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Beziehung: Ist fremdflirten erlaubt?
Beziehung: Ist fremdflirten erlaubt? (Kategorie: frisch-verliebt)
Mit anderen flirten peppt das Ego auf. Dumm nur, wenn der Partner darunter leidet. Und das tun laut ElitePartner-Studie nahezu alle der 4.500 Befragten. Eifersuchtsexperte Dr. Marcus Damm analysiert die häufigsten Gründe für das unschöne Gefühl.

Fremdflirt als Ego-Boost

Die Situation: Sandra (33) ist mit ihrem Freund Sören (34) auf einer Party. Den ganzen Weg dorthin erklärte Sören ihr, warum er gar keine Lust auf diese Party habe. Kaum angekommen, plaudert er stundenlang angeregt mit einer attraktiven Unbekannten, versprüht Charme und gute Laune, dass es nur so kracht. Sandra ist gekränkt, macht ihm auf dem Heimweg eine Szene und wirft ihm vor: "Warum musst Du immer mit anderen flirten?!" Psychologe Marcus Damm findet Sandras Eifersucht nicht angebracht: "Glücklich Liierte flirten in fremden Gefilden, einfach um des Flirtens willen. Glückshormone werden dabei ausgeschüttet, genauer gesagt, Dopamin. Wer dieses "kleine Glück" genießt, tut das für sich selbst. Unser Gehirn belohnt uns für Neues im weitesten Sinne. Und neu ist in diesem Fall die Unbekannte. Das hat nichts mit dem Partner zu tun." Wie können Sandra und Sören gegensteuern? Ganz einfach: Die Grenzen müssen von beiden klar gezogen werden. Weil die meisten Paare das nicht tun, gibt es Konflikte. Marcus Damm empfiehlt eine Aussprache im Vorfeld: "Beschreiben Sie sich bei einem Glas Rotwein gegenseitig Ihre Vorstellung von Treue und Untreue und vereinbaren Sie so Ihre Grenzen."

Männer und Frauen sind unterschiedlich eifersüchtig

Sandra und Sören haben das getan. Sandra nervt es, wenn Sören anderen Frauen hinterher schaut. Noch schlimmer: Wenn er angehimmelt wird. Damit ist sie nicht allein. In der ElitePartner-Studie lagen diese als weibliche Eifersuchtsgründe ganz weit vorn. Aber Frauen sind keineswegs eifersüchtiger als Männer. Letztere sind ruckzuck auf 180, wenn die Liebste mit einem Konkurrenten flirtet. Männer brodeln schneller und heißer. Deshalb nutzen viele Frauen den Flirt in fremden Gefilden gern dazu, den Partner zu motivieren, sich mehr Mühe zu geben, wenn seine Aufmerksamkeit nachgelassen hat. Männer und Frauen sind unterschiedlich eifersüchtig. Grund ist die Evolution: Ur-Männer befürchteten, die Partnerin könne ihnen ein Kuckuckskind unterjubeln, das sie durchfüttern mussten. Also beargwohnten sie außerehelichen Sex. Ur-Frauen war das nicht so wichtig, solange der Versorger ihnen erhalten blieb. Auch bei modernen Frauen schrillen noch heute die Alarmglocken, wenn der Gatte eine enge emotionale Verbindung zu einer anderen hat. Erstaunlicherweise sind die wenigsten Befragten auf die Kollegen eifersüchtig. Dabei entstehen viele Beziehungen am Arbeitsplatz. Marcus Damm: "Oft haben wir wenig Einblick in die Arbeitswelt des Partners und dann geht es nach der Devise: Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß." Frauen sind eifersüchtiger darauf, dass ihr Liebster von anderen angehimmelt wird. Männer sehen das nicht so eng. Wahrscheinlich, weil sie wissen, dass frau in solchen Fällen ihre Verbindung meist deutlich zum Ausdruck bringt. "Männer", so Dr. Marcus Damm, "greifen bei solchen Gelegenheiten eher zu. Deshalb befürchtet sie, er könne sich in die Konkurrentin verlieben."

Verzeihen oder nicht

Ein gutes Selbstbewusstsein ist kein ausreichender Schutz, meint Marcus Damm: "Das Selbstbewusstsein wird durch einen Seitensprung des Partners grundsätzlich erschüttert, der Fehltritt gleicht fast schon einem Trauma." Aber vielleicht erholen sich die Selbstbewussten unter uns schneller davon. Obwohl: Wer wenig Selbstvertrauen hat, neigt eher zur Eifersucht. Sandra hat Sören inzwischen seinen kleinen Fremdflirt vergeben. "So schlimm war es ja auch nicht", sagt sie. "Aber wenn mehr gelaufen wäre, weiß ich nicht, ob ich das so einfach hätte hinnehmen können." Ein Partner kann alles verzeihen – wenn er gewillt ist. Das hängt ab von seiner Persönlichkeit und – und das ist viel relevanter – von der Situation, in der sich das Paar befindet. "In Krisenzeiten sind Flirts mit Dritten häufiger, wahrscheinlich auch Seitensprünge. Wenn die Partner danach herausfinden, dass die Untreue auf das Konto von unbefriedigten Grundbedürfnissen gegangen ist, können sie womöglich wieder zusammenfinden." Einen gewissen Einfluss hat übrigens auch der kulturelle Hintergrund: Denken Sie nur an die Freizügigkeit in den Hochburgen des Karnevals zur Narrenzeit. Dann ist fast alles erlaubt.

Auf gleicher Welle

Grundsätzlich gilt: Zwei Menschen können nur dann dauerhaft miteinander glücklich sein, wenn ihr Treue-Empfinden ähnlich ist. Ist das nicht so, dann können sie zwar an ihrem Selbst- und Fremdverständnis feilen und sich ihre unterschiedlichen Maßstäbe bewusst machen. Sie sollten auch ihre individuellen Bedürfnisse innerhalb der Grenzen ausleben dürfen, die von beiden bestimmt wurden. Aber für dauerhaftes Glück sollte sich keiner der beiden eingeschränkt fühlen.

Mehr zum Thema Eifersucht finden Sie im Expertenblog von Markus Damm.

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