Es gibt Leute, die glauben, Glück sei eine zerbrechliche Blume, auf die man aufpassen müsse, damit sie nicht verletzt wird.
Es gibt Leute, die glauben, Glück sei eine zerbrechliche Blume, auf die man aufpassen müsse, damit sie nicht verletzt wird. Die man hegen und pflegen müsse, damit sie gedeihen kann. Meiner Erfahrung nach ist das Blödsinn. Glück ist mehr ein Grashalm auf einem Kinderspielplatz.
Hat man erstmal das Glück, es wächst alleine, aber früher oder später wird irgendein rücksichtloses Wesen drauf treten und dann knickt der Halm ein und bevor er sich wieder aufrichten kann, trampeln eine ganze Armee von Füssen über ihn. Am Ende muss ein Sprössling einen anderen Platz finden um zu wachsen, denn da wo der erste Grashalm "Glück" mal stand, ist nun ein Trampelpfad.
Ein Beispiel? Damit das hier nicht bildlastig wird? Gerne.
Die unheimlichste Trennung die ich je erlebte, war zwischen zwei Freunden von mir, die ich als Paar kennen gelernt hatte. Alternative Geister und lebenslustige Leute. Sie machten gemeinsame Urlaube, studierten zusammen, kamen zu jeder Verabredung zu spät und quälten alle anderen mit diesem Dauergrinsen, das sie auf dem Gesicht hatten. Viel änderte sich auch nicht daran, als sie (nennen wir sie Rita, weil ich keine Rita kenne) nach Berlin zog. Fernbeziehung tat den beiden ganz gut. Und sie verbrachten jede freie Sekunde beieinander. Als er dann irgendwann die Stadt verlassen hatte, traf ich mich mit ihr auf einen Kaffee. Sie erzählte mir, wie glücklich sie gewesen sei, als ihr Freund (lasst ihn uns Tim nennen) das letzte Mal bei ihr war. Sie hätten das Bett nicht verlassen, gestand sie kichernd Sie liebe ihn so sehr. Ich erzählte ihr, dass es ihm wohl genauso ginge. Und heimlich grinste ich wie diese beiden, an sich patenten, Persönchen zu turtelnden Teenagern wurden, sobald sie übereinander sprachen. Ein bisschen Neid war vielleicht dabei, weil ich gerade erst eine Liebe aufgegeben hatte, diese beiden aber so sicher und ungestört in ihrer badeten.
Nur fünf Tage vergingen, schon saß dann Tim auf meiner Couch. Ein ruhiger, nordischer Typ der selten Emotionen zeigte, schüttete eine halbe Flasche Southern Comfort in sich hinein und Tränen liefen über sein Gesicht. Sorgen machte ich mir da. Dass Rita sich von Tim getrennt haben könnte, der Gedanke kam mir nicht im Traum. Irgendwann schluchzte er dann: "Sie fühlt sich gefangen. Sie sagt weil sie mich so sehr liebe, habe sie das Gefühl kein eigenständiger Mensch mehr zu sein." "Wie bitte?" "Sie hat es beendet." Die Geschichte änderte leider ihre Pointe auch nicht nachdem ich mehrmals nachgefragt hatte. Rita hatte sich von Tim getrennt. Auch spätere Gespräche mit ihr ließen nie genau erkennen warum, außer dass sie glücklich gewesen wäre und ihr das wohl irgendwie nicht geheuer war. Irgendwelche psychischen Abfälle hatten sich in ihrem Inneren angehäuft und waren verrottet bis sie offenbar zuviel Platz eingenommen hatten. Sie hatte ihre perfekte Beziehung lieber aufgegeben.
Natürlich landeten die beiden noch ein paar Mal im Bett, probierten es noch mal und probierten es nie wirklich, weil jeder lieber nach neuen Partnern Ausschau hielt. Faktisch war ihre gemeinsame Zeit an diesem Abend auf meiner Couch beendet. Zwei Jahre später traf Tim eine neue Frau. Ich mochte sie nicht so sehr, aber die beiden sind bis heute recht glücklich. Rita sagte mir vor kurzem, sie habe ihr Glück weggeworfen, als sie ihn gehen ließ. Das sie seinen zarten kleinen Grashalm zertrampelt hatte, will sie bis heute nicht wissen.
Und ich versteh immer noch nicht, was ihr eigentlich fehlte. Sie hat bis heute keinen neuen Freund.
Leider hat Rita einen Fehler gemacht als sie sich von Tim trennte, der inzwischen ein neues Glück fand. Es ist wohl eher ein Frauenproblem, sich so sehr zu verlieben, dass man sich selbst aufgibt und das Gefühl hat, keine eigenständige Persönlichkeit mehr zu sein. Da hilft manchmal etwas Abstand und Zeit für sich, um sich wieder auf sich selbst zu konzentrieren. Mit Freunden ausgehen, lachen, alles machen was einem selber Spaß macht. Sich nicht aufgeben und das ganze Denken auf den Partner zu konzentrieren. Sehr selbstbewussten Frauen passiert so etwas nicht, und wenn, dann warten sie bis der "Anfall" vorbei ist. So etwas passiert oft wenn der Mann nicht soviel Zeit hat wie die Frau uns sie oft damit beschäftigt ist, auf seine Anrufe zu warten, auf ihn selber zu warten und ihre Wünsche hintenan zu stellen. Liebe ist immer ein Geben und Nehmen. Kommunikation ist wichtig. Vielleicht hat Rita nie mit Tom darüber gesprochen sondern dies für sich behalten. Das war falsch. Man darf sich niemals selber aufgeben. Sie wird auch wieder ihr Glück finden, aber sie Tom wahrscheinlich nie vergessen.
Vielleicht können manche Menschen es nicht ertragen das vollkommene Glück zu erleben. Sie fragen sich ständig, womit sie das verdient haben und fühlen sich überfordert. Der einzig ihnen erscheinende Ausweg ist eine Trennung.
Vielleicht gewöhnen sich manche Menschen auch an den Zustand des Glücks. Er könnte zur Gewohnheit werden und man fragt sich, ob da nicht noch eine Steigerung kommt im Leben…
Freiheit.
Ich denke, dass das ein Trugschluß ist. Anhand der traurigen Geschichte der Beiden wird das deutlich. Leider ist es uns jedoch nicht möglich unsere Gefühle in Liebesdingen zu steuern. Somit sollten wir das Glück genießen, solange es uns vergönnt ist.
Irgendwann wird der Trammpelpfad nicht mehr gebraucht und der Grashalm kann wieder wachsen.
Hallo, wie oft wird der Blog von Herrn Leyendecker denn eigentlich aktualisiert? Gibts neues Futter? Warte auf den nächsten Beitrag!
Leider ist die menschliche Psyche oft mit dem Perfekten überfordert – wir sind ja im täglichen Leben vom Nicht-Perfekten, von Kompromissen und Enttäuschungen umgeben. Wenn also eine Beziehung so 100%ig perfekt läuft, dann sucht der eine oder andere geradezu nach dem, was nicht in Ordnung ist. Und wenn er’s nicht findet, dann schafft er sich es selbst – EINER der Gründe, warum Partner in einer perfekten Ehe auch gern mal fremdgehen… schade eigentlich, der Mensch hat bei so viel Problemen um sich herum wenigstens eine perfekte Beziehung verdient, die er dann auch pflegen und hegen sollte.
Ich will mich dem Kommentar von Constanze 1000 % anschließen, nur ein kleiner Zusatz dazu:
Wenn ein Mann 40 Jahre gegen seine Schwiegermutter "gekämpft" hat, weil wir uns beide nie leiden konnten, schafft diese Frau es immer wieder, Notsituationen kompromißlos auszunutzen. Dazu nur kurz: Ihre Tochter, also meine noch-Ehefrau hat Krebs, und ich wurde als der Schuldige hingestellt, weil ich Raucher bin und deshalb hat sich meine Frau vor kurzem von mir getrennt. Wir hatten eine glückliche Ehe, 2 Kinder, 2 Enkelchen. Ich möchte nur warnen, wenn irgendwelche Ränkelspiele beginnen, paßt alle gut auf, das es Euch nicht auchso geht.
Alles Gute in dem Sinne von
Dietmar
Das kann ich voll verstehen, denn das habe ich auch gemacht. Es war alles zu perfekt, zu unrealistisch. Er hat sein letztes Hemd für mich gegeben und wir waren wie 2 Kinder: Viel zu verliebt, auch nach 3 Jahren noch die selben wahnsinnigen Gefuehle. Er war 20 Jahre älter als ich. Ich hatte das Gefühl, er hat gelebt und ich noch nicht. Irgendwie wie beim Fischer und seiner Frau, die immer mehr haben will und dabei den Reichtum des Momentes, der bestehenden Liebe nicht realisiert. Es war perfekt und es tut mir leid, aber ich habe mich entschieden. Nur mit den Schuldgefuehlen komme ich nicht klar. Na ja, Augen zu und durch…