Wenn du alle Konventionen hinter dir lassen könntest - wie würdest du dann lieben?
In der MoPo stand es kürzlich: Eva Hassmann – Otto Waalkes Frau – geht fremd, mit dem Einverständnis ihres Mannes. Trotzdem hält ihre Ehe seit zehn Jahren… oder etwa genau deswegen?
Die Reaktionen im Internet, auf den oben erwähnten Artikel, sind ein hervorragendes Beispiel für die polarisierende Wirkung ungewöhnlicher Liebesmodelle. Frau Hassmann wird mehrfach als Schlampe und Herr Waalkes als Lusche bezeichnet. Frau Hassmann wird für besonders schlau gehalten oder es werden ihr sexuelle Offerten gemacht. Was da, psychologisch betrachtet, alles synchron passiert, könnte ein Buch füllen.
Ein Kollege sagte einmal sinngemäß, er fände es schade, dass in einer relativ freien Gesellschaft viele Menschen den intimsten Bereich ihres Lebens – nämlich ihr Intimleben – eher nach der Norm ausrichten, als nach ihren eigenen Bedürfnissen.
Vielleicht geben solche winzigen verbalen Schlammschlachten wie die beobachtete Aufschluss über die Gründe?
Das Positivste in besagtem Schlagabtausch ist noch ein Kommentar, der die Diskussion als unsinnig erachtet, weil jeder so lieben dürfen sollte, wie er will. Aber auch der Autor dieses Beitrags vermeidet die Auseinandersetzung mit den Inhalten, obwohl Herr Waalkes so interessante Dinge gesagt haben soll wie: "Wenn wir uns sehen, verlieben wir uns immer wieder neu!"
Warum beschäftigt sich niemand mit solchen Aussagen?
Meine Vermutung ist, weil jede alternative Version gelebter Liebe alle anderen in Frage stellt. Was sonst stört "die Heten" an "den Homos"? Was stört die Treuen an den Untreuen? Und warum blicken auch umgekehrt viele Vertreter einer ungewöhnlichen Liebes-Variation arrogant auf die Normalos herab, wie zum Beispiel Sadomasochisten, die normale Sexualität manchmal etwas abfällig als "Blümchen-Sex" oder "Vanilla" bezeichnen?
Wenn wir emotional zuließen, dass jede Form, in die sich Liebe zwischen Menschen gießen lässt, vollständig gleichberechtigt mit allen anderen wäre, dann könnten wir uns nur noch an unseren Bedürfnissen orientieren, denn Regeln anderer Beziehungen hätten erstmal keine Bedeutung für uns – was für ein Chaos!
Sogar das, was ich in Beziehung A gelebt habe, wäre dann kein Maßstab mehr für Beziehung B. Jeder neue Partner, jedes neue Bedürfnis in mir oder meinem Gegenüber, jede Veränderung der Lebensumstände oder Wertsysteme könnte den etablierten Rahmen sprengen. Alles müsste immer wieder neu verhandelt werden, nichts wäre sicher.
Ich denke diese Sisyphosarbeit nimmt man nur dann auf sich, wenn entsprechende Bedürfnisse extrem drängend werden oder man generell viel Wert auf seine Selbstverwirklichung legt.
Ich kann nicht beurteilen, wohin Otto Waalkes die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit mit seiner Aussage gerne lenken wollte, aber vielleicht ging es ihm ja gar nicht in erster Linie um einen Werbeeffekt?
Vielleicht wollte er sein Publikum auch einfach fragen: Wenn du alle Konventionen hinter dir lassen könntest - wie würdest du dann lieben?
1 Kommentare (älteste zuerst)Otto Waalkes wollte sagen: Wenn meine Frau an vielen anderen wohl begehrlichen Happen ihren Appetit ewig und unendlich angeregt hat, dann kommt sie sogar ‘mal endlich wieder in Ottos komische Küche zurück, weil sie wohl vergessen hat, dass auch dort bloß immer dasselbe Kanapee serviert wird. Otto Waalkes wollte komischer Weise einfach nur diese einfache Wahrheit sagen. Das ist ja auch so komisch trivial, dass nur derjenige, der Appetit hat, weiteren Senf zu diesem ewig und unendlich selben lustigen Salat zugeben mag.