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Was in deutschen Schlafzimmern wirklich passiert (Teil VII)
Was in deutschen Schlafzimmern wirklich passiert (Teil VII) (Kategorie: Sexualitätsblog)
55.000 Personen wurden für eine Sexstudie zu ihrem Liebesleben befragt.

Im Zusammenhang mit den neuesten Erkenntnissen zum Thema Sex – aber auch in Bezug auf viele andere Forschungsbereiche, z.B. die Hirnforschung – ist ein Phänomen offenbar unaufhaltsam am zunehmen: der Trend, alles mit der Evolution erklären zu wollen.

So auch bei der Untersuchung der Frage, ob Männer wirklich "immer nur das Eine wollen" und der Geschlechtsakt für sie "ein unbeherrschbarer Trieb" sei. Dazu wurde mal wieder ein so genanntes "Lockvogel-Experiment" durchgeführt, bei dem Männer mehr oder weniger deutlich von einer fremden Frau zum Sex verführt werden sollten. Die Reaktionen auf dieses unmoralische Angebot werden nun – seien sie positiv oder negativ – mit unserem angeblichen biologischen Verhaltensrepertoire begründet. Der "Drang nach Fortpflanzung" sei einfach zu groß – bei der positiven Reaktion. Oder, wenn der Mann ablehnt, eine "umtriebige Frau sei für ihn einfach ein unkalkulierbares Risiko".

Na, da haben es sich ja die Evolutionsbiologen mal wieder einfach gemacht. Wie man es dreht und wendet – für jede Verhaltensreaktion haben sie die für sie und ihr System passende Erklärung bereit. Dabei habe ich das – mit Verlaub – schon im ersten Psychologiesemester vor 30 Jahren gelernt: die "Anlage-Umwelt-Diskussion" geht unentschieden aus. Genetische Dispositionen mögen vorliegen, auch biologische "Programme", die die Grundmuster unseres Verhaltens steuern – all das aber wird variiert durch kulturelles und persönliches Lernen und durch die Umwelt. Nur kurz dazu ein interessantes Beispiel aus dem Gebiet der Intelligenzforschung:

In einem Experiment versuchte man, das räumliche Vorstellungsvermögen von Frauen zu testen, gemeinsam mit einer männlichen Vergleichsgruppe. Die Männer schnitten zunächst besser ab, als die Frauen. Nachdem man aber in einem zweiten Durchlauf den Frauen vorher gesagt hatte, es würde etwas ganz anderes gemessen, gab es fast keinen Unterschied mehr zu den Männern. Fazit: die Frauen verhielten sich so, wie sie unbewusst glaubten, dass es ihnen entspricht bzw. von ihnen erwartet wird. Dieses Ergebnis zieht sich durch sehr viele Studien hindurch. Menschen neigen dazu, sich unbewusst an die an sie gestellten Erwartungen und Normen in ihrem Verhalten anzupassen. Wenn sie – wie in dem beschriebenen Experiment – auf eine "falsche Fährte" gelockt werden, wird dieses einschränkende Verhaltensmuster plötzlich aufgehoben und ein ganz anderes Verhalten kann zum Vorschein kommen.

Genau das gleiche mag gelten, wenn bei Frauen nachgeforscht wird, ob ein Mann als potentieller Sexpartner in Frage kommt. In diesem Experiment sollten Frauen allein anhand der Statur und des Ganges eines männlichen Gegenübers ihre Entscheidung treffen: die Männer waren komplett maskiert. Angeblich trafen die Frauen dann ihre Auswahl nach der Höhe des Testosterongehaltes des Mannes. Auch hier wurden wieder zur Begründung biologische Programme ins Feld geführt. Unsere Kritik aber ist dieselbe: die Frauen waren instruiert, die Männer auf ihre "Männlichkeit" bzw. sexuelle Attraktion hin auszuwählen. Damit war aber wieder eine ganz bestimmte Erwartungshaltung an die Auswahl- und Entscheidungskriterien der Frauen verbunden. Möglicherweise hätten sie sich anders entschieden, wenn das Experiment in einen anderen Zusammenhang gestellt worden wäre.


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