Dunkel, nass, einsam: Der Herbst beeinflusst nicht nur Wetter, sondern auch Seele. Fröhliche Aktivisten werden zu müden Zombies, die abends lieber Sofa statt Weinbar ansteuern. Der Gedanke, dort eingekuschelt zu überwintern, scheint verlockend.
Doch allein wintert es sich schlecht. Daher verstärkt sich jetzt bei Singles der Wunsch nach einem Partner. Dieses Phänomen hat sogar einen Namen: Wintimacy© (winter + intimacy, engl. Vertrautheit, Gemütlichkeit) bezeichnet die durch die dunkle Jahreszeit hervorgerufene Sehnsucht nach Nähe und Geborgenheit. Tipps gegen den Herbst-Blues gibt Diplom-Psychologin Lisa Fischbach.
„Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben“
Vorbei die lauten Sommerabende mit Freunden: Plötzlich heißt es samstags kuscheln statt ausgehen. Im Sommer grillen wir mit Freunden an Elbe oder Isar, ziehen durch Clubs, machen Radtouren. Das Herbstklima verbittet sich solche Späße. Uns steht der Sinn danach, den anstrengenden Arbeitstag zuhause ausklingen zu lassen. Kein Problem für Paare, doch für Singles birgt dieser sogenannte Cocooning-Effekt Risiken und Nebenwirkungen: Denn Rückzug verheißt nur wenig Geborgenheit, wenn keiner das Nest mit einem teilt. „Fernsehabende allein oder ein Dinner for one machen die Einsamkeit eher bewusst und bieten Zeit und Raum für negative Grübeleien“, erklärt Diplom-Psychologin Lisa Fischbach, die bei ElitePartner das SingleCoaching betreut. Das Gedankenkarussell dreht sich: Warum bin ausgerechnet ich Single? Werde ich mich jemals wieder verlieben? Schließlich sind die Flirtmöglichkeiten jetzt begrenzt: Wir verstecken unsere Reize in dicken Mänteln und heften den Blick zwecks Pfützen-Scanning auf den Asphalt. Sogar Romantiker Rilke prophezeite vor über 100 Jahren bereits düster: „Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben.“ Rilke hatte allerdings auch noch nie von Online-Partnervermittlungen gehört. Die boomen nämlich um diese Zeit: „Im Herbst verzeichnen wir einen starken Anstieg der Anmeldungen“, stellt ElitePartner-Geschäftsführer Dr. Jost Schwaner fest. „Einen Höhepunkt erreicht die Welle an Neujahr, doch ihren Anfang nimmt sie mit den immer kürzer werdenden Tagen.“
Melatonin macht müde
Soviel zur Seele. Aber auch auf körperlicher Ebene gibt es Faktoren, die Wintimacy© auslösen. Sprechen wir mal vom Melatonin. Das Hormon wird in der Zirbeldrüse gebildet und fungiert als innerer Zeitgeber, indem es den Tag- und Nachtrhythmus im Körper steuert. Wenn es morgens hell wird, gibt der Körper weniger Melatonin ins Blut ab, so dass wir langsam wach werden. Fehlt dagegen das Tageslicht, kommen größere Mengen Melatonin ins Blut und machen uns müde und antriebslos.
Anders als einige Vierbeiner können wir der einsetzenden Wintermüdigkeit nicht ausgiebig frönen: Dachs und Co. verkrümeln sich im Bau und fallen für drei bis sieben Monate in Winterschlaf. Für den homo oeconomicus keine Option. Wobei das, nebenbei bemerkt, eine ziemlich wunderbare Sache wäre, denn die Viecher verbrauchen ihre Fettreserven im Schlaf!
Wir dagegen müssen uns wohl oder übel dem Winter stellen – daher hier die Tipps der Psychologin Fischbach gegen den miesen Herbst-Blues.
Tipps gegen Wintimacy
1. Schokolade essen. Juhu! Diesen Rat wollten wir immer schon mal bekommen. Macht aber wirklich Sinn, denn: Durch den geringen Lichteinfall sinkt der Serotoninspiegel, der besonders wichtig ist fürs körperliche und seelische Glück. Schokolade regt die Produktion dieses Botenstoffes an und verursacht so einen relativ lang anhaltenden Stimmungsanstieg. Also: Ran an die Tafel!
2. Bewegen. Sport macht tatsächlich glücklich, wie Forscher unlängst bewiesen. Unter körperlicher Bewegung produziert das Gehirn ein natürliches Antidepressivum. In Extremform erleben dies Ausdauersportler beim so genannten Runners High. Aber auch Normalsportliche profitieren von der euphorisierenden Wirkung: Ob joggen, schwimmen oder Yoga – Hauptsache, aktiv.
3. Verabreden. Nicht nur ein Partner kann das gestiegene Nähe-Bedürfnis stillen. Gute Freunde schaffen das auch. Der regelmäßige Austausch gibt Intimität, Vertrauen und das Gefühl, nicht allein zu sein. Soziale Kontakte zu pflegen ist daher besonders im Winter Pflicht. Nach einer Studie australischer Wissenschaftler haben Freunde starken Einfluss auf unsere Stimmung und unser Selbstwertgefühl.
4. Licht tanken. Sonne macht glücklich. Und sich im Herbst ganz schön rar. Für den Fröhlichkeitskick sollten wir uns daher eine Extraportion Licht gönnen: Zuhause mehr Lampen als nötig einschalten, Kerzen anmachen oder ausnahmsweise auf die Sonnenbank gehen. Garantiert kalorienfreier Stimmungsheber.
5. Glück in die Hand nehmen. Fühlen Sie sich nicht als Opfer; nehmen Sie die Partnersuche selbst in die Hand. Es gibt viele Millionen Singles, die meisten von ihnen verspüren jetzt einen hohen Bindungswunsch. Sorgen Sie dafür, dass Sie sichtbar sind: Auf Partys, Ausstellungen, in Bars. Im Winter sind mehr Singles als Paare abends unterwegs – nutzen Sie die Chance!
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1 Kommentare (älteste zuerst)Da kann ich nur zustimmen! Jetzt, wo es langsam wieder herbstlich, kalt und dunkel wird, will man einfach nicht mehr allein sein! Im Sommer ist das bei mir immer gar kein Problem: nach der Arbeit geh ich entweder sporteln oder treff mich noch mit Freunden im Biergarten. Jetzt werden die Treffen in der Woche deutlich weniger und wenn man im Dunkeln nach Hause kommt, locken nur noch Sofa und Fernseher. Einziger Stimmungsheber: Schokolade und überall Kerzen anmachen, damits gemütlich wird!