Eine Beziehung kann an einer Krise durchaus wachsen und gestärkt daraus hervorgehen. Doch manchmal ist Hopfen und Malz verloren und ein Schlussstrich ist die beste Lösung. Wann lohnt es sich, für die Liebe zu kämpfen und wann sollte man sich seinem Schicksal fügen? Wir sagen es Ihnen.
Von Höhen und Tiefen
Jede Partnerschaft muss Krisen und Probleme bewältigen. Ausschlaggebend ist dabei die Konfliktkompetenz der Partner und ihre Bereitschaft zur Auseinandersetzung. Hier entscheidet sich, wie das Paar eine schwierige Phase meistert.
Kämpfernatur oder Deserteur? Diplom-Psychologin Lisa Fischbach rät zu reiflicher Überlegung: „Wollen Sie um die Liebe Ihres Partners kämpfen, dann fragen Sie sich, zu welchem Preis. Wer bis zur letzten Reserve kämpft und dann doch verliert, ist zum Schluss am Boden zerstört.“ Natürlich ist es auch eine Typfrage, ob jemand kämpft oder aufgibt. Lisa Fischbach: „Wer Konflikte eher meidet, sich schnell bei Schwierigkeiten zurückzieht und eine Partnerschaft in unharmonischen Zeiten in Frage stellt, kämpft meist weniger darum, alles wieder ins Lot zu bringen.“
Wenn der Kampf zum Krampf wird
Klar, kracht es bei den meisten Paaren immer mal wieder. Doch wenn diese Beziehungstiefs in regelrechte Kämpfe ausarten und zudem destruktiv geführt werden, geht es laut Lisa Fischbach in erste Linie um Macht. Dann wird es schwierig, Krisen konstruktiv zu überwinden.
Da hilft nur ein realistischer Blick: „Wenn eine Partnerschaft völlig zerrüttet ist und eigentlich nur noch von der Gewohnheit lebt oder von der Angst vor dem Alleinsein, dann gibt es kaum mehr eine Chance“, so die Paar-Beraterin.
Ebenso schlecht ist die Prognose, wenn sich einer der Partner anderweitig verliebt hat. Gegen einen Dritten ist eine Niederlage quasi vorprogrammiert, weil der Kampf gegen zwei Fronten läuft. „Da ist zum einen die Frage nach den Gründen, wie das geschehen konnte und was bei der Beziehung im Argen liegt“, erklärt Lisa Fischbach. „Und auf der anderen Seite die Konkurrenz der Mitbewerberin.“
Dazu gehören immer zwei
Wenn einer nicht will, wird es umso schwerer, die Beziehung retten zu wollen. Zieht sich ein Partner bei Konflikten und Krisen eher zurück, bleibt das Verhältnis einseitig. Dann kämpft nur einer um den Erhalt der Liebe. Vorsicht: Das kostet doppelte Kraft. Denn neben der eigenen Energie, braucht man noch eine Extraportion, um den Partner zu überzeugen, dass ein Neustart sich lohnt.
Keine gute Prognose. Denn unter diesen Umständen ist es schwer, den Partner mit ins Boot zu holen. „Fragen Sie sich, ob Sie immer wieder aufs Neue kämpfen und Kompromisse machen wollen“, rät Lisa Fischbach. „Ständig klein beizugeben und für gutes Wetter zu sorgen, macht auf Dauer unzufrieden.“
Wer nicht bereit ist, Liebe freiwillig zu geben, hat mit dieser Beziehung abgeschlossen. Ist das bei Ihnen der Fall, sagen Sie es Ihrem Partner ohne Umschweife und untermauern Sie es mit konsequentem Verhalten. Tipp der Psychologin: „Reagieren Sie abgrenzend auf Werbungsversuche und sagen Sie deutlich, dass es keinen Sinn mehr hat.“
Auf kleiner Flamme
Manchmal lohnt es sich eben doch, um die Liebe zu kämpfen. „Entscheidend ist, ob noch eine gewisse Basis und ein Grundgefühl an Liebe das Paar verbindet“, so die Psychologin. Achten Sie darauf, wie Sie miteinander umgehen: Ist der Umgang hart und kalt oder gibt es noch Emotionen?
Gerade nach der ersten Verliebtheitsphase wird eine Beziehung häufig auf die Probe gestellt. Besteht sie den Alltagstest nicht, folgt der Absturz von Wolke Sieben. Doch gerade jetzt lohnt es sich oft, den Kampf aufzunehmen, findet Lisa Fischbach: „Arbeiten Sie an sich selbst und an Ihrer liebevollen und toleranten Einstellung dem Partner gegenüber.“ Sie werden bestenfalls mit einem tollen Partner und einer harmonischen Beziehung belohnt.
Kleine Kampfanleitung
Sie wollen kämpfen, um das Ende Ihrer Beziehung zu verhindern oder rückgängig zu machen? Werden Sie sich darüber klar, warum. Ist es Liebe oder die Angst vor dem Alleinsein? Wollen Sie Privilegien und Wohlstand nicht missen oder die Gewohnheit beibehalten? Um effizient vorgehen zu können, müssen Sie ans Eingemachte – auch, wenn es womöglich weh tut oder unangenehm sein kann. Brechen Sie alte Krusten auf und gehen Sie neue Wege. Hängen Sie die Erwartungen bitte trotz allem nicht zu hoch. Denn es spielen viele Faktoren mit, die Sie nicht beeinflussen können.
Tipp der Psychologin: „Bringen Sie wieder verstärkt die positiven Seiten in die Beziehung. Zeigen Sie Ihrem Partner, was Ihnen diese Liebe bedeutet. Offensiv, aber nicht anbiedernd.“ Mit etwas Glück gelingt Ihnen dann der Neustart.
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