Zusammenbleiben wegen der Kinder

Zusammenbleiben wegen der Kinder?

von: Annette Riestenpatt

Was tun, wenn es nicht mehr läuft? Wir verlieben uns, gehen eine Beziehung ein, schenken einander ungeteilte Aufmerksamkeit und Verbindlichkeit. Wir machen Pläne, weil wir so gut zueinander passen. Irgendwie Seelenverwandte zu sein scheinen. Alles passt und stimmt und fühlt sich gut und richtig und wichtig an.

So geht es eine Weile, wir entwickeln uns weiter – und zwar zusammen, gemeinsam. Aus dem „Ich“ wird das „Wir“ – und das ist wunderschön und gibt uns Geborgenheit und macht und glücklich. Und dann kommen die Kinder. Völlig egal, ob es eines ist oder ein halbes Dutzend. So ein Kind verändert alles, ist zwar anstrengend, aber auch ganz und gar großartig. Es schweißt uns als Paar zusammen – noch mehr als zuvor. Es macht unser ohnehin perfektes Leben noch ein bisschen vollkommener. Oft bemerken wir es gar nicht, wenn dann dunkle Wolken am Horizont aufziehen. Wir wollen sie nicht wahrhaben, verdrängen sie einfach, reden sie klein, doktern daran herum und machen uns etwas vor.

Bis es irgendwann nicht mehr geht. Wir stellen fest, dass wir uns auseinander gelebt haben. Wir haben einander nichts mehr zu sagen, kosten uns gegenseitig Kraft und Nerven. Dann ist die Krise in vollem Gange und die Frage der Fragen steht im Raum: Trennen oder Zusammenbleiben? Vor allem für Letzteres entscheiden sich viele Paare – um der Kinder willen.

Ist das eine gute Entscheidung? Wie sollen wir das beurteilen? Schließlich gibt es so viel, das uns verbindet. Die gemeinsame Vergangenheit, allem voran die Kinder, schweißen uns doch auf immer und ewig zusammen – irgendwie. Da muss es doch auch möglich sein, zusammenzubleiben, um die Kinder glücklich zu machen. Oder sind sie glücklicher, wenn Mama und Papa ihren eigenen Weg gehen, frei sind, zu tun, was sie wollen und nicht ständig ihre wahren Empfindungen unterdrücken müssen?

Tja, so einfach ist diese Entscheidung leider nicht. Alleinerziehend ist kein Zuckerschlecken. Wochenend-Eltern, die sich zwischen Pflichtgefühl und Schulzweifeln zerreiben, explosive Patchwork-Experimente, Frustration in Zeiten des Alleinseins. Ebenso schlimm ist das nervenaufreibende Zusammenleben zweier Menschen, die sich nicht mehr lieben. Wie man es auch dreht und wendet: Von keiner diesen Situationen profitieren die Beteiligten. Eine perfekte Lösung gibt es nicht. Wir müssen im Einzelfall abwägen, was für uns das Beste ist. Und für unsere Kinder. Und dann auch das Beste daraus machen.

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15 Kommentare

Anja

2. Dezember 2008, 23:00 Uhr

Vor einiger Zeit habe ich zufällig meine Jugendliebe wiedergetroffen. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und sich und seiner Familie ein wundervolles Zuhause geschaffen. Nun hat er realisiert, dass er sich, als wie uns vor 12 Jahren kennengelernt haben, offensichtlich die falsche Entscheidung getroffen (wir sind aufgrund eines dummen Missverständnisses nicht zusammengekommen). Er liebt seine Frau nicht (getrennte Schlafzimmer), aber – da sich die beiden die Kindererziehung teilen – fühlt er sich aufgrund der Kinder (2 und 4 Jahre) verpflichtet, diese nicht glückliche Ehe weiterzuführen. Für mich ist dies nicht nachvollziehbar, da die Kinder in einigen Jahren merken werden, dass die Eltern keine glückliche und zärtliche Partnerschaft führen. Dies ist m.E. auch für die Entwicklung der Kinder nicht förderlich. Warum gibt es keine Männer, die ihren Gefühlen nachgeben können. Der Verpflichtung gegenüber den Kindern kann man besser nachkommen, wenn die Kinder merken, dass der Vater glücklich ist.

Helene

5. Dezember 2008, 22:00 Uhr

Hallo, eine gewisse "Ehemüdigkeit", besonders wenn das Privatleben durch Kinder "auf 0 runter gefahren wird", betrifft fast alle Männer.
Getrennte Schlafzimmer hat lt vieler Architekten nichts über eine intaktes Intimleben auszusagen. Zwischen 0 und 10 Jahren, das ist eine anstrengende Zeit für Männer, und er versucht sich, diese gerade zu "versüßen".
Liebe Grüße,
H

Einfachnurich

6. Dezember 2008, 16:00 Uhr

Wäre ja schön, wenn ein "normales miteinander Umgehen" funktionieren würde, aber in meinem Fall – im Gegensatz zu vielen anderen Fällen, die ich kenne – ist es nicht so.
Ehefrau hat diverse Seitensprünge und Nebenbeziehungen zugelassen, vor und während der Ehe. Um ihn zu halten und zu binden, sie ist ja die "Tolerante" und "so etwas ist banal". Nun ja, so banal war ich denn wohl nicht, wir sind (mit Unterbrechungen) seit 15 Jahren zusammen und sie stellte ihn vor 4 Jahren vor die Entscheidung

maja

9. März 2009, 00:00 Uhr

Für mich ist es nicht nachvollziehbar, weshalb eine anständige Frau, die sich selbst wertschätzt, sich auf eine Beziehung mit einem verheirateten Mann, der auch noch kleine Kinder hat, einlassen will oder einlässt. Dieser Mann sollte ohne geliebter "Trennungshilfe" und ohne Aussicht auf das nächste warme Bett seine Beziehung zu seiner Frau und seiner Familie klären. Eine Ehe ist doch kein Mietvertrag, den man einfach kündigen kann, weil man einem von den vielen anderen möglichen Partnern auf diesen Planeten begegnet ist.(Das gilt auch anderherum)

jurado

10. Juli 2009, 17:00 Uhr

Niemand verliebt sich doch absichtlich in einen Menschen, der schon in einer Ehe steckt! Das passiert eben und da kann man oder frau davor der größte Moralapostel gewesen sein. Auch ich habe mich in einen verheirateten Mann verliebt – obwohl ich das vorher nie für möglich gehalten habe. Und da er eben auch zwei Kinder hat, sind die Chancen auf eine gemeinsame Zukunft so gut wie aussichtslos. Und, kann man es dennoch einfach so beenden? Auch wenn es eine verbotene Liebe ist, es ist Liebe, wenngleich die Moralapostel und Klugscheißer sowas nicht wahr haben wollen. Und Frauen, denen das passiert (oder Männer) sind keine Huren, keine Schlampen und oft selbstständiger als so manche Vorzeige-Ehefrau! Urteile niemals über Jemanden, in dessen Schuhe du nicht steckst.

Anna

28. August 2009, 15:00 Uhr

Hallo!
Glaube hier geht es nicht darum ob sich jemand an einen verheirateten Partner ranmacht, sondern um die Frage ob der gebundene sich wegen den Kindern endgültig trennen sollte oder nicht.
Genau diese Frage beschäftigt mich nämlich seit längerem sehr. Ich finde keine rechte Lösung… Grundlegend ist ja die Erstbesetzung einer Familie sehr wertvoll. Aber wenn die Chemie nicht mehr stimmt…. In meinem Fall gibt es keinen anderen Partner, aber ich kämpfe mit dem schlechten Gewissen meinem Kind die heile Welt, sein schönes Zuhause und die intakte Familie zu rauben. Realistisch gesehen, sind finanzielle Einschränkungen meistens vorhanden und spätestens wenn die Kinder den neuen Partner / Partnerin des Ex gaaaanz toll finden, findet man dies selbst wohl weniger schön.
Persönlich kämpfe ich noch den Mut zum Absprung aufzubringen. Dies ist besonders schwierig, weil mein Mann sich gar nicht trennen möchte und mich auch nicht unterstützt. Leider weiß ich auch, daß ich so einige wertvollen Jahre verschenkt habe und noch werde, wenn ich nichts ändere. Glaub aber mein Kind ist glücklich…. Jedenfalls kann ich vorher nicht beurteilen ob es nach der Trennung glücklicher wäre als jetzt.
Liebe Grüße
Anna

Bernd

9. Oktober 2009, 09:00 Uhr

Wir leben in einer familienfeindlchen Gesellschaft. Familie hat keinen besonders hohen Stellenwert. Plötzlich ist es nicht mehr gut genug, Familie und Kinder zu haben. Was gibt es denn wertvolleres, bitteschön. Viele verschwenden unheimlich viel Energie darauf, sich zu trennen, Kinder allein zu erziehen, neue Partnerschaften einzugehen, die dann wieder zerbrechen. Ein Bruchteil davon in die bestehende Familie investiert, dann müssten unsere Kinder nicht soviel leiden, wegen uns.

air

5. Februar 2010, 12:00 Uhr

Bernd, das sehe ich ganz genauso! Bin sehr überrascht und es tut gut, daß es auch Männer gibt, die so denken. Hast Du derartige Erfahrung selbst gemacht?

Anta

5. Februar 2010, 19:00 Uhr

Warum den Getrennten ein schlechtes Gewissen machen? Natürlich ist es für die Kinder schwierig wie ja oft genug für einen selbst auch (selbst wenn man derjenige war, der die Trennung forciert hat) und es geht tatsächlich sehr viel Energie drauf für Trennen, Alleinerziehen, neue Beziehungen eingehen … etc. Aber man sollte bitte nicht vergessen, dass die Alternative (= zusammenbleiben auf Teufel komm raus) auch extrem viel Energie gekostet hat. Schließlich beschließt wohl niemand leichten Herzens sich zu trennen, vor allem nicht mit Kindern. Meistens fällt dieser Entschluss erst nach Jahren der Unzufriedenheit und unendlicher Versuche, es doch noch irgendwie hinzukriegen. Und ja, natürlich hätte man an einem bestimmten Zeitpunkt mehr in die Beziehung investieren müssen … hätte, hätte, hätte. Bloß aus tausend unterschiedlichen Gründen ist das leider nicht passiert oder es hat trotzdem nicht funktioniert … Das ist schade und doch kann man im Nachhinein nun nichts mehr daran ändern, sondern nur den Blick in die Zukunft richten und versuchen, das Beste aus der momentanen Situation zu machen. Das endlose Bereuen verpasster Chancen und massive und wiederkehrende Selbstvorwürfe helfen da wenig – auch nicht den Kindern. Deshalb finde ich es echt ätzend, wenn andere die Getrennten verurteilen. Glaubt mir: Wir hätten uns das ganze auch anders gewünscht und sind redlich bemüht, das bester aus der Situation zu machen. Solange beide Eltern den Kindern vermitteln, dass sie stets für sie da sind und ihre Elternliebe durch die Trennung auf keinen Fall weniger geworden ist, sind die sogenannten Trennungskinder nicht per se (mehr) zu bedauern.

air

12. Februar 2010, 08:00 Uhr

Ich denke, die vermeintlichen "ernsthaften Versuche", es doch hinzukriegen, sind meistens keine wirklichen Bestrebungen, zukünftig harmonischer zusammenzuleben, sondern es wird genau so fortgefahren wie eh und je. Kaum wird z.B. nach typischen "Mustern" gefahndet, die eine Kommunikation kaputt machen oder erschweren oder nach der Unfähigkeit, angemessen mit Konflikten umzugehen oder aufeinander einzugehen. Das sind solch entscheidenen (Persönlichkeits-) Grundlagen für das Gelingen einer Beziehung und menschlichem Zusammenleben im allgemeinen, da treten ansonsten vorhandene gemeinsame Interessen weit zurück. Diese sind ja in den meisten Fällen ja tatsächlich noch da, nur das eben aufgeführte klappt überhaupt nicht mehr oder hat nie geklappt. Und die Bereitschaft, hier gemeinsam zu forschen und (auch im Sinne gem. Kinder) daran zu arbeiten, sinkt doch in Zeiten der hoch gelobten ach so tollen "Selbstverwirklichung" (für mich nur ein anderer Ausdruck von purem immer mehr zunehmendem individuellem, gesellschaftlich jedoch hoch gelobtem Egoismus). Viele betrachten doch eine mögliche Scheidung auch vorrangig unter finanziellem Aspekt (Kann oder will ich mir das leisten), schauen nicht mal tiefergehend auf wesentliche psychologische Folgen, wie eine Scheidung die zukünftige Kindesentwicklung bsw. negativ beeinflußt (Wegfall der männl.Identifikationsfigur mit dramatischen Folgen, Vorleben eines fraglichen Problemlösungsmusters: was nicht paßt, wird schnell aufgekündigt oder ersetzt, Vorleben v. Verantwortungslosigkeit etc.) Es sollte wirklich alles erdenklich Mögliche in die bestehende Beziehung investiert werden. Ist es nicht stattdessen meist so: man ist unzufrieden, läßt aber eigentl. alles wie sonst weiterlaufen, macht sich doch nur vor, man hätte ja alles "versucht". Hier sollte m. E. der Gesetzgeber bei Ehen mit Kindern vor Scheidungen eine umfassende Pflicht-Paartherapie (ggf. auch Pflicht zur eigenen Therapie zwingend vorschreiben!!).

kati

20. März 2010, 22:00 Uhr

Also ich habe mich entschieden, mit meinem Mann zusammenzubleiben, bis mein Kind ca. 18 ist. Aber das ist natürlich auch meinem Mann gegenüber ungerecht. Er verliert ja auch, nichts davon wissend, Jahre. Aber trotzdem find ich es so am besten.
Meine Eltern haben sich, als ich 4 Jahre war, auf für mich beängstigende Weise getrennt. Meinen Vater habe ich dann wenig gesehen, ich habe keine Beziehung zu ihm aufbauen können, obwohl er in meinen Gedanken immer sehr wichtig war. Ich merke, dass dieser fehlende Männerpart, zumal ich ihn ja schon als Bezugsperson kennengelernt hatte, sich stark auf meine Partnerwahl auswirkt. Daraus entstandene Verhaltensmuster kann ich nur schwer auflösen und diese Aufdröselung dauert bei mir bis heute an.

Manuela

30. April 2010, 17:00 Uhr

Ich habe mich getrennt – trotz Kind, ohne neuen Partner – mit all den Folgen die sowas hat.
Heute würde ich – anstatt mich von dem berühmten Tropfen, der das Fass zum überlaufen bringt, beeinfluss zu lassen, auf jeden Fall eine Eheberatung oder professionelle Hilfe aufsuchen und es mit Geduld und viel Liebe (keine Selbstaufgabe!) zumindest über einen längeren Zeitraum hinweg versuchen.
Es waren schon schwerwiegende Gründe, die es für die Trennung gab und aus damaliger Sicht habe ich von meiner Seite her alles versucht – aber wenn man bedenkt was für seelische Wunden für alle Beteiligte daraus entstehen (faire, dem Kindeswohl entsprechende Trennungen gibt es kaum, wenn ich auch andere mir bekannte Trennungsfamilien ansehe) und all die Erfahrungen und Einsichten, die man sich in solch einer Trennung erarbeiten muss, schon vorher gehabt hätte…

…insbesondere dann, wenn man bedenkt, dass die folgenden Beziehungen meistens stark konfliktbelastet sind, da wegen der Kinder ständiger Kontakt besteht und neue Partner hinzukommen…
Aber letztlich gehören auch dann noch zwei reflektionsfähige, sich zumindest noch anziehende Menschen dazu, die beide diesen Prozess wollen und an der Beziehung arbeiten wollen.
Nur Stress, eskalierende Streitgespräche, unglückliche Eltern, ein völlig falsch vorgelebtes Familienleben: DAS BRAUCHT AUCH KEIN KIND

charlotte

27. Juni 2010, 09:00 Uhr

Geheiratet wegen einer frühen Schwangerschaft, das Beste draus machen wegen des, später der Kinder. Gedacht hatte ich immer, bis zur Volljährigkeit, dann würde ich endlich "mein" Leben leben. Nun: 49 Ehejahre, total unglücklich in der Ehe, kann ich nicht loslassen von dem schönen Haus mit dem gewachsenen Garten – den Treffen dort mit Kinder u. Enkelkindern- jedoch spüren und wissen sie alle von den ewigen Streitereien. Sie wünschen ganz einfach die heile Welt und das Elternhaus – Ich denke zurück – die Trennung ist heute – ich bin fast 70 Jahre alt – nicht einfacher als zu jeder anderen Zeit. Oder?

ela

3. Juli 2010, 09:00 Uhr

Das ist es ja, was das Leben so schwer macht und warum die Trennung nicht vollzogen wird: eben halt wegen der Kinder. Ich kenne das aus eigener Erfahrung. Kannten uns über 20 Jahre und irgendwann, durch verschiedene Umstände lief es dann nicht mehr, wir hatten uns auseinandergelebt und geliebt. Was ist dann besser? Sich zu trennen, schmerzvoll … oder wegen der Kinder diese Ehe weiterzuführen, in der Hoffnung, dass die Kinder sich gut entwickeln? Wenn man sich in einer Partnerschaft allein fühlt und vom Partner nicht mehr gesehen wird, werden die Kinder das merken, für diese speziellen Gefühle haben Kinder eine ausgeprägte Antenne. Ich finde es daher besser, sich zu trennen und wenn es möglich ist, offen und ehrlich danach miteinander umzugehen. Das ist nicht einfach, aber meiner Meinung profitieren davon alle Beteiligten.

Sonia

10. Januar 2011, 22:25 Uhr

Ich bin geschieden und habe alles versucht zusammen zu bleiben: Weg schauen, Geduld, Ehe Therapie. Die Kinder haben sehr gelitten und ich auch bis zu eine starke Depression. Als katholische Brasilianerin würde für mich eine Trennung sehr schwer sein. Aber sogar der Pfarrer meiner Gemeinde hat zu mir gesagt, „Manchmal ist es besser sich zu trennen. Der Schock kann vielleicht den Schmerz heilen“. Trennung, Scheidung, das ist kein einfaches Mittel. Man sollte alles tun, um zusammen zu bleiben, bis zum Punkt wo die eigene Grenze ist. Und dann nicht mehr. Ich habe so eine Kraft bekommen und bin sicher, dass meine Kinder mir heute dankbar dafür sind. Kinder brauchen Frieden. Und den haben sie jetzt.

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