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Einfluss gesellschaftlicher Normen aufs Sexualverhalten
Einfluss gesellschaftlicher Normen aufs Sexualverhalten (Kategorie: Sexualitätsblog)
Die Aussenwelt und die Gesellschaft beeinflussen unsere Wahrnehmung maßgeblich. Auch im Sex...

Es ist nicht neu, dass unser Verhalten auch von außen gesteuert wird. Von Kindheit an verinnerlichen wir die Erwartungen der "Anderen" – sei es die der Eltern, der Freunde oder allgemein die der "Gesellschaft". Vor allem Bilder und Beschreibungen in den Medien haben einen starken Einfluss auf unsere Selbstwahrnehmung. Vielleicht glauben wir, dass wir Herr / Frau im eigenen Hause sind. Aber wenn wir nicht rechtzeitig darüber reflektieren – dann täuschen wir uns!

Die Folgen sind bekannt und wurden vor nicht allzu langer Zeit u.a. in einer Untersuchung von "Female Affairs" für Frauen beschrieben: diese beurteilten häufig ihren Körper oder auch ihr Alter äußerst negativ oder kritisch. Konsequenzen waren unter anderem Schamgefühle und der Wunsch, sich beim Sex vor dem Partner mit diesen Körperteilen zu verstecken oder gar ganz auf Sex zu verzichten. Immer wurden dabei Vergleiche zu einer idealen Körperform oder zu einem idealen Alter gezogen, die verantwortlich waren für die beschriebenen Schwierigkeiten.

Männer ziehen in dieser Hinsicht nach: waren sie früher noch fast ausschließlich auf die Erwartung "Leistungserfüllung" getrimmt, so gucken auch sie heutzutage vermehrt auf Fettgewebe und Muskelschwund. Viele versuchen, sich über einen gestylten Body zu definieren und darüber Anerkennung und Selbstbestätigung zu finden. Ob auch sie dadurch zu Schamgefühlen beim Sex neigen und sich darüber zurückziehen, ist bisher wenig untersucht. Wahrscheinlich ist es aber.

Im Grunde sind also beide Geschlechter betroffen. Überhaupt werden die Geschlechtsunterschiede geringer, wenn es um dieses Thema geht. Denn der Druck von außen nimmt proportional zum Verdrängungswettbewerb in der Gesellschaft zu.

Was ist zu tun? Kann man das gesunde, leidenschaftliche Begehren retten vor dem Zugriff und der Bewertung von außen? Mit bloßen Appellen ist es sicherlich nicht getan. Aus psychologischer Sicht fehlt es meines Erachtens hauptsächlich an einem gesunden Anteil aggressiver Gegenwehr. Und das bedeutet, dass man dann aufmerksam und kritisch werden sollte, wenn der Versuch "mitzuhalten" zum unmöglichen Ziel und zum krank machenden Stress wird. Sprich: solange es Spaß macht und man den allgemeinen Schönheitswettbewerb mit einer guten Portion Humor begleiten kann, dann sollte man das auch genießen. In dem Moment aber, wo man merkt, dass man den Normen und Erwartungen von Außen nicht mehr entsprechen KANN – oder auch nicht mehr entsprechen WILL – dann sollte man auf eine andere "Autobahn umschwenken". Und dazu wiederum ist es notwendig, sich von falschen Propheten fernzuhalten und sich dort Unterstützung und Gewissheit zu holen, wo man nicht ständig unmöglichen Versuchungen ausgesetzt ist. Also: weg mit den Diätvorschriften, raus aus dem Edel-Fitnessstudio, Distanz zu falschen Freunden und Klärung der falschen Erwartungen in der Partnerschaft. Dann hat man auch wieder eine Chance, Freude und Spaß beim Sex zu empfinden, ohne sich ständig wie bei der Olympiateilnahme oder wie auf dem Laufsteg vorzukommen.


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2 Antworten zu “Einfluss gesellschaftlicher Normen aufs Sexualverhalten”

  • Ruth sagt:

    Auf den Punkt gebracht. Danke.

  • PeterMeyer sagt:

    Guten Tag,
    es stimmt: solange man sich den Vorstellungen der Gesellschaft beugt, mag man Sex als Kampf der Geschlechter missverstehen. Ich glaube, "Kampf der Geschlechter" ist sogar ein Begriff, den nicht wenige im Munde führen. Wettkampf gegen den Partner, Wettkampf gegen die Normen, Wettkampf gegen sich selbst: bin ich potent genug, zwinge ich meine Partnerin ausreichend in die Federn, all sowas.
    Womit wir zum Kern kommen: letztlich sind es unsere eigenen Vorstellungen, mit denen wir uns selbst im Weg stehen. Prüfen wir uns ehrlich: welche Frau träumt nicht — und sei es nur ab und zu — davon, wie in "Pretty Woman" von einem Mann, der ihr nachts die Sterne vom Himmel holt und morgens, wenn sie langsam erwacht, schon die Welt gerettet hat, begehrt zu werden? Was heißt hier Schlafstörungen? Ein richtiger Indianer kennt keinen Schmerz; ein richtiger Mann braucht keinen Schlaf. Welcher Mann denkt nicht insgeheim: so ein toller Hecht bin ich doch irgendwie auch, nur eben nicht so offensichtlich, die Frauen müssen nur endlich mal genauer hinsehen!
    Nur zu verständlich, aber letztlich doch armselig. Es geht doch gar nicht darum, dem anderen (und sich selbst) etwas zu beweisen, sprich, zu zeigen, dass man der Hecht im Karpfenteich ist. Die Welt ist ein Haifischbecken! So gesehen fühlt man sich als Hecht plötzlich ganz wohl: sollen doch die anderen ihre Zähne zeigen, ich schwebe ganz ruhig im Wasser und lasse es mir gut gehen.
    Also runter vom Gas und Humor, Humor, Humor in die Schlafzimmer! Es gibt keine Sexpannen! Wenn man(n) nicht funktioniert — und das passiert mir zum Beispiel am Anfang einer Beziehung ständig, weil ich viel zu aufgeregt bin –, ist das nun keine besondere Leistung, aber mit Humor macht es Appetit auf mehr. Er bleibt ja später auch nicht ungestillt, aber es gibt eben keinen Plan dabei. So lange es sich für beide "irgendwie richtig" anfühlt, ist alles in Ordnung. Soll die Gesellschaft denken, was sie will!
    Herzliche Grüße
    PETER MEYER