Hohe Ansprüche an sich selber sind grundsätzlich sehr lobenswert. Dienen sie meist als Rückenwind, um sich persönlich weiterzuentwickeln, selbst gesetzte Ziele zu erreichen oder sich gesund und fit zu halten. Hohe Ansprüche an die Partnerschaft sind ebenfalls positiv zu sehen.
Denn wer eine lebendige, kommunikative und konstruktive Partnerschaft wünscht und erwartet, der fühlt sich häufig motiviert, viel selber dazu beizutragen. Im Mittelpunkt steht das Miteinander. Die Qualität ist somit von beiden Partnern abhängig.
Schwierig wird es, wenn die Ansprüche und besonders die äußerst hohen Ansprüche nur an den Partner gerichtet werden. Oft gilt der Grundsatz: Wer selber viel zu bieten hat, darf auch viel vom Gegenüber fordern. Nachvollziehbar! Die Bilanz wäre demnach ausgeglichen. Menschen neigen nämlich dazu, ihre Partnerschaft unter dem Blickwinkel „Was investiere ich, was bekomme ich zurück“ bewusst und unbewusst zu bilanzieren. Weist diese Rechnung auf lange Sicht eine Schieflage auf, steigt die Unzufriedenheit. Wer also seine Ansprüche überwiegend in die Verantwortung des Partners legt, hat schnell den Schuldigen ausgemacht, wenn es nicht mit dem großen Glück klappt. Es liegt am Partner, es war einfach nur nicht der Richtige, also muss er verlassen werden. Klipp und klar und die beste Lösung.
Dem ganzen liegt die Illusion zugrunde, dass mit dem Anspruch an den perfekten Partner auch die perfekte Partnerschaft garantiert wird. Doch das ist ein gehöriger Trugschluss. Ob es die perfekte Partnerschaft auf Dauer gibt, sei mal dahin gestellt. Ein gutes Maß an Toleranz gegenüber Schwankungen und Klimawechseln ist sicherlich ein entscheidender Beziehungskit. Das wichtigste ist jedoch, nicht eine Anspruchsschablone auf den Partner zu legen und einseitig zu schauen, ob er in dieses Raster passt, sondern mit seinem Gegenüber in Beziehung zu gehen, also konkret zu schauen, was mit diesem einen Partner für eine Beziehung möglich ist.
Wer seine Ansprüche an einen Partner sehr hoch hält ohne Verhandlungsspielraum, läuft nicht selten Gefahr, Beziehung zu verhindern – ob bewusst oder unbewusst, möglicherweise aus Angst vor einer berührenden Begegnung.