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Wenn der Kopf nein sagt, das Herz aber weiterhofft
Wenn der Kopf nein sagt, das Herz aber weiterhofft (Kategorie: Partnersucheblog)
Um die Wippe der Gefühle zu beenden, hilft meist nur Zeit oder noch mehr Klarheit.

Kürzlich in meiner Praxis: Eine Frau (56) hatte einen sympathischen Mann übers Internet kennengelernt. Schnell stand der Wunsch im Raum, sich zu treffen. Er war Witwer und hatte seine Frau nach langer Krankheit vor einem halben Jahr verloren. Sie war Inhaberin einer kleinen PR-Agentur und hatte gleiches Schicksal erlebt. Ihr Mann war vor drei Jahren an einem Herzinfarkt verstorben.

Da beide sehr gerne ihre Freizeit in der Natur verbrachten, wurde sich auf einen Spaziergang am Rhein verabredet. Ein wirklich netter Nachmittag, der nach drei Stunden nur enden musste, weil der Immobilienmakler noch zum Geburtstag seiner Mutter musste. Das nächste Date war bereits für das kommende Wochenende vereinbart, als von ihm eine SMS eintraf: „Ich muss unser Treffen absagen. Mir ist klar geworden, dass du meiner verstorbenen Frau zu ähnlich bist…“. Das war’s! Wow, das hat gesessen. Treffer in die Magengrube.
Das ist eine deutliche Absage. Ob der Grund vorgeschoben ist oder nicht. Da sagt einer, er will nicht mehr. Eigentlich leicht verständlich. Der eigene Kopf versteht die Botschaft und sagt: “Ok, abgehakt, hat eben keinen Sinn!“ Doch es bleibt der Wunsch, der kleine Funke, dass dieser Mann gut passen könnte. Gedanken kreisen, was wäre, wenn es doch noch eine Chance gäbe im Falle, man würde nur noch mal die richtigen Signale senden oder eine kleine Offensive starten. Sollte man so eine Möglichkeit einfach ins Land verstreichen lassen, ohne sie zu nutzen? Schließlich fing das Ganze so vielversprechend an.

Nun hat man das Dilemma: Der Kopf sagt nein und vermittelt, dass alles keinen Sinn macht. Hier noch mal was zu investieren, ist doch bloße Anbiederei. Hingegen hört das Herz nicht auf, Ruhe zu geben. Da macht sich Hoffnung breit, Sehnsucht ist der Motor. Selten kann der Kopf das Herz beherrschen und kontrollieren. Es scheint selbständig zu sein. Immer wieder aus der Reihe zu tanzen und zu „denken“: „Es wirkte so stimmig, wieso klappt das nicht?“

Deutlich zu sehen und noch viel mehr zu spüren: Hier sind sich zwei nicht grün. Kopf und Herz sind im Clinch. Im Kopf, besser gesagt im Großhirn, sitzen unsere Ratio, unser Über-Ich, der Wille und die Vernunft. Dort wohnt auch der Wächter, der auf uns aufpasst und sachlich Chancen und Risiken abwägt, Bilanz zieht. Sachlich bewahrt uns der Neokortex vor einem Gesichtsverlust und schaut skeptisch auf den Return on Invest.
Was vermeintlich im Herzen angesiedelt scheint, sitzt eher in unserem Mittelhirn. Hier entstehen unsere Gefühle. Hier ist der Ursprung für Sehnsucht und Hoffnung sowie der Wunsch nach Liebe. Obwohl das Großhirn evolutionsbiologisch betrachtet der jüngste Teil unseres Gehirns ist, heißt das noch lange nicht, dass es die Macht über die älteren hat. Ganz im Gegenteil. Der durchsetzungsstärkste Teil in unserem Kopf ist sogar noch älter. Das Stammhirn. Der Ort, an dem unsere Reflexe, Instinkte, sexuellen Triebe und die autonomen Körperfunktionen gesteuert werden.

Bei der Struktur wundert es nicht, dass Herz und Kopf oft im Widerstreit sind und sich nicht einigen können. Dann erlebt man zwei Herzen in seiner Brust und ein stetes Hin und Her. Um die Wippe der Gefühle zu beenden, hilft meist nur Zeit oder noch mehr Klarheit. Ein Anruf, um noch einen Versuch zu starten, der abgelehnt wird, bringt selbst das sehnsuchtsvolle Herz zum Schweigen. Oder – wie in diesem Fall – den Mann dazu, über seine Angst vor alten Gefühlen zu springen und sich doch auf eine Fortsetzung einzulassen.


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