Erfüllte Liebe trotz Streit in der Beziehung

von Luisa Münch , 11. Feber 2020

Bestimmt kennen auch Sie Paare in Ihrem Bekanntenkreis, die häufig aneinandergeraten – und trotzdem, oder vielleicht genau deshalb, sehr glücklich und ausgeglichen wirken. Denn Streite in einer Beziehung sind erlaubt und können Ihre Partnerschaft sogar bereichern. Vorausgesetzt, beide Seiten wissen, wie man richtig und fair streitet. Wir verraten Ihnen die wichtigsten Tipps für den nächsten Beziehungsstreit und wie Sie diesen einzuordnen haben.

5 Tipps: So streiten Sie richtig in der Beziehung mit Ihrem Partner

In der Beziehung richtig zu streiten klingt für viele Menschen erst einmal nach keiner allzu großen Herausforderung. Doch sind die Emotionen einmal hochgekocht und eine Auseinandersetzung hat sich entwickelt, werden wichtige Streit-Regeln schnell vergessen. Durch das Berücksichtigen einiger Tipps für Beziehungsstreits behalten Sie sich allerdings eine sachliche Basis bei. Folgende Verhaltensweisen helfen Ihnen bei Konflikten in Ihrer Beziehung.

  1. Formulieren Sie Ich-Botschaften und erklären Sie, wie sich bestimmte Situationen für Sie anfühlen. Ganz konkret am Beispiel eines Klassikers: „Ich fühle mich verunsichert, wenn du dich im Restaurant nach anderen Frauen umsiehst“ statt „Gib doch zu, dass du dir eine attraktivere Frau wünschst“. So kommunizieren Sie automatisch mit weniger Vorwürfen und helfen Ihrem Partner, sich in Sie hineinzuversetzen. Empathie ist schließlich der Schlüssel zu gegenseitigem Verständnis.
  2. Vermeiden Sie Verallgemeinerungen und lassen Sie vergangene Situationen auf sich beruhen. Sie begrüßen Ihre Partnerin mit Worten wie „Du schaffst es wirklich bei keiner Verabredung pünktlich zu sein!“, wird sie sicherlich sofort zum Gegenangriff ausholen. Statt Ihrer Partnerin vorzuwerfen, „immer wieder“ dieselbe Verhaltensweise an den Tag zu legen, beziehen Sie sich nur auf die konkrete, aktuelle Situation. Etwa mit einer Botschaft wie: „Ich habe mich sehr unwohl dabei gefühlt, so lange allein im Restaurant zu sitzen.“ Sprechen Sie das in einem ruhigen Moment an, so muss gar nicht erst ein Streit entstehen.
  3. Lassen Sie sich gegenseitig aussprechen und hören Sie sich aufmerksam zu. Denn genau so vermitteln Sie Ihrem Partner Respekt und zeigen, dass Sie seine Bedürfnisse und Gefühle ernstnehmen. Das macht eine faire Streitkultur aus.
  4. Sprechen Sie ehrlich und klar Ihre Wünsche aus. Statt vorwurfsvoller Aussagen wie „Ständig muss ich mich allein um alles kümmern“ formulieren Sie beim nächsten Mal etwa: „Ich würde mich freuen, wenn du nach Feierabend den Einkauf übernehmen könntest.“ Damit schlagen Sie Ihrem Partner schon konkrete Lösungsmöglichkeiten vor und kommen der Beilegung des Beziehungsstreits sehr schnell näher.
  5. Erlauben Sie sich ein bisschen Humor in Ihrem nächsten Streit. Denn Selbstironie und Humor können helfen, festgefahrene Situationen mit einem Lachen zu entkräften. Ein Beispiel: Sie sind chaotisch, Ihr Partner liebt Ordnung – beinahe wöchentlich entwickelt sich daraus ein typischer Streit. Wenn Ihr Partner das nächste Mal wütend wird, weil die Wohnung nicht aufgeräumt ist, sagen Sie etwas wie „Ich würde wirklich gerne ordentlicher sein, aber ich habe einfach Angst, dass wir dann nie wieder streiten.“ Natürlich kommt es hier auf den richtigen Tonfall und Zeitpunkt an. Aber mit einem frechen Grinsen kann so ein Satz Wunder wirken, um die aufgeheizte Stimmung abzukühlen.

Diskutieren Sie über die Themen, die Sie auch lösen können

Unordnung im gemeinsamen Haushalt, der Besuch bei Verwandten oder der Fahrstil des anderen – es gibt unzählige Gründe, die schnell zu Streit in der Beziehung führen können. Die Frage aber ist, wie Sie solche Situationen bewerten. Denn gerade ein Aneinandergeraten über Alltagsthemen gehört in vielen Partnerschaften einfach dazu. Etwa, wenn einer von beiden Partnern gestresst von der Arbeit kommt oder einen schlechten Tag hat. Diese Themen lassen sich in der Regel genauso schnell wieder beilegen und bedeuten keinen großen Beziehungsstreit. Wichtig ist bei Beziehungsproblemen generell die Frage, welche Streite Sie lösen können und welche nicht. Eine Studie der Universität von Texas zeigt, dass sich glückliche Paare eher mit Streitfragen beschäftigen, für die sich gemeinsam eine klare Lösung finden lässt. Probleme, die hingegen sehr schwer zu einer Einigung führen und das Potenzial eines großen Beziehungsdramas bieten, ließen die Paare in der Studie häufig außen vor – laut den Forschern eines der Geheimnisse glücklicher Beziehungen.

Die Faustregel lautet: Konzentrieren Sie sich bei kleinen Reibereien auf das tatsächliche Thema, statt eine Grundsatzdiskussion loszutreten.

Was Sie im Streit in der Beziehung unbedingt vermeiden sollten

Nichts ist für Konflikte in der Beziehung gefährlicher, als wenn sich diese immer weiter hochschaukeln, Sie von einem Thema zum nächsten übergehen und sich solange gegenseitige Vorwürfe machen, bis Sie vollkommen erschöpft sind. Falls Sie solche Situationen kennen, sollten Sie sich folgende No-Gos beim Streiten in Beziehungen zu Herzen nehmen.

  1. Beleidigen Sie Ihren Partner nicht. Wie sehr Sie sich auch über den anderen ärgern, Ihr Partner ist trotzdem die Person, die Sie lieben und schätzen. Beschimpfungen und Beleidigungen sind verletzend und können tiefe Wunden entstehen lassen.
  2. Ignorieren Sie Ihren Partner nicht. Aussagen wie „Mach doch, was du willst“, gefolgt vom Abblocken sämtlicher Annährungsversuche des anderen führen selten zu einer Lösung. Geht Ihr Partner einen Schritt auf Sie zu, springen auch Sie über Ihren Schatten.
  3. Kritisieren Sie Ihren Partner nicht als Person generell, sondern sprechen Sie konkrete Verhaltensweisen in einer bestimmten Situation an. Persönlich angegriffen zu werden ist verletzend und führt nicht selten zu gegenseitigem Angriff als Schutzreaktion.
  4. Streiten Sie Zuhause, denn Diskussionen in der Öffentlichkeit sind für alle Beteiligten unangenehm. An einem ruhigen Ort unter vier Augen lassen sich Probleme schneller und vor allem in Ruhe beheben.
  5. Blenden Sie nicht Ihre eigenen Fehler aus, denn an einem Konflikt sind in der Regel beide Parteien beteiligt. Auch wenn es schwerfällt und Ihnen die Macken Ihres Partners in Konfliktsituationen überdeutlich erscheinen, sollten Sie lernen, Ihr eigenes Verhalten zu reflektieren und sich selbst und Ihrem Partner gegenüber auch eigene Fehler einzugestehen.

Fazit: Streit in der Beziehung muss die Liebe nicht gefährden

Streitigkeiten gehören in der Beziehung dazu, denn Sie verbringen viel Zeit mit einem anderen Menschen und können gar nicht bei allen Verhaltensmustern, Angewohnheiten oder Ansichten einer Meinung sein. Wichtig dabei ist allerdings, dass sich nicht jeder Stress in der Beziehung automatisch zum großen Beziehungsdrama entwickelt. Vielmehr hilft es, sich im Alltag auf die Themen zu konzentrieren, für die Sie schnelle Lösungen finden können. Große Streitpunkte hingegen, bei denen Sie sich schwer einigen können, dürfen bei kleinen Reibereien gern außen vor bleiben. Mit der Formulierung klarer Ich-Botschaften, einem respektvollen Umgang durch gegenseitiges Zuhören und Aussprechenlassen sowie der Formulierung klarer Wünsche kommen Sie einem respektvollem Streitverhalten schon viel näher. Und so gelingt es zukünftig auch, Streite als etwas Konstruktives für die Partnerschaft anzuerkennen und so noch viel enger zusammenzuwachsen.