Mutter-Sohn-Beziehung: Frau sitzend und Mann stehend unterhalten sich

Die Mutter-Sohn-Beziehung – Weichenstellung fürs Leben

von: ElitePartner Redaktion , 15. Februar 2018

Die Türglocke läutet: Seine Mutter steht vor der Tür. In den kommenden Tagen wird die eigene Wohnung immer mehr zum „Hotel Mama“: Mama putzt, kocht und wirbelt herum. Für ihn fühlt sich diese Mutter-Sohn-Beziehung vollkommen normal an. Aber ist eine solch enge Mutter-Sohn-Beziehung gut für Ihre Partnerschaft?

Inhaltsverzeichnis:

Die Mutter-Sohn-Beziehung ist etwas ganz Besonderes. Schließlich ist die eigene Mutter die erste Frau im Leben eines Mannes und wird deshalb immer eine wichtige Rolle für ihn spielen. Ein Mann möchte seine Mutter brauchen dürfen – ganz egal in welchem Alter. Der Grat zwischen einem Sohn, der sich gut mit seiner Mutter versteht, und einem Sohn, der auch noch im Erwachsenenalter keine Entscheidungen ohne seine Mutter treffen kann und sich von ihr in seinem Alltag und Liebesleben beeinflussen lässt, ist schmal. Muttersöhnchen verursachen oft Beziehungsprobleme. Doch wie sollten Sie damit umgehen, wenn Ihr Partner ein Muttersöhnchen ist?

Mutter-Sohn-Beziehung: Wenn man(n) nicht ohne Mama kann

Ist das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn krankhaft, bemerkt das der Betroffene selbst meist nicht. Für ihn existiert kein Problem. Für das soziale Umfeld – ganz besonders die Partnerin – jedoch schon. Das führt nicht selten zu Beziehungskrisen.

Wenn der Kontakt zur eigenen Mutter stark ausgeprägt ist, nimmt diese enge Bindung auch Einfluss auf die Zweisamkeit eines Paares. Der Sohn wird sich immer wieder an seine Mutter wenden, sich von ihr beraten lassen und letztlich auch auf sie hören. So sind bei einem Muttersöhnchen Beziehungsprobleme vorprogrammiert. Die Partnerin fühlt sich verletzt und zurückgesetzt, sie steht dauerhaft an zweiter Stelle. Für sie ist es enorm schwer, sich in dem Beziehungsgeflecht als engste Vertraute zu behaupten.

„Solche Männer neigen oft dazu, in Beziehungen von der Partnerin die gleiche Fürsorge wie zu Hause zu erwarten“

, sagt unsere Diplom-Psychologin und Paarberaterin Lisa Fischbach.

Hinzu kommt, dass Männer mit dieser besonderen Mutter-Sohn-Beziehung nur schwer auf das Thema ansprechbar sind. „Betroffene sind schnell gekränkt, vertragen Kritik nicht gut, haben oft Probleme beim Sex“, sagt der Heidelberger Ratgeberautor Roland Kopp-Wichmann („Frauen wollen erwachsene Männer“). Die Mutter-Sohn-Beziehung bedroht die Partnerschaft ganz besonders, weil diese Männer auch häufig fremdgehen, da sie das Abenteuer reizt.

Das macht eine gute Mutter-Sohn-Beziehung aus

Da ein Kind besonders in den ersten Entwicklungsjahren durch Kindergärtnerinnen, Tagesmütter und Lehrerinnen verstärkt von weiblichen Personen umgeben ist, ist es besonders wichtig, dass es auch genug Kontakt zu Männern hält. Ansonsten kann die Mutter-Sohn-Beziehung krankhaft werden. Auch Vater, Großvater oder der Fußballtrainer sind wichtige Bezugspersonen, die andere Rollenbilder vermitteln. Jungen brauchen ein glaubhaftes männliches Vorbild, damit sie nicht die Mutter als alleinigen emotionalen Bezugspunkt verankern. Dies gilt im Besonderen für alleinerziehende Frauen.

Eine starke Liebe zur Mutter macht aus einem Mann noch lange kein Muttersöhnchen. Liebe und eine innige Vertrautheit sind wichtig, denn sie bestimmen das Verhalten gegenüber anderen Menschen. Ebenso wichtig ist jedoch auch das Loslassen. Funktioniert der Abnabelungsprozess gut, ist die Mutter-Sohn-Beziehung gesund.

„Ein Mann, der von seiner Mutter übermäßig umsorgt wurde, bleibt unselbstständig und emotional stark an diese gebunden“

, erklärt Diplom-Psychologin Lisa Fischbach. „Wenn Kinder nicht genügend in den notwendigen Selbstständigkeitstendenzen unterstützt oder gelassen werden, misslingt der Abnabelungsprozess. Deshalb kommt es zu Konflikten in späteren Partnerschaften“, so Fischbach weiter. Das Loslassen kann Stück für Stück in die Kindheit integriert werden. Wer die Selbstständigkeit des Sohnes fördert und ihm dabei trotzdem das Gefühl der Unterstützung vermittelt, unternimmt einen wichtigen Schritt für seine weitere gesunde Entwicklung – und fördert eine gesunde Mutter-Sohn-Beziehung.

Ursachen einer krankhaften Mutter-Sohn-Beziehung

Dass Männer eine starke Bindung zu ihrer Mutter aufbauen, liegt in der Natur der Sache. Dadurch allein wird eine Mutter-Sohn-Beziehung aber nicht krankhaft. Schließlich ist sie die erste und damit zunächst wichtigste Frau im Leben eines Kindes. Somit ist sie im Wesentlichen dafür verantwortlich, wie er sich im Laufe seines Lebens entwickelt. Nach wie vor sind es – auch in Zeiten von Elternzeit für Väter – zumeist die Mütter, die die wichtigsten Versorgungsaufgaben rund um den Nachwuchs übernehmen und die ersten Entwicklungsphasen hautnah miterleben.

Die Mutter-Sohn-Beziehung findet – im Gegensatz zu der zwischen Mutter und Tochter – auf einer anderen Bindungsebene statt. Studien zufolge verwöhnen Mütter ihre Söhne stärker als Töchter und stillen sie auch häufiger. Deshalb werden Söhne tendenziell häufiger zu Mamakindern als Töchter. Das „All-Inclusive-Hotel Mama“ bleibt für Jungen attraktiver, weil auch das Konfliktpotential zwischen Mutter und Sohn geringer ist als zwischen Mutter und Tochter.

Was tun mit Muttersöhnchen – und ihren Müttern?

Unter einer zu starken Mutter-Sohn-Beziehung leidet die Partnerschaft häufig. „Starke Bindungen zwischen Mutter und Sohn stellen für deren Frauen eine immense psychische Belastung dar“, konstatiert unsere Paar-Beraterin Lisa Fischbach. „Wenn nur Mutters Essen gelobt wird, Termine nach dem Kalender der Mutter orientiert sind und die Frau sich laufend der Mutter gegenüber zurückgestellt fühlt, ist die Partnerschaft in Gefahr.“

Doch auch eine verspätete Abnabelung, und damit ein Lösen der engen Mutter-Sohn-Beziehung, kann gelingen. Jedoch nicht über die Mutter. Lisa Fischbach rät:

„Letztlich muss er einsehen, dass es besser ist, sich für die Frau zu entscheiden und der Mutter klarzumachen, dass man immer für sie da ist, aber nun sein eigenes Leben leben möchte.“

Es ist wichtig, ein klares neues Rollenbild für den Mann zu schaffen. Er muss begreifen, dass seine Mutter-Sohn-Beziehung krankhaft ist und dass es in der Partnerschaft eine andere Frau gibt, die von ihm umsorgt und gleichzeitig für ihn da sein will.

Jedoch muss dabei auch bedachte werden: „Mit der Forderung, sich grundlos mehr von den Eltern abzuwenden, um mehr Aufmerksamkeit vom Partner zu fordern, übertritt sie die persönlichen Grenzen des Partners und missachtet seine Bedürfnisse“, so Fischbach. Dieses Vorgehen wird beim Muttersöhnchen auf Trotz und Abwehr stoßen. Seine ausgeprägte Veränderungsresistenz wird eher dazu führen, der Partnerin Eifersucht vorzuwerfen.

Nichts ist verloren in der Mutter-Sohn-Beziehung

Ein Muttersöhnchen ist noch lange kein Trennungsgrund, sondern es kann eine Chance für eine glückliche Beziehung geben – weder als Partner noch als betroffener Mann selbst. „Wenn einem Mann die Beziehung wichtig ist, kann er ja das gute Verhältnis zur Mutter beibehalten, sich aber gleichzeitig abgrenzen und ein eigenständiges Leben führen“, sagt Lisa Fischbach.

„Wer sich loslöst, sich eigener Werte, Bedürfnisse und Lebensweisen bewusst ist und sich dann wieder liebevoll den Eltern zuwendet, zeigt fürsorgliches Engagement und Interesse“

, so Lisa Fischbach. Und das ist gut.

Außerdem tut die heutige Gesellschaftsstruktur ihr Übriges für den Rückgang von Mutter-Sohn-Beziehungen in Extremform. Die Diplom-Psychologin gibt zumindest Entwarnung: „Kinder, die heutzutage mit einer berufstätigen Mutter aufwachsen, sind das stete ‚Umsorgt sein‘ von Kindesbeinen an nicht mehr in dem Maße gewohnt und entwickeln sich zwangsläufig selbstständiger.“

Fazit: Die Beziehung zwischen Mutter und Sohn: Die Dosis macht‘s

Eine besonders enge Mutter-Sohn-Beziehung kann zur einer echten Belastungsprobe für eine Beziehung werden. Die Partnerin fühlt sich zurückgesetzt, denn im Leben ihres Partners steht nur eine Frau an erster Stelle – seine Mutter. Fehlender Kontakt zu männlichen Bezugspersonen, eine enge emotionale Bindung zur Mutter oder eine übertriebene Fürsorge der Mutter können dazu führen, dass sich Muttersöhnchen durch eine emotionale Abhängigkeit nicht abnabeln können. Soll diese Abnabelung im Erwachsenenalter gelingen, muss sich der Mann bewusst für seine Partnerin entscheiden. Ist ihm seine Partnerschaft wichtig, wird er versuchen sich von seiner Mutter zu lösen und ein eigenständiges Leben mit seiner Partnerin zu führen.

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