für den "MERLIN VERLAG" gemacht. Dort geht es vor allem um erotische Literatur. Eine schöne Sache, wenn man der oder dem Liebsten noch eine zusätzliche Überraschung bereiten möchte. Es müssen schließlich nicht immer nur Dessous sein.
Die Auswahl erotischer Schriften enthält zunächst Werke von Marquis de Sade, wobei neben der Studienausgabe der Roman "Justine oder Das Unglück der Tugend", in dem die beiden ungleichen Schwestern Justine und Juliette ihren Weg finden müssen, Erwähnung finden sollte.
Wer es etwas drastischer mag, sei auf ein älteres Buch von Draginja Dorpat "Ellenbogenspiele" verwiesen, das nach einer Indexierung über ein Gutachten von Martin Walser wieder freigegeben worden war. In diese Kategorie gehört auch "Nackt im Hemd" von Jens Bjørneboe, ebenfalls zunächst dem Index ausgeliefert und dann wieder freigegeben. Es handelt sich um einen Kultporno aus dem Jahre 1970 mit einer schönen Titelgrafik von Arno Waldschmidt.
Von Waldschmidt gibt es auch - zusammen mit Albert Schindehütte herausgegeben - die Reihe "Auf den Leib geschrieben", die 4 gefaltete lebensgroße Fotos von beschrifteten nackten Schönheiten beinhaltet - jeweils mit politischen oder poetischen Zitaten von u.a. Wolfgang Neuss, H.C. Artmann oder Ernst Kein versehen.
Abzurunden wären die Empfehlungen aus dem Merlin Verlag mit "Ausgewählten Schriften" (2 Bände) des Grafen Mirabeau, der seine Frau zur Ehe gezwungen hat, indem er sie kompromittierte und sich später während einer Inhaftierung in die Gattin des Gefängniskommandanten verliebt.
Wer es etwas intellektueller mag, greift auf ein Buch aus dem Passagen Verlag zurück: "Die Metastasen des Genießens. Sechs erotisch-politische Versuche" von Slavoj Zizek. Hier geht es u.a. um den Zusammenhang zwischen Sadismus und Macht und die ethische Überlegenheit der Frau gegenüber dem Mann im Sinne Lacans. Ziemlich heftige Kost, also nur etwas für solche Genießer, die das Geistige mit der Lust verbinden möchten.
Was in deutschen Schlafzimmern wirklich passiert (Teil IX und Ende)
Geschrieben am 10.12.08 um 11:18 Uhr

Zu guter letzt unseres Begleitblogs zur Pro-7 Sexumfrage soll es mal wieder um die uralte Frage gehen: Was hält den Sex in einer längeren Beziehung aufregend und frisch?
Der Deutsche befriedigt seinen Sexualwunsch im Durchschnitt 2,6 Mal pro Woche. Dazu meint der Experte Prof. Ulrich Clement: "Es gibt Menschen, für die ist 5 Mal am Tag normal und welche, für die ist 1 Mal im Leben schon zu viel." Das fand ich schön auf den Punkt gebracht. Je nach Temperament also gibt es durchaus eklatante Unterschiede, die natürlich am besten bereits am Anfang einer Beziehung Berücksichtigung finden sollten. Aber so etwas merkt man doch eigentlich relativ schnell, oder?
Eine andere Frage ist die nach dem stetigen Abnehmen des sexuellen Begehrens im Laufe einer Beziehung. Nach 5 Jahren halbiert sich die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs und die Inanspruchnahme von Ratgebern und Heilsbringern in Sachen Sex nimmt reziprok zu, so z.B. der Bestseller von Richard Emerson "Best Hot Sex", wo es um die Vielfalt der Körperstellungen beim GV geht. Das aber ist erwiesenermaßen KEIN Heilmittel gegen zunehmende Verschnarchtheit im Bett. Ein gern unternommenes Experiment in diesem Zusammenhang ist, einem Paar vorzuschlagen, doch einmal über einen bestimmten Zeitraum (ich glaube, in diesem Fall waren es 20 Tage) JEDEN TAG ohne Unterbrechung Sex zu haben. Natürlich passierte das, was einem der gesunde Menschenverstand schon sagt, nämlich das Aufkommen einer zunehmenden Spannung - im negativen Sinne - zwischen den Partnern und schließlich der Abbruch des Experiments. Was lernen wir daraus: jedweder Zwang, ob von Außen oder von Innen, ist tödlich für eine lustvolle gemeinsame Erotik.
Die üblichen Mittel gegen ein nachlassendes Begehren sind bekannt und werden deswegen auch am häufigsten praktiziert: verzweifeltes Abdrehen in ungewöhnliche, bisher verschmähte Praktiken, wie z.B. Sadomaso, und dann natürlich das Fremdgehen. 37 Prozent der Männer und 39 Prozent der Frauen sind schon einmal während der Ehe fremdgegangen. Pro Jahr werden denn auch über 50.000 Ehen in Deutschland geschieden. Als Ursache für den Seitensprung geben 69 Prozent der Männer und 48 Prozent der Frauen "Lust auf neue sexuelle Erfahrungen" an; bei 22 Prozent ist es eine "Neue Liebe" und immerhin 13 Prozent machen es aus Rachegelüsten heraus, wobei hier wieder die Frauen überwiegen. Die Geschlechtsrollenstereotype stimmen also auch beim Seitensprung. Was auch bekannt ist und wieder mit evolutionsbiologischen Argumenten begründet wird, ist, dass Frauen stärker auf emotionale und Männer eher auf körperliche Untreue reagieren.
Interessant ist schließlich für mich ein Ergebnis gewesen, nachdem eine fehlende Kommunikation zwischen den Partner für vieles Ungemach und auch für nachlassendes Interesse verantwortlich ist. Dabei wird die so genannte "Drittelungshypothese" aufgestellt: Ein Drittel der sexuellen Wünsche zwischen den Partnern wird im Durchschnitt erfüllt, ein weiteres Drittel fällt unter die Rubrik "Null Bock" und ein letztes Drittel unter die Kategorie "Geheimnis". Dieses letzte Drittel ist natürlich interessant, denn es bedeutet, dass ein Paar ungeahnte Potentiale bereithält - wenn die beiden nur darüber reden würden. Also Leute: Babysitter organisieren, Kerze anzünden, Wein entkorken und Farbe bekennen! Es kann nur besser werden!
Was in deutschen Schlafzimmern wirklich passiert (Teil VIII)
Geschrieben am 03.12.08 um 10:03 Uhr

Auch in diesem Teil unserer Serie beschäftigen wir uns mit der biologischen Sichtweise auf den Menschen und speziell sein Sexualverhalten. In der PRO7-Serie wird u.a. der Gehirnforscher Andreas Bartels zitiert, mit dem Satz: "Wir sind ja eigentlich Opfer der Liebe!"
Unterschiedliche "Mechanismen" im Kopf würden dazu führen - so der Experte - dass wir Liebesdinge "nicht unter Kontrolle" haben würden. Dies gelte in erster Linie für den Prozess des Sich-Verliebens. Bei den Partnern wird ein "Belohnungssystem" im Kopf aktiviert, das dann dazu führt, dass wir möglichst viel Zeit mit dem neuen Partner verbringen; andere Areale im Gehirn werden dagegen eher ausgeschaltet, vorzugsweise solche, die vielleicht eine eher kritische Betrachtungsweise auf den Geliebten nahe legen würden. Psychologen nennen so etwas Idealisierung.
Die Hormone werden dann nach dieser Sichtweise dafür verantwortlich gemacht, dass der Sex von den Paaren am Anfang als deutlich aufregender erlebt wird - denn es gibt eine verstärkte Hormonproduktion.
Da ist zum Beispiel das Endorphin, das während des Orgasmus in den ganzen Körper gelangt und für Wohlbefinden sorgt. Das Oxytocin wiederum sorgt für zärtliche Gefühle und unterstützt die Bindung zwischen den Partnern, weswegen es auch als Treue- oder Bindungshormon bezeichnet wird. Es wirkt beruhigend, Schmerz lindernd und aktiviert das Immunsystem - eine Argumentation, die bei mir den Gedanken auslöst, ob wir es in neuen Partnerschaften hauptsächlich mit chronischen Schmerzpatienten zu tun haben. Schließlich das Dopamin, das ebenfalls unser Belohnungssystem im Gehirn aktiviert und eine gewisse Zeit lang "high" macht. Da haben wir dann die Gleichsetzung mit einem Süchtigen.
Diese ganze biologisch-hormonelle Sichtweise scheint - wie bereits im letzten Blog-Beitrag erwähnt - momentan unheimlich en vogue zu sein. Die Reduktion des Menschen auf biologische Körperabläufe wird nicht in Frage gestellt, sondern muss im Gegenteil für immer mehr Erklärungen - was zwischenmenschliches Verhalten angeht - herhalten. Dabei wird unterschlagen, dass Menschen in erster Linie Beziehungswesen sind, die einer Handlung immer eine ganz bestimmte BEDEUTUNG zumessen: das, was uns in einer ganz bestimmten Lebenssituation wichtig ist und dem wir damit auch eine besondere Priorität zumessen, führt zur Aktivierung ganz bestimmter Bedürfnisse. Jedoch sind diese Zusammenhänge immer komplex und äußerst individuell ausgeprägt. Für den einen bedeutet die neue Liebe vielleicht, dass er Abstand von einer alten gewinnen kann; einem anderen, dass er endlich bestimmte sexuelle Wünsche ausleben kann; und einem dritten, dass er seine Geborgenheits- und Sicherheitsbedürfnisse befriedigt - auch, wenn dies alles nicht unbedingt immer bewusst ist. Die Ausschüttung von Hormonen ist dabei eine Begleiterscheinung und eine Folge solch einer Bedürfnis- und Beziehungskonstellation - und nicht die Ursache. Menschen als Beziehungswesen zu betrachten ist natürlich ungleich komplizierter und schwieriger - und vor allem: man wird immer nur individuelle Antworten für ein einzelnes Paar finden; Verallgemeinerungen werden - ähnlich wie in der Astrologie: "Schützen sind reiselustig" - nur ein oberflächliches Schubladendenken fördern. Man muss sich schon ein wenig mehr Mühe geben.
Was in deutschen Schlafzimmern wirklich passiert (Teil VII)
Geschrieben am 18.11.08 um 11:09 Uhr

Im Zusammenhang mit den neuesten Erkenntnissen zum Thema Sex - aber auch in Bezug auf viele andere Forschungsbereiche, z.B. die Hirnforschung - ist ein Phänomen offenbar unaufhaltsam am zunehmen: der Trend, alles mit der Evolution erklären zu wollen.
So auch bei der Untersuchung der Frage, ob Männer wirklich "immer nur das Eine wollen" und der Geschlechtsakt für sie "ein unbeherrschbarer Trieb" sei. Dazu wurde mal wieder ein so genanntes "Lockvogel-Experiment" durchgeführt, bei dem Männer mehr oder weniger deutlich von einer fremden Frau zum Sex verführt werden sollten. Die Reaktionen auf dieses unmoralische Angebot werden nun - seien sie positiv oder negativ - mit unserem angeblichen biologischen Verhaltensrepertoire begründet. Der "Drang nach Fortpflanzung" sei einfach zu groß - bei der positiven Reaktion. Oder, wenn der Mann ablehnt, eine "umtriebige Frau sei für ihn einfach ein unkalkulierbares Risiko".
Na, da haben es sich ja die Evolutionsbiologen mal wieder einfach gemacht. Wie man es dreht und wendet - für jede Verhaltensreaktion haben sie die für sie und ihr System passende Erklärung bereit. Dabei habe ich das - mit Verlaub - schon im ersten Psychologiesemester vor 30 Jahren gelernt: die "Anlage-Umwelt-Diskussion" geht unentschieden aus. Genetische Dispositionen mögen vorliegen, auch biologische "Programme", die die Grundmuster unseres Verhaltens steuern - all das aber wird variiert durch kulturelles und persönliches Lernen und durch die Umwelt. Nur kurz dazu ein interessantes Beispiel aus dem Gebiet der Intelligenzforschung:
In einem Experiment versuchte man, das räumliche Vorstellungsvermögen von Frauen zu testen, gemeinsam mit einer männlichen Vergleichsgruppe. Die Männer schnitten zunächst besser ab, als die Frauen. Nachdem man aber in einem zweiten Durchlauf den Frauen vorher gesagt hatte, es würde etwas ganz anderes gemessen, gab es fast keinen Unterschied mehr zu den Männern. Fazit: die Frauen verhielten sich so, wie sie unbewusst glaubten, dass es ihnen entspricht bzw. von ihnen erwartet wird. Dieses Ergebnis zieht sich durch sehr viele Studien hindurch. Menschen neigen dazu, sich unbewusst an die an sie gestellten Erwartungen und Normen in ihrem Verhalten anzupassen. Wenn sie - wie in dem beschriebenen Experiment - auf eine "falsche Fährte" gelockt werden, wird dieses einschränkende Verhaltensmuster plötzlich aufgehoben und ein ganz anderes Verhalten kann zum Vorschein kommen.
Genau das gleiche mag gelten, wenn bei Frauen nachgeforscht wird, ob ein Mann als potentieller Sexpartner in Frage kommt. In diesem Experiment sollten Frauen allein anhand der Statur und des Ganges eines männlichen Gegenübers ihre Entscheidung treffen: die Männer waren komplett maskiert. Angeblich trafen die Frauen dann ihre Auswahl nach der Höhe des Testosterongehaltes des Mannes. Auch hier wurden wieder zur Begründung biologische Programme ins Feld geführt. Unsere Kritik aber ist dieselbe: die Frauen waren instruiert, die Männer auf ihre "Männlichkeit" bzw. sexuelle Attraktion hin auszuwählen. Damit war aber wieder eine ganz bestimmte Erwartungshaltung an die Auswahl- und Entscheidungskriterien der Frauen verbunden. Möglicherweise hätten sie sich anders entschieden, wenn das Experiment in einen anderen Zusammenhang gestellt worden wäre.
Was in deutschen Schlafzimmern wirklich passiert (Teil VI)
Geschrieben am 12.11.08 um 15:44 Uhr

Auch die Männer sollen in der neuen Pro-Sieben-Sexstudie nicht zu kurz kommen. Dies dann auch gleich als Überleitung zur ewigen Frage: "Ist er denn groß genug?"
Tja, der Durchschnittspenis jedenfalls gibt eigentlich keinen Anlass zur solcherlei Besorgnis. Er misst laut einer Umfrage von Pro Familie (wie haben die das bloß rausbekommen...) im erigierten Zustand 14,48 (L) x 3,95 (B) Zentimeter. Bei einer kurzen Umfrage im Bekanntenkreis habe ich auf diese Information hin meist ein befriedigtes bis erleichtertes Nicken geerntet - aber weiß man's wirklich? Vielleicht wird ja auf diesem Gebiet genauso viel geflunkert wie bei den Frauen in punkto Orgasmus.
Übrigens, was die Größe angeht. Die Chinesen haben meines Wissens die Geschlechter in drei Gruppen eingeteilt: klein, mittel und groß - bezogen auf männliche und weibliche Geschlechtsteile. Für einen erfüllten Sex empfehlen sie für die Verbindung von Mann und Frau keinen größeren Unterschied als einen Skalenwert - d.h. kleine Vagina und großer Penis geht nicht, mittel und klein schon. Diejenigen mit den Mittelwerten hätten also demnach hier die mannigfaltigste Auswahl. Ich fand das schön an dieser (wahren?) Geschichte, denn endlich einmal schneidet man mit dem Mittelmaß am besten ab!
Auch die Männer leiden an den hohen Ansprüchen unserer Erwartungsgesellschaft. Wen wundert's. Sie sollen alles abdecken, vom Softie bis zum Womanizer. Frauen wollen vor allem ehrliche, aber auch maskuline und treue Typen. Die eierlegenden Wollmilchsäue feiern fröhliche Urständ! Übrigens wird dieses Ergebnis - nach meinen eigenen TV-Forschungsergebnissen - von unzähligen Werbespots belegt: ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass in vielen Werbespots die Männer unheimlich schlecht abschneiden? Sie werden entweder zu Deppen gemacht, weil sie mal wieder in irgendwas zu langsam waren oder etwas gar nicht kapieren. Selbst die Autoindustrie wertet Frauen auf und Männer ab - klar, denn der Kaufentscheid wird eben oft vom weiblichen Haushaltsvorstand getroffen, sogar beim Auto.
Die Männer haben es also schwer. Angeblich sollen sie sich alle zwei Jahre - laut Soziologenaussage "neu erfinden". Das erinnert mich an die Vertreter der Spezies, die morgens immer mit einer neuen Identität aufwachen und damit auch noch stolz hausieren gehen. Jedenfalls steht der Mann von Heute unter Druck, und dies wirkt sich dann naturgemäß auch auf die Potenz aus. 20 % der über 30-Jährigen (!) leidet angeblich unter Erektionsproblemen, die auf psychische Versagensangst zurückgeführt wird. In der Beziehung stimmt also etwas nicht. Dabei wird immer außer acht gelassen, das das gleiche auch für die Frau gelten wird - nur, bei ihr merkt man's halt nicht sofort. Das wissen wir doch alle längst. In diesem Zusammenhang muss demnach die Erfindung und der Einsatz von Viagra geradezu einer Rehabilitation des Mannes an sich gleichgekommen sein. Es wird ihm über so manche ungewollte und peinliche Schlappe hinweg helfen. Ob das aber auf Dauer eine Lösung des eigentlichen Problems darstellt? Das bezweifle ich.
Was in deutschen Schlafzimmern wirklich passiert (Teil V)
Geschrieben am 05.11.08 um 10:00 Uhr

Eine immer wieder aufgeworfene und wahrscheinlich nie endgültig zu beantwortende Frage im Zusammenhang mit sexueller Attraktivität ist die nach dem "Traumpartner". Wie soll er denn nun ausschauen, und wie stark werden dann solche Erwartungen durch Bilder von Außen geprägt?
Der Wiener Evolutionsbiologe Dr. Werner Finck, seines Zeichens auch Experte für "Attraktivitätsforschung", hat dem nichts wirklich Neues hinzuzufügen. Die geschlechtsspezifischen Schönheitsideale sind auch bei den Jugendlichen von Heute - genau wie bei den Erwachsenen - immer noch an alten, vorgegebenen Mustern orientiert: Frauen wünschen sich Männer, die einen muskulären und kräftigen Körper aufweisen und sind am Status des Mannes interessiert. Männer stehen auf eine Frau, die Gesundheit und "Jugendlichkeit" ausstrahlt und "kurvige" Formen besitzt. Natürlich muss hier der biologische, bzw. evolutionspsychologische Hintergrund, als Erklärung herhalten. Schöne, neue Welt.
Auch die Eigenschaftszuweisungen bleiben in der zu erwartenden Norm. Frauen wollen Männer, die achtsam sind, gut zuhören können und Manieren haben. Männer nennen in ihren Eigenschaftslisten gleichwohl hauptsächlich körperorientierte Merkmale. Im Unterschied zu Erwachsenen nennen Jugendliche noch eine Vielzahl von Eigenschaften. Offenbar nimmt also der Gewohnheitsdruck mit zunehmendem Alter zu, so dass sich mit der Zeit die Verfestigung der Klischees weiter erhöht.
Dazu passen auch die Ergebnisse, die bei Jugendlichen ihr Verhältnis zum eigenen Körper wiederspiegeln. Während die Mädchen hier einen sehr viel kritischeren Blick aufweisen (mehr als 50 % finden sich zu dick!), sind dies bei den Jungs nur 13%. Und immerhin 52% der 16 bis 19-jährigen haben schon einmal an eine Schönheits-OP gedacht! Schönheitschirurg bleibt also auch in Zukunft ein krisenfestes Berufsbild.
Und noch ein ganz interessantes Teilergebnis im Zusammenhang mit den kulturell vermittelten Körperbildern: die Eigenwahrnehmung der Jungs ist realistischer und unabhängiger von den Idealvorstellungen der Mädchen. Wie stark sich solche geschlechterspezifischen Bilder auswirken zeigt auch die Tatsache, dass Mädchen im Durchschnitt später mit dem Onanieren beginnen (6% der Mädchen machen es ab 12, dagegen schon 33% der Jungs in diesem Alter). Auf die Frage, wie sie zum Thema Selbstbefriedigung stehen, antwortet dann z.B. ein Mädchen "Das hab` ich doch nicht nötig!". Zu ihrer Selbstdefinition gehört also offenbar, dass sie stolz darauf ist, schon richtige Sexpartner zu haben, was ihren sozialen Wert erhöht. Während die Jungen das Onanieren wohl eher als reine Triebabfuhr zusätzlich praktizieren und ihre Selbstaufwertung von woanders herholen.
Dies alles spielt sich auf einer Bühne ab, die trotz unterschiedlicher Geschlechterrollen das Sexuelle - im Vergleich zu früher - mehr und mehr zu einem normalen Teil des Alltags werden lässt. So findet der erste Sexualkontakt im Schnitt bei den Mädchen 2 Jahre früher als 1968, nämlich mit 16 Jahren, statt; bei den Jungen 1,5 Jahre früher mit 16,3. Die Mädchen haben heutzutage also früher Sex. Damals war es noch umgekehrt. Bei den wenigsten ist dieses Ereignis "romantisch geplant", sondern findet spontan statt. Die Initiative geht dabei häufiger von den Jungs aus. Hat dann noch 1968 nur jeder 4. verhütet, so sind dies heutzutage bereits 90%. Das alles hat sich also ziemlich rasant entwickelt - im Gegensatz zu den oben beschriebenen Geschlechtsrollenunterschieden. Die sind immer noch so ziemlich die gleichen geblieben.
Was in deutschen Schlafzimmern wirklich passiert (Teil IV)
Geschrieben am 29.10.08 um 10:22 Uhr

Da viele unserer geneigten Leserinnen und Leser sich nicht mehr im ganz jugendlichen Alter befinden (obwohl: wann hört die Jugend eigentlich auf?), auf der anderen Seite aber viele Kinder im Jugendalter haben dürften, sollte das Thema "jugendliche Sexualität" nicht uninteressant sein. Darum soll es in diesem Beitrag gehen.
In der Pro7-Studie wurden Jugendliche zunächst nach ihrem "Sexwissen" befragt. Dabei traten leider - vor allem bei den männlichen Vertretern dieser Altersgruppe - eklatante Wissenslücken zutage. So glaubten etwa einige, dass eine Frau kurz vor und nach ihrer Periode nicht schwanger werden könne. Also könne man getrost auf Verhütung verzichten. Andere wiederum gaben auf die Frage, wie oft Frauen denn ihre Regel bekommen würden, an: "Na ja, so alle 6 Wochen." Viele nahmen auch das AIDS-Problem nicht wirklich ernst und kamen mit pubertären Sprüchen wie: "Man lebt nur einmal." Dass allerdings ein Partner auch nur einmal zu leben hat, wurde weniger bedacht.
Trotzdem muss den Jugendlichen insgesamt ein recht aufgeklärter Umgang mit Sexualität zugesprochen werden. Das liegt wohl auch am Internet und am hohen Konsum von pornografischen Inhalten, die dieses Medium zur Verfügung stellt. Sieben von zehn Jugendlichen schauen sich regelmäßig Pornos an - entweder aus Neugier, zum Erregungsabbau oder zu Aufklärungszwecken. Manche Soziologen sprechen denn auch in diesem Zusammenhang schon von der "Generation Porno". Nun ja. Eine typische Folge scheint zu sein, dass sich Leistungsdruck und Orgasmuszwang aufgrund der vermittelten Schönheits- und Leistungsideale immer mehr breitmachen. Was das angeht, geben sich Jugendliche und Erwachsene offensichtlich nicht viel. Es wurde aber auch darauf hingewiesen, dass wiederum die meisten die Klischees der Pornowelt durchschauen würden und in der realen Welt schon genügend andere Rollenbilder zur Verfügung stünden. Die Eltern brauchen sich also hier keine allzu großen Sorgen machen.
Interessant fand ich bei der Studie, dass die Geschlechtsrollenunterschiede nach wie vor gut funktionieren. Die traditionellen Bilder von Männern und Frauen werden weiterhin nach Schema F vermittelt: Frauen, die aktiver sind und auf Männer zugehen, gelten schnell als "Schlampe", während umgekehrt aktive Männer mit vielen Frauenbekanntschaften als "Helden" dastehen. Ich frage mich allerdings, wie abgesichert diese Ergebnisse wirklich sind und vor allem, inwieweit hier Zugehörigkeiten zu bestimmten sozialen Schichten eine Rolle spielen.
Zur konventionellen Traditionsvermittlung gehört auch die Tatsache, dass Jugendlichen Treue sehr wichtig ist und dass sich die meisten Sex ohne Liebe nicht vorstellen können. Und zwei Drittel wollen "auf den Richtigen warten". Zumindest gehört dies wohl zu ihrem Idealbild - ob die Wirklichkeit dann auch so aussieht, sei einmal dahingestellt. Schließlich kommt diese Differenz zwischen Wunsch und Wirklichkeit auch beim Thema "Selbstbewusstsein" zum Tragen. Während sich vor allem männliche Jugendliche recht selbstbewusst nach Außen geben, stellt sich heraus, dass sie in der Praxis ziemlich schüchtern und ängstlich sind, oft überfordert. Dieses Ergebnis hat mich dann doch wieder ein wenig beruhigt.
Was in deutschen Schlafzimmern wirklich passiert (Teil III)
Geschrieben am 22.10.08 um 15:29 Uhr

Sexualität im Zeichen der gesellschaftlichen Entwicklung. So könnte man viele Erkenntnisse interpretieren, die uns jüngste Forschungsergebnisse geliefert haben. Am deutlichsten wird das am Beispiel der Selbstbefriedigung, die im Laufe der Zeit immer mehr zu einem selbstverständlichen "Akt" geworden ist.
Hat man noch in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts - wo ja immerhin unsere 68er-Generation mitten in der Pubertät steckte! - mit moralischer Entrüstung und elterlicher Bestrafung rechnen müssen, wenn man Hand an sich selbst gelegt hat, so sind solche Reaktionen heutzutage fast undenkbar. Sie würden einfach nicht mehr ernst genommen werden, Ausnahmen mögen dabei immer noch vorkommen.
Zu Beginn des neuen Jahrtausends startet Junge wie Mädchen in einem Durchschnittsalter von 13 mit der sexuellen Entdeckungsreise am eigenen Körper. 71% aller Erwachsenen onanieren regelmäßig ohne Schamgefühle und 23% stellen gar die Selbstbefriedigung auf eine Stufe mit dem Partnersex oder bevorzugen diese sogar.
Ein ganz anderes Thema, das ebenfalls durch unsere post-post-modernen Zeiten beeinflusst, wenn nicht überhaupt herbeigeführt worden ist, ist die so genannte Intimchirurgie. Immer mehr Frauen lassen sich z.B. an den äußeren Genitalien operieren, um einen "jugendlichen Eindruck" hervorzurufen. Mich schaudert's bei dieser Vorstellung. Schließlich werden hier auch auf geradezu monströse Art die Errungenschaften der Gleichberechtigung mit Füßen getreten, wenn Frauen sich freiwillig zu Opfern solcher Männerfantasien machen - vielleicht einmal abgesehen von den seltenen Fällen, wo solche Maßnahmen medizinisch indiziert sein mögen.
Dazu passt dann auch ein weiteres Ergebnis, wonach immerhin 68% der Frauen angeben, schon einmal einen Orgasmus vorgetäuscht zu haben ? während 46 % der Männer davon überzeugt sind, niemals selbst Opfer einer solchen Täuschung geworden zu sein. Rache ist süß.
Was in deutschen Schlafzimmern wirklich passiert (Teil II)
Geschrieben am 14.10.08 um 14:50 Uhr

"Am wichtigsten ist ein guter Orgasmus!" "Laut kann ich nicht. Das entspricht mir nicht." "Ich brauche es fast täglich." Mit solchen Zitaten beginnt die zweite Ausgabe des Pro7-Sexreports, in der es um die weibliche Sexualität, speziell die Funktion des Orgasmus, geht.
Wir werden darüber aufgeklärt, wie oft Frauen an Sex denken, wie leicht sie erregbar sind und wie sie am besten zum Höhepunkt gelangen. Untertitel: "Eine Reise auf der Suche nach den Geheimnissen der weiblichen Sexualität."
Nachdem ich zunächst recht skeptisch war, was uns da alles medienwirksam präsentiert werden würde (und man natürlich nach wie vor bei einer tatsächlichen Teilnehmerinnenzahl von 6 Frauen für die wichtigen Untersuchungsfragen nicht von wissenschaftlich sprechen kann) fand ich dann doch einige Ergebnisse recht bemerkenswert. Dazu jedoch später.
Zunächst ging es um prozentuale Erkenntnisse, die ich eher langweilig finde, weil man sich das meiste denken kann. So verlangen 66% der Frauen beim Sex nach mehr Abwechslung; Lustlosigkeit empfinden "nur" 19% (im Vergleich zu 21% lustlosen Männern. DAS ist doch noch mal ein Ergebnis!). Beim "Sex im Kopf" gab es dann extreme Unterschiede. Die Frauen sollten auf der Straße oder unterwegs durch Knopfdruck festhalten, wann ihnen eine Situation erotisch vorkam bzw. sexuelle Fantasien in ihnen weckte. Die Klicks variierten zwischen 2 und 48. Ich denke mal, dass der Grund hierfür nicht in erster Linie in einer unterschiedlichen Erregbarkeit der untersuchten Frauen zu suchen ist, sondern damit zusammenhängt, dass jede Frau etwas anderes unter "erotisches Gefühl" und "sexuelle Erregung" versteht und die Situationen somit vollkommen unterschiedlich bewertet werden. Hier wurde leider nicht weiter nachgefragt.
Das für mich dann interessanteste Ergebnis war im Zusammenhang mit der Frage, wie sexuelles Begehren eigentlich wahrgenommen wird. Wie ist der Zusammenhang zwischen tatsächlicher, objektiv gemessener sexueller Erregung (gemessen mit einem Instrument in der Vagina beim Betrachten eines Pornofilms unter Laborbedingungen) und der subjektiven Einschätzung der eigenen sexuellen Erregung? Hier traten ziemlich große Unterschiede zutage. Es wurde auch behauptet, dass diese Unterschiede in der Wahrnehmung bei Frauen größer seien als bei Männern. Damit wurde also noch einmal bewiesen, dass Männer mehr mit ihrem Geschlecht denken als Frauen ? und es ist zudem klar, dass Frauen eher Umstände kreieren müssen, in denen sie sich auch bewusst sexuell erregt fühlen KÖNNEN. Die Gründe, die hier angeführt wurden, waren allerdings wenig differenziert. Zunächst wurde die schnelle körperliche Erregtheit (die objektiv gemessene) evolutionsbiologisch mit der Bereitschaft, Nachkommen zu zeugen, begründet. Der Unterschied zur subjektiven Wahrnehmung wurde dann aus gesellschaftlichen Faktoren abgeleitet: Die aktive Suche der Frauen nach dem Orgasmus sei eben erst seit relativ kurzer Zeit akzeptiert. Meines Erachtens ist diese Erklärung kurzsichtig. Ich glaube eher daran, dass Frauen Situationen einfach anders bewerten (s.o.) als Männer und dass diese unterschiedliche Bewertung auch etwas mit anderen Bedürfnissen und Gefühlen zu tun hat. Im Zirkelschluss kann man dann das wieder mit gesellschaftlichen Bedingungen begründen.
Alles Weitere beim nächsten Mal! Da geht es um Selbstbefriedigung und Intimchirurgie.
Was in deutschen Schlafzimmern wirklich passiert (Teil I)
Geschrieben am 01.10.08 um 16:46 Uhr

Die größte Sexstudie, die es jemals in Deutschland gegeben hat, befragte 55.000 Teilnehmer zu ihrem Sexualverhalten. Exklusiv ist dazu seit zwei Wochen eine Serie auf Pro 7 angelaufen.
Bemüht wurde auch eine Anzahl von angeblich hochkarätigen Spezialisten, die u.a. auch 100 Teilnehmer live befragten und zu Experimenten animiert haben. Dazu zählte auch ein Vernehmungsspezialist (vom BKA, Kripo?), der mittels Lügendetektor herausfinden wollte, inwieweit die Probanden bei der Beantwortung intimer Fragen (Haben Sie schon einmal Ihre Frau betrogen?) gelogen haben und falls ja, welche Gründe dafür herhalten müssen. Daneben geben Psychologen und ein Evolutionsbiologe ihren Senf dazu.
Die Ergebnisse des ersten Teiles - ich werde auch die anderen Teile hier kurz zusammenfassen und kommentieren - sind in der Mehrzahl so bekannt wie banal:
- Frauen und Männer sind sehr unterschiedlich in ihrem Sexualverhalten
- Viele lügen, weil sie sich schämen, wenn es um die Offenlegung intimer Details geht - Frauen wollen Männer mit robusten Gesichtszügen und insgesamt maskulinen Merkmalen, weil sie dadurch angeblich (Evolutionsbiologie) einen höheren Status vermitteln
- Die meisten wünschen sich einen längeren Sexualkontakt bzw. ein kreativeres Vorspiel
- Masturbation ist inzwischen - im Vergleich zu früher - sehr weit verbreitet (90% der Frauen und 98% der Männer tun es; 30% der Männer täglich, wie viele Frauen es täglich tun, habe ich leider nicht erfahren)
Die vielleicht noch ganz interessanten Ergebnisse haben alle etwas mit unserer schnelllebigen, post-postmodernen Zeit zu tun: So sind immer mehr Deutsche mit einem idealen Körper beschäftigt. Mehr als 20.000 von ihnen haben sich 2007 im Genitalbereich verschönern lassen. Was auch immer das heißen mag. Die These wird aufgestellt, dass dies auch mit einem extrem gestiegenen Konsum von pornographischen Inhalten zu tun hätte, da hier natürlich ausschließlich sich zur Idealisierung anbietende Körper dargestellt werden. Und: der Mensch ist nun einmal ein Nachahmungstier. Pornographie, so heißt es, sei in der Mitte der Gesellschaft angekommen und hat großen Einfluss auf das Denken und das Verhalten der Konsumenten. Dies wird wiederum psycho-biologisch damit begründet, dass beim Anschauen von Pornos Endokrine ausgeschüttet werden würden, die das Belohnungssystem des Betrachters bzw. der Betrachterin aktivieren und ein berauschendes Gefühl erzeugen würden, das dann auf Wunsch schnell und bequem wiederholt werden könne. Nun - ich muss gestehen, dass sich bei mir nicht unbedingt immer berauschende Gefühle beim Pornogucken eingestellt haben ? meist war das grottenlangweilig. Aber vielleicht habe ich ja auch die falschen Pornos geguckt. Die Frage ist ja auch, wie sich das mit dem Belohnungssystem wirklich verhält: natürlich kann man dem Ganzen ein gewisses Suchtpotenzial nicht absprechen. Zu lernen, Befriedigung auch einmal aufzuschieben - so, wie es kleine Kinder schon mit der Schokolade und dem Eis am Stiel lernen - scheint also für viele Menschen heutzutage eine große Herausforderung zu sein. Schöne, neue Welt. Dafür die Pornoindustrie oder "das Internet" in irgendeiner Weise verantwortlich zu machen, ist natürlich der größte Schwachsinn.
Was gibt es noch? Nun, jeder 5. Mann ab 30 hat Erektionsprobleme, ab 40 schon jeder 2. Da fragt man sich wirklich, welches Elend sich in deutschen Schlafzimmern abspielt, falls diese Zahlen stimmen sollten. Wahrscheinlich ist es so, dass immer dann, wenn er mal nicht steht, ein Erektionsproblem draus gemacht wird. Der Zwang, immer Lust haben zu müssen, scheint sich also weiter zu verbreiten. Allerdings wird als Grund für die Erektionsschwierigkeiten eine ungesunde Lebensführung ins Feld geführt, aber nicht näher ausgeführt. Die armen Männer scheinen also gleichzeitig immer mehr für ihre Gesundheit zu tun (Fitnesscenter usw.) und unter Stress zu leiden.
Und zu guter Letzt: Jeder 3. Deutsche besitzt mindestens ein Sexspielzeug; 91% haben Erfahrung mit oralem und 49% mit analem Verkehr (da ist also noch was drin) und die meistgeliebten Stellungen für beide Geschlechter sind in der Reihenfolge der Beliebtheit "Doggy Style", "Reiterstellung", "Missionarsstellung", "Oralverkehr", "Löffelchen" und "Im Sitzen".
Na, dann viel Spaß und bis zum nächsten Mal!
Seitensprung: Frauen haben andere Gründe fürs Fremdgehen
Geschrieben am 24.09.08 um 12:33 Uhr

Treue ist ein Attribut, das eher den Frauen zugeordnet wird. Während Männer zu flüchtigen sexuellen Kontakten neigen, suchen Frauen mehr die emotionale Nähe und nicht den Mann für eine Nacht, so lautet zumindest die gängige Annahme. US-Forscher haben jedoch in einer Studie herausgefunden, dass die Geschlechter sich in Sachen Fremdgehen ebenbürtig sind.
Die Forscher Todd Shackelford und Aaron Goetz behaupten im amerikanischen Fachmagazin "Current Directions in Psychological Science": Frauen haben häufiger als Männer das Verlangen nach wechselndem Beischlaf. Schuld daran seien evolutionäre Muster. Männer und Frauen haben unterschiedliche Motivationen zum Fremdgehen.
Sind Partner auch nur für einen Tag getrennt, so steigt das sexuelle Bedürfnis der Männer deutlich an. Da sie in solchen Situationen auch mehr Samenzellen produzieren, glaubt Shackelford, bleibt ihnen also kaum eine Wahl als dieses möglichst umgehend zu befriedigen. Notfalls eben auch mit einer anderen als der langjährigen Lebenspartnerin. Eine biologische Notwendigkeit also.
Frauen, so glaubte man bisher, suchen sich einen in vielen Hinsichten attraktiven Partner und sorgen dafür, dass sich seine hervorragenden Gene vermehren. Damit haben sie ihre evolutionäre Funktion quasi erfüllt und könnten sich nun auf den Nachwuchs konzentrieren. Doch damit sind wir schon beim Problem: Wie stellt frau sicher, dass sie tatsächlich die besten verfügbaren Spermien bekommt? Antwort: Durch größtmögliche Vielfalt.
Im Tierreich lösen viele Arten das auf ihre eigene Weise: Es gibt Vogelweibchen, die sich täglich mit bis zu zwanzig Männchen paaren. Später ziehen sie die Nachkommen in inniger, monogamer Zweisamkeit mit einem ihrer Geschlechtspartner auf, unabhängig davon, ob er der tatsächliche Erzeuger ist oder nicht. Ganz ähnliches haben Verhaltensforscher auch bei verschiedenen Affenarten beobachtet.
Dieses Verhalten steckt den US-Forschern zufolge auch noch immer in uns. Ob Frauen das naturgegebene Verlangen nach Promiskuität auch tatsächlich ausleben, ist allerdings eine andere Frage. Soziale und gesellschaftliche Konventionen haben über lange Zeit hinweg zum Gegenteil geführt. Unterdrücken Frauen also ihre Sehnsüchte und Triebe, während Männer ihnen eher nachgeben? Vielleicht ist es auch einfach so, dass Frauen in Sachen Fremdgehen viel diskreter sind als Männer. Das zumindest haben andere Studien ebenfalls ergeben.
Die Wahrheit über One-Night-Stands
Geschrieben am 17.09.08 um 11:53 Uhr

Auf einer Feier hielt kürzlich ein Gast zu vorgerückter Stunde ein leidenschaftliches Plädoyer für den One-Night-Stand. Der Sex mit völlig Fremden sei so aufregend, weil er das gewisse Prickeln verursache. Studien zufolge sind es in erster Linie junge Männer, die One-Night-Stands attraktiv finden. Sie stürzen sich in ein Vergnügen ohne Konsequenzen. Oft fühlen sie sich für eine langfristige Beziehung noch nicht bereit.
Doch das ändert sich mit der Zeit: Für die meisten heterosexuellen Männer ist es auf Dauer nämlich zu anstrengend und zeitaufwändig, ständig auf die Pirsch nach neuen Eroberungen zu gehen. Deshalb suchen sie irgendwann eher nach einer festen und dauerhaften Beziehung. Man könnte fast meinen, aus Bequemlichkeit. Doch hinzu kommt: Menschen, die in einer festen Partnerschaft leben, haben mehr und regelmäßigeren Sex als Singles.
Trotz allen gesellschaftlichen Wandels, ist der One-Night-Stand für Frauen übrigens noch immer weniger attraktiv als für Männer. Die Doppelmoral erlaubte es schon in früheren Zeiten jungen Männern, sexuelle Erfahrungen zu sammeln, während Frauen jungfräulich in die Ehe gehen sollten. Auch wenn moderne Frauen heutzutage ganz ähnliche Freiheiten genießen könnten wie Männer. Sie sehnen sich eher nach festen Beziehungen als nach flüchtigen Sexualkontakten. Für sie spielt die Gefühlsebene eine entscheidendere Rolle, wenn sie sich auf einen Mann einlassen.
Und dann ist da ja auch noch die Tatsache, dass One-Night-Stands oft sehr unbefriedigend sind. Wir haben einen flüchtigen, auf die sexuelle Ebene reduzierten Kontakt. Der kann zwar im Moment sehr leidenschaftlich sein, doch letztlich hinterlässt er für die Beteiligten oft ein eher schales Gefühl. Selbst, wenn wir in sexueller Hinsicht Befriedigung erfahren haben, so bleibt die emotionale Ebene meist auf der Strecke. Es wird keine echte Nähe geschaffen und wir können uns nur selten richtig fallen lassen. Und gerade das Vertrautsein mit einem Menschen und das Vertrauen, das wir ihm entgegenbringen, macht Sexualität erst wirklich befriedigend und erfüllend.
Was Männer und Frauen als attraktiv empfinden
Geschrieben am 10.09.08 um 13:08 Uhr

Ein Beispiel aus meiner Beratungspraxis: Eine Frau berichtet von einem wirklich netten Abend mit einem Mann. Sie unterhielten sich angeregt und flirteten auch ein wenig. Als der Abend zur Neige ging, war er sichtlich irritiert und sogar verärgert als sie ihm den Zutritt zu ihrer Wohnung verweigerte. Er hatte mehr erwartet und ihre Freundlichkeit als eindeutig sexuelles Interesse interpretiert.
Ja, gab die Frau zu: Sie hätten einander ein wenig geneckt und geflirtet. Aber eben nur ein wenig. Alles in allem sei er nicht ihr Typ gewesen, habe die Chemie nicht gestimmt, bzw. nicht ausgereicht, um daraus etwas anderes entstehen zu lassen.
Damit bestätigt sich, was amerikanische Forscher unlängst in einer Studie herausgefunden haben: Männer überschätzen sich selbst und ihr Gegenüber häufig, wenn es darum geht zu beurteilen, wie sexy, kokett, verführerisch oder promisk jemand ist. Eine gute Unterhaltung ist für sie gleichbedeutend mit guter sexueller Chemie.
Die Wissenschaftler untersuchten, wie sich Männer und Frauen nach einer fünfminütigen Begegnung gegenseitig beurteilten. Männer schätzten sich selbst und ihre Gesprächspartnerinnen deutlich verführerischer und sexuell attraktiver ein, als dies ihre weiblichen Gegenüber taten. Einen Hinweis auf die viel zitierte "Chemie" gab es interessanterweise nicht. Wechselseitiges "Knistern" und "Funkensprühen" wurde nicht mit einem Wort erwähnt - wohl weil die gegenseitige Einschätzung der Gesprächspartner nicht übereinstimmte.
Aber nicht nur Männer haben manchmal eine leicht verschobene Wahrnehmung. Auch Frauen sind in ihrer Beurteilung des Gegenübers alles andere als objektiv: Wenn ein Mann auf eine Frau in physischer Hinsicht anziehend wirkte, so die Studie, so bewertete sie seine sexuellen Eigenschaften positiver und fand ihn gleichzeitig auch netter, freundlicher und zugänglicher im Gespräch. Frauen zeigen also ein deutlich stärkeres durch Vorurteile geprägtes Verhalten, indem sie einem attraktiven Mann auch viele andere, nicht-sexuelle, positive Qualitäten unterstellen. Männer beurteilen die körperliche Attraktivität einer Frau unabhängiger von ihren sonstigen Eigenschaften.
Fragt sich schlussendlich: Finden Frauen einen Mann nett, weil er gut aussehend ist? Oder ist es vielleicht eher umgekehrt: Eben weil er freundlich und zugänglich ist, steigert das in ihren Augen auch seine Attraktivität?
Geschrieben am 03.09.08 um 11:13 Uhr

Kennen Sie die Situation: man hat jemanden Neues kennen gelernt, und nun steht das erste Treffen in den eigenen vier Wänden bevor. Meist handelt es sich dabei um eine Einladung zum Essen.
Vor allem Männer scheinen heutzutage den Herd und die Kochkünste entdeckt zu haben und möchten dies natürlich nutzen, um ihren Verführungskünsten einen günstigen kulinarischen Rahmen zu verleihen. Für passende Rezepte finden Sie übrigens auch Anregungen in unserem Kochblog. Aber eine andere Frage, die sich dann stellt, ist: welche Musik soll ich auflegen? Beim Forschen im Netz bin ich doch auf recht unterschiedliche Vorschläge gestoßen, das ging von Marvin Gay über Barry White, Ice House und Police bis hin zu Gregorianischen Gesängen und Henry Mancini. Ein unterhaltsames Thema, auf jeden Fall. Vielleicht hilft bei der Auswahl eine Untersuchung von Saarikallio and Erkkila (2007), die herausfinden wollten, auf welche verschiedene Art und Weise Menschen Musik benutzen, um ihre Stimmung und ihre Gefühle damit zu beeinflussen bzw. in eine bestimmte Richtung zu lenken. Dabei ergab sich eine Liste von 7 Punkten:
1. Unterhaltung - Auf einer ganz grundlegenden Ebene stimuliert uns Musik einfach. Sie hebt die Stimmung, bevor man ausgeht, sie begleitet uns beim Autofahren, bei der Hausarbeit oder beim Lesen im Hintergrund.
2. Erneuerung - Am Morgen kann uns Musik lebendiger machen, am Abend beruhigen.
3. Starkes Empfinden - Musik kann uns in extrem tiefe und heftige Gefühlszustände versetzen, insbesondere beim eigenen Musizieren.
4. Ablenkung - Musik kann uns von unangenehmen Gedanken ablenken und den Geist beruhigen.
5. Entladung - Musik, die mit bestimmten inneren Zuständen mitschwingt, kann tiefe Gefühle freisetzen: als reinigende und befreiende Wirkung.
6. Geistige Tätigkeit - Musik kann das Tagträumen verstärken oder anregen, wenn man z.B. in alten Erinnerungen schwelgt.
7. Trost - Musik kann Trost spenden oder auch dabei helfen, Gefühle mit anderen zu teilen.
Diese sieben "Strategien" dienen immer zwei Zielen: die eigene Stimmung zu kontrollieren und zu unterstützen. Wenn man diese kleine Kategorisierung auf unser Vorhaben überträgt, könnte man sich fragen, welche dieser Strategien am besten zu einem selber passt und wie sich dies in der "Verführungssituation" auf mich auswirken wird. Wahrscheinlich werde ich also solche Stücke auswählen, die bei mir positiv besetzte Erinnerungen hervorrufen oder ganz allgemein meine Motivation in die ?richtige Richtung? bringen.
Natürlich ist damit noch nicht die Frage beantwortet, ob der gewünschte Effekt auch beim Objekt der Begierde genauso eintreten wird. Denn bekanntlich können Geschmäcker sehr verschieden sein - und was mache ich, wenn sich beim Hören eines alten Mancini-Stückes bei mir der romantische Overkill anbahnt - sie aber dabei an den letzten Lover denken muss, der sie damit zu Tode gelangweilt hat? Aber was soll's - man kann ja in einem solchen Fall die unterschiedliche Reaktion auf die Musik dazu nutzen, sich näher kennen zu lernen. Hauptsache, man hat noch eine Alternative parat. Wenn dann das Endergebnis so ausfallen sollte, dass es gar keine Gemeinsamkeiten gibt, dann ist das ja auch ein Ergebnis: wahrscheinlich kann man sich nämlich dann alles Weitere sparen.
Geschrieben am 27.08.08 um 09:56 Uhr

Gerade habe ich in meiner Beratung erlebt, dass eine Sache für viele Paare schwierig ist: Der Umgang mit den eigenen Kindern, wenn es um die Befriedigung der eigenen sexuellen Bedürfnisse geht.
So berichtet Frau A. von ihren täglichen Kämpfen um das elterliche Territorium und die eigene (Un-)Lust. Das Paar hat zwei kleine Kinder, eine Tochter (4) und einen Sohn (6). Beide sind quietschfidel und auch in den Abendstunden noch putzmunter. Der Ehemann ist Vollzeit beschäftigt und gegen 19 Uhr zu Hause; sie versucht gerade, sich selbständig zu machen und ist von Haushaltsführung und Kinderbetreuung plus dem eigenen Projekt genauso geschafft wie ihr Mann. Nicht verwunderlich, wenn sie von abnehmender Lust erzählt und ihre Beziehung in Gefahr sieht. Ihr Mann tickt da anders: Er sieht den Sex als Entspannungsmöglichkeit vom Alltagsstress, während sie Nähe und Kuscheln braucht, um Kontakt zu ihm aufzubauen. Eine häufige, vielleicht geschlechtsspezifische Kommunikationsstörung. Die Kinder werden zusätzlich oft als Grund angeführt, "warum es mal wieder nicht geklappt hat". Nachgefragt, wie genau die Kinder ins Spiel kommen, erhalte ich die Antwort, dass sie eben noch Gesellschaft bräuchten oder noch nicht schlafen würden. Kurz: Die Bedürfnisse der Kinder gehen vor. Oft wird auch das eigene Schamgefühl oder eine Hemmung angeführt: Man möchte die Kinder nicht durch eindeutige Geräusche beunruhigen oder will nicht dabei erwischt werden, wie auch eine aktuelle Studie ergab.
In Variation kommt dieses Thema auch bei frisch Verliebten vor. In einer Beratung erzählt mir Frau Z., dass der Mann, der ihr beim Online-Dating den Hof gemacht hat und den sie dann zum ersten Mal zu sich nach Hause einlud, sich als erstes auf ihren 10jährigen Sohn stürzte. Offenbar wollte er unter Beweis stellen, dass er gut "mit Kindern kann". Der Kleine fand das prima. Nur: Aus Intimitäten zwischen Frau Z. und ihrem Verehrer wurde nichts. Der Kleine nahm die neue Vaterfigur ganz unter Beschlag. Fazit: Kindliche Bedürfnisse sollten gestillt werden - aber warum soll es den Kindern besser gehen als ihren Eltern? Gibt es nicht auch so etwas wie ein Elternrecht? Und wo steht geschrieben, dass Kinder darunter leiden, wenn man ihnen klare Grenzen setzt? Wichtig bei einem solchen Vorhaben ist allerdings, dass beide Partner an einem Strang ziehen und wissen was sie wollen: Nämlich Sex. Gestehen Sie sich zu, dass dieses Bedürfnis genauso wichtig ist wie das kindliche Wohl.
Geschrieben am 20.08.08 um 10:48 Uhr

Der Duft beeinflusst, wen wir sexuell attraktiv finden. Genetiker fanden heraus, dass auf dem Chromosom sechs olfaktorische Rezeptorgene angesiedelt sind. Diese regulieren die Partnerwahl, um Nachwuchs den besten Immunschutz zu gewähren.
Ein berühmtes Experiment bewies: Frauen mussten T-Shirts von Männern beschnüffeln, die diese ein paar Tage (ohne waschen, ohne Deo zu benutzen) getragen hatten. Die Frauen fanden den Duft am attraktivsten, der ihrem eigenen genetischen Profil genau entgegengesetzt war. Der Geruchssinn spielt also eine wesentliche Rolle bei der Entscheidung über gegenseitige Anziehung und Partnerwahl. Tipp für alle Partnersuchenden: Achten Sie beim ersten Treffen darauf, nicht irgendein Parfum zu benutzen. Das gilt übrigens für Männer und Frauen, denn die oben beschriebenen Fakten treffen auf beide Geschlechter zu. Hintergrund für diese Empfehlung ist, dass der eigene Körpergeruch nicht durch ein Parfum verfälscht werden darf ? so, wie man es früher irrtümlich praktizierte. Vielmehr sollte man darauf achten, dass ein Parfum das eigene Duftprofil unterstützt und verstärkt, um eine falsche Partnerwahl zu vermeiden. Wissenschaftlich gesehen ist dies dadurch belegt, dass offenbar unser genetisch angelegtes Duftprofil auch mit bestimmten Vorlieben für Düfte zusammenhängt: Der genetische Typ A z.B. mag eher Düfte, die Stoffe wie Amber oder Moschus enthalten. Der ihm entgegen gesetzte Typ B mag blumige Düfte, wie Rose oder Hyazinthe.
Somit ist also unser Parfum ein verlängerter Arm der Kommunikation unserer Gene - und sorgt dafür, dass wir nicht an den Falschen geraten. Daraus ergeben sich Konsequenzen für die Auswahl eines Parfums.
Tipps für den Parfumkauf
Wählen Sie Ihr Parfum unbedingt selbst aus. Denn nur Sie sind in der Lage, den passenden Duft für sich zu erschnüffeln. Bitte testen Sie dabei den Duft nicht anhand der in Parfümerien üblichen Papierstreifen. Denn der entscheidende Duft entwickelt sich besser auf der Haut. Außerdem: Warten Sie mindestens zwanzig Minuten, bevor Sie sich entscheiden. Warum? Parfums bestehen aus vielen Inhaltsstoffen, die sich in der Kopf-, Herz- und Basisnote widerspiegeln. Kopf- und Herznote verflüchtigen sich relativ schnell und bilden nur den ersten Eindruck des Dufts. Die Basisnote dagegen bleibt für mehrere Stunden erhalten. Diese ist entscheidend für den angestrebten genetischen Anziehungseffekt. Danach sollte einer ersten duften Liebesnacht nichts im Wege stehen.
Sex im "Alter" und Partnersuche
Geschrieben am 13.08.08 um 10:03 Uhr

Die Frage nach der sexuellen Erfüllung im Alter wird immer offener diskutiert. Dies mag in erster Linie daran liegen, dass die Menschen zum einen älter werden und zum anderen dabei häufiger ihren Lebenspartner wechseln.
In deutschen Großstädten wird inzwischen jede zweite Ehe geschieden; eine durchschnittliche Beziehung hat oft ihren Wendepunkt nicht mehr im verflixten 7., sondern schon im 5. Jahr. Das Lebensabschnittspartner-Modell ist zur Normalität geworden. Auch die Erwartungen und Bedürfnisse sind gestiegen. Nicht zuletzt die Medien haben dafür gesorgt, dass das Thema Sex immer und überall in aller Munde ist - das sorgt für einen runden Lauf der Wunschmaschinerie.
Was von diesen Wünschen und von dem steigenden Begehren konnte verwirklicht werden? Offenbar so einiges. Die Zufriedenheit mit dem eigenen Sex bei Senioren um die 70 ist mächtig gestiegen in den letzten drei Jahrzehnten. Eine schwedische Studie hat dies jüngst nachgewiesen. Demnach stieg der Prozentsatz der "Zufriedenen" bei den (verheirateten) Männern von 52 auf 68 und bei den (verheirateten) Frauen von 38 auf 56 Prozent. Den wenigsten Sex hatten ledige Frauen, was damit erklärt wird, dass sie statistisch die Männer auch um mehrere Jahre überleben. Männer haben ihre Probleme eher auch im körperlichen Bereich. Neben der Tatsache, dass sie sich jetzt eher trauen, auch über Probleme wie erektile Dysfunktion zu sprechen, leiden sie offenbar noch häufiger unter der Schwierigkeit, ejakulieren zu können. Das war bisher weniger bekannt. Insgesamt werden sie deutlich mehr für sexuelle Probleme im Alter verantwortlich gemacht - haben aber auch durch moderne Erektionsmittel wie Viagra neuerdings die Chance, das wieder auszugleichen.
Überhaupt wird heutzutage bei dem Thema sehr viel mehr differenziert, was zu begrüßen ist. So wird v.a. mit dem Begriff des Alters anders umgegangen. Während früher Vorurteile über die Alten in jeder Hinsicht fröhliche Urstände feierten, unterscheidet man heutzutage klar zwischen biologischem und funktionalem Alter. Ursula Lehr schreibt (1997, 64) zu Recht: "Es kommt [...] nicht auf die Anzahl der Jahre an, sondern auf Fähigkeiten, Fertigkeiten, auf das Erleben und Verhalten, auf die physische und psychische Funktionsfähigkeit, auf das so genannte functional age. [...] Mit zunehmendem Lebensalter wird [...] das chronologische Alter [...] ein immer fragwürdigeres Kriterium zur Beurteilung von körperlichen und geistigen Fähigkeiten." (Lehr, Ursula (1997). Demographischer Wandel. Herausforderungen einer alternden Gesellschaft. In: Forschung & Lehre 2, 63-67)
Hier wird auch der Zusammenhang zwischen dem enormen Wachsen der Gesundheitsindustrie und des Verlangens nach Fitness und Schönheit mit der Erwartung an ein sexuell erfülltes Leben im Alter deutlich: es geht halt nur, wenn man gesund und fit ist und wenn man mit den allgemeinen Erwartungen Schritt halten kann, sowohl körperlich als auch auf dem Gebiet von Status und Prestige. Dieser Erwartungsdruck lastet natürlich auch auf den Partnersuchenden.
In meiner Beratungspraxis bin ich häufiger mit Problemen von Menschen konfrontiert, die den Spagat zwischen Nähe- und Geborgenheitswünschen einerseits und dem Wunsch nach Abenteuer und sexueller Leidenschaft andererseits nicht so recht hinkriegen, wenn sie ein bestimmtes Alter erreicht haben. Bei Frauen scheint dieses kritische Alter schon zwischen 50 und 55 zu liegen. So sind viele sexuell noch sehr aktiv, bzw. haben den starken Wunsch, dies zu sein. Aber sie finden nicht so Recht den Wunschpartner, mit dem sie sich auch wirklich einlassen wollen. Die Befürchtungen sind oft ähnlich: zu viel Nähe führt zu Langeweile des Partners bzw. in der Beziehung, und die eigene Attraktivität wird durch vermutete Untreue des Mannes in Frage gestellt. Diese Frauen weichen dann auf andere Angebote im Netz aus (Flirtportale oder Dating-Seiten), wo sie zwar vorübergehend einen befriedigenden Sexpartner finden - aber der taugt dann wieder nichts für eine Partnerschaft, weil er oft selbst verheiratet oder anderweitig gebunden ist. Das Sex-Problem ist also nur vorübergehend gelöst.
Die Männer wiederum trauen sich nicht, sich von ihrer alten Beziehung zu lösen. Sei es, weil sie zu bequem sind oder Kinder haben. Aber auch sie leiden dann irgendwann unter dem Doppelleben, das sie führen - und haben ebenfalls ihr Sexproblem nur vorübergehend gelöst. Eine Antwort auf diese Problematik ist sicherlich schwierig - sie kann aber nur in einer größeren, gegenseitigen Offenheit, was eigene Ängste und Erwartungen betrifft, liegen.
Geschrieben am 06.08.08 um 11:23 Uhr

Wer kennt nicht das erregend-unheimliche Gefühl, wenn es darum geht, vor einem Fremden zum ersten Mal die Hüllen fallen zu lassen. Nur für die, die sich gleich wie wild aufeinander stürzen, gibt es nichts zu bedenken oder abzuwarten.
Doch die sind in der Minderheit. Nur 9 Prozent der Deutschen will es sofort wissen, in der ersten Woche nach dem Kennenlernen sind es 17, im ersten Monat 33 und innerhalb von 6 Monaten 10 Prozent. Nur 1 Prozent wartet bis zur Hochzeitsnacht, was uns ein erleichtertes Ausatmen abringt, denn damit ist diese romantische Vorstellung wenigstens von jedem Hundertsten noch handlungweisend. Insgesamt haben sich 87 % der frisch Verliebten nach drei Monaten auch körperlich kennen gelernt.
Was sagen die Betroffenen selbst? In den einschlägigen Chatrooms und Foren kann man sich von einer Vielzahl von Meinungen und Einstellungen überzeugen. Da sind die Genießertypen, die nur mit Verachtung auf jeden Zauderer blicken und auf unsere kurze Lebenszeit verweisen. Dann die Machos mit den Strichlisten, die ich noch von der Insel Kreta her kenne (zum Schluss der Saison wird abgerechnet; wer die meisten verführt, hat gewonnen). Nicht zu übersehen die Bedenkenträger und Vorwarner, die erst vertrauensbildende Maßnahmen brauchen, um sich frei zu machen. Und natürlich die Romantiker mit vielen Hinweisen zu schönen Verführungsritualen ("Soll ich mir für ihn ein neues Outfit besorgen?" "Meint ihr, er steht auf Kerzen und Dessous?"). Schlussendlich wären noch die abwägenden Investortypen zu nennen, die sich der Überlegung hingeben, dass man nur so, mit einem schnellen F-Test, herausfinden könne, ob man zueinander passt oder nicht.
Die Tipps fürs erste Mal sind auch nicht zu verachten: da wird davor gewarnt, sich gleich hinzugeben, denn das könne ja den eigenen Wert im Auge des Neuen schmälern. Kondome sollten greifbar sein, auch die unersetzliche Gleitcreme. Schließlich der Hinweis, es besser "bei ihm zu machen", da sich frau von dort besser aus dem Staub machen könne, falls das Ganze ein Reinfall sein sollte. Interessant sind auch die Ergebnisse zur Verhütungsfrage. Wie viele lassen sich wohl so erregen, dass sie alle Warnungen in den Wind schlagen und es "ohne" machen, obwohl sie nichts von der sexuellen Vergangenheit oder der Vertrauenswürdigkeit ihres neuen Partners wissen? Es sind genau 30 %, gleiche Zahlen für Männer und Frauen. Was die anderen 2/3 tun, erfahren wir leider nicht aus dieser Studie.
Wahrscheinlich ist aber, dass das erste Mal Sex mit dem Neuen gar nicht so wichtig ist. Woran erinnern Sie sich, wenn Sie an den Anfang Ihrer Beziehung denken? Vielleicht an den ersten Ort oder an die erste Liebeserklärung, an den ersten Streit oder den ersten Nachmittag bei den Schwiegereltern, an das erste Vorstellen bei den Freunden, an die erste Umarmung, an das erste Vorzeigen der Wohnung, des Autos, an die erste Freudsche Fehlleistung, an das erste Stottern, die erste Lüge, die erste Offenbarung. Aber an den ersten Sex? Höchstens doch an das, was dem vorausgegangen ist, oder?
Geschrieben am 30.07.08 um 09:52 Uhr

Wie bleiben Erotik und Sex im Laufe einer Beziehung erhalten? Wie verhindern wir, dass die totale Flaute im Bett eintritt? Die Frage wird wahrscheinlich auch deswegen immer wieder aufgeworfen, weil die Antwort schwierig ist.
Langeweile macht unsexy
Ich bin allerdings der Meinung, dass nicht die Antwort schwierig ist, sondern die heraufbeschworene und empfohlene Umsetzung.
Sie kennen sicherlich alle das Bild vom griechischen Liebesgott Eros, der mit Pfeil und Bogen dargestellt wird. Wer durch seinen Pfeil getroffen wird, dessen Liebe werde entzündet, heißt es. Nun - interessant im Zusammenhang mit unserer Ausgangsfrage, wäre herauszufinden, wie und wann und unter welchen Umständen denn Eros seine Pfeile loslässt. Einfach so, wahllos? Keinesfalls! Er sucht sich immer den- oder diejenige als Opfer seiner sportlichen Begierde, der oder die ihm interessant erscheint. Wo es langweilig ausschaut - keine Chance!
Und siehe da - schon haben wir die Antwort auf unsere schwierige Frage gefunden: Nur dort bleibt Erotik und sexueller Schwung erhalten, wo noch die Spannung in der Beziehung ist, wo es etwas Neues zu entdecken gibt und wo sich keine Langeweile breitmacht. Und da wird doch sofort jedermann und jedefrau zustimmen: das ist wirklich schwierig! Denn Menschen sind nun mal so gestrickt; sie neigen dazu, es sich bequem zu machen, die Pantoffeln unter dem Tisch hervorzuholen und den Fernseher einzuschalten. Vielleicht entdecken da die momentan immer wieder gern zitierten Evolutionsbiologen irgendwann einen Zusammenhang (es ist heutzutage einfach zu ungefährlich draußen, wo früher vor der steinzeitlichen Höhle immer noch die eine oder andere Gefahr lauerte ...).
Jedenfalls ist das Moment "Veränderung" in einer festen Beziehung nicht ohne weiteres zu erreichen, bzw. als dauerhafte Einrichtung zu erhalten. Trotzdem gilt aber: nur mit ständiger Veränderung wird die Spannung aufrechterhalten. Wer es sich gemütlich macht und "sich einrichtet" - der riskiert, dass bald darauf der Blick des Partners in andere Richtungen abschweift. Was heißt Veränderung in diesem Zusammenhang genau? Nun - es geht in erster Linie darum, nicht daran zu glauben, dass man mit seiner eigenen Entwicklung in irgendeiner Form abgeschlossen haben könnte, dass man sozusagen "fertig" sei, so wie ein Gericht. Und das gleiche gilt für den Partner: keinesfalls sollte man davon ausgehen, dieser sei "fertig" oder man würde ihn "kennen". Das Neue will immer wieder gesucht und entdeckt werden! Und dann ist auch Eros weiterhin interessiert.
Geschrieben am 25.07.08 um 10:07 Uhr

In einschlägigen Illustrierten lese ich ab und an - beim Friseur und anderen "Illu-Orten" - über guten Sex. Da wird getratscht, was das Zeug hält; es geht um Stellungen, Wechsel und darum, wie jemand sich in den anderen einfühlen kann.
Schön und gut, denke ich, das mag ja alles sein - aber ist das wirklich wesentlich für guten Sex? Nein, lautet meine Antwort, ich versuche mal was anderes.
Denken Sie doch einfach mal an ein Baby, ein Neugeborenes, wenn es gerade auf die Welt gekommen ist und seine Augen öffnet, um in das Gesicht seiner Mutter zu schauen. Und haben Sie das innere Bild vor Augen, wie es zwischen beiden hin- und herfunkt, wie die Liebe sich ausbreitet? Genau - die Liebe! Der erste liebevolle Blick fördert und unterstreicht die Existenz eines neuen Menschen. Wohlgemerkt: das ganze Theater beginnt mit einem POSITIVEN Gefühl.
Die "Reihenfolge der Gefühle" geht also so: wir beginnen mit der Liebe, über die Sehnsucht und die Freude, dann natürlich vermischt mit der Wut und der Traurigkeit - aber das kommt danach. Am Anfang steht das JA - dann folgt das NEIN. Eine Beziehung entwickelt sich demnach dann konstruktiv und positiv, wenn diese Reihenfolge auch später eingehalten wird. Wir müssen die Nähe wollen, wir sagen JA zu jemandem. Um uns dann auch abzugrenzen, NEIN zu sagen.
"Guten Sex" hat man dann, wenn jemand all diese Gefühle einmal erlebt hat und bei ihm die Reihenfolge stimmt. Wenn er sowohl JA als auch NEIN sagen kann, auch mal abwechselnd, auch zur selben Person. Dann hat man auch guten Sex (es sei denn, man macht andere Dinge vollkommen falsch, aber darüber rede ich jetzt nicht). Allerdings gibt es eine weitere Voraussetzung: die richtige Gefühlsreihenfolge und der flexible Umgang damit muss bei BEIDEN Beteiligten vorhanden sein (oder bei ALLEN Beteiligten, meinetwegen).
Was passiert, wenn jemand diese Reihenfolge nicht drauf hat, vielleicht weil es Störungen oder Ablenkungen gab in seiner Lerngeschichte (oder einfach: es gab keinen liebevollen Blick für ihn)? Dann ist es umgekehrt: er muss zunächst lernen, NEIN zu sagen, um darüber zum anfänglichen JA kommen zu können. Dann hat er die richtige Reihenfolge wieder drauf. Merken, dass etwas nicht stimmt, wird er möglicherweise daran, dass er keinen guten Sex hat.
Einfluss gesellschaftlicher Normen aufs Sexualverhalten
Geschrieben am 18.07.08 um 12:10 Uhr

Es ist nicht neu, dass unser Verhalten auch von außen gesteuert wird. Von Kindheit an verinnerlichen wir die Erwartungen der "Anderen" - sei es die der Eltern, der Freunde oder allgemein die der "Gesellschaft". Vor allem Bilder und Beschreibungen in den Medien haben einen starken Einfluss auf unsere Selbstwahrnehmung. Vielleicht glauben wir, dass wir Herr / Frau im eigenen Hause sind. Aber wenn wir nicht rechtzeitig darüber reflektieren - dann täuschen wir uns!
Die Folgen sind bekannt und wurden vor nicht allzu langer Zeit u.a. in einer Untersuchung von "Female Affairs" für Frauen beschrieben: diese beurteilten häufig ihren Körper oder auch ihr Alter äußerst negativ oder kritisch. Konsequenzen waren unter anderem Schamgefühle und der Wunsch, sich beim Sex vor dem Partner mit diesen Körperteilen zu verstecken oder gar ganz auf Sex zu verzichten. Immer wurden dabei Vergleiche zu einer idealen Körperform oder zu einem idealen Alter gezogen, die verantwortlich waren für die beschriebenen Schwierigkeiten.
Männer ziehen in dieser Hinsicht nach: waren sie früher noch fast ausschließlich auf die Erwartung "Leistungserfüllung" getrimmt, so gucken auch sie heutzutage vermehrt auf Fettgewebe und Muskelschwund. Viele versuchen, sich über einen gestylten Body zu definieren und darüber Anerkennung und Selbstbestätigung zu finden. Ob auch sie dadurch zu Schamgefühlen beim Sex neigen und sich darüber zurückziehen, ist bisher wenig untersucht. Wahrscheinlich ist es aber.
Im Grunde sind also beide Geschlechter betroffen. Überhaupt werden die Geschlechtsunterschiede geringer, wenn es um dieses Thema geht. Denn der Druck von außen nimmt proportional zum Verdrängungswettbewerb in der Gesellschaft zu.
Was ist zu tun? Kann man das gesunde, leidenschaftliche Begehren retten vor dem Zugriff und der Bewertung von außen? Mit bloßen Appellen ist es sicherlich nicht getan. Aus psychologischer Sicht fehlt es meines Erachtens hauptsächlich an einem gesunden Anteil aggressiver Gegenwehr. Und das bedeutet, dass man dann aufmerksam und kritisch werden sollte, wenn der Versuch "mitzuhalten" zum unmöglichen Ziel und zum krank machenden Stress wird. Sprich: solange es Spaß macht und man den allgemeinen Schönheitswettbewerb mit einer guten Portion Humor begleiten kann, dann sollte man das auch genießen. In dem Moment aber, wo man merkt, dass man den Normen und Erwartungen von Außen nicht mehr entsprechen KANN - oder auch nicht mehr entsprechen WILL - dann sollte man auf eine andere "Autobahn umschwenken". Und dazu wiederum ist es notwendig, sich von falschen Propheten fernzuhalten und sich dort Unterstützung und Gewissheit zu holen, wo man nicht ständig unmöglichen Versuchungen ausgesetzt ist. Also: weg mit den Diätvorschriften, raus aus dem Edel-Fitnessstudio, Distanz zu falschen Freunden und Klärung der falschen Erwartungen in der Partnerschaft. Dann hat man auch wieder eine Chance, Freude und Spaß beim Sex zu empfinden, ohne sich ständig wie bei der Olympiateilnahme oder wie auf dem Laufsteg vorzukommen.
Sexfantasien - Wunsch und Realität
Geschrieben am 01.07.08 um 12:22 Uhr
Der berühmte Sex im Kopf hat oft wenig mit seiner Verwirklichung zu tun. Diese - eigentlich banale - Tatsache ist jetzt noch einmal auf das Eindrücklichste von einem englischen Wissenschaftler belegt worden. Brett Kahr hat in seiner Studie "British Sexual Fantasy Research Project" mit seinem Team über 19000 Interviews geführt und unsere europäischen Nachbarn nach ihren sexuellen Fantasien und ihrem tatsächlichen Sexualverhalten befragt.
Wichtiger Aspekt der Untersuchung war auch, wie denn die Menschen mit ihren Wunschvorstellungen eigentlich klar kommen: Sind sie in der Lage, sich ihrem virtuellen Liebesleben hemmungslos und lustvoll hinzugeben - oder haben sie Probleme mit Inhalten, zu denen sie nicht wirklich stehen können? Offenbar ist wohl immer noch die zweite Variante stark im Spiel. Schuld- und Schamgefühle gehen häufig mit den eigenen sexuellen Fantasien einher.
Das ist ein Ergebnis, das man vielleicht in unserem aufgeklärten Zeitalter so nicht erwartet hätte. Andererseits ist dieses Ergebnis auch wiederum nicht ganz so überraschend, wenn man sich anschaut, welche sexuellen Inhalte denn hauptsächlich in den Köpfen der Geplagten herumspuken: bei über 90 % stimmen die im Kopf begehrten Sexualpartner nicht nur mit dem eigenen Partner überein. Vielmehr handelt es sich entweder um den Chef (11%) oder Arbeitskollegen (39%), um Sadomaso-Inhalte (31% denken an "Demütigungen" - was auch immer damit gemeint sein mag) und 10% werden in ihren Fantasien zum Masturbieren gezwungen. Dies gibt die Zeitschrift NEON in einer Statistik in ihrer Ausgabe vom Juni 2008 dazu an. Aber auch diese Ergebnisse sind nicht wirklich neu. Denn schon unser guter alter Professor FREUD sprach ja schon vom "polymorph Perversen" in uns - was bedeutet, dass jeder Mensch dazu neigt, das angeblich Normale in seinen Wünschen weit hinter sich zu lassen.
Geschrieben am 01.07.08 um 12:10 Uhr
Wahrscheinlich wird jeder unterschiedlich auf diese Frage reagieren - von belustigt über genervt, von interessiert bis verunsichert. Das aber liegt ganz klar an der Antwort: Niemand hat sie genau. Trotzdem zunächst zu den "Durchschnittszahlen", veröffentlicht vom "Durex Local Report 2005": Danach haben die Deutschen 98 Mal Sex im Jahr.
Das entspricht im Schnitt ca. zwei Liebesspielen pro Woche. 5 % der Befragten geben an, täglich Sex zu haben. Bemerkenswert ist: Die Berliner sind sexuell aktiver als der Rest des Landes, in der Hauptstadt kommt man auf 120 Mal Sex jährlich. Die Brandenburger und Thüringer stehen den Berlinern nicht weit nach: "Hier quietschen die Bettfedern 115 Mal im Jahr." lässt uns der Report wissen. Am seltensten kommen die Pfälzer zur Sache (76 Mal).
Wenn man dann im Netz in den einschlägigen Foren nachforscht, wird man mit den wahren Hintergründen unserer Ausgangsfrage konfrontiert: da geht es eben hauptsächlich um Beziehungsfragen: Ist Liebe im Spiel? Wie lange dauert die Beziehung schon? Wie sieht es mit dem Selbstverständnis als Mann bzw. Frau aus? Wie hoch sind die Erwartungen?
Ein Versuch, etwas Licht in die Angelegenheit zu bringen, ist ein eigener Text zum Thema, der sich mit dem Zusammenhang zwischen Sex, Liebe und Erotik beschäftigt. Hier wird die These vertreten, dass die Häufigkeit des sexuellen Kontaktes (und vor allem auch die Qualität, hierüber wird scheinbar seltener gesprochen?) davon abhängt, wie in einer Beziehung Liebesgefühle und erotische Anziehung gepflegt werden. Denn nur die "pure Mechanik" - wen interessiert das schon?