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Partnerwahl: Wiederholungstäter in der Liebe
Partnerwahl: Wiederholungstäter in der Liebe (Kategorie: Partnersuche)
Was haben Boris Becker und Dieter Bohlen gemeinsam? Ein einheitliches Beuteschema. Doch nicht nur der gemeine Promi, sondern auch der Durchschnittsbürger ist manchmal etwas fixiert in seiner Partnerwahl. Neue Forschungen zeigen aber: Solche Muster sind weit weniger festgelegt als wir bisher dachten.

Christine (34) war eine von den Frauen, die immer an den Falschen geriet. "Es waren immer dieselben Dinge, die nicht liefen", sagt sie rückblickend. Doch dann schaffte sie es, sich aus den Mustern zu befreien. Inzwischen führt sie mit Hendrik (35) seit mehr als drei Jahren eine sehr harmonische Beziehung. War es einfach nur Glück, dem Richtigen begegnet zu sein oder hat Christine womöglich aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt? Eine Mischung aus beidem. "Die Erfahrungen in unserer Kindheit prägen unser Beziehungsverhalten", sagt Diplom-Psychologin Lisa Fischbach. "Diese Muster wiederholen wir unbewusst in späteren Beziehungen." Viele Ängste und Erfahrungen, die in uns schlummern, machen es uns schwer, unsere Liebe wirklich leben zu können. "Oft äußert sich so etwas in unangemessenem Nähe-Distanz-Bedürfnis, übersteigerter Angst, verlassen zu werden oder Schwierigkeiten, Vertrauen in die Beziehung zu entwickeln", so Lisa Fischbach. "Um Verletzungen zu vermeiden, entwickeln wir Schutzmechanismen und vermeiden, uns emotional zu öffnen."

Wege aus der Wiederholungsfalle

Doch das ist keine Sackgasse. Denn: Obwohl frühe Beziehungserfahrungen unsere Partnerwahl und somit auch unsere gegenwärtigen Partnerschaften beeinflussen, lernen wir auch aus den Beziehungen im Erwachsenenalter. "So können wir unsere Muster erkennen und uns bestenfalls von ihnen lösen, damit Ängste überwinden und unser Beziehungsverhalten korrigieren." Erklärt die Psychologin. Dass wir alle wie die Lemminge einem allzu festgelegten Beuteschema folgen, ist nur in Ausnahmefällen zutreffend. Das bestätigen auch neuere Forschungen der bergischen Universität Wuppertal: Sozialpsychologen haben herausgefunden, dass es tatsächlich mehr Wandel als Konstanz bei der Partnerwahl gibt. In bestimmten Lebensabschnitten sind nämlich verschiedene Themen aktuell. Deshalb übernehmen Beziehungen je nach Lebensphase unterschiedliche Funktionen. Diese Liebes- und Lebensfragen sind uns meist nicht bewusst und deshalb fällt es uns schwer, unsere Muster überhaupt wahrzunehmen. Im Wesentlichen geht es um ungelöste Fragen aus der Vergangenheit oder auch um aktuelle Lebenssituationen. Oliver (46) wurde nach 16 Jahren von seiner Partnerin verlassen. Danach hatte er mehrere kurze Beziehungen mit jüngeren Frauen. "Ich wollte neue Erfahrungen sammeln und war von der Jugend der Frauen angezogen", sagt der Finanzmanager. "Es war toll, ich habe mich sehr lebendig gefühlt, aber jetzt suche ich nach einer gleichaltrigen Partnerin auf Augenhöhe." Nach einer Trennung geht es oft darum, Neues zu erleben, Ängste zu überwinden und Sehnsüchte zu erfüllen. Deshalb waren die Erfahrungen mit jüngeren Partnerinnen für Oliver hilfreich und wertvoll. Aber: "Für das Gefühl von Harmonie, sich beim anderen aufgehoben und verstanden zu fühlen, ist eine gewisse Ähnlichkeit in Bezug auf Herkunft, Bildungshintergrund und Wertevorstellungen förderlich", so Single-Coach Lisa Fischbach. Absolute Deckungsgleichheit ist allerdings nicht angesagt. "In zentralen Beziehungskonfliktthemen wie Nähe und Distanz, Vertrauen oder emotionales Einlassen entwickeln sich Paare eher durch ihre angemessene Unterschiedlichkeit." Ein gesunder Abstand hinsichtlich dieser Bedürfnisse ist also wünschenswert.

Forschungsreise zu inneren Tiefen

Aber was ist mit denjenigen, die immer wieder mit den gleichen Themen konfrontiert werden und daran scheitern, so wie Christine in der Vergangenheit? Lisa Fischbach: "Dann stellt sich die Frage, was genau dahinter steckt. Oft nehmen wir unbewusst viel mehr Einfluss auf das negative Verhalten des anderen, verantworten es mit, obwohl wir glauben, alles zum Gelingen beizutragen. Zudem führen häufig negative Glaubenssätze zu kontraproduktivem Verhalten." Christine hatte Angst, verlassen zu werden. Deshalb hat sie von ihren Partnern besonders viel Nähe und Liebesbeweise gefordert. Leider hat sie damit meist das Gegenteil erreicht. "Weil ich mich so ungeliebt fühlte, habe ich jeden Mann vergrault. Deshalb dachte ich natürlich, ich geriete immer an Typen, die sich nicht einlassen konnten. Dabei war ich es, die zu viel Druck gemacht und die anderen in die Flucht geschlagen hat." Mit Hendrik hat sie nun endlich das Gefühl, dass beide voneinander lernen und davon profitieren. Konstruktive Arbeit ist also lohnenswert – an sich selbst und an der Beziehung. Eine Liebe bleibt dann langfristig glücklich und erfüllend, wenn sie als dynamischer Prozess begriffen wird und jeder dem anderen Raum für Entwicklung gibt. So vermeiden Sie es zudem, dass für jede neue Lebensphase ein neuer Partner her muss. Auch das ist ein Muster, das Sie durchbrechen können.

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