Ein Paar verbringt gerne Zeit miteinander während Corona und fühlt sich in der eigenen Beziehung gestärkt

Corona stärkt die Liebe: Zwei Drittel der Paare sind jetzt dankbar, einander zu haben

von Beatrice Bartsch , 13. Jänner 2021

Die Pandemie dauert an – mit all ihren Folgen. Die meisten Beziehungen gehen allerdings unbeschadet oder sogar gestärkt aus dieser Zeit hervor, wie die aktuelle bevölkerungsrepräsentative ElitePartner-Studie zeigt. Über 4.000 Liierte berichten davon, wie Corona ihr Beziehungsgefühl verändert hat – größtenteils zum Guten. Jede:r fünfte Liierte war allerdings auch häufiger genervt vom Partner oder der Partnerin, einige fühlen sich eingeengt oder können die Jogginghose nicht mehr sehen. Vor allem junge Männer zweifeln jetzt eher an ihrer Beziehung.

Dankbar, verbunden und gestärkt: Für die Mehrheit der Paare war die Krise auch eine Chance

Gemeinsam eine Krise zu meistern, kann Beziehungen festigen – das gilt auch für die Corona-Pandemie, wie die bevölkerungsrepräsentative ElitePartner-Studie zeigt. Angesichts der Entwicklungen überwiegt bei Paaren Dankbarkeit: Zwei Drittel der Liierten (66 Prozent) geben an, dass ihnen in der Corona-Zeit bewusst geworden ist, wie dankbar sie sind, einander zu haben. Auch das Gefühl der Verbundenheit ist bei vielen gestiegen (44 Prozent). Und zwar so sehr, dass viele Partnerschaften sich offenbar noch verbessert haben: Die Hälfte aller Paare hat die Krise mit Blick auf ihre Liebe bisher nicht nur gut überstanden, sondern ist gestärkt aus ihr hervorgegangen (50 Prozent). Nebenbei haben die gemeinsame Zeit und intensive Beschäftigung mit Wertvorstellungen vielen Liierten wieder deutlich gemacht, wie gut sie und ihr:e Partner:in zusammenpassen (53 Prozent).

Zu viel Nähe: Jede:r Fünfte war häufiger genervt, jede:r Zehnte fühlt sich eingeengt

Auch wenn die positiven Auswirkungen auf die Liebe deutlich überwiegen, zeigt sich, dass das Leben auf Sparflamme auch Herausforderungen mit sich bringt. 18 Prozent der Liierten geben zu, in der Corona-Zeit häufiger als sonst von ihrem Partner oder ihrer Partnerin genervt zu sein. Jede:r Zehnte hat sich durch die viele gemeinsame Zeit eingeengt gefühlt (10 Prozent). Bei einigen Liierten hat das zu ernsthaften Zweifeln gefühlt: 9 Prozent haben über eine Trennung nachgedacht und sieben Prozent ist in dieser Phase klar geworden, dass sie sich schon auseinandergelebt hatten (getrennte Paare nicht einberechnet).

Junge Männer unter 30 erleben die größte Unzufriedenheit – jeder Vierte findet, die Partnerin habe sich gehen lassen

Auffällig ist allerdings die Gruppe der jungen Männer unter 30. Während junge Frauen besonders dankbar sind (Frauen u30: 78 Prozent, Männer u30: 61 Prozent) gibt es unter Männern im selben Alter viele, die durch Corona verstärkt negative Aspekte in ihrer Beziehung wahrnehmen. Jeder dritte Mann unter 30 war häufiger von seiner Partnerin oder seinem Partner genervt (31 Prozent, Frauen u30: 23 Prozent), ganze 25 Prozent haben sich eingeengt gefühlt (Frauen u30: 8 Prozent) und 21 Prozent hatten Trennungsgedanken (Frauen u30: 13 Prozent). Besonders brisant: Jeder vierte junge Mann beklagt, der oder die andere hätte nicht genügend Wert aufs Äußere gelegt (24 Prozent). Auf Gesamt-Ebene sehen das nur neun Prozent der Männer so – und genauso viele Frauen.

 Interessant aber ist: All diese negativen Aspekte nehmen bei Männern ab dreißig schlagartig ab. Männer in den Dreißigern scheinen die negativen Auswirkungen von Corona nicht wesentlich stärker zu spüren als Frauen im selben Alter. Vor allem Akademiker-Männer sehen in ihren Dreißigern die positiven Aspekte wie Dankbarkeit (71 Prozent), Stärkung der Beziehung (60 Prozent) und Verbundenheit (49 Prozent).

Schwierige Phase: Zwischen drei und fünf Jahren Beziehungsdauer bringt die Krise Zweifel und Konflikte ans Licht

Außerdem zeigen die Daten der ElitePartner-Studie: Je frischer die Beziehung, desto positiver hat die Pandemie den Blick auf die eigene Liebe beeinflusst: Vor allem frisch Liierte (drei Monate bis ein Jahr Beziehungsdauer) sind in dieser Zeit besonders dankbar, einander zu haben (79 Prozent).  Schwieriger scheint es dagegen für einige Paare zu laufen, die schon drei bis fünf Jahre zusammen sind. In dieser Phase sind die negativen Aspekte deutlich ausgeprägter. Jede:r Vierte aus dieser Gruppe gibt an, häufiger genervt zu sein (24 ). 16 Prozent haben über Trennung nachgedacht, und jede:r Zehnte hat in der Zeit der Krise festgestellt, dass man sich auseinander gelebt hatte.

Psychologin Lisa Fischbach von ElitePartner: „Der Rückzug ins Private schärft den Blick für das, was wirklich zählt“

„Das Gefühl des Zusammenhalts, in schwierigen Zeiten auf den Partner zählen zu können und in ihm oder ihr eine emotionale Stütze zu haben, ist eines der wichtigsten Erfolgsrezepte für partnerschaftliche Zufriedenheit“, so Psychologin Lisa Fischbach von ElitePartner. „Die Entschleunigung des Alltags und der Rückzug ins Private schärfen den Blick für das, was wirklich zählt und bleibt, wenn Freizeitaktivitäten und Hobbys zwangspausieren. Dankbarkeit und Wertschätzung sind der positive Klebestoff einer liebenden Beziehung. Es bleibt zu hoffen, dass diese Erkenntnis die Krise noch lange überdauert.“