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Sex und Geruch I: Genetik und Duftmoleküle
Sex und Geruch I: Genetik und Duftmoleküle (Kategorie: Sexualitätsblog)
Was hat unser DNA-Pool mit unseren Duftvorlieben zu tun?

Wenn es um Sex geht, fällt mir für meinen neuen Blogbeitrag der wunderbare Song "Primitive" von Roisin Murphy ein. Zu sehen und zu hören auf YouTube mit dieser schönen Eingangsstrophe:

From the primordial soup
Out of the dim and the bloom we came
We are animal
By any of the name

Die Ur-Suppe, aus der wir stammen und unsere animalischen Triebe haben viel mit Instinkt zu tun. Dieser Instinkt wiederum führt uns – wenn wir uns denn auf ihn verlassen – auch zum richtigen Sexpartner. Ich möchte in diesem Zusammenhang mal wieder eine kleine Serie starten – und zwar zum Thema "Sex und Geruch".

Von unseren fünf Sinnesmodalitäten ist der Geruchssinn stammesgeschichtlich der älteste, damit aber auch der ursprünglichste. Er ist wissenschaftlich immer noch wenig erforscht, doch haben in den letzten zehn, 20 Jahren viele neue bahnbrechende Erkenntnisse auch ihren Weg in die Öffentlichkeit gefunden. Eine der Studien, die am meisten Aufmerksamkeit erregt haben, war die von Manfred Milinski and Claus Wedekind mit dem Titel "Evidence for MHC-correlated perfume preferences in humans." (Behavioral Ecology Vol. 12 No. 2: 140-149). Die beiden Forscher stellten fest, dass unser Geruchssinn eine wesentliche Rolle bei der Entscheidung über gegenseitige Anziehung und Partnerwahl spielt. Dabei geht es um auf dem Chromosom 6 lokalisierte polymorphe Gene, so genannte olfaktorische Rezeptorgene, die die Wahl eines Partners regulieren, um eine bestmögliche Immunprotektion für die möglichen Nachkommen aus dieser Verbindung zu gewährleisten. Das Fachwort für diesen Genabschnitt lautet Haupthistokompatibilitätskomplex, kurz HLA. Entscheidend dabei ist: Es ziehen sich immer die Partner gegenseitig an, die über unterschiedliche Informationen auf dem HLA-Komplex verfügen. Das führt dazu, dass die potentiellen Nachkommen eine höhere Variabilität in der Abwehr gegen Keime und andere Erreger aufweisen und damit besser geschützt sind. Frauen bevorzugen demnach den Geruch von Männern, deren Immunsystem sich von ihrer eigenen Immungenetik unterscheidet – und umgekehrt!

Die Natur hat also dafür gesorgt, dass unsere subjektiv wahrgenommene Attraktivität – bzw. die wahrgenommene Attraktivität eines Partners – von Geruchsmolekülen gesteuert werden. Wohlgemerkt: Es geht hier nicht nur um eine biologische Verankerung des Fortpflanzungsvorganges, sondern um eine unbewusste, über den Geruchssinn geleitete "Richtungsgebung", die unser Verhalten nachhaltig beeinflusst.

In den folgenden Beiträgen möchte ich mich gerne mit den Auswirkungen dieser biologischen Konditionierung auf die Wahl von Parfums, Parfum und Partnerwahl, die Rolle der Empfängnisverhütung, Duft und gleichgeschlechtliche Paare und das Thema Synchronizität von Sinnesmodalitäten beschäftigen.


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Eine Antwort zu “Sex und Geruch I: Genetik und Duftmoleküle”

  • AugustH sagt:

    Sehr gute Zusammenfassung des Themas – bin gespannt wie es weiter geht. Die Referenz zu HLA und Partnerwahl ist eigentlich Wedekind et al. 1995, "MHC-dependent mate preferences in humans" in Proc. R. Soc. Lond. B. Bei der oben zitierten Referenz Milinski & Wedekind geht es um HLA gelinkte Präferenzen für Parfumgrundstoffe. Ein nicht minder spannendes Thema.