Wir haben über jede Art von Trennung gesprochen. Nur über die einschneidendste, radikalste noch nicht.
Die Scheidung. Was macht die Scheidung so schlimm? Es ist die Vorgeschichte, die eine jede Scheidung hat.
Irgendwann hat man sich entschlossen, zu heiraten. Und meistens war dieser Entschluss mit dem Gedanken verbunden, für immer zusammen zu bleiben. Eine Familie zu gründen. Gemeinsam eine Zukunft aufzubauen, alt zu werden und schließlich den Rest des Lebens miteinander zu verbringen. Irgendwann steht man dann wieder gemeinsam vor einer Amtsperson: Jetzt ist diese aber kein Standesbeamter, sondern ein Richter. Und man gibt den Traum von der Zweisamkeit auf. Man verwirft das ganze Konzept des gemeinsamen Lebens. Man beendet auch die Beziehung.
Laut des statistischen Bundesamtes haben sich 2008 insgesamt 191.948 Paare scheiden lassen. Eine ziemlich beeindruckende Zahl. Die Jahre davor waren etwas besser, aber alles in allem bleiben die Zahlen konstant auf diesem Niveau. Das Scheitern von Ehen ist daher längst kein Einzelereignis mehr. Es passiert ständig und es passiert überall. In den nächsten Wochen werden wir uns daher mit diesem Thema beschäftigen: Mit der Scheidung. Mir ist natürlich nicht entgangen, dass viele meiner Leser, wenn sie meine Artikel auf ihr Leben beziehen, von Scheidungen reden. Und auch auf die Hochzeitswelle in meinem persönlichen Umfeld folgte eine Scheidungswelle – mit ein paar Jahren Verzögerung natürlich. Gerade hat sich meine beste Freundin von ihrem Mann getrennt. Scheidungen von Ihrer schlimmsten Seite habe ich aber in meiner Zeit bei Gericht kennen gelernt. Hier standen sich häufig beide Seiten verbittert und ohne eine Möglichkeit zum Gespräch gegenüber.
Warum habe ich so lange damit gewartet, dieses Thema anzusprechen? Weil ich zunächst lange darüber nachgedacht, mit vielen Freunden viele Gespräche über ihre Erfahrungen geführt und mir eine Menge traurige Geschichten angehört habe. Ich selbst war nie verheiratet. Ich bin daher auch nie geschieden worden. Und ich schreibe ungern über etwas, worüber ich nichts weiß. Ein paar Dinge habe ich aber inzwischen herausgefunden: Wenn man heiratet, ändert dies vieles. Vielleicht nicht der Tag, an dem man es tut. Aber schon der Prozess bis zur Hochzeit macht aus einem Pärchen eine Ehe. Aus zwei Menschen wird eine Familie. Man legt sich fest. Man zeigt öffentlich und unwiderruflich sein Vertrauen in die Beziehung. Unwiderruflich? Ja. Irgendwie schon. Denn zu dem Menschen, der man vor diesem Versprechen war, kann man nie wieder zurückkehren. Auch eine Scheidung macht einen nicht wieder zu dem Menschen, der man vor der Ehe war. Eine Scheidung ist kein Rückspulknopf. Es gibt im Leben sowieso gar keine Rückspulknöpfe. Eine Scheidung ist der Verlust von etwas. Manchmal, wenn man es hart genug probiert hat und trotzdem scheitert, dann ist es auch eine Erlösung. In den schlimmsten Fällen mag es sogar ein Befreiungsschlag sein. Leicht ist es nie.
Es gibt keine Scheidung, ohne dass eine Ehe gescheitert ist. Egal, unter wie viel Freundschaft man diese Erkenntnis verbirgt, irgendwie ist dies ja doch immer die bittere Wahrheit. Man heiratet nicht, um sich scheiden zu lassen. Die Scheidung ist damit das Ende von etwas, dass gar nicht enden sollte. Warum passiert so etwas? Welche Probleme stellen sich einem dabei? Sowohl menschlich als auch juristisch? Und was ist mit den anderen Leidtragenden? Den Kindern? Den neuen Partnern? Können Scheidungen Fehler sein? All diese Fragen möchte ich in den nächsten Wochen mit gebotener Sorgfalt erforschen.
Ich kann dem wohl zustimmen. Meine Scheidung habe ich noch vor mir, mit meiner (Noch-) Frau verstehe ich mich gut, und dennoch fühle ich mich gescheitert. Es tut weh sich das einzugestehen, und überhaupt tut dieser gesamte Trennungsprozess sehr weh. Und für meine neue Partnerschaft, der Grund meiner Trennung, ist das alles als entlastend…
Meine Trennung ist ganz frisch. Ich habe meinen Mann geliebt und gehasst. Ein extremer Mann, die Trennung war mein Wunsch. Trotzdem leide ich und kann nichts anderes denken als meine verlorene Ehe zu beweinen. Ist das normal?
Ja, pipa, das ist normal. Trennung ist Abschied. Jeder Abschied schmerzt. Er ist Loslassen von etwas Vertrautem. Meist nehmen wir die Schmerzen nur nicht wahr. Schlimm wird das nur, wenn man sich gleich in eine neue Beziehung stürzt, um sich den Schmerz der Trauerarbeit zu ersparen. Und der IST hart. Aber ohne diese Trauer ARBEIT können Sie nichts für sich und Ihre Zukunft aus der vergangenen Situation lernen.
Ich glaube nicht, daß eine neue Partnerschaft ein Grund für eine Trennung ist. Meiner Meinung nach kommt es zu einer neuen Partnerschaft, weil derjenige, der nicht treu ist, aus welchen Gründen auch immer unfähig ist, sich mit dem vorhandenen Partner und der in dieser Beziehung als unbefriedigend empfundenen Situation auseinander zu setzen und gemeinsam mit dem vorhandene Lebenspartner eine Lösung zu finden, die beiden Teilen Zufriedenheit schenkt. Das würde auch erklären, warum so viele Menschen, die eine Ehe selbst durch Fremdgehen beendeten, das Gefühl des Gescheitertseins haben.
Ich denke, Hass und Liebe liegen ganz dicht beieinander. Wer lieben kann, kann auch hassen.
Meine Erahrung ist, desto mehr du einen anderen liebst, destog rößer ist auch der Hass oder besser gesagt, die Wut nach einem Scheitern der Beziehung.
Man muss loslassen können, was ja nicht so einfach ist.
Ich bin seit vier Monaten nach 27 Jahren Ehe geschieden. Die Trennung war mein Wunsch. Mein Exmann hat dieses Wochenende wieder geheiratet. Das Gefühl, versagt zu haben, bin ich noch nicht losgeworden. Ich denke, Scheidung hat etwas mit Trauer zu tun und Trauer braucht einfach Zeit.
Aber trauern macht es schwierig, offen zu sein für eine neue Partnerschaft. Und Gefühle heilen nun mal langsam.
Mir hat der Vergleich, eine Scheidung sei kein Rückspulknopf, gut gefallen. Ich spüre deutlich, wie wenig man in sein früheres Ich zurückkehren kann, selbst jetzt, wo mein Noch-Mann (Wir haben den juristischen Schritt noch vor uns) einen chaotischen Umzug absolviert, fühle ich mich verantwortlich. Wir haben in der Seele unseres Ex-Partners Fußstapfen hinterlassen, so wie er bei uns auch und wir sind andere Menschen als vorher. Und wenn wir unser Scheitern genug betrauert haben, können wir uns auf den Weg machen in ein neues Leben, aber es wird nie wieder so sein wie früher…
bei mir fühlte sich die trennung (ohne scheidung, wir waren nicht verheiratet, aber mit kindern) an wie ein befreiungsschlag aus einer welt in der die angst vor meinem partner und den möglichen veränderungen die dies bei mir bewirkten hat so groß war, dass ich nur noch einen weg sah. aber wie bei einigen von euch wohl auch, das ganze geht in den großen topf der neuen gefühle: des scheiterns, und des verlusts von einem großen traum, des gefühls dafür verantwortung zu übernehmen, auch gegenüber den kindern, mich wieder neu zu orientieren und die neue freiheit zu nutzen für die abenteuer die anstehen. aber es ist das sprungbrett für das was kommt, und darauf freue ich mich sehr.
Meine Trennung nach 20 Ehejahren liegt 4 Jahre zurück, Scheidung 1 1/2. Ich habe die Scheidung nicht sofort nach der Trennung eingereicht, da ich lange die Hoffnung hatte, mein Mann würde sich doch noch "besinnen" – er war ausgezogen, weil er sich in eine sehr junge Dame verliebt hatte (was, da stimme ich Inka zu, ein Zeichen dafür war, daß er sich mit Problemen in unserer Ehe nicht auseinandersetzen konnte bzw wollte). Für mich war der ganze Prozess danach schrecklich, aber eben auch notwendig. Mittlerweile weiß ich, daß es auch für mich richtig war, mich von diesem Mann zu trennen und daß es von mir aus kein Zurück gibt. Die Trauer, einen Lebensentwurf – gemeinsam alt zu werden und aneinander zu wachsen – verloren zu haben, war immens. Sie existiert immer noch in sehr abgeschwächter und gut erträglicher Form, aber ich kann mir nun auch eine andere Zukunft vorstellen. Ich brauchte dazu eine Therapie, die mir sehr geholfen hat. – Das Gefühl des Gescheitertseins war für mich nicht vorrangig schmerzhaft. Trotz großer Selbstzweifel war ich mir von Anfang an gewiss, daß ich alles in meinen Kräften und Möglichkeiten Stehende getan hatte um unsere Ehe gelingen zu lassen.
Ich bin vor 2 jahren ausgezogen, weil meine Noch-Ehefrau der Meinung war, in unserer Ehe was verpasst zu haben. Alle Gespräche brachten nichts und so hab ich die Scheidung eingereicht. Das Problem: Sie ist sich nun im Klaren geworden, dass ich es ernst meine und will die Scheidung nicht. Ich aber mittlerweile schon, da zu viel geschehen ist, was immer in meinen Kopf bleiben wird.
Was ich eigentlich sagen will ist, dass eine Scheidung auch sehr schwer werden kann, wenn man sich nicht einig wird.
Hätte nie im Leben gedacht, mich einmal auf die Scheidung zu freuen. Nun kann ich es kaum erwarten bis endlich der Termin ist. Im letzten Jahr bin ich auf einen hoch verschuldeten Heiratsschwindler hereingefallen, der sich auch noch als Faulpelz in allen Lebenslagen herausgestellt hat, kaum war die Urkunde beim Standesamt unterschrieben. Man glaubt gar nicht wie lange man für so jemanden zahlen muss und sich das Trennungsjahr inklusive Warten auf den Scheidungstermin hinziehen kann. Insgesamt kann man von zwei langen Jahren des Wartens sprechen, die noch lange nicht vorbei sind und auf mich trifft es absolut zu, dass die Vorgeschichte das eigentliche Schlimme bei dieser Angelegenheit ist.
Tja Scheidung, was soll man dazu sagen. Ich war zweimal verheiratet und es hat mich insgesamt 18 Jahre meines Lebens gekostet, zu trauern, und darüber hinwegzukommen. Es ist traurig und hart und nicht unbedingt die Schuld der beteiligten Partner. Ich habe mir lange Gedanken darüber gemacht, warum meine Beziehungen gescheitert sind. Es ist traurig, dass ich das sagen muss, aber es liegt wohl daran, dass ich ernst gemacht habe mit der Gleichberechtigung. Ich wollte immer alles, d.h. Familie, Karriere und Eheglück. Leider konnten meine Partner nicht damit umgehen und ich konnte die emotionale Last und die Arbeitsbelastung alleine nicht tragen. Warum müssen wir Frauen Abstriche machen? Die Rollen wandeln sich, aber weder die Männer noch wir Frauen sind anscheinend so weit. Die gesellschaftlichen Strukturen haben ein gewisses Beharrungsvermögen und erleichtern es uns nicht uns emotional zu verwirklichen. Das heisst nicht, dass ich keine Verantwortung für das Scheitern übernehmen will, ich habe meinen Anteil daran.
@ Simone
ich bin derzeit auch in Trennung und hoffe auf den baldigen Scheidungstermin.
Ich kann Dich nur bestätigen: Die Gesetzeslage ist katastrophal!
Alles Gute weiterhin …
ja, pipa – das ist völlig normal. auch ich trenne mich auf eigenen wunsch und habe die liebe im herzen und im bauch die schmerzen…
Meine Trennung ist jetzt 2 Jahre und 2 Monate her, sie ging von meinem Exmann aus über Anwalt kurz nach einem gemeinsamen Urlaub und ich stand vor dem Nichts Dunkel, ich dachte nur eins: Aus und Vorbei. Scheidung vor einem Jahr und mein Sohn (23 Jahre) fiel tief, ich konnte ihm nicht helfen, er zog sich zurück und ich war weit weggezogen um neu anzufangen. Alles was ich tat, war zu überleben und kann es nicht schaffen weil ich das immer noch nicht glauben / verstehen kann, Was ist das bloß, das man 21 Jahre Ehe und so ein Depp nicht vergessen kann obwohl er einem so weh getan hat.
Rita – halte durch, es braucht einfach Zeit und Mut, das Geschehene in kleinen Schritten zu verarbeiten. Vielleicht hast du eine gute Freundin, die ab und an ein offenes Ohr und Einfühlungsvermögen hat? Ich selbst habe professionelle Hilfe gesucht. Diese Begleitung half mir, mich noch vor der Trennung über mein Verhalten, mich und auch über meinen betrügerischen Ex-Ehemaqnn klar zu werden. Es hilft tatsächlich, an sich zu arbeiten und sein Tun (und auch Nicht-Tun) zu hinterfragen. Viel Glück!
Alle Eure Kommentare sind unterschiedlich, wertvoll und hilfreich. Meine Frau hat nach 33 Jahren – ich war noch nicht 17 (fast 30 Ehejahre) und 3 Kindern – sich entschieden, die Ehe wie ein Paar Schuhe zu behandeln, das man gegen Neue tauscht, wenn sie einem nicht mehr passen. Das tut extrem weh und alles Versuche zur Kommunikation sind gescheitert. Ich war kurz vorm dem Suizid. Mein Sohn (21) hat mir sehr geholfen und nun freue ich mich – trotz Noch-Trauer- auf eine neue Partnerin, die mir das geben kann, was ich die letzten 33 Jahre vermisst habe.
Trennung ist ein bisschen wie sterben – es gibt keine Möglichkeit mehr bestimmte Fragen zu besprechen, bzw. den Konflikt zu lösen. Es bleiben viele unbeantwortete Fragen mit denen man sich abfinden muß, auf die es nie eine Antwort geben wird…
man sagt abschiednehmen würdigt die beziehung.
man durchlebt die höhen und tiefen nochmals in der erinnerung, mit allen facetten. auch dies gehört zum trauerprozess.
Scheidung, die Trennung für Fortgeschrittene? Das fand ich sehr lustig. Vielleicht kommt irgendwann Witwertum, die Trennung für Profis?
Hallo! Ich stimme Udo sehr zu in seiner Meinung. Ich selbst habe mich nach 8 Ehejahren mit drei Kindern von meinem Mann getrennt, den ich über alles geliebt habe. Er neigte zu Gewalttätigkeiten und mein Vertrauen zu ihm schwand, ich hatte Angst vor ihm.
Er reichte dann wenige Monate später die Scheidung ein und hatte auch schnell eine Freundin. Die jüngeren Kinder blieben bei mir, der älteste Sohn blieb bei ihm, weil er dort keine Beschränkungen bzgl. Fernseh- und Computerkonsum hatte. Für mich war alles unglaublich schmerzhaft und ist es immer noch, obwohl die Trennung von mir ausging und ich nach mehreren erfolglosen Eheberatungen keinen anderen Ausweg mehr sah.
Mein Mann hat den ersten Weihnachtstag mit unseren Kindern, seiner Freundin und deren Sohn verbracht – ich war wie jedes Jahr allein, ich konnte mich bisher einfach in keinen neuen Mann verlieben.
Ich denke, es kommt auch auf die Trennung an. Bei uns lief es seit langem aus dem Ruder. Wir waren zwar schon mal kurz vor der Scheidung. Aber durch das Trinken meines Ex, war ich mehr Fußabtreter. So wollte ich nicht alt werden. Natürlich tut es weh, vor allem, weil er mich nie wirklich geliebt hat. Aber seit dem ich die Scheidung eingereicht habe, geht es von Tag zu Tag besser. Leider leiden die Kinder, dah er sich nicht um sie kümmert. Aber das wird auch wieder. Nach meiner Erfahrung kommt es darauf, wie man auseinander geht. Ich hasse mein Mann oder Ex, aber dennoch würde ich ihn nicht fertig machen. Er ist mir total egal geworden. Und doch könnte ich keine neue Beziehung eingehen. Das Misstrauen ist zu groß.