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Downdating – doppelte Chance für Akademikerinnen
Downdating – doppelte Chance für Akademikerinnen (Kategorie: Partnersuche)
Die Luft für Akademikerinnen ab Mitte 30 wird bei der Partnersuche immer dünner, warnen Experten. Die Strategie für gebildete Frauen mit Beziehungswunsch nennt sich Downdating. Das bedeutet: Frauen wird empfohlen, Männer mit niedrigerem sozialen Status in ihre Partnersuche einzubeziehen - anstatt nur "auf Augenhöhe" oder darüber hinaus zu suchen. Karrierefrau trifft Handwerker...

Warum ist eine Frau wie du eigentlich Single?“, wird Carina häufig gefragt. Die 36-jährige Akademikerin, eine ebenso attraktive wie sympathische Erscheinung sowie charismatische Gesprächspartnerin, erntet auf der Straße und auf jeder Party bewundernde Blicke. Sie trägt in leitender Funktion Verantwortung für mehrere Mitarbeiter und verbucht viele Überstunden auf Ihrem Arbeitszeitkonto – schließlich jettet sie im Auftrag ihres Unternehmens mindestens zwei Mal im Quartal um die Welt. Eine tolle Frau, finden ihre Freundinnen, und wundern sich, warum Carina zwar viele Dates hat, eine feste Bindung jedoch schon seit Jahren auf sich warten lässt.

Angestaubte Rollenbilder

Der Grund: Carina ist aus männlicher Sicht nicht unbedingt eine gute Partie, beherrschen doch noch immer tradierte Rollenbilder die Partnerwahl. So heiratet der Chirurg noch immer die Krankenschwester, seltener die gleichgestellte oder vorgesetzte Kollegin. Denn Einkommen und Bildung sind bei der Partnerwahl für Männer nicht die priorisierten Kriterien. Für Frauen hingegen sind sozialer Status und ein hohes Einkommen des Mannes immer noch ein wichtige Voraussetzung für eine feste Beziehung. Doch nach dem Karriereweg stehen für sie oft erst mit Mitte 30 die Zeichen auf Familiengründung. Zu diesem Zeitpunkt sind viele ihrer Akademikerkollegen bereits fest liiert oder verheiratet. Studien beweisen, dass aus diesem Grund 40 Prozent der Akademikerinnen kinderlos bleiben. Soziologe Hans-Peter Blossfeld, Professor für Familienforschung an der Universität Bamberg, beschäftigt sich mit dem Phänomen der traditionellen Rollenverteilung, die in veralteten Mustern erstarrt, während der Anteil weiblicher Studienabsolventen stetig wächst und an dem der männlichen vorbeiziehen wird. Im Rahmen seiner Forschung beobachtet er, dass gebildete Frauen lieber alleine bleiben, als sich an einen Mann mit niedrigerem Status und geringerem Einkommen zu binden. Dabei müssten 18 Prozent der Frauen nach unten heiraten, um das bestehende Missverhältnis auszugleichen. Doch nur acht Prozent der Akademikerinnen wagen diesen Schritt.

Doppelchance Downdating

Der Ausweg aus dem Dilemma der gebildeten Karrierefrauen führt jedoch tatsächlich über das Downdating, also über das Erweitern des Beuteschemas „nach unten“. Ingenieurin datet Koch. Projektmanagerin liebt Tischler. Es kann sich lohnen, den eigenen Vorurteilen den Kampf anzusagen. Denn ein hoher Schulabschluss oder angesehenes Berufsbild lassen nicht unbedingt darauf schließen, ob ein Mensch wichtige Kriterien für eine Beziehung mitbringt oder nicht. Insbesondere kreative, weniger einkommensstarke Jobs erfordern hingegen Soft Skills, von denen Frauen in einer Partnerschaft profitieren können. Musiker oder Schriftsteller punkten möglicherweise mit Sensibilität und Einfühlungsvermögen, die einem gutverdienenden IT-Leiter abgehen. Außerdem könnten diese eher bereit dazu sein, zu Gunsten der Familiengründung im Beruf zurückzustecken und sich auf ein Lebensmodell fern der üblichen Muster einzulassen. Denn findet eine Akademikerin einen Partner mit hohem Status und Einkommen, muss sie sich Statistiken zufolge meist dem traditionellen Rollenbild fügen und hängt den Job der Familie zuliebe an den Nagel. Nicht immer der richtige Weg für Frauen, die gerne arbeiten und insgeheim lieber weiterhin die Früchte ihres Erfolges ernten würden, statt sich Kinderbetreuung und Haushaltsführung zu verschreiben – und sich dank der 70-Stundenwoche ihres Ehemannes womöglich trotz Partnerschaft alleinerziehend fühlen.

Gute Prognose für stabile Beziehungen

Eine beruflich erfolgreiche Frau, die finanziell unabhängig ist, kann es sich also wortwörtlich leisten, nach einem emotionalen Versorger Ausschau zu halten, der sich einem unkonventionellen Lebensmodell aufgeschlossener zeigt als die Platzhirsche auf Karrierekurs. Sowohl für Männer ohne allzu ausgeprägte berufliche Ambitionen als auch für Frauen, die eher im Job als in der Familie ihre Erfüllung finden, ist ein solcher Beziehungsentwurf eine interessante Alternative – solange die Liebe auf einem stabilen Fundament steht. Denn die Statistik bescheinigt diesen Beziehungen eine höhere Wahrscheinlichkeit zu scheitern. Grund dafür ist der hohe gesellschaftliche Druck, der auf einer Liebe unter umgekehrten Vorzeichen lastet. Frauen, die für das Einkommen ihrer Familie sorgen, müssen sich häufig noch immer für ihre Partnerwahl rechtfertigen.



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