Wer ständig als Stofftier bezeichnet wird, fühlt sich ab und an entmannt und auch das blonde „Mäuschen“ möchte nicht immer zum Nagetier gemacht werden. Die Konsequenz: Häufig geht die Erotik beim Gebrauch von Kosenamen flöten.
Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Was dem einen verlockend, ist dem anderen das pure Gräuel. So ist es auch mit den Kosenamen. Sie schleichen sich unbemerkt in der Phase heißer Verliebtheit ein.
Im Rausch der Hormone kann man gar nicht genug Glücksbekundungen von sich geben. Zu niedlich, wie er auf dem Sofa sitzt und nach dem Schokoladeneis einen braunen Übergangsschnurbart auf der Oberlippe hat. Küssend abgeleckt, ist aus Jens nun Bärchen geworden. Und aus Sabine im Punktekleid zum Sonntagsbrunch Pünktchen. Wenn nun Bärchen und Pünktchen das Haus verlassen und sich bei Freunden am Grillabend mit ihren Kosenamen rufen, läuft dem einen oder anderen ein kalter Schauer über den Rücken. Verniedlichungen können ihren Reiz haben. Auf der heimatlichen Couch mag es liebevolle Zuneigung ausdrücken. Jedoch gibt es ein Zuviel des Guten. Kosenamen verselbständigen sich gern in Beziehungen. Sie werden inflationär benutzt und sind in einigen Kontexten sogar mehr als unpassend.
Wer ständig als Stofftier bezeichnet wird, fühlt sich ab und an entmannt. Das blonde „Mäuschen“ möchte auch nicht immer zum Nagetier gemacht werden. Vor allem nicht, wenn der Freund damit die Bitte einleitet, ein Bier zum Fernseher gebracht zu bekommen. Zudem sind Kosenamen etwas Intimes, das nur zu einem Paar gehört. Daher sollte es der Liebescodex untereinander ein. Davon abgesehen kann ein Zuviel an Kose-Schnickschnack einen gesunden Abstand in einer Beziehung ruinieren und die Erotik vernichten. Die vermeintlich romantische Aufforderung „Schnuffel, lass uns Bubu machen“ und die dahinterliegende Absicht, den anderen ins Schlafzimmer für körperliche Nähe zu locken, führt selten ans Ziel. Kaum einer liest darin das Angebot für heißen Sex oder ein erotisches Abenteuer. Besonders schlimm wird das Ganze, wird es noch mit einer Art Babysprache versüßt. Das säuselnde Gezwitscher des sonst wirklich männlich beharrten Freundes mit tiefem Bariton kommt eher ungeschlechtlich rüber ist und ist nur was für Exoten und Fetischisten.
Also: Schluss mit zu viel Niedlichkeit! Ihr Partner ist ein ernstzunehmendes Wesen, ein Bild von einem Mann oder eine Frau mit Sex-Appeal. Er ist vor allem eins: Erwachsen. Und ein lustvoll gehauchtes Karl oder Johanna ist bei weitem erotischer als ein liebliches Hasi!
Liebe Frau Fischbach,
schön, dass Sie das Thema mal ansprechen.
)
Ich gehöre zwar zu den Glücklichen, denen Hasi, Mausi, Schnuffel, Schatzi & Co bisher immer erspart blieb, aber das liegt sicher daran, dass ich gleich beim Kennenlernen bestimmt mal ganz “unauffällig” durchblicken lassen, dass das ein absolutes No-Go ist
Noch viel schlimmer finde ich allerdings, wenn Paare in Babysprache miteinander kommunizieren und andere dabei sein müssen. Mich überkommt dann meistens eine schlimme Fremdbeschämung, die sich unaufhaltsam in mir breit macht…Kreisch!
Und was soll das eigentlich bewirken bzw. wo soll das hinführen? – Der Weg ins Schlafzimmer kann doch damit bestimmt nicht gemeint sein und falls doch, finde ich das fast ein bisschen “pervers”, – Babysprache als Vorspiel zum Sex??? – denn das fällt ja nicht mal in die Kategorie Rollenspiele.
Gleichzeitig muss man aber auch mal festhalten, dass in der Liebe alles erlaubt ist, was beide wollen. Und wenn beide Nagetiere toll, anziehend und aufregend finden, bitte, dann sind Kosenamen in Ordnung. Allerdings bitte nicht und niemals in Gegenwart anderer, denn kein Mensch will bei dem Gesäusel dabei sein.
Wirklich kein Mensch, also bitte Gnade mit den Mitmenschen – auch enge Freunde, die man schon eine Ewigkeit kennt, sind hier zu verschonen.
Ich bin ganz Ihrer Meinung, dass diese Form von Sprache bei Paaren auf Dauer sexuell ein Liebestöter ist.
Aber wahrscheinlich schafft es bei vielen eine andere Form von Nähe und Gemütlichkeit, die vielleicht auch gar nichts mit Sexualität zu tun haben soll.
Ich weiss es nicht und hoffe auch, ich werde es niemals erfahren
Mit besten Grüßen,
Mäuschen
Ich kann schon verstehen, dass einige Menschen sich abgewertet fühlen und die Erotik beim HasiMausileinchen nicht den zündenden Funken entfacht. Trotzdem würde mir diese gewisse Vertraulichkeit fehlen. Und man sollte wirklich nicht im unpassendsten Moment das Bärchen aus dem Sack lassen. Meine Meinung ist am Schwanken, häufig werden die Kosenamen auch inflationiert und das Bärchen und Mausi unterscheiden sich fast nicht mehr von Kevin und Mandy. Vielleicht sollte man sich zusammennehmen und Kosenamen nur gezielt benutzen. “Schatzileinchen, machst mir einen Tee? kommt doch bestimmt besser an als “Bernd, holst du ein Bier?”;))))