1. PTBS und frische Beziehung

    Hallo an alle,

    Ich schreibe hier, weil ich im Moment nicht weiß, wie ich mit meiner momentanen Situation umgehen soll.

    Ich habe vor ein paar Wochen einen Mann kennengelernt, es hat auf Anhieb gefunkt, seit knapp zwei Wochen sind wir offiziell ein Paar. Er hat mich auch schon seiner Mutter und vielen seiner Freunden vorgestellt, also eigentlich alles gut:)
    Jetzt zu meinem Problem: Ich leide an einer Posttraumatischen Belastungsstörung, ausgelöst durch schlimme, anhaltende Ereignisse in meiner Familie (Gewalt durch meine Mutter ect.) Im letzten Jahr hatte ich das ganz gut im Griff, mir ging es deutlich besser, vor einer Woche ist durch verschiedene Ereignise alles wieder hochgekommen, ich fühle mich tief erschöpft, bin verzweifelt und nichts erinnert gerade an die unbeschwerteren letzten Monate, so wie mein Freund mich auch kennengelernt hat. Er weiß auch inzwischen über die groben Umstände Bescheid und kennt die Diagnose. Nur hat er keine Ahnung, wie schlecht es mir wirklich geht, was ich ihm auch ungern zeigen möchte, da ich Angst habe ihn zu verlieren.
    Ich bin auch schon aktiv geworden, war bei meinem Arzt, aber es wird gerade immer schlimmer.

    Wie würdet ihr im Bezug auf den Freund reagieren?
    Komplette Offenheit oder eher mehr Rückzug?
     
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  3. Wie wirkt sich deine PTBS auf deine Beziehungsfähigkeit aus? Hast du durch deine PTBS z.B. einen besonders ausgeprägten Wunsch nach Autonomie (Distanz und Rückzug) oder führt sie zu einem besonders ausgeprägten Nähewunsch (Klammern und Kontrolle)? Gibt es andere Aspekte die beziehungsschädigend sein können? Wutanfälle oder depressive Sprachlosigkeit?

    Wenn eine dieser extremen Ausprägungen auf dich zutrifft solltest du in schnellsten darauf vorbereiten da es sonst passieren kann, dass er auf Abstand zu dir geht. Ein Rückzug deinerseits würde das Ende einleiten.

    Ist das nicht der Fall kannst du dich vorsichtiger daran heran tasten ihm dein Problem zu erklären.
     
  4. Liebe Amalia,

    Wie hat er denn reagiert, als du ihm von deiner Erkrankung erstmalig erzählt hast? Verständnisvoll? Wenn ja, würde ich dir Offenheit empfehlen, ohne jedoch jedes Detail zu erzählen, weil ihn das überfordern könnte. Wenn er dich wirklich liebt, steht er dir bei.

    Alles Gute!
     
  5. Was erwartest du von ihm?! Du solltest mit offenen Karten spielen. Das hast du ja bereits in dem du ihm die Hintergründe erzählt hast. Mehr kannst du nicht tun. Ein Außenstehender wird niemals wissen wie schlecht es einem psychisch kranken wirklich geht. Erwarte nicht von ihm, dass er dich rettet. Ob er dem stand hält, hängt vermutlich sehr von seinem Charakter ab. Es gibt Männer die können da sein, zuhören, halten. Es gibt Männer, die können das nicht so gut. Es gibt Patienten mit PTBS die bleiben bei sich, und es gibt welche die dazu neigen, die ganze Welt in die Schuld zu nehmen. Mit letzteren ist sicher deutlich schwerer auszukommen als mit den Menschen die bei sich bleiben. Warum erwägst du einen Rückzug?! Hast du Angst, er könnte gehen?! Macht es das besser, wenn du ihm die Entscheidung ab nimmst, ohne zu wissen wie lange die Episode dauert und ob ihr nicht vielleicht gut damit fertig werdet?!
     
  6. Liebe Amalia. So was in der Art wie Du habe ich auch. Ich war fröhlich, aufgeräumt und hatte ein sonniges Gemüt als ich meinen jetzigen Partner kennengelernt habe.

    Kaum habe ich das getan, kaum waren wir in einer tollen Beziehung, da hat mich meine Vergangenheit eingeholt, ich begann zu leiden wie ein Hund. Viel schlimmer als damals zu der Zeit, als ich mir die Störungen zugezogen habe.

    Die neue Beziehung hat mich extrem getriggert und massivste Verlustängste ausgelöst. Ich lebte in einem Honeymoon und litt wie ein Hund. So schlimm, dass ich mir gesundheitliche Probleme zugezogen habe. Es war sehr krass.

    Was ich getan habe: ich habe es mit mir ausgemacht, an mir gearbeitet, mir Hilfe geholt, habe um meine Gesundheit gekämpft. Ich bin zum Glück sehr reflektiert und sehr kontrolliert, so dass ich mir im Affekt nichts kaputt gemacht habe. Aber niemals ein Wort an ihn. Warum denn? Er ist nicht mein Therapeut und auch nicht der Verursacher dieser Störung. Aber, zum Glück, er gibt mir Sicherheit und an seiner Seite konnte ich so langsam aber sicher gesunden.

    Ausserdem wollte ich eine Beziehung auf Augenhöhe. Und diese Sache stand mir da sehr im Weg. Daher meine Verschwiegenheit.

    Nun geht es mir schon (naja, nach 4 Jahren) deutlich besser, nur gelegentlich kommt noch mal was hoch, aber mein Leben ist nun wieder leichter. Ich wünsche Dir Durchhaltevermögen und viel Kraft
     
  7. Liebe Amalia,

    Eine große virtuelle Umarmung.

    Jetzt erst mal durchatmen. Arzt, Therapeut, Dein Notfallprogramm. Was tut Dir gut, was brauchst Du JETZT. Was hast Du inzwischen für Skills, vielleicht hast Dein Therapeut / Therapeutin noch weitere Tipps?
    Fachliche Unterstützung bekommst Du dort.

    Das andere - zu Deiner Frage, ich ziehe Ehrlichkeit vor, ich sage auch meine Diagnose, wobei ich immer ergänze, wie es sich bei mir äußert, und was ich ggf. tue oder was ich brauche.
    Nicht brauchen tue ich einen Co-Therapeuten.

    Beziehungsfähigkeit - das ist immer die Frage. Solange Du das Jetzt vom Damals unterscheiden kannst, kommunizieren? Dich in einem sozialverträglichen Maß verhältst?
    Wie hat er es bis jetzt aufgenommen?
    Sei Dir zuliebe ehrlich, vielleicht solltest Du nicht die allerschwärzesten Gedanken mit ihm teilen, dafür gibt es die Therapie, und das kann wirklich schwierig werden , gerade wenn man sich nicht so gut kennt.

    Also , ich bin für Offenheit, habe damit positive Erfahrungen gemacht - und ich finde, ich bin es mir selbst schuldig. Zudem kostet es zuviel Energie, dann auch noch eine Fassade aufrecht zu halten.
    Wenn es ein Partner nicht mittragen kann, kann ich es akzeptieren, aber dann passt es nicht.
    Sei offen - und was ein Partner braucht, ist zu wissen, was Du dann bin ihm brauchst, was er tun kann, oder was nicht. Konkrete Ansagen.

    Vielleicht eine weitere Erfahrung, es wird besser und stabiler mit der Zeit, die Abstürze nicht mehr so tief, und auch nicht mehr so lang, und man weiß auch, wie man damit umgeht, man hat seine Skills.
    Ganz weg geht es nicht, das ist eine Wahrheit, die man akzeptieren muss, und auch ich habe meine Momente, da will ich einfach meine Ruhe - oder einen ExtraDrücker.
    Ich akzeptiere, was sich gerade meldet, gestehe mir den Raum zu, den es braucht, und dann ist es sehr schnell auch wieder gut.

    Bitte eines - verstehe es bitte richtig .
    Damals waren wir Opfer.
    Aber jetzt ist es UNSER Leben. Lass es nicht zu, weiter Opfer zu sein.

    Dir alles Gute.
    Und habe Geduld mit Dir, auch wenn es schwer ist.

    W, 49
     
  8. Ich hatte eine Beziehung mit einem Mann, bei dem das diagnostiziert wurde. Er hat in seiner Kindheit extrem schlimme Sachen erleben müssen und wurde früh Vollweise. Anfangs verschwieg er mir dies. Er erzählte nur, dass seine Eltern früh starben und er mal Depressionen hatte, diese aber längst überwunden seien. Die ersten Monate fühlten sich toll und normal an. Bei ihm hat die Verliebtheit dazu gefühlt, dass zu viele Emotionen hoch kamen und er wieder depressiv wurde. So erklärte er dies später. Er wurde distanzierter, gereizter und litt unter Stimmungsschwankungen. Seine Probleme waren ständig Thema, völlig egozentrisch. Ob wir uns sahen oder nicht und wie die Treffen verliefen; alles war von seinen Stimmungen abhängig.
    Für mich als Partnerin war es die Hölle. Ich habe sein Verhalten oft auf mich bezogen und war schließlich durch das Wechselbad der Gefühle total ausgebrannt.
    Im Nachhinein sagte er, er hätte nie eine Beziehung anfangen sollen, weil er andere Menschen runter zieht. Und so war es auch.
    Ein Blick auf seine Beziehungsbiografie hätte mir eine Warnung sein sollen.
    Ich würde jedem mit einer psychischen Erkrankung empfehlen, erstmal an sich zu arbeiten, bevor man eine Beziehung eingeht.
     
  9. Liebe FS,

    ich habe auch chronische PTBS, Depressionen, Borderline, ADHS, Bindungsstörungen, extrem introvertiert, etc...
    Vieles trifft auf mich überhaupt nicht zu und ich gestalte mein Leben dennoch aktiv und sorge dafür, dass ich jeden Tag gut für mich gesorgt habe.

    Ich bin deswegen weder Beziehungsunfähig, noch sonst nicht in der Lage, langfristige und stabile Verbindungen aufzubauen und zu halten, ganz im Gegenteil.

    Ich habe für meine Person keine Bedenken, mich in Zukunft auf einen möglichen Partner einzulassen.

    Man muss ganz bei sich bleiben und darf den Partner nicht als 'Auffangs- und Defizitsausgleichstation' betrachten, sondern muss gerade deswegen, die Verantwortung für das eigene Gefühlsleben übernehmen, auch als psychisch kranker Mensch.
    Es entbindet mich nicht davon, Verantwortung für mich zu übernehmen, oder mein Verhalten zu reflektieren.
    Das Gegenteil ist der Fall!

    Einem verständnisvollem Partner gegenüber konnte ich mich mitteilen, über meine Trigger sprechen und Vertrauen fassen.
    Aber ich wiederum muss auch die Grenzen meines Partner respektieren, er ist nicht mein Therapeut und nicht dafür zuständig, mich aus einem Tief zu holen, dass muss ich schon selber machen.
    Dann kann auch alles rund laufen.

    Wichtig ist, zu erkennen, in wie Weit man ihn da einbeziehen kann und wie Wichtig es ist, eine externe professionelle Person an seiner Seite zu haben, bei der man alles lassen kann und die dann auch Hilfestellungen gibt.
    Wie schon erwähnt, der Partner ist nicht dafür da, dass alles aufzufangen, auch wenn er sicher gerne unterstützt.

    Offenheit ist Wichtig, aber eben nicht jede Befindlichkeit auf ihn abladen, nicht jede Laune an ihm auslassen.
    Bleibe im Gespräch sachlich und für ihn nachvollziehbar in Deinen Argumenten, benenne klar, was Du gerade benötigst, z.B. eine weile Ruhe um die Akkus aufzutanken, ohne Szene, Tränen, Türenknallen oder allgemeinen Schuldzuweisungen.
    Bleibe immer ruhig, überdenke, was Du sagen möchtest, bevor Du es sagst, schreib es notfalls zuerst nieder, denn Worte können schnell gefallen sein und können dann auch nicht mehr gutgemacht werden, im schlimmsten Fall.

    Dein neuer Partner hat mit dem was in Deiner Verhangenheit vorgefallen ist, nicht das Geringste zu tun, er verdient eine faire Chance, wie ich sie von ihm ja auch bekommen möchte.

    Wenn Du diese Partnerschaft möchtest, dann musst auch Du Deinen Beitrag leisten, damit sie gelingen kann.
    Tue es nur, wenn Du auch bereit dazu bist, denn sonst läufst Du Gefahr, zum Trauma für einen anderen Menschen zu werden.

    Ich wünsche Dir alles Gute :)
     
  10. Du schreibst, ihr kennt euch erst einige Wochen, das heißt, alles ist noch sehr frisch zwischen euch. Seltsam, dass du dich dann plötzlich so mies fühlst, obwohl es dir vorher besser gegangen ist.

    Ganz gleich welche Ereignisse dazu geführt haben, dass es dir jetzt schlecht geht, du bist gerade in einer glücklichen Beziehung und und dein Freund gibt dir Halt, - wie kannst du dich dann tief erschöpft fühlen und verzweifelt sein, anstatt das Zusammensein mit deinem Freund zu genießen? Die Sache mit deiner Mutter ist Vergangenheit ist und hat nichts mit deiner Gegenwart zu tun.

    Man muss mit Dingen aus der Vergangenheit auch mal abschließen können. Tut man das nicht, kann man nie eine unbeschwerte Gegenwart oder Zukunft leben. Du kannst nicht erwarten, dass ein anderer Mensch etwas mit dir trägt, was er nicht will oder kann. Es würde eine Beziehung immer belasten.

    Du weißt nicht, ob du deinem Freund erzählen sollst, warum es dir so schlecht geht. Da er sicher mitbekommt, wie du dich verändert hast, wirst du es ihm sagen müssen, selbst wenn er sich daraufhin von dir trennen sollte.

    Wenn du bereits bei deinem Arzt warst, es aber trotzdem immer schlimmer wird, belastet das eure Beziehung bereits jetzt, weil er nicht verstehen kann, warum du erschöpft und verzweifelt bist und vielleicht denkt, es würde an ihm liegen.
     
  11. Liebe FS,

    ich weiß aus eigener Betroffenheit genau wovon Du redest. Du hast ihm gesagt, was es zu sagen gibt - das reicht, jetzt und später. Mit den Details sollte man seinen Partner nicht belasten und sich selber nicht beschamen und auch nicht schwächen, indem man die alten Klamotten immer wieder hochholt sondern seine Energie dareinstecken, die alten Sachen geschickter zu handeln. Das bedeutet: ansehen was Dir den Boden unter den Füßen weggerissen hat und dafür sorgen, dass das nicht mehr passiert. In der Regel lernt man das in einer Therapie, der eine schneller, der andere langsamer.

    Beziehung können stabilisieren oder destabilisieren. Es ist gut, wenn man seine Schwachstellen kennt und sie zu managen weiß. Auf manche Dinge kippt man eine dicke Schicht Beton und hofft, dass sie die eigene Restlaufzeit überdauert - ähnlich wie Umgang mit atomaren Katastrophen.
    Andere Dinge sind beweglich und die bekommt man nie zugeschüttet, d.h. lernt sie aktiv zu managen.
    Wenn es einem immer wieder die Füße wegreisst und ein neues eigenes gutes Leben verhindert, dann ist ein probates Mittel der komplette Kontaktabbruch, inkl. Änderung von Adresse und aller Kontaktdaten nicht nur zu den Tätern sondern auch zu allen anderen, die nicht bereit sind, Dich darin zu unterstützen und Informationen zu verweigern. Darin darfst Du Dir keine Ambivalenz leisten sondern musst fähig sein, das richtig durchzuziehen.

    Die Frage ist: was hat Dich in der letzten Woche umgehauen und wie sieht der zukünftige Umgang damit aus? Wenn irgendwas an dem Mann den Rückschlag ausgelöst hat, dann bist Du zu früh eine Beziehung eingegangen und/oder hast den falschen Mann.

    Ich habe ebenfalls mit einer komplexen PTBS zu tun - hat in der Beziehung/Ehe keinerlei Auswirkungen, weil ich einen Mann habe, der meine Schwachstellen nicht belastet.
    Vorher hätte ich das Gegenteil als Ehemann - hätte mich fast ins Grab gebracht.
    Kein Partner kann Dir Sicherheit geben. Die musst Du in Dir selber finden.
    Gut ist ein Partner, dem Du nichts erzählen muss sondern der sich selber kümmert, das Ganze zu verstehen, in der Art und Weise und dem Ausmaß, wie es gut für ihn ist und der so eine charakterliche Grundausstattung hat, dass er keine dauerhafte Stressquelle für Dich ist.

    Ich denke, Du hast die PTBS noch nicht ansatzweise im Griff. Das ist keine gute Basis um in neue Beziehungen zu starten, denn dann hast Du nicht nur mit der akuten PTBS zu tun, sondern auch noch auf der Beziehungsebene massive stressausloesende Faktoren. Das ist zu viel, löst Wechselwirkungen aus und verhindert, dass es Dir substanziell besser geht.
     
  12. Das wird der FS im Grunde klar sein. Bloss Trauma und andere psychische Lasten bekommt man nicht per Fordern "reiss dich mal zusammen" oder "stell dich nicht so an" in den Griff. Wäre das anders wären es keine psychischen Störungen.

    Ganz typisch für viele Störungsbilder ist die Suche nach menschlicher Wärme, Nähe, Zuwendung und Geborgenheit. Ist dies quasi greifbar kommt es aus unterschiedlichsten Gründen zu verschiedensten Abstossungsreaktionen.

    Oft begeben sich solche Menschen auch in von Anfang zum Scheitern verurteilte Scheinbeziehungen. Projektion täuscht dann zunächst darüber hinweg, dass es nicht klappen kann. Die eigene Angst um Autonomieverlust führt dazu, dass Menschen die Nähe zulassen können keine Chance bekommen.

    Wie die FS diesbezüglich selbst aufgestellt ist und was hinsichtlich ihres Freundes real oder doch nur Projektion ist, ist uns völlig unklar. Ihr selbst ist es aber vielleicht doch viel klarer als wir denken und ggf. deswegen zögert sie mit ihm zu sprechen.
     
  13. Das Eine hat mit dem Anderen nichts zu tun.

    Sicher kann so eine Phase durch ein Erleben in der Gegenwart angetriggert werden, manchmal sieht man den Trigger - was gut ist, weil man dann leichter reagieren kann, aber oft genug geschieht es. Manchmal sogar gerade. Wenn es einem gerade richtig geht. Das macht es für einen selbst dann richtig schwierig , man versteht es ja selbst nicht, macht sich Vorwürfe.

    Mir hat mal jemand erklärt, dass solche Themen dann hoch kommen, wenn man dazu bereit ist, sie zu bearbeiten, wenn die Zeit reif ist. Man also belastbar genug ist, die Gefühle und Bilder aushalten kann.
    Da ist einiges Wahre dran. Wobei es dann im Realen eben nicht unbedingt aushaltbar ist.

    Zum Abschließen braucht es Geduld, man kann einiges dafür tun, aber es sind Prozesse, die brauchen Zeit und sind nur begrenzt steuerbar. Bilder kann man eher noch be- und verarbeiten, aber wie Gefühle, die man vielleicht nicht mal benennen kann, nur so intensiv sind, dass sie sprachlos machen?
    Es gibt den Satz - Gras wächst nicht schneller, weil man daran zieht.

    Was einem als Betroffene*r bewusst sein muss, es ist für einen selbst schwer fassbar, alleine dafür braucht es schon Therapie, und gute Traumatherapeut*Innen sind rar.
    Außenstehende tun sich noch schwerer.
    Deswegen braucht es die Offenheit.

    Genau so.
    @Avida - danke für diesen Post. Jedes Wort würde ich unterschreiben, setze ich für mich um.
    Es kann rund laufen, und es kann gut werden.

    Avida, und ganz persönlich, ein großes Kompliment an Dich, Du bist eine tolle Frau.

    W,49
     
  14. Mag sein, dass mir das emphatische Verständnis für diese "Trigger" fehlt, weil ich nie mit Therapie oder Therapeuten zu tun hatte.

    Bei keinem Menschen läuft im Leben alles rund, auch bei mir nicht, nur habe ich auch ohne Therapie aus meinem Erlebten gelernt und nach einer gewissen Zeit damit abgeschlossen. Meiner Ansicht nach sollte man Erlebnissen oder Personen aus der Vergangenheit nicht den Raum geben, einen noch in der Gegenwart zu verletzen oder einem bis in die Zukunft zu folgen. Was vorbei ist, ist vorbei . Wenn man nie loslässt, würde man immer Opfer bleiben. Was wäre das für ein Leben?

    Bei dem Beitrag der FS ist mir aufgefallen, dass ihre Beschwerden nach dem Eingehen der Beziehung aufgetreten sind und sich trotz aktuellem Arztbesuch sogar verschlimmert haben. Sie hat nicht erwähnt. welche Ereignisse "wieder hochgekommen" sind, doch sollten ihre neue Beziehung oder der neue Mann der Auslöser sein, dann wäre beides nicht gut für sie, auch wenn sie es nicht wahrhaben will.
     
  15. Nur mit der Offenheit hast du eine kleine Chance, anders überhaupt nicht!
     
  16. Danke, liebe @Lionne69, ich kann dieses Kompliment nur an Dich zurückgeben.

    Noch mal zur FS:

    Ein Vorposter schrieb, dass es ja einen Grund geben muss, weswegen es ihr heute schlechter geht, wie vor der Beziehung.
    Das hatte ich beim Lesen des Postings nicht realisiert.

    Das klingt in der Tat nicht gut und hier sollte die FS auch ansetzen und für sich reflektieren, ob eine Partnerschaft zum jetzigen Zeitpunkt auch das Richtige für sie ist, oder ob sie sich zunächst nicht erst mal intensiv um ihre Stabilisierung bemüht.

    Denn das ist einer der ganz wichtigen Faktoren, sich zu stabilisieren, seine Impulse im Griff zu haben, bzw. zu bekommen, zu lernen, auch mit einem harten Lebensweg zu leben.

    Wie ich schon erwähnte, was man Menschen mit meinen Diagnosen so nachsagt, trifft auf mich in Vielem nicht, oder nicht mehr zu.
    Das ist das Ergebnis von jahrelanger Arbeit an sich selbst.

    So wie die FS schreibt, ist sie vielleicht noch gar nicht bereit für eine Partnerschaft mit all ihren Herausforderungen, sonst würde es sie nicht so sehr aus der Bahn werfen.

    Vielleicht ist hier einfach noch ein wenig mehr Arbeit an sich selbst notwendig.

    Ganz genau, lieber @Ejscheff.

    Ich habe in meiner Kindheit, bis ich ca.20 Jahre alt war nicht einen unbeschwerten Tag erleben dürfen.
    Ich kenne nichts als Hass, Ablehnung, seelische Grausamkeiten, Verhewaltigungen und Missbrauch in jeder Form und Facette.

    Meiner Mutter bestätige ich neben einet schweren narzistischen Störung auch noch puren Sadismus.

    Das schüttelt man nicht einfach ab, nach dem Motto: jetzt reiss Dich mal zusammen.

    So funktioniert das nicht.
    Das ist ein langer Weg....
     
  17. Liebe AmaliaS

    Du hast hier einige sehr schöne Beiträge erhalten (@Avida , @Vikky , @Lionne69 und andere).
    Ich würde da einfach ergänzen: Erst mal Ruhe bewahren, einen Gang runterschalten.
    Eure Beziehung ist sehr frisch und du kennst schon die Eltern! Und er schon deine Diagnose.
    Kann es sein, dass ihr beide euch gerade etwas heftig in diese Beziehung gestürzt und du dich damit überfordert hast?
    Ich sage das bloss, weil ich habe definitiv keine PTBS, aber letztes Jahr hat mich eine neue Beziehung auch in ein plötzliches Loch gestürzt. Durch diesen neuen Menschen in meinem Leben war ich plötzlich emotional viel verletzlicher geworden (alle Hoffnungen, Befürchtungen etc. wieder aufgewirbelt), ich konnte schlechter schlafen, habe in der Freizeit zu viel Zeit mit ihm verbracht und hatte wenig anderen Ausgleich zur Arbeit. Da war ich zwischendurch auch sehr erschöpft und wusste gar nicht, wie mir eigentlich zumute ist und woher das kommt. Eine Beziehung einzugehen, das ist ein nicht zu unterschätzender Anpassungsprozess, der auch Kraft kostet. Ich weiss nicht, wie andere Menschen das machen, dass sie immer nur "Honeymoon" empfinden. So war es bei mir nie, selbst nicht in den Fällen, wo die Beziehung dann länger gehalten hat.
    Es wäre interessant zu erfahren, ob diese Ereignisse etwas mit der neuen Beziehung zu tun haben, oder davon unabhängig sind.
    Ein bisschen von beidem. Ich würde mir, wenn ich emotional so aufgewühlt bin, etwas Zeit für mich und meine Stabilisierung nehmen. Dies würde besser gehen, wenn ich mich ein paar Tage zurückziehe, dann habe ich nicht den Druck, dass ich mit dem Partner kommunizieren und auch noch seine Bedürfnisse wahrnehmen muss.
    Und gleichzeitig würde ich aber offen kommunizieren, dass ich das jetzt zur Erholung brauche und die Beziehung trotzdem weiter führen möchte.
     
  18. So einfach ist da nicht @piepegal

    Bei PTBS handelt es sich um eine Erkrankung, für die es eine genaue psychiatrische Diagnose gibt, nach ICD. Das hat nichts damit zu tun, was Gesunde willentlich beeinflussen können, wie "der Vergangenheit keinen Raum zu geben" oder "loszulassen". Bei Menschen, die daran erkranken, oder an anderen psychiatrischen Diagnosen, kommen oft mehrere Faktoren zusammen: eine genetische Disposition, Resilienz, also die psychische Widerstandsfähigkeit, Lebensumstände und anderes. Oftmals ist dies nicht heilbar, aber bei guter Therapie kann man lernen, dass die Krankeit einen nicht mehr aus der Bahn wirft.
     
  19. Zwischen "nicht immer alles rundlaufen" und einer PTBS, besonders einer komplexen PTBS (d.h. über lange Zeit x-fach wiederholte schwer traumatisierende Erlebnisse) liegen Welten. Resp. wenn Letztere in der Kindheit stattfand, hat sie durch den permanenten Hochalarm Veränderungen in den Hirnstrukturen und im vegetativen Nervensystem zur Folge, sodass dieses auf bestimmte Reize die mit negativen Vorerfahrungen assoziiert sind sofort wieder in den Maximalstress springt. Darum kann man damit nicht abschließen.
    Diese biologischen Veränderungen können weder durch Medikamente noch durch Psychotherapien vollständig zuruckgebildet sondern nur teilweise durch kognitive Umstrukturierungen abgeflacht werden. Daher hilft nur, einen Lebensstil zu führen, der die negativ wirkenden Reize nicht beinhaltet und sich einen Werkzeugkasten zuzulegen, mit dem man die Reaktion auf Reize kontrollieren kann.
    Dieses Toolset muss sich jeder (mit therapeutischer Unterstützung) selber erarbeiten, denn jeder Mensch hat anderes erlebt und ist von vornherein genetisch/biologisch anders ausgestattet. Dafür gibt es keine Standards und oberschlaue Therapeuten, die das behaupten sind Frustquelle und verursachen viele Verschlechterungen - Wiederholung alter Ohnmachtserfahrungen.

    Wenn ein Reiz Flashbacks auslöst, dann ist garnichts vorbei sondern wird im Hier und Jetzt erneut körperlich durchlebt (Stresslevel, Blutdruck etc). Es ist harte Arbeit, das auszuhalten.
    Sorry, aber wenn Du von der Materie keine Ahnung hast, dann hör doch wenigstens auf mit Opferblaming.

    Übrigens muss man nicht alles loslassen, manches erledigt die Zeit von allein - den altersbedingte Tod der Taetergeneration habe ich als sehr heilsam erlebt.

    Mein Eindruck ist, dass die FS erst ganz am Anfang der Traumabearbeitung steht. Da ist es normal, dass die Dinge aus dem Ruder laufen und dass es nach dem Arztbesuch schlimmer wird, weil wieder alles aufgebrochen wird, der Doc sich nur hinsichtlich Suizidaelitat absichert und der Patient 20 Minuten später aufgewühlt zauf der Strasse steht.

    Später, wenn die FS wiederholt erfahren hat, dass es irgendwie weitergeht und ihr so ein Arztbesuch eher schadet als nützt, geht sie nicht mehr hin sondern zieht aus einem gut bestückten Werkzeugkasten, was ihr in der Situation nützt.

    Verliebtheit hat was mit starken Gefühlen zu tun, man öffnet sich, ist emotionaler und somit leider auch viel empfänglich für Trigger.
     
  20. Hey,
    Ich war in einer ganz ähnlichen Situation wie du. Kam mit meiner Freundin zusammen, ich war stabil in der Zeit wo wir zusammen kamen.

    Dann gerade als alles gut bei uns war und sie sich immer stärker an mich bindete, da ging der ganze Kram bei mir wieder los.

    Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass du Angst hast mit dem Partner darüber zu reden.

    Tat ich anfangs auch nicht, ich tat auf stark und meinte alles wird gut bla bla.

    Bei mir ist es leider schlecht ausgegangen. Heute vermisse ich sie auch immernoch (Trennung war Anfang Januar) zu Neujahr...super.

    Naja jedenfalls habe ich gemerkt wie es immer abwerts ging, aber ich hielt die Illusion von ,,der starken Partnerin die sich von ihrer Krankheit nicht unter kriegen lässt,“ aufrecht.

    Ich redete kaum mit ihr darüber wie es mir wirklich geht, aus Scham ich wollte sie nicht als meinen Therapeuten, sondern als Lebenspartner an meiner Seite. Ich wollte ihr ne starke Stütze sein.

    Aber ich machte mir selber was vor. Es endete damit, dass ich mir ,,ne Auszeit“ nahm und mich an da gar nicht mehr meldete.

    Eigentlich null mein Stiel...aber auch ich bin nicht perfekt.

    Jedenfalls will ich dir den Tipp geben, mit deinem Partner zu sprechen. Du musst ihm ja nicht sagen ,,Oh Schatz, hilf mir aus meiner Ptbs raus. Welche Skills helfen mir? Kannst du mich gesund machen?“

    Es reicht, wenn du ihm offen mitteilst, dass es dir gerade nicht gut geht.

    Sag ihm, dass du Angst hast vor Ablehnung und du auf keine Fall eine Beziehung willst, die aus ,,wie sieht unsere nächste Therapie Stunde aus“ bestehen soll.

    Du solltest ihm ehrlich sagen, wie du di hoch fühlst.
    Akzeptiere dich und deine Krankheit. Die Illusion von Dir ganz perfekt zu sein, die wirst du auf Dauer sowieso nicht aufrecht erhalten können.

    Mach nicht den Fehler wie ich und halte das Ganze so lange aufrecht, bis du völlig überfordert bist und nur noch weglaufen als Ausweg siehst.


    Wichtig ist definitiv, dass er versteht. Weswegen du eben vielleicht in Zukunft auf Distanz gehen könntest.

    Wenn er es weiß, dann wird er viel besser da it umgehen können.

    Glaub mir, es ist besser als krank angesehen zu werden als als das größte A.loch und feige.

    Denn wenn du nicht mit ihm sprichst, wird er dich automatisch als A.loch abstempeln.

    Vorausgesetzt natürlich, du distanzierst dich ohne Worte von ihm, wegen deiner privaten Probleme.

    Sowieso musst du wissen, wer dich so nicht akzeptiert, der ist eh nicht der Richtige. Wie heißt es ,,Lieben und ehren in guten wie in schlechten Zeiten.“ ;)

    Alles Gute dir
     
  21. Hallo Amalia,
    zu deiner Krankheit kann ich gar nichts sagen.
    Was ich aber sagen kann, ist, was ich als Mann mir von dir wünschen würde:
    Du hast ja bereits den Weg der Offenheit gewählt, was mir persönlich sehr gut gefällt. Und nun zum Wunsch - gib ihm die Möglichkeit, von einer dritten Person mit Fachwissen eine Art "Handlungsanleitung" zu bekommen. Nicht jedes Detail ist wichtig, aber eine Erklärung, was dir gut tut und was eben nicht. Was kann er machen - um eben nicht hilflos daneben zu stehen.
    Gute Besserung
    Tom
     
  22. Komplette Offenheit. Mit Rückzug verstärkst Du den Eindruck, den Du sowieso schon machst und das für ihn nicht erklärbar. Folge ist, dass er zurückgehendes Interesse Deinerseits annimmt und die Beziehung beendet.
    Er kennt Dich ja aus der Zeit vorher und damit besteht die Chance, dass Du mit seiner Unterstützung wieder auf die Beine kommst.
     
    • # 21
    • 16.04.2019
    • frei
    Ja, bei mir ist es auch eher sowas.
    Aber wir reden hier, wenn ich es richtig verstehe, von wirklichen Traumata, nicht von dem Mist, den viele Leute erleben mussten.

    Wir reden von solchen Kindheiten.
    Und wir reden von Kriegsheimkehrern und Folteropfern.
    Ich verstehe die FS so, dass es bei ihr eher etwas in dieser Richtung ist.
    Und, ohne auch nur das Geringste davon zu verstehen, denke ich, dass solche echten Traumata nicht irgendwann einfach weg oder besser sind, auf dass man ein normales Leben und/oder Partnerschaft führen kann.

    Ich denke, dass Menschen, die soviel Schlimmes erlebt haben, mit Recht vor allem um sich selbst kreisen. Sie müssen ja irgendwie überleben und das erfordert sicher ungeheuer Kraft.
    Es ist zu viel verlangt, dass sie in einer Partnerschaft viel geben können, sie brauchen für sich alle Liebe, Unterstützung, Verständnis, Zuwendung.
    Das finde ich vollkommen legitim und nachvollziehbar. Nicht nachvollziehbar finde ich allerdings, wie jemand darauf kommen kann, dass ein fremder, neuer Mensch ihnen das alles geben soll.
    @carpe beschreibt unter #6, wie eine solche Beziehung abläuft und was es mit ihr machte.

    Ich verstehe sehr gut, dass die FS und andere Menschen mit deutlichen Problemen auch sehr gerne eine Beziehung führen möchten, erst recht, dass sie sich nach Liebe sehnen, aber ich fände es unfair, wenn sie dies über die Bedürfnisse des anderen stellten, der ja ebenfalls eine schöne Beziehung haben möchte.
    Daher mein Apell: bitte nicht nur an euch denken, auch wenn es verständlich ist, sondern auch an den anderen.
    Genau.

    Bitte sage ihm also schonungslos offen, wie es bei dir aussieht und was dir für die Zukunft prognostiziert wurde, damit dein neuer Freund die freie Wahl hat zu entscheiden, ob er sich darauf einlassen möchte.
    Genauso als ob du Schulden hättest, oder Aids oder vorbestraft wärst oder....alles was relevant sein könnte.
    Wir finden es hier doch immer schlimm, wenn der neue Partner erst spät damit rausrückt, dass er noch nicht geschieden ist, aber das ist doch nichts im Vergleich mit dem Paket, das du zu stemmen hast.

    Bitte sei fair, ihr kennt euch erst ganz kurz, seid erst seit zwei Wochen ein Paar, das ist nichts. Man kann sich jetzt noch sehr leicht trennen.
    Gib dem Mann die Chance, selbst zu entscheiden, ob er dich auf deinem sicher noch lange Zeit schweren Weg begleiten oder lieber doch eine leichte, fröhliche, unkomplizierte Beziehung führen möchte.

    w 51
     
  23. Liebe AmaliaS,
    wenn es für Ihn, genauso wie für Dich, die richtig Entscheidung war und Ihr euch verliebt habt, dann sei offen zu Ihm, setzt euch zusammen uns sprecht über alles, wenn es der Richtige ist dann wird es Ihm egal sein und er wird Dir zur Seite stehen...in guten wie auch in schlechten Zeiten...das macht eine ehrliche und echte Partnerschaft aus. Gib Ihm die Chance und ziehe Dich nicht zurück.
    Ich wünsche Dir alles Gute viel Kraft und das "ER" derjenig ist der mit Dir zusammen "EUREN" Weg geht.

    Liebe Grüße
     
  24. Mir Opferblaming zu unterstellen ist völlig daneben.

    Ich hatte der FS geraten, darüber nachzudenken, wieso ausgerechnet jetzt die Krankheit wieder aktiv wurde und ob dies ggf. mit ihrer neuen Beziehung zu tun haben kann. Auch Offenheit ihrem Freund gegenüber halte ich für wichtig, unabhängig davon, um welche Krankheit oder Störung es sich bei ihr handelt. Der Partner sollte die Entscheidungsfreiheit haben, ob er damit umgehen kann oder will. Dieser Ansicht bin ich nach wie vor.

    Ich war betroffen, von den näheren Ausführungen anderer Foristen über die PTBS und bin dankbar, von einer solchen Störung bisher verschont geblieben zu sein.

    Wenn jemand derart schwere Traumata verursacht, sind die rechtlichen Konsequenzen für so einen Täter, wie ich es bisher in den öffentlichen Medien mitbekommen habe, viel zu gering, wenn man davon ausgehen kann, dass das Opfer u.U. ein Leben lang darunter zu leiden hat.
     
  25. Das sehe ich auch so.

    Liebe @piepegal, sei froh, von Derartigem verschon geblieben zu sein.

    Es hat so enorme Auswirkungen auf das Leben, die eigene Persönlichkeit etc...

    Ich bin dann irgendwann auf die Strasse geflohen, war lieber Odbachlos, wie 'zu Hause' habe nicht mal einen Schulabschluss.

    Das ganze Leben ist bis in die Grundfesten verpfuscht und alles, was man sich aufbaut, ist ganz mühsam erarbeitet.

    Ich habe später zwei Ausbildungen gemacht, nix Dolles, aber es hat mich ernährt.

    Bei mir kommt noch eine körperliche Schwerbehinderung dazu, ich habe seit fast 40 Jahren schweres Rheuma und vor einigen Jahren noch einen Tumor.

    Ich gehe jetzt in Frührente, ich habe geleistet, bis nichts mehr ging. Jetzt muss mal gut sein.

    Genau das tun sie aber meistens nicht, liebe @frei.

    Menschen mit meinen Krankheitsbildern und solchen Erlebnissen, schaffen es später nicht, sich abzugrenzen.

    Sie geben mehr, als sie eigentlich können, haben keinen Bezug zu ihren Bedürfnissen, besitzen oftmals nur eine rudimentäre Persönlichkeitsstruktur, weil eine Entwicklung jeder Art in der Regel konsequent unterbunden wurde.

    Ich kenne das selber und ich weiss auch wie das ist, für alles und jeden sein letztes Hemd gegeben zu haben, man sich nur für die Aussicht auf ein wenig Freundlichkeit schon vollkommen verdreht und bereit ist, sich anzupassen.
    Nur deswegen war es möglich, dass ich mich fast 20 Jahre lang komplett selbst verleugnen und nach Aussen eine völlig andere Persönlichkeit spiegeln konnte.

    Viele von uns können sich nicht abgrenzen, nicht 'Nein' sagen und sind damit perfekte Zielscheiben für emotionale Vampiere und Menschen, die nicht guttun.
    Oftmals landen wir wieder und wieder in Missbrauchsbeziehungen und zwar so lange, bis man selbst die Muster erkennt und bereit ist, sie durchbrechen zu wollen.

    Bis man das alles jedoch erkennt, ist es ein langer Weg. Ich werde 50 und i set my throne in ruins :)

    Menschen wie wir haben ein extrem hohes Anpassungsvermögen, das hat unser Überleben gesichert.

    Stabilität, das Wissen um eigene Wünsche und Bedürfnisse, das Freilegen der ureigenen Persönlichkeit, ist harte Arbeit, die nur mit viel Selbstreflektion erledigt werden kann.

    Ich selbst will aber stabil sein, dafür strenge ich mich jeden Tag an!
     
  26. Dieser Punkt ist denkbar, aber es muss keinen Zusammenhang geben. Das sollte Amalia für sich prüfen.

    In der Zeit, wo ich den Rucksack, den ich mittrug, entdeckte - vorher hatte ich das gut zugedeckt, bis die Fassade einstürzte - erlebte ich folgendes
    Mir begegnete jemanden, der mir sympathisch war, mit dem / der ich mich wohl fühlte, Freund*Innen, potentielle Partner, ein hilfreicher Therapeut - und mein System drehte durch. Das durfte nicht sein.
    Mir ging es besser, ich fand Sachen, die mir Freude machen, Kraft gaben, erlebte, es geht aufwärts - prompt folgte der nächste Dämpfer.
    Fast 5 Jahre konnte ich kaum / nicht mehr in die Berge - ein Hobby, das mir gut tut, das ich genieße, das ich immer zum Entspannen nutzte.
    Wenn ich es zumindest zum Startpunkt schaffte, dann versagten regelmäßig die Beine, trugen einfach nicht.
    Ich brauchte etliche Tricks, Behutsamkeit und Starrsinn, bis ich wieder oben war. Geholfen hat ab einem gewissen Zeitpunkt eine Begleitung, mir wäre es einerseits zu unangenehm gewesen, schlapp zu machen, und andererseits ist es das Gefühl der Sicherheit. Irgendwann mit fortschreitender Therapie war die heftige Zeit durch, die Tiefschläge verloren ihre Intensität.
    Erklärungen? Gab es nicht, ich verstehe es nicht, es waren Dinge, die mir Spaß machen, gut tun.
    Keine offensichtliche Trigger.

    Aber was ich weiß, geht es mir richtig gut, fühle ich mich wohl, habe ich richtig Spaß, dann zeigen sich immer wieder die anderen Anklänge - als ob es nicht sein dürfte.
    Ich weiß nur jetzt, wie ich damit umgehe, und wie ich die Dimension auf ein erträgliches Maß reduziere. Nach außen nicht spürbar.
    Vor ein paar Jahren hat mir das sinnbildlich und real die Füße weggezogen.

    Amalia, was ich Dir damit sagen mag, man kann sich sein Leben zurück holen, die Qualitäten, die man möchte.

    Du brauchst nur für Dich momentan das Gefühl, ist es dieser reale Partner, der Dich stresst, dann tut er Dir definitiv nicht gut.
    Oder ist es etwas aus Deiner Vergangenheit, dann kannst Du daran arbeiten, und es ist eine Chance zum Hinschauen - mit Deiner Therapeutin.

    Ich gehe übrigens inzwischen - nach 7 Jahren Pause, 2 Jahre wieder herantasten - hochalpine Touren, wenn es passt.
    Und ähnlich geht es mit zwischenmenschlichen Kontakten.
    Dass mein Radar empfindlicher geworden ist, und bei manchen anschlägt - nach Realitätscheck real begründet - empfinde ich als Plus, Eigenschutz. Meinem Bauchgefühl kann ich inzwischen sicher vertrauen.

    W,49
     
  27. Liebe Frei,

    Sorry, Du weißt, dass ich Dich sehr schätze und mag. Aber hier hast Du Recht. Du hast keine Ahnung.
    Ich habe auch diese Diagnose komplexe PTBS, und nach intensiver Therapie , vhabe ich abgeschlossen, wo es ging, und für anderes meine Tools - wie es auch @Vikky beschreibt.
    Ich lebe, ich lache, ich fühle, ich genieße und liebe.
    Ich bin engagiert, hier in der Gemeinde, ehrenamtlich, und politisch. Nicht zur Ablenkung, sondern weil es mir Spaß macht.
    Zwischendurch moderierte ich mal eine Selbsthilfegruppe.
    Ich übernehme Verantwortung, gestalte, initiere.

    Ich kreise nicht um mich selbst, ich achte nur für mich darauf, dass ich nur Dinge mache, die mir gut tun, oder zumindest nicht schaden. Achte auf meine Grenzen.
    Das Allerletzte, was ich wollen würde, wäre ein Partner, der mich umsorgt und betütteln möchte, oder meint er muss mir alles abnehmen.

    Für mein Leben bin ich ganz alleine verantwortlich. Und meine Ziele realisiere ich alleine.

    Liebe @frei, jeder Mensch ist anders, und Menschen, die nur um sich kreisen, Energie rauben, etc. gibt es jenseits irgendwelcher Diagnosen .

    Im Gegenteil, ich weiß, dass diejenigen , die es geschafft haben sich mit dieser Diagnose wieder ein "normales" Leben aufzubauen ist oder es sich zu bewahren, nicht nur achtsam mit sich umgehen, sondern auch mit ihrer Umwelt.
    Gerade die Angst, für andere eine Last / Belastung sein zu können, eine Zumutung, ist ein häufiger Grund für Suizidalität bei dieser Diagnose.

    Dass es während der Therapie und gerade am Anfang schwierig bis unerträglich ist, und dann auch für Partner schwierig ist unbenommen.
    Denn das ist leider so.
    Und Du stehst da, und musst damit wieder klar kommen. Da brechen auf der Gefühlesebene Staudämme.

    W,49
     
  28. Liebe Avida,
    Respekt, wie du trotz deiner gesundheitlichen Beeinträchtigungen dein Leben meisterst. Als Außenstehende bin ich geschockt, wenn ich von solchen Erlebnissen höre, wie du sie beschrieben hast. Hoffentlich kannst du alles etwas ruhiger angehen lassen, wenn du jetzt in die Frührente kommst. Alles Gute!
     
  29. Liebe @frei , sehr empatisch aber weitgehend falsch. PTBS bedeutet eher Entfremdung von sich selbst und die Folge ist das Gegenteil von kreisen um sich selbst. Weil man die eigenen Gefühle und Erinnerungen nicht aushalten kann, spaltet man sie ab und bietet anderen viel mehr Raum ihre trivialen Befindlichkeitsstoerungen entfalten zu können - mit negativen Folgen.
    Sie verlangen in einer Partnerschaft eher nicht zuviel sondern zu wenig und so denkt die FS ja auch als erstes an Rückzug um ihrem Partner nicht mit ihrer Existenz zu belasten.

    Ich werde eher aggressiv als dass ich Verständnis, Unterstützung und Rücksichtnahme fordere - genau das Gegenteil vorheriger Ohnmachtserfahrungen, maximale Autonomie.
    Glücklicherweise habe ich einen Mann, der sich sehr gut damit auskennt und jedem Reiz mich ungefragt zu entlasten widersteht, abwarten kann, dass die Krise vorbei ist oder ich irgendwas einfordere.

    s.o. Irrtum, Du verwechselst PTBS mit Dramaqueen. Jemand mit einer komplexen PTBS hat erlebt, dass er von anderen nichts Gutes zu erwarten hat. Der hat mit Sicherheit keine grossen Erwartungen an sein Gegenüber, eher das Gegenteil - siehe die FS, will ihn im vorauseilenden Gehorsam entlasten von ihrer Existenz obwohl er sich garnicht über Belastung beschwert hat.

    Definitiv nicht. Sag nur soviel, wie Du unbedingt sagen musst. Wenn andere Menschen in der Vergangenheit Dir Deine Würde genommen haben, um ihre Perversionen auszuleben, musst Du das durch falsche Offenheit nicht erneut durchleben sondern kannst Dich abgrenzen. Erzähl nur das absolute Minimum was zu keiner Reaktivierung des Desasters führt.

    Lass Dir nicht einreden, dass eine PTBS gleichwertig mit selbstverschuldeten Sachen wie Aids, Schulden und begangenen Straftaten ist - ist es nicht. An Dir wurden Verbrechen begangen.
    Der Partner entscheidet, ob Du als Mensch für ihn wertvoll oder eine unzumutbare Belastung bist.
     
    • # 29
    • 17.04.2019 um 09:10 Uhr
    • Laubsk
    Seltsam. Jeder zweite Themensteller oder dessen Partner hat hier irgendeine "Störung". Keine Ahnung, was in deinem Fall das beste wäre. Ihr kennt euch ja auch noch kaum. Also eine tragfähige Basis wird eher nicht vorhanden sein.
    Hier wird viel über "Passung" geschrieben, und dass man sich eben in der Kennenlernphase trennt, wenn es nicht passt. Wenn der andere ständig irgendwie beeinträchtigt ist, frage ich mich, weshalb man das Kennenlernen weiter intensivieren sollte?
     

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