Hallo Redaktion,
ich habe einen Österreicher kennengelernt, ich bin Schweizerin. Anfangs lief es ganz gut mit den Mails. Doch plötzlich erhielt ich weniger Mails. Daher schrieb ich ihm, ob es vielleicht nicht besser wäre, wenn wir den Kontakt ganz abbrechen würden.
Da ich dies eher als Interessenlosigkeit taxiere. Schließlich will nicht nur ich schreiben, sondern auch Antwortmails erhalten.
Prompt erhielt ich auf diese Mail die Antwort, dass er dies nicht möchte. Des Weiteren teilte er mir mit, wann er in die Schweiz reisen würde und fragte mich, ob wir uns dann treffen könnten. Er würde sich darüber sehr freuen. Ich gab ihm meine Adresse und Telefonnummer in der Schweiz und teilte ihm mit, wann genau ich Ferien habe und ihm die Schweiz gerne zeigen und dass ich mich sehr freue würde.
Ich hörte seitdem nichts mehr von ihm. Ich habe vier Tage lang vergebens gewartet. Er gibt keine Antworten mehr. Warum verhalten sich Männer so?
Ich habe ihm jetzt noch eine Mail geschrieben, dass er mich nie mehr kontaktieren soll, wann immer er in der CH ist. Denn mit dem "Sitzen lassen", hat er mir sein wahres Gesicht gezeigt. Und das reicht mir einmal absolut. Des Weiteren fand ich es absolut daneben, dass er keine Info gab. Vor allem habe ich ihn auf die Interesselosigkeit und Kontaktabbruch eine Woche vorher angesprochen!
Warum müssen Männer immer so fies sein?
Danke & Gruss
Marta*
*Name von der Redaktion geändert
Antwort: Kommunikation verläuft wie beim Ping-Pong-Match!
Hallo Marta,
in der Tat eine sehr unschöne Erfahrung, enttäuschend und ärgerlich zugleich. Doch zunächst das Positive: Nicht alle Männer verhalten sich so und müssen auch nicht immer so fies sein. Glücklicherweise gibt es mehr Ausnahmen. Doch negative Beispiele schüren den Eindruck, solches Verhalten ist eher den Männern zuzuordnen und typisch für sie. Sicherlich nur ein schwacher Trost für Sie, schließlich sind Sie die Leidtragende und durch dieses egoistische und rücksichtslose Verhalten verletzt worden.
Ohne weitere Einblicke bleibt mir nur eine Annäherung an das ganze Geschehen und das Beleuchten der Hintergründe. Eine definitive Erklärung wäre nur Spekulation. Sie haben sich ganz richtig verhalten. Verändert sich plötzlich ein anfänglich rund laufender Emailaustausch, ist das ein Anlass, dem auf dem Grund zu gehen. Da haben Sie sich ganz richtig auf ihr Bauchgefühl verlassen.
Wenn sich die Atmosphäre verändert, der lockere und lebendige Austausch zäher wird, die Frequenz abnimmt und man feststellt, dass die Kommunikation vorrangig durch die eigene Initiative am Leben gehalten wird, sind das alles aussagekräftige Indizien, dass etwas im Kennenlernprozess nicht rund läuft. Denn wird das Ganze von beidseitigem Interesse getragen, dann läuft die Kommunikation meist von selbst. Sie ist wie ein Ping-Pong-Match, es gibt ein ausgewogenes Hin und Her, selten wird auf die Goldwaage gelegt, wer mehr schreibt, öfter anruft oder mehr SMS schickt. Sobald die Augzählerei beginnt, der Prozess stockt, es dafür keine plausiblen Gründe wie Krankheit, beruflicher wie privater Stress oder Auslandaufenthalt gibt, sollte man ein Auge darauf werfen und sich fragen, woran das liegen könnte. Meist ist es wirklich abflauendes Interesse. Also am besten ansprechen und sich den eigenen Gefühlen entsprechend abgrenzen. Das hat die Chance, Klärung zu schaffen oder Verhalten zu reflektieren.
Für den Österreicher war das Anlass, scheinbar mehr Energie in den Kontakt zu legen und konkreter zu werden. Leider nur scheinbar. Es gibt Menschen, die sich angespornt fühlen, ihr Gesicht zu wahren, konfrontiert man sie mit ihrem Verhalten. Es geht ihnen dann meist um den guten Eindruck, ihr Image und nicht so sehr um wahre Gefühle. Zum anderen mögen es viele nicht, wenn man sie vor vollendete Tatsachen stellt und ihnen die Tür vor der Nase zuschlägt. Auch wenn viel Wahres an dem geäußerten Vorwurf ist und vielleicht genau der Tatsache entspricht, halten sich einige gerne alle Optionen offen. Das kann etwas mit Machtspielen zu tun haben, zu schauen, wie weit man gehen kann. Unfair ist es allemal.
Vielleicht sind die Gründe aber auch ganz anders. Dieser Herr hat plötzlich jemanden anderen kennengelernt oder ihm ist bewusst geworden, dass er doch keine Fernbeziehung möchte. Sehr bedauerlich, wer in einer solchen Situation nicht die Courage und das Rückrat besitzt, dies offen und ehrlich anzusprechen und ein wartendes Gegenüber derart zu verletzten.
Um sich davor zu schützen, wäre es ratsam, ein solches Treffen weniger dem Zufall zu überlassen und bei einem erlebten Stimmungsbruch wie bei Ihrem Kontakt verbindlicher in der Planung zu werden. Besser wäre, zum Telefon zu greifen und sich konkret zu besprechen. Aus Ihrem Leserbrief lese ich, dass Sie nie mit einander telefoniert haben. Ich empfehle, nach einigen Emails nicht zu lange zu warten und den Hörer in die Hand zu nehmen. Auf jeden Fall vor dem ersten Treffen, denn am Telefon erfährt man so viel mehr von einem Menschen als nur über das geschrieben Wort.
Ich hoffe, dass Sie diese Enttäuschung schnell überwinden können.
Alles Gute wünscht Ihnen
Ihre Lisa Fischbach