"Ich liebe meine Frau. Das weiß ich und das wird sich nicht ändern. Aber unsere Leidenschaft ist eingeschlafen und mir fehlt das. Mit der anderen erlebe ich unglaublich befriedigenden Sex, wie ich ihn mit meiner Frau nie hatte.
Ich will das nicht aufgeben, aber dieses Heimliche und Doppelbödige belastet mich zunehmend."
Verzweifelt und mit Gewissensbissen erzählt mir Herr M. in meiner Hamburger Praxis von seiner Situation. Mit seiner Frau ist er seit fast 30 Jahren zusammen, hat Krisen überstanden, geheiratet, geschieden, aus Liebe nach 3 Jahren Trennung wieder geheiratet, zwei Kinder groß gezogen. Die Ehe läuft gut. Die partnerschaftliche und die freundschaftliche Liebe sind über die Jahrzehnte stets größer geworden. Die leidenschaftliche Liebe ging verloren.
Der Kopf sagt Herrn M. (55), dass dies ganz normal sei. Leidenschaftliche Sexualität braucht Fremdheit und die nimmt häufig trotz unabhängiger Lebensweisen mit den vielen Jahren ab. Dafür nimmt Intimität, Vertrautheit zu, geht man wertschätzend und respektvoll miteinander um. Herrn M. ist zudem die Basis seiner tiefen Liebe zu seiner Frau sehr wichtig. Doch als die Kinder aus dem Haus waren, drängte sich eine Midliefe-Crises bei ihm auf. Er stellte vieles in Frage, suchte nach dem Sinn im Leben, fing an, intensiv Sport zu treiben. Seine Frau wollte nicht mit Joggen, sie war eher der Yoga-Typ. Da traf es sich gut, dass die Nachbarin ihm anbot, zusammen um die Alster zu laufen. Und eines Abends landeten sie nach einem Absacker-Bier zusammen im Bett. Das war vor zwei Jahren und läuft seitdem mal mehr, mal weniger. Na klar, die Nachbarin ist 15 Jahre jünger. Also alles ganz "klassisch". Herr M. versuchte die Affäre einige Male zu beenden, die sexuelle Anziehung ließ ihn jedoch immer wieder seine Vorsätze brechen. Seine Frau merkt bis jetzt nichts, aber er hält seine Zerrissenheit nicht mehr aus und möchte sich nun zwischen den beiden Frauen entscheiden.
Im Coaching wird Herrn M. klar, dass er sich eigentlich nicht entscheiden will, sondern beides weiter möchte. Auf den Kick im Bett will er nicht verzichten. Dass dies rücksichtslos und egoistisch ist, kann er sich eingestehen. Doch die Gewissensbisse sollen weg gezaubert werden, am besten von mir. Funktioniert natürlich nicht. Wir arbeiten alle möglichen Varianten durch. Um seinem Wunsch nach Fairness nach zu kommen, sprechen wir über die Variante, mit seiner Frau über seine unbefriedigten, leidenschaftlichen Bedürfnisse zu sprechen, ohne die Affäre zunächst zu erwähnen. Vielleicht sieht sie das genau so, möchte das ebenfalls ändern. Die große Angst, die Herr M. dabei empfindet, ist, dass er seine Unzufriedenheit anspricht, damit nachher alleine da steht, weil seine Frau das nicht so sieht und somit ein Problem in den Raum geholt wird, das ungelöst bleibt und viele Fragezeichen für die Zukunft hinterlässt. Denn sexuelle Unzufriedenheit ist eines der meisten Motive, fremdzugehen. Vor allem für Männer – das wissen auch die (Ehe-)Frauen. Was aber nicht heißen soll, dass Frauen nicht auch Seitensprüngen erliegen, doch haben sie oftmals andere Beweggründe.
Ich konfrontiere Herrn M. mit der Frage, ob er seiner Frau ebenfalls eine sexuelle Außenbeziehung zugestehen würde. Sein Gesichtsausdruck sagt alles. Sich selber alles zu nehmen und dem anderen nichts zu gönnen, dass ist weit weg von einer gleichberechtigten Beziehung. Entweder man öffnet die Beziehung oder man lässt es. Das gelingt nur wenigen. Viele nehmen sich das Recht, sich einfach mal selbst zu bedienen, suchen die Ersatzbefriedigung außerhalb. Wer sich das alleinige Recht heraus nimmt, für sich sexuell und emotional zu sorgen und damit den Partner entmündigt, der macht es falsch. Das ist ein dramatischer Vertrauensbruch und erschüttert die Grundfesten der Beziehung.
Wer feststellt, dass er dem Partner den gleichen Spaß nicht gönnen würde, kommt seinem tiefen Egoismus auf die Spur und seiner Feigheit, sich nicht den Problemen der Beziehung zu stellen und zu sagen, was ihm fehlt. Klar, dann kommen Themen auf den Tisch, die nicht mehr schnell wegzuwischen sind. Man muss sich auseinandersetzten und im schlimmsten Fall dem anderen gleiche Rechte einräumen oder gemeinsam verzichten. So fair läuft es aber häufig nicht ab, sonst wäre das Fremdgehen nicht einer der häufigsten Trennungsgründe und Anlass, paartherapeutischen Praxen aufzusuchen. Viele wollen sich einfach nehmen, was sie brauchen, auch hinter dem Rücken der Partnerin oder Partners. Eine schöne Patchwork-Arbeit: Die Vertrautheit, die Kinder, das Zuhause, die gute Köchin oder der sicherere finanzielle Background und dann noch ein bisschen heißen Sex und Selbstbestätigung durch eine junge Geliebte oder einen kernigen Kollegen. Denn nicht nur Männer gehen fremd. Solche Gefühle sind Anlass genug, die Beziehung zu überdenken. Aber auch Chance, seinem Partner oder Partnerin neu zu begegnen. Im Fall von Herr M. ging es unglücklich aus, obwohl er beschlossen hatte, mit seiner Frau über alles zu reden. Die Nachbarin wurde schwanger, sie wollte das Kind behalten, das war zuviel für seine Frau, die ihre Koffer packte…für eine Klärung war es zu diesem Zeitpunkt zu spät.
Es ist völlig OK sich den Kick draußen zu holen, solange man fair und diskret bleibt. Sexuelles Ausbrechen sollte nicht in die Beziehung getragen werden, es tangiert diese nicht und braucht sie daher nicht unnötig belasten. Besonders jüngere Gespielinnen bedienen gerne diesen Part. Jedoch gibt es ihnen meist das Gefühl etwas Besonders und dem Ehepartner überlegen zu sein. Hier ist Vorsicht geboten, in diesen Fällen der Selbstüberschätzung werden einem gerne Kinder angehängt um schnellstmöglich eine Scheidung zu bewirken.. Eine sexuelle Affäre sollte daher nicht mit Liebe verwechselt werden. Sie dient doch lediglich dazu den Trieb zu befriedigen. Besonders junge Frauen verwechseln diese "Leidenschaft" oft mit tiefen Gefühlen. Die Grenzen sollten von vornerein klar abgesteckt werden. Und der Fairness halber sollte während einer Affäre nicht das große Gefühl vorgespielt werden. Viele Grüße Nico
Hi Nico, auch wenn es vielleicht sehr konservativ wirkt – für mich ist das absoluter "Bullshit". Entweder liebe ich meinen Partner und lasse mir dann nicht von einem gestörten Hormonspiegel das Leben verpfuschen, weil ich unbedingt fremdgehen muss – oder aber, ich liebe meinen Partner nicht mehr, was zur Folge hat, dass ich ihn sowieso verlassen werde, was dann allerdings auch erfolgen sollte. Eine "Gespielin" haben zu müssen zeugt aus meiner Sicht von zu geringem Selbstbewusstsein oder tiefen Frust im Leben, so dass das Gehirn auf diese Weise nach Befriedigung verlangt. Aber hier wird auch klar, warum in dieser Gesellschaft eine Scheidungsrate von 50% normal ist… Hoch lebe die egozentrische Spaßgesellschaft.
Aber positiv bleibt festzuhalten – nein, es denken (und handeln) nicht alle so. Zum Glück!
Ich kann gar nicht glauben, dass Männer zwischen Liebe und Sex so stark unterscheiden. Zuerst ist die Beziehung frustrierend, dann kommt die Geliebte ins Spiel. Das ist auch nicht jede Beliebige – dafür gibt es Etablissements – das ist "Sie".
Männer bleiben dann trotzdem in ihrer inzwischen langweiligen Beziehung weil sie:
- Angst vor nachehelichem Unterhalt haben,
- "Mutti" nicht verlassen möchten,
- feige sind,
- vergessen, dass sie nur dies eine Leben haben.
Sie ersticken dann an ihrer Routine und beide machen sich das Altwerden zur Hölle.
Männer! Wagt den Schritt. Eure Geliebte hat sich mit euch eingelassen, weil sie euch liebt. Sie steht – meist – auf eigenen Beinen und will keinen "Versorger". Sie will nur euch gehören und nicht benutzt werden.
Nur 10 % der Männer trennen sich. Die anderen 90 % sind satt, selbstgefällig und FEIGE.
Es ist doch seltsam, dass die Gesellschaft das Herz einer Beziehung, die koerperliche Liebe, welche die seelische foerdert und umgekehrt, als einen harmlosen "Seitensprung" abfertigt, wenn sogar die Kirche bereit ist eine Ehe, in der die sexuelle Bindung fehlt, zu annulieren. Meiner Ansicht nach ist es einfach so, dass wenn "Frauchen" nicht mehr mit "Maennchen" schlafen will, die Liebe bei ihr fehlt. Basta. Es ist mir selbst so ergangen, als Ehefrau und dann als Geliebte zu einem verheirateten Mann, der mich ueber seinen Stand zuerst angelogen hat. Tatsache ist dass SIE ihn hasst und nur das Luxusleben will, das er ihr bietet. Wacht auf, ihr Maenner, deren Frauen nicht mehr an Sex interessiert sind. DIE LIEBE IST WEG, WEG, PFUTSCH. Ihr rackert Euch ab fuer jemanden, fuer den Ihr nur noch der Lastesel seid, der IHR ein leichtes Leben bietet.
Lydbel
Nur wer es einmal erlebt, wie sehr es weh tut, wenn der Partner fremdgeht, wird wissen, das dann eigentlich nur noch die Trennung hilft. Das Gefühl, verletzt zu sein, weil dem Partner jemand anderes wichtiger ist, kann man nicht mehr loswerden. Fremdgehen ist für mich keine Chance, sondern der Anfang vom Ende. In eine intakte Beziehung kann man nicht einbrechen, aber wenn es passiert ist, ist die Trennung die ehrlichste Variante. All diese Fremdgeher sollten sich wirklich mal darüber Gedanken machen, was das für ihren Partner bedeutet. Mehr kann man seinen Partner nicht anlügen und weh tun. Und wenn man so weit gedanklich ist, muß man den Schlussstrich ziehen. Alles andere wird ein Sterben auf Raten. Das habe ich selber erlebt. Vielleicht gibt es ja 3-5 Paare, bei denen diese Art Paartherapie funktioniert, aber ich glaube nicht daran. Denn diesen Vertrauensverlust kann man nicht wieder gutmachen.
Schon oft habe ich mich mit Männern unterhalten, die nur wegen der Kinder, dem gemeinsamen Haus, der gemeinsamen Firma usw. bei ihrer Partnerin/Frau bleiben. Wie traurig und arm muss deren Leben aussehen? Warum trennt mann/man sich nicht und sucht immer wieder außerhalb der Partnerschaft? Auf diese Frage kommt dann: Das kann ich nicht, ich würde sie damit verletzen,- im Stich lassen. Wie verletzt ist eine Frau, die vom Fremdgehen ihres Partners erfährt? Die dann alles in Frage stellt, was sie jemals mit ihrem Partner hatte??? Ich schließe mich Bommel zu 100 % an. Eine funktionierende Partnerschaft kann nichts und niemand antasten.
Liebe Leute,
dieses Gerede von "wer seine Frau nicht mehr liebt…."
Ehrlich, Jungs haben nun richtig Spass am Sex und essen gerne mal draußen. Aber für diesen netten Kick gebe ich doch nicht in Ernstfall Frau, Familie auf! Bitte die Kirche im Dorf lassen! Ahoi Nico
Nico, es ist so offensichtlich dass du provozieren willst, dass es schon peinlich ist. Geh nochmal ein bisschen proben.
Also Nico….es ist zwar schon ein paar Wochen her und du wirst das hier nicht lesen, aber deine Ehrlichkeit ist einerseits frapierend und andererseits cool. Die Reaktionen hier zeigen ja auch, dass die Gesellschaft mit Ehrlichkeit schlecht umgehen kann. Ich finds allerdings ok. Jeder hat das Recht auf seine Meinung, wenn er anderen damit nicht wehtut.
Ich hatte vor kurzem eine 4-wöchige Affaire mit einem verheirateten Kollegen, Vater von drei Kindern. Vor Jahren betrog ihn seine Frau, die Ehe dümpelte vor sich hin, Sex gab es kaum noch.
Wir waren uns seelisch einig, lachten viel miteinander und irgendwann nach Feierabend fielen wir übereinander her. Dann noch mal und recht häufig wie Teenager. Wir waren völlig heiß, angefüttert und tobten uns richtig aus. Es war wundervoll und so ziemlich der beste Sex, den ich je hatte.
Und dann fuhren sie zusammen in Familienurlaub und es war vorbei.
Und keiner von uns beiden kam auch nur eine Sekunde auf den Gedanken, sich schlecht zu fühlen oder irgendetwas zu bereuen. Wir würden als Paar gar nicht zusammenpassen und ich käme nie auf den Gedanken, seine Familie oder Ehe zu zerstören. Im Gegenteil läuft es jetzt wieder etwas besser, er kann den Seitensprung seiner Frau verstehen und vergibt ihr und ich freue mich für beide.
Sollten wir irgendwann nochmal Sex haben wollne, dann wäre es ok, aber auch dann gäbe es keinen Gedanken an eine Änderung seiner Verhältnisse, obwohl wir uns gegenseitig versichert haben, dass wir uns auf besondere Art lieben.
Es ist sehr schön so….und meinen Freund will ich ja auch nicht verlassen (er könnte übrigens auch woanders naschen, Achtung und Anerkennung wachsen nur in gegenseitiger Freiheit)
Ach übrigens bin ich total monogam….damals war ich noch nicht mit meinem Freund zusammen….das ist wohl auch etwas, was viele hier lernen müssen- den eigenen Anspruch nicht automatisch auf andere übertragen.
Auch wenn ich nicht mit einem anderen zusammen sein könnte, solange ich mich emotional gebunden fühle, würde ich das nie auf jemand anderen oder meinen Partner anwenden. Wenn er eine Anregung außer Haus braucht, mich aber trotzdem liebt und mit mir den Alltag meistert, dann ist das für mich völlig ok. Warum auch nicht?
Monogamie ist nicht für alle Menschen das non plus ultra. Es gibt monogame, bigame, polygame oder oligogame Menschen, so wie das alles auch im Tierreich vorkommt.
Das Problem ist die Festlegung auf nur ein Partnerschaftsmodell. Christlich-gesellschaftlich geprägt.
In Zeiten von Hungersnöten, Kriegen und sozialer Unsicherheit war es vielleicht praktisch, eine monogame Beziehung zu leben. Sie wirkt sicherer. Aber ist sie es wirklich? Ist es nicht viel sicherer, mehrere potentielle Partner zu haben? Wenn einer in einem Punkt der Beziehung ausfällt, dann steht man nicht völlig allein und unsicher da, sondern kann den Verlust ausgleichen.
Ich bin viel in Norwegen, vielleicht prägt mich deren offenes Patchwork-Modell…vielleicht mag ich Norwegen aber auch, weil ich dieses Modell schon immer fühle?
Egal, es funktioniert sehr gut, weil die gesamte norwegische Gesellschaft darauf abgestimmt ist. Männer werden nach einer Trennung nicht ausgenommen, weil die Frauen selbst sehr viel verdienen, Kinder werden in den Familien gewollt und gut versorgt, der getrennte Vater sieht sie sooft er will, man wächst von Kindesbeinen mit lauter Stiefgeschwistern auf und hat sich trotzdem lieb…es ist unkompliziert und entspannt.
Das monogame Gesellschaftsmodell als Zwangsverordnung ist überholt und ungesund. Genauso das Dauerpartnerschaftsmodell "bis dass der Tod euch scheidet". Wozu der Stress?
Das Leben ist zu kurz, um es zu verschenken und zu lang, um sich zu langweilen.
Interessanter Bericht! Spiegelt zur Zeit mein Leben ein wenig wieder. Große Krise im Momment. Ich denke, mein Mann befindet sich auch gerade in der “Midlifecrises”! Klar, ich hab Fehler gemacht. Frust- und Stressbewältigung mit Alkohol. Fiel keinem groß auf. Aber wenn man an der tiefsten Stelle steht und es einem am schlechtesten geht, findet man (Frau) am besten raus. Sofort aufgehört, damit sich zu betäuben und zwar kathegorisch, gefastet (9kg abgenommen), sich beim Sport angemeldet. Mir geht es besser denn je aber mein Mann zweifelt immer noch. Er ist jetzt 45 Jahre alt, ich fast 44 Jahre (sorry, nicht wie man sich ne 44jährige vorstellt!!) und er glaubt, er habe nun 27 Jahre Beziehung verschwendet. Keine Ahnung wo das noch hinführt. Liebe ihn immer noch, vielleicht auch zu sehr. Hab ihm jetzt aus dem Internet ein paar Dinge über die “midlifecrises” kopiert und an seinen e-mail-account der Firma geschickt. Er sperrt sich gegen das Wort und sucht Heil im Frust über seine Frau, seine Kinder, seinen Hund, seine Nachbar ect. Ich hab meine Fehler erkannt, er will sie nicht sehen. Hat vielleicht Angst davor, sich selbst zu reflektieren.
Frauen in der Menopause mögen anstrengend sein (ich denke, bin noch meilenweit davon entfernt) aber Männer in der “Midlifecrises” sind todbringend für jede lange Beziehung….