1. Wie ist der Sinn von Beziehungen, die auseinander gelebt sind?

    Hallo Foristen,
    ich würde mich freuen, wenn ihr mir schreiben könntet, was Menschen aus eurem Leben zusammenhält, die sich eigentlich nichts zu sagen haben.
    Ich nehme das Phänomen nicht nur bei Paaren wahr, sondern auch oft zwischen Freunden. Beide Betroffene sind überhaupt nicht auf einer Wellenlänge, aber treffen sich regelmäßig. Es besteht aber von außen betrachtet kein Grund wie eine familiäre Verbindung.
    Manchmal frage ich mich was passieren würde, wenn beide Partner/Freunde im Lotto gewinnen würden. Würden sie dann immer noch zusammen sein oder wird der andere nur benötigt, weil man sich keine aktuelle/zukünftige Unterstützung/Pflegekraft/Haushaltshilfe leisten könnte oder aus Angst darüber, was andere Menschen denken könnten.
    Vielleicht ist es auch einfach die Gewohnheit und man hat kein Interesse oder keine Kraft etwas am eigenen Leben zu ändern. Ist es eine Abhängigkeit? Danke für eure Ideen. w,33
     
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  3. Zum einen kannst Du von außen eine Beziehung nicht beurteilen.
    Der Dritte nimmt von außen das schweigende Paar im Restaurant als auseinander gelebt wahr.
    Das Paar versteht sich dagegen als vertraut, mit Verstehen ohne Worte und miteinander auch Schweigen können.

    Zum anderen verbindet auseinander gelebt Paare und Freunde dennoch viel. Gemeinsame Erlebnisse aus der Vergangenheit. Angenehme Begleitung und Vorteile un der Gegenwart, auch wenn man sich auseinander lebt.

    Gerade in ganz langen Beziehungen und Freundschaften entwickelt man sich natürlich auch immerwieder auseinander. Wenn Du Dich da jedes Mal trennst, wirst Du keine langen Beziehungen oder Freundschaften gaben.

    Es gibt Lebensphasen, in denen man unterschiedliche Dinge im Kopf hat. Z.B wenn die Singlefreundin mit einer verheirateten Jung-Mutter befreundet ist.

    Wenn Du merkst, dass ihr Euch auseinander lebt, wäre es eigentlich notwendig, dass Du wieder mehr Gemeinsamkeiten in die Beziehung bringst.
     
  4. Interessantes Thema, was mich ein Leben lang schon in Atem hält. Die allermeisten Menschen können nicht mit sich selber alleine sein, das ist die Ursache vieler zwischenmenschlichen Probleme! Deshalb lieber mit jemand sich treffen egal ob Wellenlänge nicht passt, statt alleine zu sein!
    Stimme nicht nur dieser Aussage zu, sondern deinem gesamten Beitrag, das sind auch meine Erkenntnisse, die meisten Beziehungen sind im Außen - und im Zweck orientiert, wenn der Zweck nicht mehr erfüllt wird, scheitert sie! Bei größerem Lottogewinn verändert sich ebenso einiges!
    Es sind starke konditionierte Gewohnheiten, die von klein an erlebt werden, man sieht ja ständig, was andere machen und daran wird orientiert, mangels eigene Lebensentwürfe, man möchte auch nicht auffallen und auch viel lieber in der Komfortzone bleiben, ist bewuemer. Bei mir ist das völlig anders, habe schon sehr früh erkannt, dass ein solches Leben mich nicht beglückt und habe es sehr oft immer wieder umgekrempelt und mache das hin und wieder immer wieder. Entwicklung hängt mit Veränderungen zusammen, die meisten Beziehungen gehen auch deshalb schief, weil sich Beide nicht gemeinsam passend weiter entwickeln, so meine Erkenntnis!
     
  5. Gerade in Bezug auf Freundschaften kann ich für mich sagen, dass ab einem gewissen Punkt auch die Zeit, die diese Freundschaft besteht, an sich einen Wert hat. Empfinde ich so bei zwei Grundschulfreundinnen, mit denen ich noch in Kontakt stehe, obwohl wir eigentlich nichts mehr gemeinsam haben außer der gemeinsamen Zeit (ok, und jetzt haben wir alle selber Kinder). Ich könnte mir nicht vorstellen, mich wöchentlich stundenlang mit ihnen zu treffen oder so, dafür würde mir dann wirklich die Wellenlänge fehlen, aber nichtsdestotrotz ist mir der Erhalt des Kontakts wichtig.
     
  6. Es ist gerade umgekerht. Doch gerade von Außen lässt sich das sehr gut beurteilen für den, der die Körpersprache deuten kann. Sehr viele Paare haben sich nach gewisser Zeit nicht mehr viel, bis nichts mehr zu sagen, man sieht ihnen ihre Langeweile förmlich an, verliebte Paare und Paare, die sich lieben, haben sich hingegen sehr viel zu sagen, das ist nicht zu übersehen!
    Ich sehe dies ausschließlich als Gewohnheit und Bequemlichkeit. Es macht für mich keinen Sinn zu bleiben, wenn man sich nichts mehr zu sagen hat, es ist vertane Energie und vertane Zeit, dann lieber erstmal alleine sein.
    Wenn Beziehungen nur mit einseitiger Anstrengung auf funktionieren und zweckbestimmt ausgerichtet sind, werden sie früher oder später scheitern, und wie länger jemand in einer solchen Beziehung ausgeharrt hat, umso größer sind die Probleme für eine neue Beziehung!
     
  7. Ich denke, dass deine Gleichung zu einfach ist. Es ist zu einfach gedacht. Viele Beziehungen gehen auseinander obwohl alles eigentlich gut ist und andere Beziehung bleiben bestehen, obwohl die Leute sich auseinander gelebt haben. Männer gehen fremd, obwohl sie beteuern, dass sie ihre Frauen über alles lieben und manch anderer Mann bleibt in einer "auseinander gelebten Beziehung", obwohl er alle Gründe für eine Trennung hat. Vielleicht haben sich diese Leute gar nicht so sehr auseinander gelebt, wie man vom Außen sehen mag. Vielleicht gibt es da etwas, was wir vom Außen nicht sehen können und nicht kennen. Da stimme ich Tomyi zu. Genauso ist es auch mit den Freundschaften und definiere erst einmal was du unter Wellenlänge verstehst. Du kannst mit Menschen befreundet sein, die im ersten Blick gar nicht auf deine Wellenlänge sind aber sie sind vielleicht lustig oder loyal oder freundlich und irgend etwas bei ihnen gibt es, was dich seelisch berührt und dir Kraft gibt. Versuch nicht in Schubladen zu denken und sei dir im Klaren, dass du die Biographie eines Menschen nicht kennst und deshalb kannst du die Beweggründe nicht verstehen.
     
  8. ich denke das kann viele Gründe haben. Es kann auch die eigene Unzufriedenheit sein, der Partner gibt einem aber Halt. dann fängt man vielleicht eher mal bei sich selber an, bevor man die Beziehung dafür verantwortlich macht.

    Manche Menschen bleiben bestimmt auch zusammen, einfach der Gewohnheit wegen und weil sie nicht alleine sein wollen.
    nur weil man nicht so glücklich mit der Beziehung ist, ist das noch lange kein Grund sich direkt zu trennen. Das kann auch eventuell überstürzt sein. Etwas, was mal so kostbar war, möchte man auch nicht direkt aufgeben.
    Und es schmerzt eventuell mehr, die Vorstellung nicht mehr bei dem Partner zu sein, als Mit ihm aber unglücklich.
     
  9. Liebe FS
    Wir alle beurteilen Beziehungen von aussen, aber ob diese zufrieden stellen, können wir nicht sagen. Denn es hängt auch von den Erwartungen der betreffenden Person ab. Und von den Vergleichswerten, Hoffnungen und Wertvorstellungen, die jemand mit sich bringt.
    Bereits die Priorität, die man einer Beziehung einräumt, schwankt von Person zu Person. Wieviele andere Parameter mögen einen da von anderen unterscheiden.
    Ausserdem habe ich den Eindruck, dass es sich in Beziehungen um komplexe Geflechte von Gefühlen und Motiven handelt.
    Man bleibt vermutlich nicht "nur", weil man faul ist oder weil man davon wirtschaftlich profitiert oder gerade nichts Besseres da ist. Es dürfte eine Mischung sein aus Gefühlen für den Partner, vorhandenem Nutzen, Gewohnheit, Angst vor Neuem, Mangel an Alternativen, Hoffnung auf eine Verbesserung der Beziehung etc.
    Zudem kann man ja auch Beziehungen schätzen, die ein wenig eingefahren sind. Die Routine kann immerhin Sicherheit vermitteln.
     
  10. Sind sie auseinandergelebt - oder meinst du das nur ?
    Das Paar, das sich ohne Worte versteht und bspw mit den Augen kommuniziert ? Das Paar, das sich die Freiheit eigener Interessen gönnt ??
    Der Freund, der einen schlechten Tag hat, stumm dabei sitzt und dennoch etwas von dem Abend hat - nämlich die Zugehörigkeit zu seinen Freunden .
    Wie willst du von aussen beurteilen können, was in diesen Menschen vorgeht ?
    V und ich - wir reden beim Essen kaum. Geniessen die Speisen, verstehen uns mit Blicken. Wir können das und mögen es beide so. Mein bester Freund und ich - wir sind beide Morgenmuffel. Brummen nur - und verstehen dennoch die Fragen, ob der Kaffee fertig ist oder wo die Zigaretten sind.
    Und nun ? Ist dein Weltbild ein wenig ins Wanken geraten ?
     
  11. Ich begegne in der Mittagspause immer wieder einem älteren Ehepaar in der Eisdiele. Sie kommen zusammen, die Tageszeitung wird geteilt und beide trinken lesend und schweigend ihren Kaffee. 30 Minuten später verabschieden sie lachend und freundlich die übrigen Gäste und sind wieder weg. Die haben sich dann auch nicht viel erzählt. Man könnte also annehmen, dass sie sich "nichts zu sagen haben".
    Ich habe den Eindruck, dass sie sehr zufrieden sind.
    Andere Paare machen das zu Hause am Frühstückstisch nicht anders.

    Wie beurteilst Du denn die Wellenlänge?
    Bei einigen Menschen ist DIE Wellenlänge ständige Reiberei, bei anderen einvernehmliches Schweigen.

    Bei langjährigen Freundschaften habe ich auch erlebt, dass sich die Bindung ändert in Abhängigkeit der eigenen Lebensumstände. Früher mit Kleinkind gab es eher Kontakte zu anderen mit Kleinkind.
    Meine beste Freundin ist kinderlos. Ausschweifende Gespräche über Kinderkram hatten wir früher daher nicht. Sie konnte in der Hinsicht nicht viel sagen, ich wollte sie nicht langweilen. Der Kontakt hat sich Jahre später wieder enorm verstärkt, als unsere Lebensumstände wieder ähnlicher wurden (u. a. durch pflegebedürftige Elternteile auf beiden Seiten).
    Uns hat aber immer die Gewissheit zusammen gehalten, dass wir Freundinnen sind. Dass die eine immer wusste, dass sie bei der anderen jederzeit klingeln kann. Auch wenn wir in unserer Freundschaft Zeiten hatten, bei denen andere gesagt hätten, die sind nicht auf einer Wellenlänge.

    Ich denke, dass viele Dinge verbinden:
    Gewißheit, Sicherheit, Gewohnheit, Vertrautheit, Freundschaft, oder auch nur Liebe.

    "... kein Interesse oder keine Kraft etwas am eigenen Leben zu ändern" ?
    Du würdest vll an deren Stelle etwas ändern. Weiß man immer, ob andere in ihrer eigenen Situation überhaupt unglücklich sind?
    Wenn einer von zweien unglücklich ist, wird er irgendwann etwas ändern. Bestenfalls mit dem Partner oder Freund zusammen.

    Mit einem Gewinn würde sich bestimmt bei vielen Menschen etwas ändern. Und viele Menschen haben solche Änderungen sicher auch nachträglich bereut.
    Ich kann mir vorstellen, dass die Ursache in der Überforderung begründet ist und nicht im Sinne von 'ich kann die Ehefrau jetzt abschaffen, weil ich mir jetzt Personal leisten kann '.
     
  12. Ich beobachte das auch und für mich gibt es zwei wesentliche Gründe:

    1. wirtschaftliche Abhängigkeit: gemeinsames Haus / einer arbeitet gar nicht oder Teilzeit und lebt vom Gehalt des anderen / Furcht vor horrenden Unterhaltszahlungen im Trennungsfall verbunden mit Lebensstil-Verlust

    2. gesellschaftlicher Zwang: Gerade im ländlich konservativen Raum ist eine Trennung auch heute immer noch ein Makel oder Stigma. Gesellschaftliche Norm: MAN TRENNT SICH NICHT. Als Alleinerziehende/r wird man abwertender behandelt, in der Schule haben die Lehrer sofort ein fertiges Bild im Kopf (bin selber Lehrerin und beobachte das), man gilt als gescheitert, die Kinder tun einem automatisch Leid. Das mag in Großstädten anders sein, aber in den allermeisten Gegenden herrscht dieses gesellschaftliche Bild vor.

    Als ich mich trennte, trauerte meiner Mutter nicht ihrem Schwiegersohn nach, auch sorgte sie sich nicht um meine Kinder. Ihre Aussage war: Ihr wart doch immer unsere Bilderbuchfamilie.,,
     
  13. Bequemlichkeit, Gewohnheit, finanzielle Benefits. Angst.
    Lieber in einer schlechten, vertrauten Beziehung als das Risiko Single mit der Befürchtung, nichts Besseres zu finden.
    Anpassung an vermeintlicher sozialer Norm, Angst vor Stigmatisierung. Religion, immer noch.

    M, 54
     
  14. Dies wären für mich drei Gründe, warum Menschen beieinander bleiben:

    - finanzielle Zwänge
    - familiäre Zwänge
    - ein unlebendiges Innenleben, Bequemlichkeit wird höher gewichtet als seelische/ intellektuelle Ansprache und Austausch

    Ich habe Freundschaften auch schon aktiv beendet, wenn es sich anfühlte, als würde man gemeinsam nur noch auf Sägemehl kauen.

    Das kommt wohl auf die emotionale Ausstattung an.

    Für den einen ist die Beziehung ein öder leerer Kerker , für den anderen ein Luxusloft.
     
  15. Das ist auch meine Beobachtung und der Grund dafür, dass viele Paare zusammen sind, obwohl sie selbst teils sogar sagen, dass keine Verbindung mehr besteht. Viele sagen auch offen, dass sie das Alleinsein fürchten, weil Alleinsein für den Menschen schwer ist.

    Ich habe Beziehungen, die nicht mehr passten, über kurz oder lang stets gekappt. Mit Männern, von denen ich nicht wirklich was will, fange ich nichts an. Ich kann das nicht. Jemanden küssen zu müssen, für den ich keine Gefühle habe, finde ich widerlich. Da kann ich nicht aus meiner Haut. Viele können das aber. Ich kenne sogar eine Freundin, die hat sich zu Beginn dazu gezwungen, ihren heutigen Mann zu küssen. Sie sind nicht glücklich verheiratet, aber zusammen. - Dafür, mich nicht auf Männer einzulassen, die ich nicht echt will, muss ich den Preis des Alleinseins zahlen. Und den Preis, in der Gesellschaft als "Aussätzige" wahrgenommen zu werden, weil ich mit 31 unverheiratet und kinderlos bin, obwohl alle um einen herum Familie gründen und sich binden. Man wird auch oft bedauert deswegen, was weh tut. Aber so ist es nun einmal.

    W31
     
  16. Liebe Foristen,

    vielen Dank für eure Antworten.

    Unter Wellenlänge verstehe ich:
    Das Denken und der Humor sind ähnlich. Man schätzt die Kommunikation mit dem anderen sehr, weil man merkt, dass es einem mehr gibt als mit dem Großteil der anderen Menschen, die denen man zu tun hat. Wenn beide beim Essen kaum reden wie von Tom beschrieben, ist man ja auf einer Wellenlänge, auch wenn man nicht redet.

    Genau aus diesem Grund habe ich die Frage ins Forum gestellt. Es ging mir nicht darum, nur Bestätigung meiner Ansichten zu lesen, sondern meinen Horizont zu erweitern und andere Menschen besser zu verstehen. Deshalb finde ich die Kommunikation/den Austausch in diesem Forum toll.

    Darüber habe ich auch nachgedacht. Von außen betrachtet können die Menschen in meinen Augen nur eine Zweckbeziehung führen. Ihre Gefühle füreinander könnten aber trotzdem sehr stark sein (zumindest von einer Seite). Einfach, weil sich einer oder beide damit zufrieden stellen, den anderen „zu haben“ und das sehr schätzen. So wie jemand der sehr hungrig ist, sich freut, wenn er Brot bekommt und nicht so wählerisch beim Essen ist. Ein anderer der jeden Tag Brot hat, schätzt das vielleicht weniger und möchte dann seine Bedürfnisse noch differenzierter befriedigt haben mit einer Auswahl an 10 unterschiedlich belegten Baguettes. Wenn beide nur das Bedürfnis haben, dass der andere Partner an ihrer Seite bleibt, dann sind beide allein mit dem Bestehen der Partnerschaft zufrieden.
     
  17. Ich kann für mich weder Punkt 1 noch Punkt 2 wie von Eliza100 geschildert bestätigen.
    Das mag daran liegen, dass von Seiten der Familie meines Ex wie auch bei meiner Familie fast alle entweder verwittwet oder mindestens einmal geschieden sind.
    Mein Exschwager ist dreimal geschieden, jeweils mit Kindern aus allen Ehen.

    Diese beschriebene finanzielle Abhängigkeit gibt es heute nicht mehr.
    Auch bei Haus und Hof kann man sich einigen.
    Und für Nichtarbeitende oder Teilzeitbeschäftigte gibt es sicher eine Lösung (im Zweifelsfall Arbeit).

    Ich war auch AE (mit Vollzeitjob), seit meine Tochter 11 Jahre alt war. Heute ist sie 19.
    Ich/wir haben von Bekannten, Kollegen und durch Schule oder durch Freunde meiner Tochter niemals irgendeine Abwertung erfahren!!!
    Im Gegenteil. Mir ist auch viel Hilfe angeboten worden.

    Wenn jemand eine Beziehung beendet, dann verletzt derjenige. Dazu muß erstmal Mut aufgebracht werden! Ich denke, dass ist dann die Zeit, die andere als die nicht mehr vorhandene Wellenlänge bezeichnen.
     
  18. Von Entwicklung kann mE nicht immer die Rede sein. Wir sind inzwischen so weit, dass nur noch eigene Befindlichkeiten im Vordergrund stehen. Die Menschen sind verweichlicht.
    Uns geht's doch allen zu gut. Kein wirklicher Notstand der uns zum Zusammenhalt zwingt. Wir haben nicht nötig, anderen zu zeigen, dass man sich auf wen verlassen kann. Heute wird doch nur noch verlassen.

    W, 46
     
  19. Liebe FS,

    ich bin in Interessenkreisen, wo es ganz normal ist, dass man seit 20 oder 40 Jahren zusammen lebt. Ich bin dort die einzige Unverheiratete. Zum Beispiel sind das Leute zwischen 50 und 70, die noch nie (oder kaum) das Internet benutzt haben. Ihr Möglichkeiten des Kennenlernens oder der Idee von dem, was es sonst noch so gibt, sind also grundsätzlich beschränkt, wenn man auch sonst nie in der Disko war und gar nicht der Typ dafür ist. Interesse ist dafür auch gar nicht da. SMS-Schreiberei gibt es fast gar nicht. Man redet noch verbal miteinander und zwar unverzüglich! Man greift nicht zum Handy, sondern man geht an der Haustüre vorbei! Man kauft nichts im Internet, sondern über "Connections", die man macht. Was deiner/unserer Generation enorm schwer fällt.

    Mit einigen dieser Leute treffe ich mich regelmäßig. Daher habe ich auch so gute Vergleichsmöglichkeiten. Diese Leute halten auch nichts von Veränderung, charakterliche Weiterbildung, Optik, Mode oder Ästhetik. Das ist ein Minuspunkt.

    Apropros "Kraft", diese Menschen leisten aus meinen Augen sehr viel und investieren alles in ihren Job und ihre Familie und machen auch nach Feierabend nicht Schluss und ziehen sich dabei in ihr Kämmerlein hinter dem PC zurück, wo man "lebt" und entspannt.

    Für mich wäre das alles auch nichts, weil ich nicht diese "Kraft" hätte, mich so viel der Familie und Verwandschaft zu widmen und dabei alles von mir aufzugeben. Also ja, es fehlt die andere Kraft (Energie/Möglichkeiten/Fähigkeiten), sich aus der Trägkeit der Beziehung zu bewegen, weil man seine eigenen Standpunkte und Werte nicht aufgeben will. Trotzdessen hat es nichts mit Schwäche zu tun. Diese Menschen müssen sehr viel aushalten in ihrem Konstrukt.
     
  20. Jetzt möchte ich mal eine Gegenfrage stellen, mit der ich mich sogar selbst provoziere, weil ich oberflächlich ja vermutlich anders denke.
    Aber wir wissen alle das es keine ausgeschriebene Perfektion gibt, nicht wahr?
    Uns provoziert die Aussage, „besser als nichts“ ja bestimmt fast alle.
    Aber wenn etwas für einige bis viele Menschen besser als nichts ist, warum machen sich Außenstehende darüber solche Gedanken? Wenn ich solche Paare beobachte, dann rate ich so vor mich hin, was die beiden verbindet.
    Und das Ergebnis ist immer das selbe.
    Ohne es je herauszufinden, es scheint besser als nichts zu sein.
    Und dann lächle ich und bin zufrieden.
    M48
     
  21. Und ich glaube das du dir, uns und deiner restlichen Umwelt selbst in die Tasche lügst.
    Das sind Ausreden die vor Einsamkeit kotzende Menschen herausblasen um nicht zugeben zu müssen, dass es anders ist.
    Menschen die wirklich mit sich zufrieden sind stellen nicht ständig Andersdenkende als lebensunfähig oder falsch dar.
    Leben und leben lassen, bedeutet das eigene Leben so gut wie es es zulässt, zu genießen und nicht in allem den Teufel zu sehen.
    M48
     
  22. Doch sogar ausschließlich!
    Es ist alles die Frage des eigenen Bewusstseins und des Bewusstsein des Partners und der stetigen, beidseitigen Weiterentwicklung, nur wenn das beidseitig stimmig ist und die beidseitige Nähe insgesamt gerne in Aufrichtigkeit und in Authentizität stattfindet, und gleichzeitig erfüllt, dann ist gut!
     
  23. Es verbindet in jedem Fall immer die Vergangenheit.
    Früher gemeinsam bewerkstelligte Aufgaben.
    Verliebtheit, Hausbau, Kinder... Immer was los.
    Stagnation und dann kommt
    Ja. Besser als nichts.
    Aber nur für eine Frage der Zeit.

    Trennungen sind in meinem Umfeld immer erfolgt, wenn andere der Meinung waren, 'wie kann das sein. Jetzt haben se doch alles' .... Nur keine Aufgaben mehr.
    Und der Weg zu dieser Erkenntnis ist der Zustand, besser als nix.
     
  24. Das empfinde ich auch so.
    In meinem Bekanntenkreis waren einige, die es auch so sagten:
    Sie können nicht gut allein sein. Verstanden habe ich das nie, aber es schein doch so zu sein.

    Viele Menschen fühlen sich innerhalb der Gruppe wohl, sie gehen ein in das geschäftige Brummen und Summen des Bienenstocks und fühlen sich aufgehoben.
    Denke, es kommt auf die geistige Tiefe an.

    Andere benötigen Phasen des Alleinseins, um sich zu entwickeln, für Kreativität, um sich selbst zu spüren. (Mir geht das so.)

    Sie fühlen sich mit einem nicht passenden Partner mehr be- als entlastet, und könnten ein Zusammensein um des Zusammensein-willens nicht aushalten.

    Diese suchen auch nach anderen Menschen, die sie inspirieren und mit denen sie einen regen Austausch betreiben können. Ein eher „ flacher“ Partner, der in jüngeren Jahren noch ausgereicht hat, hemmt dann die geistige Reifung.

    Es kommt immer auf die Passung an und die jeweilige Lebensphase.
     
  25. ... weil häufig gar keine Entwicklung stattfindet!

    Klingt iwie spooky...

    Es ist wohl unwahrscheinlich, dass zwei unterschiedliche Menschen gleichzeitig im totalen Einvernehmen auf Grund des eigenen Bewusstseins etc...
    Also ehrlich gesagt, ich habe außerdem noch Kind, Haus und Vollzeitjob.
    Es ist schön, wenn Entwicklung stattfindet und der Partner mich "mitnimmt". Dann können sich beide in eine Richtung begeben. Dafür muss man aber reden.
    Deine Meinung klingt nach harmonischem Gedankenlesen.
    Und nur die pure Harmonie liegt mir auch nicht. Ich brauche hin und wieder auch ein gewisses Maß an Konfrontation. Damit meine ich keine Trennung. Aber die immer beidseitige Stimmigkeit wäre mir auch unerträglich.
     
    • # 24
    • 08.09.2019
    • void
    Tja, wenn die sich in dem Fall wirklich auch noch nichts zu sagen haben, dann denke ich auch, dass sie nicht allein sein wollen. Ohne den anderen hätten sie gar keinen. Vielleicht merken sie auch gar nicht, dass sie nicht zueinander passen, reden nicht viel, sondern erleben irgendwas, das allein keinen Spaß machen würde, wie Bier zusammen trinken und ein bisschen lustig daherquatschen.

    Alles andere, was Du aufgezählt hast, kann auch sein, also finanzielle Abhängigkeiten, Hilfe, Gewohnheit und das Denken, dass es mit einem anderen Menschen ja genauso wäre.

    Puh, finde mal so jemanden. Also wenn einer schon sein Augenmerk darauf legt, dass sowas stimmig ist, hat er bestimmt auch speziellen Humor und bewusstes Denken, also kriegt deutlich mit, wenn jemand NICHT auf seiner Wellenlänge ist. Und immer, wenn was speziell ist, minimiert sich die Menge der Menschen, mit denen man passt, auf sehr wenige, die man erstmal treffen muss, würde ich sagen. Nächster Punkt:
    Gleiche Wellenlänge ist nicht definitionsmäßig gute Kommunikation, das kann alles mögliche betreffen, auch Sex (und keine oder schlechte Komm.). Ich kenne Leute, die gar keinen Wert auf Kommunikation legen, es anstrengend finden und Diskrepanzen nicht ausdiskutieren. Klar bringt das Probleme, aber sie sind ein Paar und haben BEIDE keine Ahnung, dass sie kommunizieren lernen müssten. Mittlerweile sehen sie es gelassener und WISSEN, dass sie oft aneinander vorbeireden. Dann wird sich gesagt "ist doch egal", macht man halt, wie der andere es will oder setzt sich eben durch, ohne sich lange über Argumente ausgetauscht zu haben.
    Ich weiß nicht, ob man so wirklich eine gute Wellenlänge haben kann, weil ich auch sehr über die Kommunikation gehe. Ich denke auch nicht, dass die Telepathie beherrschen. Vielleicht ist deren Beziehung auch automatisch schlechter, weil sie nicht kommunizieren können. Aber vielleicht gehen sie auch besser mit dem um, was sie in sich hineinfressen aufgrund von Missverständnissen. Denn nur, weil einer kommuniziert, heißt das noch lange nicht, dass er nicht verletzt und der andere nichts in sich reinfressen müsste, weil die Diskussionen fruchtlos bleiben und das, worüber geredet wird, eben nicht verstanden wird. Z.B. wenn es um Gefühle geht und der andere das als Launen oder Mimosenhaftigkeit abtut. Soll heißen, dass die, die ansonsten eine gute Komm. haben, vielleicht bei bestimmten Themen auch verzweifeln, weil der andere sie nicht versteht, obwohl die Worte eigentlich alles klar sagen. Dann fehlt gefühlsmäßig die WL.
     
  26. Absolut meine Einstellung mit deinem gesamten Beitrag. Menschen die diese Lektion nie gelernt haben und nicht bereit sind zu lernen und ständig daran zu arbeiten, werden niemals verstehen können, um was es hier geht! Ich für mich bin absolut überzeugt, ich weiß von was ich spreche, diese Lektion ist die härteste Lektion, aller Lektionen in unserem Leben, deshalb gehen an diese Lektion nur ganz, ganz wenige Menschen ran. Das nicht allein sein können, ist die Haupt-Ursache auch und gerade für die falsche Partnerwahl, denn die Kriterien für die Partnerfindung sind dadurch völlig verschoben und anders, als sie sein sollten. Die meisten Menschen sind heute zu oft einsam, und zu selten allein. Ganz bewusst Stille suchen und ebenso ganz bewusst Stille erfahren und genießen, die Seele baumeln lassen, in dieser Zeit allein erholen sich Körper und Gehirn.
     
  27. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Jeder braucht Mitmenschen für die eigene Reflexion. Hierdurch bekommst Du Impulse für Dein Wachstum. Ohne enge zwischenmenschliche Kontakte wirst Du eine wunderliche Katzenfrau.

    Es ist also albern, so zu tun, als sei es ein Fehler, wenn man/frau in Gemeinschaft und nicht alleine leben will.

    Wir lösen auch nicht sofort jede WG auf, weil man sich "auseinander gelebt" hat. In der Beziehung soll der Partner auch im Zeitraum von 30 Jahren immer die eierlegenden Wollmilchsau und nie auch nur für ein paar Monate nur WG-Mitbewohner sein.

    Wenn eine 30 jährige Ehe 25 gute und 5 schlechte Jahre hatte, ist das dann eine gute oder schlechte Ehe?
    Jedenfalls wird es keine 30jährige Ehe, wenn Du schon im 1. schlechten Jahr alles hinwirfst.

    Wenn Du Dein Leben anschaust, wirst Du sehen, dass Du Dich nicht gleichmäßig linear entwickelst, sondern auch in Schüben. Wahrscheinlich änderten sich irgendwann Deine Interessen und Vorlieben. Es wird nicht vorkommen, dass sich irgendein Mensch komplett parallel mit Dir verlaufend entwickelt.

    Zu sozialen Fähigkeiten gehört es, mit Krisen umzugehen. Lege Dir ein größeres Reportoire zu als "Trennen und Blockieren" wie unser IM. Manchmal gehören auch Geduld und Toleranz dazu.. und die Disziplin dran zu bleiben trotz Frustration... indem man trotz Abstand Kontaktbereit bleibt

    Das einzige, was Dir am Lebensende bleibt, sind Deine Erinnerungen. Mit wem willst Du Dich erinnern und über Deine Erinnerungen reden, wenn Du alle paar Jahre Partner und Freunde austauschst?
     
  28. Liebe TE,

    ich verstehe es selbst nicht, was der Sinn dahinter sein soll. Ich fürchte es ist oft der finanzielle Aspekt, die Angst vor dem Alleinsein oder was andere wohl denken. Zur Zeit bekomme ich das hautnah bei meiner Cousine mit. Er ging monatelang fremd. Sie fand es heraus und er wollte einen Neuanfang. Beide sind nun seit Monaten weder zusammen noch getrennt (sie haben einen kleinen Sohn, der wohl nix mitbekommen soll). Er übernachtet jeden Tag bei einer anderen Frau und sie hat einen Warmwechsel vollzogen und hat jetzt einen neuen Freund. Ich weiss, dass sie Angst vor dem Alleinsein hat (hat sie mir gesaagt), aber ich finde es unmöglich, wenn da jetzt noch ein anderer Mann hineingezogen wird und ich frage mich auch, ob der Mann darüber nachdenkt was er sich da antut. Verrückte Welt da draussen, sag ich nur noch. Ist echt nicht meine Vorstellung von Liebe und Zusammensein.

    Viele bleiben also entweder in einer lieblosen Beziehung oder wechseln zum nächsten Partner, um nur nicht alleine zu sein.

    Bei Freundschaften sehe ich das jetzt weniger. Aber das gibt es wohl doch auch. Viele hinterfragen aber Freundschaften auch nicht. Auch hier gilt wieder: Hauptsache ich bin nicht alleine und habe irgendjemanden als niemand. Ich kann das schon auch verstehen, weil ich auch ungern ständig alleine bin. Aber je älter ich werde, desto mehr achte ich darauf. Es gibt Menschen mit denen ich heute nicht mehr befreundet wäre wie damals mit 25. Das passt grundlegend nicht von den Werten und Einstellungen. Ich mag offene und neugierge Menschen, die zuhören können. Bevor ich mir einen neverending Monolog anhöre, bleibe ich alleine und beschäftige mich mit kreativen Dingen in meinem Leben. Der gleiche Grundsatz gilt für mich mit Männern. Lieber alleine, als einen mit dem ich nicht auf einer Wellenlänge bin :)

    Ich meine mich erinnern zu können, dass du viel Zeit für dich brauchst oder?
     
  29. Dies ist die perfekte Beschreibung meiner selbst. Es belastet mich, einen Mann an mich heranzulassen, den ich in Wirklichkeit nicht will. Ich würde sogar sagen, dass es mich vergiftet und meinen gesamten Entwicklungszufluss hemmt. Beispielsweise habe ich mich neulich ein paar Mal mit einem Mann getroffen. Es war nicht die Liebe auf den ersten Blick für mich, aber er sah gut aus, war im richtigen Alter, freundlich und intelligent und ich gab dem Ganzen eine Chance zum Kennenlernen. Als besagter Mann mich plötzlich ganz plump küssen wollte, war ich richtig angeekelt. Bei einem Mann, bei dem der Funke übergesprungen wäre, hätte es mich wohl nicht gestört. Ich frage mich, wie andere das schaffen. Es wird doch nicht immer die große Liebe bei allen sein, viele räumen dies ja sogar ein. Es ist auch nicht so, dass ich diese Leute verurteile oder sonst was. Aber ich frage mich, wie sie jemanden bei fehlender Passung ständig um sich herum haben können und Intimität zulassen können.

    W31
     
  30. Ich bin fest davon überzeugt, dass deine These nicht richtig ist. Warum soll man sich freiwillig in die Einsamkeit begeben? Ist es nicht vielleicht doch nur die Angst, die dich dazu zwingt freiwillig die Einsamkeit zu wählen? Angst vor der Verletzung und Enttäuschung? Wie kann man sich in der Einsamkeit weiterentwickeln? Und warum soll man es lernen? Wozu? Gibt es einen Preis zu gewinnen? Nenne mir Gründe und gib mir Beispiele, denn ich möchte dich endlich verstehen.
    Ist es nicht schöner, wenn man jemanden an seiner Seite hat? Eine Familie, Eltern, Ehefrau/Ehemann, Kinder? Freunde?
    Sicher, man kann sich irren, man kann sich weiterentwickeln oder die anderen entwickeln sich weiter. Aber so ist es eben. Wir rudern alle und es ist schöner zusammen zu rudern. Es ist auch schön jemandem zu helfen oder auch eine Hilfe anzunehmen. Du sollst dich auch öffnen. Kaufe dir einen Hund, suche dir Freunde, Nehme Einladungen an und lade auch Leute zu dir ein. Ich bitte dich darum.
    Ich kann es verstehen, dass du von ihr fasziniert bist aber es liegt sicherlich nicht an ihrem Buch. Was sie schreibt ist erstens nichts neues. Es wurde von Chinesen Jahrzehnte lang praktiziert und zweitens völlig realitätsfern. Wenn du die Geburtenrate in Deutschland verfolgst, stellst du fest, dass die Bevölkerung in Deutschland sich stets verkleinert und vor allem: Aussterben als Lösung für Klimawandel? Ich bitte dich. Das kann doch nicht dein ernst sein.
     

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