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Liebe ist… was Du daraus machst
Liebe ist… was Du daraus machst (Kategorie: Liebesblog)
Es gibt kaum etwas, das unseren kleinen Kontrollturm im Kopf so sehr überfordert, wie die Liebe.

Auf mein ambivalentes Verhältnis zu den bekannten "Liebe-ist…"-Aufklebern bin ich bereits kurz eingegangen. Den oben zitierten finde ich allerdings recht spannend, denn es ist ja eine wichtige Frage, was man aus Liebe eigentlich alles so machen kann.

Der moderne Machbarkeitswahn in Sachen Liebe wird mich sicher noch mehrfach beschäftigen. In diesem Zitat steckt er kompakt und ungeschönt. Ja – die meisten Menschen machen sich was aus Liebe. Das meint einerseits, dass sie ihnen wichtig ist, andererseits aber auch, dass sie genau deshalb nicht ihre Finger davon lassen können und an der Liebe herumfummeln. Eine Definition für das Wort Fummeln lautet: "Ein unsachgemäßes sich an etwas zu schaffen machen". Und das sind unsere Bemühungen wohl auch im Regelfall – unsachgemäß.  

Es gibt kaum etwas, das unseren kleinen Kontrollturm im Kopf so sehr überfordert, wie die Liebe. Trotzdem oder gerade deshalb wollen wir sie haben und tun alles, um sie dann festhalten, lenken oder wieder hervorrufen zu können. Dummerweise ist das ähnlich effektiv, wie eine Katze als Mäuseköder zu benutzen!  

Wie ein naher Verwandter der Liebe, das Glück, wird sie weder zuverlässiger kommen, noch länger bleiben, wenn wir gierig nach ihr grabschen oder sie einmauern wollen. Auch mit Tackern, Leimruten, Beringung oder goldenen Käfigen scheint ihr nicht beizukommen zu sein.  

Trotzdem werfen die meisten, wenn die Liebe bei ihnen hereinschneit mit dem Ausruf: "Hab ich dich!", die Tür hinter ihr ins Schloss und schieben alle Riegel vor. Nur ist das etwa so, als wolle man eine unbeständige Sommerbrise in Eimerchen einfangen, um sie später in der eigenen, muffigen Bude noch mal gut dosiert wehen zu lassen.  

Klappe zu – Affe tot! Ich glaube, man kann es auf diesen trockenen Spruch reduzieren, denn ein ganz wesentliches Merkmal der Liebe scheint mir die Bewegung zu sein.  

Wer liebt, erlebt wahrlich bewegende Momente und wächst unwillkürlich über sich hinaus. Unser kleines Ich wird porös und unser Selbst scheint sich weit über unsere normalen Grenzen hinaus auszudehnen, um zumindest das Objekt unserer Liebe einzuschließen. Wer dann diesen neu gewonnenen Raum mit Stacheldrahtverhau umzäunen will, weil das Ego nach Sicherheit schreit, der muss sich nicht wundern, wenn dieser lustvolle Wachstumsschub jäh endet.  

Durch unser Gefummel, das aus der Idee entsteht, dass wir etwas mit oder aus der Liebe machen könnten, können wir der Liebe nur grandios ins Handwerk pfuschen – aber verbessern, berechnen oder sichern können wir sie uns dadurch nicht.  

Insofern ist Liebe vielleicht umso mehr, je weniger und umso weniger, je mehr wir daraus machen wollen!?  

Fummeln wir weiter…  


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3 Antworten zu “Liebe ist… was Du daraus machst

  • Iris sagt:

    2 Kommentare (älteste zuerst)Machen wir was draus… und bauen wir ein Haus! Ich hätte nie gedacht, dass so ein Projekt schon zu viel Fummelei an der Liebe sein kann. Leider habe ich (w.) aber genau die Erfahrung gemacht.
    Nach einem Ehejahr (vorher zwei Jahre Beziehung) wurde geheiratet, ein Jahr lang mit viel Freude gebaut, ein Jahr im neuen Haus gewohnt und ein toller Garten angelegt. In diesem Jahr zog sich mein Mann zurück, verliebte sich in eine Andere und zog gleich zu der neuen Liebe. Sein Kommentar war nur, dass er endlich wieder glücklich wäre und durchatmen könne.
    Der Hausbau war übrigens auf sein Drängen in Angriff genommen. Ich habe die Nase voll von gemeinsamen Plänen. Sie scheinen buchstäblich der Liebe das Grab zu schaufeln – zumindest, wenn der Eine von Zweien ständig neue Schmetterlinge haschen will.

  • Elke sagt:

    "Unsachgemäß" finde ich etwas unglücklich gewählt. Liebe ist keine "Sache", die wir definieren können, um dann festzustellen, was "unsachgemäß" ist… Ich muss allerdings zugeben, dass mir auch nicht wirklich ein passenderes Wort einfällt… :) .
    Ich glaube, dass nicht die Tatsache, dass jegliches "Beeinflussenwollen" der Liebe nur destruktiv sein kann, das ist, was wir lernen müssen. Viel mehr ist uns meist gar nicht klar, womit wir Zäune ziehen, Türen schließen und die Liebe einengen. Das Verständnis dafür wird oft durch tief sitzende Emotionen (wie Angst, Unsicherheit, Bedürfnis nach Annahme, Bestätigung…) überdeckt. Und dann meinen wir, mit dem was wir tun, die Liebe stärken, fördern und festhalten zu können, ohne zu merken, dass wir eigentlich manipulieren und das eigene Ego bedienen. Das Ego schreit dabei auch nach Sicherheit, aber eben auch nach diesem wunderbaren Rausch des Angenommen werdens, des Halten und sich gleichzeitig Fallen lassen könnens, der Wertschätzng die wir im und durch den Partner erfahren. Wir möchten dieses Gefühl festhalten. Wir wollen, dass sich diese Momente immer wieder wiederholen, dass alles so bleibt. Aber die Zeit und diese Momente sind vergänglich und auch Gefühle können sich verändern und entwickeln. Also können wir nur "mitgehen" und sollten nicht versuchen, Erlebtes und auch Gegenwärtiges mit aller Macht festhalten und als Maßstab für Zukünftiges definieren zu wollen. Dann manipulieren wir, engen wir ein, nehmen wir der Liebe ihre Freiheit, die sie zur Bewegung braucht. Vertrauen, nicht nur in den Partner, sondern vor allem in sich selbst, Respekt voreinander und vor allem Sensitivität können dabei helfen.
    Das zu erkennen, es nieder zu schreiben ist einfach, es umzusetzen und zu leben wesentlich schwieriger. Wenn da doch nicht immer das Ego im Wege stünde…

  • Magro sagt:

    Zu diesem Thema habe ich gerade ein sehr empfehlenswertes Buch gelesen, das zum Thema Liebe frischen Wind in unsere Köpfe bringen kann:
    C. Juliane Vieregge: Die Perle in der Auster. Ein Plädoyer für mehr Leidenschaft.

    http://julianevieregge.de/
    http://www.amazon.de/Die-Perle-Auster-Pl%C3%A4doyer-Leidenschaft/dp/3899677285