Frau und Mann unterhalten sich über Fragen zum verlieben

36 Fragen zum Verlieben: Kann Liebe so einfach sein?

von Luisa Münch , 20. Jänner 2020

Zwei Menschen stellen sich abwechselnd 36 Fragen – am Ende sind sie ineinander verliebt. Kann das wirklich so einfach funktionieren? Der amerikanische Psychologe Arthur Aron ist überzeugt, dass das Beantworten von 36 Fragen zum Verlieben genügt. Wir gehen dem Experiment auf den Grund und verraten dir, was es mit den Liebesfragen tatsächlich auf sich hat.

Inhaltsverzeichnis

Das Liebesexperiment aus den 90ern

Ins Leben gerufen wurde das Experiment 1997 durch Aron und sein Forschungsteam anhand der Frage, „Warum und wie verlieben Menschen sich?“. Ursprünglich wollte der Wissenschaftler die Reaktion zweier fremder Menschen aufeinander erforschen, kam dann jedoch auf die Überlegung, ob sich Liebe nicht auch durch etwas Nachhelfen entwickeln könne. Die Ursache, warum Intimität und Bindung zwischen zwei völlig Fremden entsteht, beschreibt der Forscher in seinem Bericht „The Experimental Generation of Interpersonal Closeness“. Und die Lösung klingt so unglaublich wie banal zugleich: 36 Fragen reichen zum Verlieben.

Durchgeführt wurde das Experiment damals mit rund 140 Studenten, aus denen Paare für die Befragung gebildet wurden. Rund 30 Prozent der Studenten gaben nach dem Experiment an, dass die entstandene Beziehung zu ihrem Experimentalpartner enger wäre als jede bisher gekannte Beziehung zu einem anderen Menschen. Die größte Überraschung? Eines der Paare war nach sechs Monaten verheiratet.

Die Schwerpunkte der 36 Fragen zum Verlieben

Bestimmt denkst auch du eher an Smalltalk-Fragen, wenn du dir ein erstes Date vorstellst. „Was machst du beruflich“ oder „Wie gestaltest du dir deine Freizeit am liebsten“ sind Klassiker, um etwas von seinem Gegenüber zu erfahren, ohne direkt zu intim zu werden. Die Liebesfragen jedoch gehen ganz bewusst in die gegensätzliche Richtung. Sie sind tiefgründig und persönlich, eine ehrliche Beantwortung erfordert zwangsläufig, sich dem anderen gegenüber völlig zu öffnen und damit verwundbar zu werden. Und genau diese Verwundbarkeit ist es, die laut Aron eine Bindung zwischen zwei Menschen schafft und dazu führen kann, dass diese sich tatsächlich verlieben.

Aufgeteilt sind die Fragen zum Verlieben mit zunehmender Intensität in die drei folgenden Kategorien:

Kategorie 1: Die Selbstoffenbarung

Die ersten zwölf Fragen die Männer und Frauen verliebt machen sollen, drehen sich zunächst vor allem um die eigene Person. Zum Beispiel beantwortest du deinem Gegenüber, was für dich einen perfekten Tag ausmacht oder wen du gern zum Essen einladen würdest, wenn du frei aus allen Menschen wählen könntest. Der Einstieg in diese Kategorie ist also eher einfach und hilft dabei, in das Experiment hineinzufinden. Ab der Hälfte werden die Fragen dieses ersten Sets tiefgründiger und persönlicher. Etwa, wenn du beantwortest, wofür du in deinem Leben am meisten dankbar bist oder ob du eine Vorahnung davon hast, wie du sterben wirst. Du siehst, dass dies nicht unbedingt die Themen sind, die Menschen unbedingt bei einem ersten Date ansprechen würden. Genau hierin liegt laut Aron das Erfolgsrezept.

Frage 1 bis 12 der 36 Fragen zum Verlieben im Überblick:

  1. Wenn du zwischen allen Menschen auf der Welt wählen könntest, wen würdest du gerne zum Essen einladen?
  2. Wärst du gerne berühmt? In welchem Bereich?
  3. Legst du dir manchmal die Worte zurecht, bevor du jemanden anrufst? Warum?
  4. Was macht für dich einen „perfekten“ Tag aus?
  5. Wann hast du zuletzt für dich selbst gesungen? Und wann für jemand anderen?
  6. Wenn du 90 Jahre alt werden könntest, was würdest du während der letzten 60 Jahre lieber haben: Den Körper oder den Geist eines 30-Jährigen?
  7. Hast du eine Vermutung, wie du sterben wirst?
  8. Nenne drei Dinge, von denen du glaubst, dass sie dein Gegenüber und du gemeinsam haben.
  9. Wofür bist du in deinem Leben am meisten dankbar?
  10. Wenn du irgendetwas daran ändern könntest, wie du erzogen wurdest, was wäre das?
  11. Erzähle deinem Gegenüber deine Lebensgeschichte in vier Minuten – aber mit möglichst vielen Details.
  12. Wenn du morgen mit einer zusätzlichen Eigenschaft oder Fähigkeit aufwachen könntest, welche wäre das?

Kategorie 2: Die Einschätzung der anderen Person

In der zweiten Kategorie der Fragen zum Verlieben geht es darum, genug über den anderen zu erfahren, um ihn besser einschätzen zu können. Das gilt natürlich auch für dein Gegenüber in Bezug auf dich. So offenbarst du in diesem Abschnitt beispielsweise deine schönste sowie schlimmste Erinnerung und beschreibst, welche Rolle Liebe und Zuneigung in deinem Leben spielen. Besonders diese Frage lässt schnell erkennen, ob du und dein Gegenüber ähnliche Werte in Sachen Beziehung vertreten und in welchem Rahmen eine Partnerschaft für euch beide funktionieren könnte. Während es beim klassischen Kennenlernen oft mehrere Treffen dauert, bis diese wichtige Frage angesprochen wird, wird sie in diesem Experiment als eine der Grundlagen für das Verlieben gesehen.

Frage 13 bis 24 im Überblick:

  1. Wenn dir eine Zauberkugel die Wahrheit über dich, dein Leben, die Zukunft oder irgendetwas anderes offenbaren könnte, was würdest du wissen wollen?
  2. Gibt es etwas, von dem du schon lange träumst, es zu tun? Warum hast du es noch nicht getan?
  3. Was war bisher der größte Erfolg in deinem Leben?
  4. Was ist dir bei einer Freundschaft am wichtigsten?
  5. Was ist deine liebste Erinnerung?
  6. Was ist deine schrecklichste Erinnerung?
  7. Wenn du wüsstest, dass du in einem Jahr sterben wirst, würdest du irgendetwas an deinem jetzigen Leben ändern? Warum?
  8. Was bedeutet Freundschaft für dich?
  9. Welche Rolle spielen Liebe und Zuneigung in deinem Leben?
  10. Nennt abwechselnd eine positive Charaktereigenschaft, von der ihr glaubt, dass sie euer Gegenüber besitzt. Macht dies fünf Mal.
  11. Wie eng und herzlich sind die Beziehungen in deiner Familie? Denkst du, dass deine Kindheit glücklicher war als die anderer Menschen?
  12. Wie beurteilst du die Beziehung zu deiner Mutter?

Kategorie 3: Gemeinsamkeiten als mögliches Paar

Im dritten Teil der 36 Fragen zum Verlieben geht es dann in Richtung Partnerschaft. Denn hier gilt es, mögliche Gemeinsamkeiten herauszufinden – aber auch, sich dem anderen gegenüber vollkommen zu öffnen. Was magst du bereits jetzt an deinem Gegenüber? Und welche drei Dinge habt ihr gemeinsam? Diese dritte Kategorie motiviert dazu, zu ergründen, was du für dein Gegenüber empfindest und ob ihr bei wichtigen Themen auf einer gemeinsamen Wellenlänge liegt. Vielleicht könnt ihr sogar schon die Frage „Bin ich verliebt?“ beantworten.

Frage 25 bis 36 im Überblick:

  1. Denkt euch beide drei wahre „Wir“-Aussagen aus. Zum Beispiel: „Wir sind beide in diesem Raum und fühlen uns…“
  2. Beende diesen Satz: „Ich wünschte, ich hätte jemanden, dem ich erzählen könnte…“
  3. Wenn du mit deinem Gegenüber eine enge Freundschaft schließen würdest, was müsste er oder sie dann unbedingt von dir wissen?
  4. Sage deinem Gegenüber, was du an ihm oder ihr magst; sei dabei ehrlich und sage Dinge, die du normalerweise einer Person, die du gerade erst kennengelernt hast, nicht sagen würdest.
  5. Teile mit deinem Gegenüber einen peinlichen Moment in deinem Leben.
  6. Wann hast du zum letzten Mal in Gegenwart einer anderen Person geweint? Und wann für dich alleine?
  7. Nenn eine Sache, die du bereits jetzt an deinem Gegenüber magst.
  8. Worüber macht man keine Witze, sofern es so etwas gibt?
  9. Wenn du heute Abend sterben würdest, ohne die Möglichkeit, mit jemandem zu sprechen, was würdest du bereuen, jemandem nicht gesagt zu haben? Warum hast du es noch nicht gesagt?
  10. Dein Haus mit all deinem Besitz fängt an zu brennen. Nachdem du deine Liebsten und deine Haustiere gerettet hast, kannst du ein letztes Mal ins Feuer laufen und einen Gegenstand retten. Welcher wäre das? Warum?
  11. Der Tod welches Familienmitglieds würde dich am meisten mitnehmen? Warum?
  12. Berichte von einem persönlichen Problem und frage dein Gegenüber nach Rat, wie er oder sie die Sache handhaben würde. Bitte dein Gegenüber außerdem, zu beurteilen, wie du selbst vermutlich über das ausgewählte Problem denkst.

36 Fragen zum Verlieben: Mit diesen 5 Tipps kann das Experiment funktionieren

Du willst selbst herausfinden, ob die 36 Fragen zum Verlieben ausreichen und ob es damit gelingt, einen Mann oder eine Frau verliebt zu machen? Um mit den Fragen tatsächlich die große Liebe zu finden, gibt es noch einige Tipps, die du beim Durchführen des Experiments beachten solltest. Die Regeln besagen, dass ihr euch die Fragen gegenseitig vorlest. Die Frage, die du vorgelesen hast, beantworte zunächst du selbst, dann antwortet auch dein Gegenüber darauf. Seid ihr mit allen Liebesfragen fertig, sollt ihr euch nun vier Minuten lang schweigend in die Augen sehen. In dieser Zeit könnt ihr euch vollkommen auf den anderen konzentrieren und werdet euch so eurer Gefühle füreinander bewusst. Ein derart langer Blickkontakt wirkt außerdem so intensiv, dass er viel Nähe zwischen zwei Menschen bewirkt – auf psychischer und physischer Ebene. Neben diesen Regeln gibt es hier noch fünf Tipps, die die Erfolgschancen des Experiments zusätzlich erhöhen:

  1. Sei ehrlich
    Nach 36 Fragen verliebt zu sein, kann nur gelingen, wenn du vollkommen offen antwortest. Verstell dich also nicht, um deinem Gegenüber zu gefallen.
  2. Beantworte jede einzelne Frage
    Sicherlich wird es einige Fragen geben, die dir vor einer fremden Person zu intim erscheinen. Um wirklich Nähe aufzubauen ist es jedoch wichtig, wirklich jede einzelne Frage zu beantworten.
  3. Nehmt euch Zeit
    Zwar heißt es, die 36 Fragen zum Verlieben könnten in 45 Minuten beantwortet werden – viel schöner ist es jedoch, wenn ihr euch genug Zeit lasst. Vielleicht benötigt ihr einen Abend, vielleicht einen ganzen Tag. Entscheidet selbst, wie ausführlich eure Antworten werden sollen.
  4. Haltet vier Minuten aus
    Ein vierminütiger Blickkontakt ist lang und intensiv – kurz wegzusehen ist da sehr verlockend. Stellt euch also einen Timer und achtet darauf, den Blick des Gegenübers wirklich ganze vier Minuten zu erwidern.
  5. Setz dich nicht unter Druck
    Natürlich klingt es verlockend, nach nur 36 Fragen die wahre Liebe gefunden zu haben. Erwarte aber nicht, dass das Experiment auf jeden Fall funktionieren muss – umso überraschter wirst du sein, wenn es am Ende wirklich klappt.

Fazit: 36 Fragen können für die Liebe reichen

Eine Garantie dafür, eine Frau oder einen Mann in uns verliebt zu machen, bieten die 36 Fragen natürlich nicht. Allerdings schaffen die Liebesfragen so viel Nähe und Intimität zwischen zwei Menschen, dass diese sich dadurch wirklich verlieben können. Damit das funktionieren kann, sollten Sie die Fragen so ehrlich wie möglich beantworten und keine Frage auslassen. Auch wichtig ist es, dass Sie sich so viel Zeit nehmen, wie Sie brauchen, und sich zum Schluss wirklich ganze vier Minuten lang in die Augen sehen. Das verstärkt die intensive Verbindung, die die Fragen aufgebaut haben, und lässt Sie über Ihre Gefühle klarwerden. Wenn Sie also eine interessante Frau oder einen tollen Mann kennengelernt haben, dann wagen Sie doch einfach einen Versuch und schlagen vor, das Experiment bei einem ersten Date durchzuführen. Und auch, wenn Sie bereits eine Beziehung führen, können Sie Ihren Partner mit den 36 Fragen zum Verlieben noch besser kennenzulernen und eine noch tiefere Ebene Ihrer Partnerschaft erreichen.