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Ganz normaler Alltag bei Fernbeziehungen
Ganz normaler Alltag bei Fernbeziehungen (Kategorie: Partnersucheblog)
Liebe auf Distanz fordert einem Paar ganz besondere Leistungen ab.

Gestern war ich mit einem Freund Joggen. Wie immer unterhalb der Woche, da er die meisten Wochenenden entweder in Aachen verbringt oder von Freitagabend bis Montagmorgen seine Freundin hier in Hamburg zu Besuch hat. Seit einem halben Jahr sind Jens und Melanie ein Paar und sie versuchen es irgendwie möglich zu machen, sich jedes Wochenende zu treffen.

Jens schnaufte bei unserer Runde um die Alster bereits nach 15 Minuten mehr als sonst. Auf meinen überraschten Blick hin erklärte Jens, er hätte mal wieder zwei Wochen unfreiwillig ausgesetzt, weil an den Wochenenden dafür keine Zeit gewesen sei. Ich weiß zwar, dass Melanie keinen Meter joggt, dennoch fragte ich ihn verdutzt, warum er sich die Zeit nicht nähme. Schließlich müsse an den Wochenenden doch nicht gleich die Zeit stehen bleiben und alle Gewohnheiten und Hobbys auf Eis gelegt werden. Jens gab mir kopfschüttelnd Recht. Irgendwie gelänge es ihnen nicht, die Wochenenden zur beiderseitigen Zufriedenheit zu gestalten. Sie hätten sehr verschiedene Lebensrhythmen, unvereinbare Hobbys und einen ganz anderen Freundeskreis. Den größten Teil dieser Aktivitäten würden sie in der Woche versuchen zu erledigen, damit die gemeinsamen zweieinhalb Tage für einander frei seien. Doch diese kleinen Ferien führten in der Woche zu Stress. Mittlerweile würden sie sich öfter streiten, weil sie die Wochenendgestaltung nicht glücklich mache. Vor drei Wochen habe Melanie kurzfristig Ihren Besuch in Hamburg abgesagt, weil ihr alles zu viel werde und sie sich nach Zeit mit ihren Freunden sehne und zum Golfen eingeladen wurde, was Jens partout nicht ausstehen kann. Beim nächsten Wiedersehen wollen beide ernsthaft über ihr Miteinander in der Zukunft sprechen. So jedenfalls ginge es nicht mehr weiter…

Liebe auf Distanz kann kompliziert sein und erfordert besondere Leistungen eines Paares. Sie will gut organisiert werden. Abgesehen von den oft langen und kostenintensiven Reisen, bleibt der Alltag häufig auf der Strecke. Viele Dinge lassen sich auf Distanz nicht teilen, immer taucht einer in die Lebenswelt des Anderen ein, ohne viel Eigenes mitzubringen. Dabei ist für eine Beziehung gerade das gemeinsame Erleben von Alltäglichkeiten wichtig, das schafft Vertrauen und hilft, die Lebenswelt des Anderen zu verstehen. Wenn man aufgrund der Umstände nur wenig Zeit füreinander hat, ist der Erwartungsdruck an die gemeinsame Zeit zu zweit besonders hoch. Alles soll perfekt sein. Und ganz viel soll erlebt werden. Aber den gemeinsamen Einkauf, die sportlichen Aktivitäten, der Berg Bügelwäsche, das Treffen mit Freunden, die Einladung zum Abendessen inklusive Kochen und die kuschelige Zweisamkeit in 48 Stunden zu packen, ist schwer möglich, ohne dass das Liebeswochenende schnell in Stress ausartet und Schönes als abzuhakender Termin erlebt wird. Wichtig ist sich vom Anspruchsdenken, jedes Wochenende zum emotionalen Highlight werden zu lassen, zu befreien.

Weniger ist mehr und schafft Raum, kleine normale Dinge intensiv zu erleben. Der Kühlschrank muss nicht immer schon gefüllt sein. Der gemeinsame Einkauf kann verbindend sein und mit einem köstlichen Kaffe im Lieblingscafé um die Ecke versüßt werden. Nicht selten liegt die Erwartung in der Luft, dass die gemeinsamen Stunden ganz harmonisch und schön sein müssen, vom ersten Kuss bis zur Verabschiedung. Doch gute Stimmung ist nicht programmierbar und ein mieser Tag im Job kann einfach üble Laune erzeugen. Versuche, diese wegzudrücken und das Paradegesicht aufzusetzen, scheitern meist. Bei einer Fernbeziehung gehören solche völlig nachvollziehbaren Situationen ebenso in die Beziehung und sollten mit dem Partner geteilt werden. Auch wenn es unvorteilhaft erscheint, den anderen mit hängendem Gesicht zu begrüßen, setzt einen der Anspruch, an den wertvollen zwei Tagen nur eitlen Sonnenschein zu zeigen, erheblich unter Druck. Das ist letztendlich kontraproduktiv und die Bombe platzt an anderer Stelle.

In einer Fernbeziehung sollte größtmögliche Normalität gelebt werden. Dazu gehört neben den Erledigungen von alltäglichen Pflichten und Gewohnheiten, sich auch einmal Raum für sich zu nehmen und etwas getrennt voneinander zu unternehmen. Sicherlich ist es von Zeit zu Zeit ein Genuss, das Wochenende zum gemeinsame Kurzurlaub in den eigenen vier Wänden werden zu lassen. Doch sollte sich ein Paar eben nicht jedes Mal so verhalten, dass alles andere liegen bleibt und der Start in den Montag und die Arbeitswoche mit einem Berg von unerledigten Pflichten und Kleinigkeiten beginnt. Das macht auf Dauer unzufrieden.


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Eine Antwort zu “Ganz normaler Alltag bei Fernbeziehungen”

  • Hans,47 sagt:

    Ich kann dem Beitrag voll zustimmen. Meine Partnerin wohnt in Magdeburg und ich in Quickborn. Wir sind seit über zwei Jahren zusammen. Beide sind zurzeit noch nicht in der Lage, den Standort zu wechseln. Sie hat Kinder in der Schule und Arbeit vor Ort, ich habe einen sehr guten Job und eine Eigentumswohnung.
    Das Leben einer Fernbeziehung hat uns bereits viele Nerven gekostet und die Belastung fast schon unsere Liebe scheitern lassen. Es ist ganz wichtig, sich bei der Partnersuche wirklich VORHER klar zu machen, inwieweit man für eine Fernbeziehung die richtige Einstellung, Flexibilität und Kraft mitbringt. Sicher kann eine Liebe Entfernung überwinden und plötzlich ist man doch bereit, den Standort für den anderen zu wechseln, sein gewohntes Umfeld und Job aufzugeben, obwohl man das vorher nie für möglich gehalten hätte.
    Aber vorher kommt immer die Zeit, in der die Beziehung erst einmal aufgebaut werden muss. In solchen Konstellationen muss Vertrauen über andere Rituale aufgebaut werden, weil es lange dauern kann, bis man in die Lebenswelt vollständig eintaucht. Wir haben feste Telefonzeiten vereinbart, uns viel aus unserem Alltag erzählt, den der andere kaum erleben kann. Gerade am Wochenende haben wir versucht, ganz normalen Alltag zu leben, gemeinsam das Haus aufzuräumen und zu Putzen. Es war für meine Partnerin nämlich ein super Stress, immer Freitagabends das Haus tiptop aufgeräumt zu haben, wenn ich anreise. Sie wollte uns das nicht zumuten, aber sie ist berufstätig und so blieb das alles an ihr in der Woche hängen. Ich habe das nicht erwartet. Wir haben nach der ersten Krise vieles geregelt. So ist es auch wichtig, kleine Unstimmigkeiten am Wochenende auszutragen. Bloß nicht aufstauen. Womöglich kommen sie dann kurz vor Abreise auf den Tisch. Das ist kontraproduktiv, sich so in die Woche zu entlassen und dann der Versuch, das per Telefon zu klären. Ich kann nur sagen: Alles so normal wie möglich gestalten und nicht in die Wochenend-Urlaubsfalle tappen.