#couplegoals: Wie Paare ihr Beziehungsglück inszenieren – und darüber ins Zweifeln geraten

von: Beatrice Bartsch , 11. Februar 2019

Liebe allein reicht nicht – vielen Paaren geht es auch immer mehr darum, das Beziehungsglück nach außen darzustellen. Wie die bevölkerungsrepräsentative ElitePartner-Studie 2019 zeigt, ist es besonders jungen Liierten wichtig, in sozialen Medien als Paar gut zu wirken. Nicht ohne Folgen: Viele Singles geben zu, dass die Fülle an perfekten Paar-Fotos ihren Blick auf Beziehungen beeinflusst. Und jeder achte Liierte hinterfragt angesichts glücklicher Pärchenbilder auf Instagram und Co sogar die eigene Beziehung.

Zweisamkeit trifft Öffentlichkeit: Zwei Drittel der Paare zeigen ihr Glück gerne anderen

Von wegen privat: Paare möchten ihre Liebe nicht für sich behalten. Zwei von drei Liierten geben an, dass sie ihr Glück als Paar auch gerne anderen zeigen (65 Prozent), Männer genauso wie Frauen. Je jünger ein Paar ist, umso größer ist auch der Wunsch, andere am Beziehungsglück teilhaben zu lassen. Während bei den unter 30-Jährigen ganze 71 Prozent der Liierten angeben, ihre Liebe gerne in der Öffentlichkeit, im Freundes- und Familienkreis zu zeigen, sind es bei den über 60-Jährigen nur 59 Prozent.

Männern ist die Außenwirkung als Paar besonders wichtig – auch, wenn es kriselt

Der perfekte Eindruck – um jeden Preis: Jeder vierte Bundesbürger möchte nicht nur sein Glück mit anderen teilen, sondern unbedingt ein gutes Bild als Paar abgeben, egal wie es in der Partnerschaft tatsächlich aussieht. 26 Prozent legen Wert auf die perfekte Paar-Inszenierung, auch wenn es in der Beziehung mal nicht rosig zugeht. Insbesondere Männern ist der schöne Schein wichtig: Fast jeder dritte Mann (31 Prozent) findet es selbstverständlich, die Partnerschaft nach außen positiv darzustellen, komme was wolle – unter den Frauen nur 22 Prozent.

Liebe auf Instagram: Inszenierung in sozialen Medien ist vielen jüngeren Paaren wichtig

Fast jeder fünfte Liierte (19 Prozent) legt großen Wert darauf, dass die eigene Beziehung auf Instagram, WhatsApp oder Facebook positiv wahrgenommen wird. Insbesondere jüngeren Paaren ist es wichtig, die eigene Paar-Identität in sozialen Medien positiv zu inszenieren: Jeder vierte Liierte unter 30 Jahren (25 Prozent) möchte seine Beziehung online ins richtige Licht rücken.

#couplegoals führt zu Beziehungszweifeln: Jedes achte Paar hinterfragt das eigene Liebesglück

Der Trend zur Inszenierung der perfekten Beziehung bleibt jedoch nicht ohne Folgen – bei vielen Liierten führt er sogar zu Beziehungszweifeln. Jedes achte Paar hinterfragt angesichts der idealisierten Darstellungen à la #couplegoals die eigene Partnerschaft (13 Prozent) – übrigens unabhängig von der Beziehungsdauer. Besonders jüngere Paare scheinen anfällig dafür, sich mit der perfekt inszenierten Liebe auf Instagram und Co zu vergleichen und darüber ins Zweifeln zu geraten (15 Prozent).

Ein Vorzeige-Partner: Schon zu Beginn der Beziehung spielt die Außenwirkung eine Rolle

Auffällig ist, dass Paare nicht erst nach Jahren der Zweisamkeit über ihre Außenwirkung nachdenken – häufig wird die schon zu Beginn der Beziehung überprüft. Jeder vierte Liierte gibt zu, gerade am Anfang der Partnerschaft häufig darüber nachgedacht zu haben, ob er oder sie gemeinsam mit dem neuen Partner ein gutes Bild abgibt (24 Prozent). Bei den Liierten unter 30 haben sogar 36 Prozent zu Beginn verstärkt darauf geachtet, ob sie als Paar gut wirken.

Fehlende Vorbilder im eigenen Umfeld – Ursache für den Einfluss idealisierter Paarbilder?

Darüber hinaus scheint die perfekte Paar-Inszenierung in (sozialen) Medien auch den Blick auf Beziehungen insgesamt zu verändern. So geben 14 Prozent der Bundesbürger zu, dass Bilder perfekter Paare in (sozialen) Medien ihren Blick auf Beziehungen prägen. Vor allem junge, alleinstehende Männer unter 30 nehmen sich die glücklichen Paar-Fotos offenbar zum Wunschbild (31 Prozent). Bei den Single-Frauen im selben Alter sind es 23 Prozent. Eine mögliche Ursache für den großen Einfluss der perfekten Paar-Inszenierung: Fehlende Orientierung. Ein Viertel der Frauen und Männer in Deutschland gibt an, kaum Vorbilder für glückliche Partnerschaften im eigenen Umfeld zu haben (26 Prozent).

Diplom-Psychologin Lisa Fischbach von ElitePartner: „Paare sollten sich von glamourösen Erwartungshaltungen frei machen“

„Die Beziehungslandschaft hat sich in den letzten fünfzig Jahren erheblich verändert,“ so Diplom-Psychologin Lisa Fischbach von ElitePartner. „Eine lebenslange Partnerschaft im direkten Umfeld oder in der eigenen Biografie ist deutlich seltener geworden. Wahlfreiheit in der Liebe, alternative Beziehungsmodelle, ein zunehmender Partnerumsatz pro Kopf und Wertepluralismus fordern die Frage heraus, wer man in einer Partnerschaft sein möchte. Eine Herausforderung, die viele verunsichert. Ein Nährboden für Einflussnahme von außen – durch Bilder in sozialen Medien, die Pseudo-Standards vermitteln, wie partnerschaftliches Glück aussehen soll. Sich als glückliches Paar darzustellen soll vielfach den Zusammenhalt stärken. Doch ich rate Paaren vielmehr dazu, sich frei von glamourösen Erwartungshaltungen von außen zu machen und eine eigene Paaridentität zu entwickeln, die für beide Partner passt und stark macht – aus sich selbst heraus.“

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