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“Weder lieben, noch hassen” enthält die Hälfte der Weltklugheit?
“Weder lieben, noch hassen” enthält die Hälfte der Weltklugheit? (Kategorie: Liebesblog)
Wie aktuell ist Schopenhauer ..?

Weder lieben, noch hassen" enthält die Hälfte der Weltklugheit: "Nichts sagen und nichts glauben" die andere Hälfte.

Der Mann, der dieses Zitat prägte, starb vor 150 Jahren und gilt als einer der großen Pessimisten der Philosophenzunft. Das ist leicht nachvollziehbar, wenn man Sätze Schopenhauers liest, wie: "Sitzen ist besser als stehen, und liegen ist besser als sitzen: Besser als liegen ist schlafen, und besser als schlafen ist todt seyn." Wurde jemand mit diesem Lebensgefühl, nie von der Liebe eben darin hinterfragt?

Ohne ein Schopenhauer-Experte zu sein, finde ich die Frage interessant, wie sich intellektueller Pessimismus und die Liebe miteinander vertragen. Schopenhauer selbst lehrte die Weltabkehr, als Weg zur Erlösung. Inspiriert von Buddhismus und Vedanta, erklärte er die Welt zum Jammertal und hielt Glück für eine Illusion. 

Ich persönlich würde Schopenhauer als "unerleuchteten Buddha" bezeichnen. Wohl sagte er: "Alle wahre und reine Liebe ist Mitleid, und jede Liebe, die nicht Mitleid ist, ist Selbstsucht." Aber wie mitfühlend war dieser notorische Einzelgänger, der sich in Selbstgesprächen erging und sich in unbeschreiblicher Verachtung über das weibliche Geschlecht ausließ als Mensch?

Ich habe Schwierigkeiten, Mitgefühl in der Äußerung zu sehen, dass die "einfachen Menschen" die "Fabrikware der Natur" seien. Auch seine Herabwürdigung der Liebe, weil sie im Geschlechtstrieb wurzele, lässt ihn mir nicht als liebevollen Menschen erscheinen.  

Umso interessanter ist deshalb, dass dieser Verächter der Weiblichkeit an unglücklichen Lieben, zu zum Teil blutjungen Frauen reich war. Also nahm Amor sogar einen Mann wie ihn erfolgreich unter Beschuss. Aber seine Pfeile wirkten wohl nicht öffnend und besänftigend auf Schopenhauer, denn sonst hätte er sich etwas positiver zum Thema Partnerschaft geäußert. Ein Zitat wie: "Heiraten heißt, mit verbundenen Augen in einen Sack greifen und hoffen, dass man einen Aal aus einem Haufen Schlangen herausfinde.", stempelt ihn endgültig zum Theoretiker, denn wie wollte er als lebenslanger Junggeselle das wirklich beurteilen?  

Wenn einer DER Leitsätze Schopenhauers "Die Welt ist meine Vorstellung" war, wie konnte er übersehen, dass sein Pessimismus deshalb viel über ihn selbst verriet und nur wenig über eine objektive Wirklichkeit? Wenn er Glück als Illusion erkannte, wieso nicht auch das Leiden? Und wieso störte ihn der geschlechtliche Wurzelgrund der Liebe so sehr, dass er ihren metaphysischen Teil übersah?   Schopenhauer hielt viel von Meditation und empfahl zur vorübergehenden Erlösung vom Schmerz die reine, "willenlose" Betrachtung eines Gegenstandes. Wieso entging ihm die Möglichkeit einem geliebten Menschen meditativ und damit auch ohne Selbstsucht zu begegnen? Mitten im Gewühl der eigenen Leidenschaften und im mitunter zähen Ringen des Paarlebens den anderen wieder das sein zu lassen, was er ohne unser enttäuschtes an ihm Zerren einmal war und auch durchaus wieder sein könnte, wäre doch ein spannender Ansatz, der viele Ideen Schopenhauers auf neue Art zusammenführen würde.  

Vielleicht ist es ja genau das, wozu uns die Liebe aufruft?


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