Ja, Liebe kann sterben. Das wissen wir. Wir schreiben bzw. lesen ja immerhin einen Trennungsblog. Aber was ist es, das die Liebe letztlich killt? Darüber gibt es eine Menge Ideen, Vorstellungen und Vorurteile. Und mindestens so viele Meinungen wie es Leute gibt.
Beziehungskiller Nummer eins: Die eigenen Illusionen. Klar, jeder glaubt seinen Partner zu kennen. Aber seien wir ehrlich…subjektiver als verliebt…wird man nicht. Der Partner, der Frau und Familie für euch verlassen hat, ist treu? Klar! Das Mädel das 24/7 an ihrem Äußeren arbeitet ist an inneren Werten interessiert? Natürlich. Und alle Männer sind klug und alle Frauen sind lieb. Grundsätzlich. Niemand hat einen dummen Freund. Und niemand ist mit einem Biest zusammen. Irgendwann ist die rosarote Brille mal weg und schon sieht man, dass man sich zwar verliebt hat, aber nicht in die Person, die da vor einem sitzt.
Eine Weile ist das noch negierbar, aber irgendwann geht's nicht mehr. Und dann ist da plötzlich keine Liebe mehr. Ein Klassiker, über den niemand redet. Weil man dazu Selbstkritik üben muss.
Routine. Wird auch immer gerne genannt. Aber ich denke, dass ein wichtiger Faktor das Bedürfnis nach Abwechslung und Selbstzelebrierung ist. Eine Beziehung ist halt irgendwann gemütlich und nett. Menschen mit ausgeprägtem Event-Bedarf finden das langweilig. Routine kann aber auch ermüden. Und beides führt dazu, dass man nicht mehr von einer Beziehung kriegt, was man will. Und schon ist da keine Liebe mehr.
Hängt Liebe etwa mit Bedürfnisbefriedigung zusammen? Darüber kann man lange diskutieren aber…klar!
Zeitmangel. Klingt dumm, aber wenn man den anderen nie sieht, wird man irgendwann die Verbindung zu ihm verlieren. Es ist bei arbeitenden Paaren sicher ein großes Problem einen gemeinsamen Raum zu bewahren, egal wie stressig es wird.
Ich könnte ewig so weiter machen. Eifersucht, Klammern, Besitzdenken, Angst, Frustration, Falsche Prioritäten, Alltägliche Probleme, unterschiedliche Entwicklungen, Gewalt, Freunde, Ex-Freunde, Vergleiche, Vereinnahmung, Entfernung, Intimität, Mangel an Intimität, Mangel an Zärtlichkeit, Sexualität, Perversionen, Vorlieben, Lebensstile, Alter, sinkende Attraktivität, Belastung, Krankheit, psychisch, physisch, Geld, andere Partner, Experimentierfreude, Wildheit, Langeweile etc. etc.
Aber nur weil ich einen neuen Blog mit Todesursachen für die zarte Pflanze "Liebe" füllen könnte, heißt das ja nicht, dass ich es auch tun muss.
Vielmehr will ich feststellen, was das alles für uns bedeutet. Warum wir wieder in diesen Blog schreiben oder diesen Lesen. Warum unsere Liebe oder die unseres Partners wieder gestorben ist.
Weil man auf Liebe aufpassen muss. Sie ist zerbrechlich. Ihre Allmacht ist eine Illusion. Gefahren lauern überall. Überall.
Lasst uns nächste Woche über eine Gefahr reden, die wir gut kennen. Uns. Wie bringen wir jemanden dazu, Schluss zu machen. Von der Kunst, schmutzig zu spielen…
Leider klingt hier ein wenig persönliche Frustration des Autors durch, so dass sich der wirklich tränenlos Getrennte nicht wiederfindet. Schade, denn solche Trennungen sind immerhin im Trend und zeigen unseren modernen Umgang mit Gefühlen…oder schwindenden Gefühlen.
Und solche Trennungen sind eben nicht nach kurzer Verliebtheit zu finden, sondern öfter nach vielen Jahren Ehe oder fester Beziehung und auch nach Jahren der Fernbeziehung. Es sind Vernunfttrennungen. Oft ist ein Rest Liebe oder Verantwortungsgefühl für den anderen sogar noch vorhanden und gerade dieser Rest sorgt dafür, dass man sich trennen kann, ohne sich schaden zu wollen.
Solche Trennungen erfordern aber ein intelleigentes Gefühlsmanagement, ein Sich-klar-machen, was tatsächlich passiert ist. Und vor allem erfordern sie den konsequenten Verzicht auf Schuldzuweisungen.
Aber wer Liebe mit Verliebtheit oder Leidenschaft verwechselt, der wird nie zu einer Vernunfttrennung ohne psychische Folgeschäden fähig sein. Er wird nach Gründen suchen, nach Fehlern…bei sich und beim anderen. Das tut weh. Es verursacht ein Gefühl der Unvollkommenheit, des Versagthabens. Dabei ist das Leben nie statisch. Es entwickelt sich, Menschen entwickeln sich, Beziehungen entwickeln sich und manchmal eben auseinander.
Lieber Autor, ich wünsche Ihnen einen guten Weg zu sich selbst. Vor allem einen ohne Frust. Das ist selbst nach einer Trennung nach 15 Ehejahren und mit zwei gemeinsamen Kindern möglich….warum auch nicht? Liebe stirbt eben nicht. Sie war entweder immer da, unter der Leidenschaft, den Pflichten, dem Alltag, oder sie war nie da…und dann kann sie auch nicht sterben.
Ja, ich gebe meiner Vorgängerin recht, ich sehe das ganz genau so…
Es gibt Menschen, die Trennen sich und lieben sich immer noch…aber sie können einfach ihren Alltag nicht mehr miteinander verbringen oder einfach zu "müde" geworden sind um sich ständig neu zu "definieren" in ihrer Beziehung…auch deswegen trennt man sich.
"intelligentes Gefühlsmanagement" ist wirklich eine erstaunliche Kreation! Gratuliere! Klar, dass der Autor, dem Subjektivität und Enttäuschung unterstellt wird (wobei Subjektivität in der Natur des Schreibens liegt…), Begrifflichtkeiten nicht standhalten kann. Aber vielleicht hat er ja einfach "nur" Gefühle, die er nicht managen, steuern oder was auch immer will. Ob das intelligent ist oder nicht, bleibt dem Betrachter überlassen.
Naja, ich lese das hier weil ich Herrn Leyendeckers Subjektivität sehr schätze.
"Intelligentes Gefühlsmanagement" ist ein Begriff der von geanu DER Generation geschaffen wurde, die nur noch aus Singles und Trennungspaaren besteht. Wir Werber nennen das ein Branding. Germanisten reden von Worthülsen.
Egal. Ich misstraue eh keinem, der sowas wissen will und nachts über Trennungsblogs liest.
Guter Beitrag. Hätte man bestimmt einen Mehrteiler raus machen können. Mich hätte da ja wirklich mehr "Subjektives" zu interessiert . . .
Jerry, intelligentes Gefühlsmanagement bedeutet, dass man seinen Verstand nicht ausschaltet, um seine Gefühle walten oder wüten zu lassen.
Alles sollte dort bleiben, wo es hingehört. Man könnte auch davon sprechen, sein Leben zu ordnen, es zu sortieren, aber das wäre dann wohl wieder nur ein Begriff? Sprache ist ein Werkzeug, nicht mehr. Begriffe sind nunmal da und man sollte sie auch nutzen, wenn man kann.
Was bedeutet Lebensordnung/ Management also? Nichts weiter als Folgendes: Leidenschaft gehört ins Schlafzimmer, Wut in die Joggingeinheit, Angst gehört ins Gespräch mit einem hilfsbereiten Freund, Panik und Hass sollten keinen Platz im Denken bekommen- sie schaden mehr als sie nützen (sowohl gesellschaftlich als auch biologisch). Und Gefühle wie Liebe, Verantwortung und Fürsorge sollten gehegt und gepflegt werden- sie gehören in den Alltag als ständiger Begleiter.
Das meint Gefühlsmanagement. Sortieren, ordnen und alles an seinen Platz stellen, damit es richtig wirken kann und nicht am falschen Platz schadet.
Erfordert aber ständiges Überwachen und sich-selbst-kontrollieren und das ist genau das Problem vieler Singles, dass sie eben keine Lust mehr auf Mühe haben. Aber die Traumbeziehung, die von allein funktioniert, gibt es nicht.