Oder einfach nur anspruchsloser? Die meisten von ihnen haben es geschafft, ihre Ehe bis zum seligen Ende von einem der beiden Partner aufrechtzuerhalten.
Scheidungen waren selten – und wurden schamhaft verschwiegen oder wenigstens weitgehend vertuscht, weil es sich nicht schickte. Was Gott zusammengefügt hatte, gehörte zusammen und wurde nicht getrennt. Über solche Dinge wie Untreue, Unzufriedenheit oder Liebeskummer sprach man nicht. Es gehörte sich nicht, sein Seelen- oder gar sein Sexleben vor anderen auszubreiten. Zumindest nach außen hin war also alles in bester Ordnung.
Warum haben die Generationen vor uns etwas hingekriegt, was heute nur noch knapp die Hälfte aller Zeitgenossen schafft?
Haben wir es verlernt zu lieben?
Die Antwort darauf ist ernüchternd und verblüffend einfach zugleich: Unsere Vorfahren sahen in der partnerschaftlichen Verbindung, für deren Zustandekommen sie oft gar nicht verantwortlich waren, in erster Linie eine praktische und notwendige Zweckgemeinschaft für schlechte Zeiten. Es lebte sich leichter, wenn für den Ernst- oder Notfall ein Mann und eine Frau im Haus waren. Unter dieser Prämisse hat man sich arrangiert – in guten wie in schlechten Zeiten. Und nicht jede Emotion, jeden ersten zarten Anschein einer möglichen Enttäuschung gleich hinterfragt und zur Grundlage für das weitere Verhalten gemacht.
Heute dagegen träumen wir, ob 15 oder 50, den großen Traum von der großen, romantischen, unerschütterlichen Liebe, die von gleich bleibender gegenseitiger Begeisterung, von nie abnehmendem glühendem Verlangen und tiefer Zufriedenheit getragen wird. Dieses wundersame Gefühl kennt keine Versuchungen und keine Abnutzungserscheinungen. Alltag und Routine können ihm, genau wie Bierbauch und Zellulitis, nichts anhaben. Denn es ist ja nicht aus der Realität heraus geboren, sondern vielmehr eine Erfindung der Dichter und Denker der Romantik.
Keine andere Romanvorlage hat sich ähnlich unverändert bis in die modernen Medien hineingerettet wie das Märchen von der ewigen Liebe. Ob wir den Songs von Elvis oder Robbie Williams lauschen, eine Seifenoper oder Telenovela verfolgen, Goethe oder Rosamunde Pilcher lesen – immer hören die Geschichten in genau dem Moment auf, in dem sie eigentlich erst richtig spannend werden. Nämlich dann, wenn sich die Liebenden – meist nach vielen Irrungen und Wirrungen – endlich gefunden haben und nun eigentlich versuchen sollten, so etwas wie einen gemeinsamen Alltag hinzukriegen. Doch da schweigt des Sängers Höflichkeit und lässt uns mit unseren Träumen allein. Wir erfahren nicht, was aus der Liebe wird, die so hoffnungsvoll begann. In unserem Gedächtnis und in unserem Herzen bleibt nur der letzte, innige Kuss, der alles besiegelt. Er verschmilzt in unserer Phantasie mit den beliebten Worten aus zahlreichen Märchen "Und so lebten sie glücklich und zufrieden bis an ihr seliges Ende" zu einem beneidenswerten Trugschluss.
Natürlich können wir Sehnsucht und Wirklichkeit, rosarote Romantik und graue Realität klar voneinander unterscheiden. Glauben wir jedenfalls. Aber das, was sich an romantischen Träumen in unsere Seele schleicht und meist nur herzlich wenig mit den tatsächlichen Gegebenheiten zu tun hat, können wir nicht immer bewusst kontrollieren. Es bohrt hinterhältig in uns, wenn sich unsere himmelhochjauchzenden Erwartungen in einem Gestrüpp von Ernüchterung und Enttäuschung verfangen haben. Wir haben diesem nagenden Gefühl so wenig an tatsächlichen Erlebnissen und Erfahrungen entgegenzusetzen. Wie leicht ist es dagegen, hartnäckig in der romantischen und heilen Märchenwelt der Medien zu verharren.
Uns zwingt in vielen Fällen nichts und niemand, die Partnerschaft aufrechtzuerhalten. Wir sind modern, autark und sturmerprobt. Und meinen sogar, es sei unter unserer Würde, um die Liebe eines Mannes oder einer Frau zu kämpfen. Das Ende vom Lied kennen wir: Trauer, Tränen und Trennung. Und über alle dem schwebt nicht selten die vage, wenngleich unbewusste Hoffnung, beim nächsten Mal endlich an Mister oder Miss Right zu geraten und fortan von nimmermüder Seligkeit umhüllt zu sein.
Hätte sich dieser Traum nicht heimlich im hintersten Winkel unserer Seele eingenistet, würden wir wahrscheinlich länger und hartnäckiger versuchen, uns mit den wirklichen Gegebenheiten unseres Beziehungsalltags zu arrangieren und ein wenig von unserem hohen Ross und unseren unrealistischen Erwartungen herunterkommen.
Meine Meinung als Expertin: "In meiner langjährigen Arbeit mit Liebeskranken hat sich herauskristallisiert, dass die meisten Paare nur noch in guten und nicht mehr in schlechten Zeiten miteinander auskommen wollen. Die ersten Monate einer neuen Beziehung, so erzählen sie mir, sind immer toll, voller Spannung, voller Sex, voller Romantik. Aber sobald sich Alltag und Routine einstellen, wird die Beziehung angezweifelt. Wenn sie keinen Spaß mehr macht und nicht mehr so aufregend ist wie ganz am Anfang, wird sofort über eine Trennung nachgedacht. In den Armen eines anderen Menschen soll das Glück dann wieder von vorne beginnen. Mit allem, was dazugehört. Mit Schmetterlingen im Bauch, glühender Leidenschaft und dem unerschütterlichen Glauben an die große, ewige, romantische Liebe."
Das Interview mit unzähligen Frauen und Männern aus der Liebeskummerpraxis lesen Sie in der nächsten Woche.
Ja haben wir. Und zwar, den reinen Menschen welchem wir tagtäglich begenen und nur um seiner Selbst willen. Ihn zu achten, zu ehren wie wir uns selbst, lieben, achten und ehren.
Wir haben nicht verlernt zu lieben! Wir haben vergessen, dass Liebe keine Droge ist, sondern eine äußerst handfeste Angelegenheit ist. Vor allem dann, wenn man den anderen "annehmen" muss, nämlich mit den weniger schönen Seiten, und dass man zusammen halten muss, auch wenn es dem anderen schlecht oder noch schlechter geht. Und wir vergessen, dass eine Familie in einem ganz wesentlichen Teil ein Wirtschaftsunternehmen ist, an dessen Erfolg alle mitzuarbeiten haben einschließlich der Kinder. Wir haben ein paar handfeste Lebensregeln, die früher Gegenstand der Alltagserziehung waren, über Bord geworfen. Dazu gehört die einfachste aller Regeln, dass, wer lange verheiratet sein möchte, sich einfach nicht scheiden lassen darf, oder Großmutters Weisheit, dass Liebe durch den Magen geht. Und das heißt ganz praktisch: Dosenfutter ist beim Hund richtig, beim Mann aber für die Katz. Dazu gehört auch, dass meine Partnerin zwar selbständig sein kann und soll, aber dass sie bei weitem nicht alles können muss, was ich kann, genau wie umgekehrt. Dazu gehört auch, dass Väter und Mütter die Kinder (so man solche hat; schon bei nur einem entbrennt der unterschwellige Kampf ums vermeintliche "Alleineigentum am Kind") gemeinsam erziehen und nicht der eine sich zurück hält oder vom anderen ausgebootet wird.
Hm. – Ob wir verlernt haben zu lieben?
Wir leben zunehmend im Egoismus und da wäre es jemanden zu lieben doch kontra-produktiv, oder?! Außerdem schmerzt ein Verlust, wenn man wirklich liebt und es macht einen auch verletzbar.
Zum Glück kommen in der neuesten Zeit hier Bedenken auf. Und es kommen Themen auf, die aufzeigen, wie Liebe sein kann, bzw. ist. Ich denke hier z. B. an das Buch von Petzold: "Ich bin und wenn ja, wieviele".
Wir haben aber in unserer Gesellschaft eine Männerwelt und der Eroberer-Typ steht als Idol vor. (Dem gegenüber steht der Siedler, der im Einklang mit der Natur-, Tier- und Menschenwelt lebt.) Da ist man(n) lieber Egoist und überlebt. Gefühle sind da eher was für "Mädchen". So gibt es auch selten die Erkenntnis, daß nur das Zusammenspiel zwischen Männlein und Weiblein, zwischen Ying und Yang etc. alles erst wirklich GUT werden lassen.
Aber ich bin (zum Glück) Optimistin und so glaube ich fest daran, noch einmal einen Mann, der mich liebt, zu finden.
Das Geschehen auf der Erde und um mich herum kann ich nur für mich ändern. Aber meine Liebe zu meinen Tieren, zur Natur und zu meinen Freunden und zu mir selber und zu meinem Partner möchte ich nicht missen. Auch dann nicht, wenn der Verlust wirklich schmerzt.
Als "der Mann meines Lebens" mich verließ, glaubte ich, ich würde es nicht überleben. Habe ich aber doch. Dennoch kämpfe ich darum, nun emotional "offen" zu bleiben und mich nicht zu verschließen.