Kinderwunsch Männer: Man spielt mit Kind

Kinderwunsch bei Männern: Warum das männliche Geschlecht anders tickt

von Julia Rieske , 14. Feber 2018

Lisa und Pascal sind seit vier Jahren glücklich liiert. Eigentlich läuft alles bestens zwischen den beiden, wäre da nur nicht Lisas aufkeimender Kinderwunsch. Mit 34 hört sie ihre biologische Uhr sprichwörtlich ticken, ihr rennt die Zeit davon. Und Pascal? Der denkt zunächst an seine Karriere, für Kinder hat er schließlich noch jede Menge Zeit. Doch warum ist der Kinderwunsch bei Männern häufig so anders ausgeprägt als bei Frauen? Und kann man den Kinderwunsch beim Mann sogar wecken?

Spätestens, wenn Frauen die magische 30 überschritten haben, denken sie über das Thema Kinder und Familie nach. Aber wie sieht es mit dem Kinderwunsch bei Männern aus? Fakt ist: Die meisten Männer setzen sich später mit dem Thema Familienplanung auseinander als Frauen. Aber über kurz oder lang kommt in den meisten Fällen auch bei ihnen der Wunsch nach einem Kind auf – dann, wenn sie bereit dafür sind.

Die Unterschiede beim Kinderwunsch zwischen Männern und Frauen

Worin unterscheiden sich Männer und Frauen in Bezug auf den Kinderwunsch? Die meisten Frauen denken nach den ersten Jahren im Beruf immer mal wieder an Nachwuchs. Männer setzen zunächst einen anderen Fokus. Ganz oben auf der Prioritätenliste stehen Dinge wie Erfolg im Job, Geld verdienen und das Leben mit der Partnerin genießen. Aus biologischer Sicht können es Männer tatsächlich entspannter angehen. Während Frauen bereits ab 35 Jahren als „Risikoschwangerschaften“ gelten und die Torschlusspanik immer präsenter wird, nimmt die Zeugungsfähigkeit der Männer in diesem Alter erst langsam ab. Zeugungsfähig sind sie aber ohne Probleme bis ins hohe Alter. Bei Männern spielt beim Thema Kinderwunsch das Alter also keine primäre Rolle. Die Basis für den Wunsch nach Nachwuchs ist eine intakte, auf die Zukunft ausgelegte Partnerschaft. Die Soziologin Dr. Diana Baumgartner hat das Thema Vatersein und Kinderwunsch eingehend untersucht und dabei herausgefunden, dass der Kinderwunsch beim Mann neben einer harmonischen Paarbeziehung außerdem von diesen Faktoren abhängt:

  • Erfahrungen aus der eigenen Familie und Kindheit
  • aktuelle Lebensphase
  • sozioökonomische Situation (Bildung, Beruf, Einkommen, Wohnort usw.)

Der Mann bringt also bereits aus seiner Vergangenheit und seiner Herkunftsfamilie bestimmte Prägungen und Erlebnisse mit, die zusammen mit seiner beruflichen und aktuellen Situation und der Stabilität der Beziehung darüber entscheiden, ob und wann er bereit für ein Kind ist. Den Kinderwunsch beim Mann wecken, gelingt da nur bedingt.

Wann und wie der Kinderwunsch beim Mann entsteht

In welchem Alter der Wunsch nach Nachwuchs konkret aufkommt, lässt sich nicht pauschal sagen. Die bevölkerungsrepräsentative ElitePartner-Studie 20181 verschafft Klarheit über die männliche Sicht zum Thema Kinderwunsch. Gut jeder vierte 30- bis 39-jährige Mann in fester Partnerschaft ist kinderlos, bei den 40- bis 49-Jährigen ist es nur noch jeder Achte und in der Gruppe der über 50-Jährigen verhält es sich mit jedem siebtem Mann ähnlich. Heutzutage zieht die Ehe nicht mehr zwangsläufig die Familienplanung nach sich. So haben nur etwa mehr als ein Viertel (28 Prozent) der verheirateten 18- bis 39-jährigen Männer Kinder. Bei den verheirateten Männern in den Vierzigern steigt der Anteil nur geringfügig an (40 Prozent). Eine ähnliche Einstellung zum Kinderwunsch gilt als fundamental für die Beziehungsanbahnung – so geben mehr als die Hälfte der Männer (56 Prozent) an, dass eine gleiche Vorstellung zur Familienplanung wichtig bei der Partnerwahl sei.

„Wann wünscht sich der Mann ein Baby?“ – nach unserer ElitePartner-Studie können sich Männer mit zunehmendem Alter eher ein Leben mit Kind vorstellen. So geben 22 Prozent der 30- bis 39-Jährigen an, dass ein Kind zu einer Beziehung gehört. Diese Aussage findet mit 39 Prozent in der Gruppe der 60- bis 69-Jährigen die größte Zustimmung. Tendenziell ist der Anteil der Männer mit Kinderwunsch unter Akademikern mit 38 Prozent übrigens höher als bei Nicht-Akademikern (33 Prozent).

Feste Partnerschaft als wichtige Voraussetzung für Männer mit Kinderwunsch

Doch egal, ob 25 oder 45 – ohne die richtige Partnerin an ihrer Seite erwacht in den wenigsten Männern das Verlangen nach einer Vaterschaft. Denn das wohl wichtigste Kriterium, um beim Mann den Wunsch nach einem Baby zu erreichen, ist eine stabile Beziehung. Zwar gibt es Frauen, die sich so sehr nach einem Baby sehnen, dass sie ab einem gewissen Alter ohne den Kinderwunsch des Mannes den Schritt wagen und sich von Anfang an für ein Leben als alleinerziehende Mutter entscheiden und danach nochmal auf Partnersuche mit Kind gehen. Bei Männern dagegen steht der Wunsch nach einer festen Partnerschaft meist vor dem nach Nachwuchs. Diplom-Psychologin Lisa Fischbach erklärt:

„Wir streben in der Liebe auch Freiraum, persönliches Wachstum und gemeinsame Entwicklung mit dem Partner an.“

Zusammen mit der Partnerin wird er auf gemeinsame Lebensziele hinarbeiten. Eines davon: Er will mit ihr zusammenbleiben wegen einem eigenen Kind.

Und wenn der Kinderwunsch beim Mann ausbleibt?

Frauen können den Wunsch nach einem Baby bei ihrem Partner nur bedingt beeinflussen oder herbeiführen. Es ist für ihn von großer Bedeutung, dass die Beziehung harmonisch läuft und er sich sicher sein kann, eine verlässliche Partnerin und gute Mutter für die Kinder zu haben. Stößt Ihr Kinderwunsch bei Ihrem Mann auf taube Ohren, ist es wichtig, offen und ehrlich über das Thema zu sprechen. Eventuell blockieren ihn Unsicherheiten und Ängste, die Sie in aufrichtigen Gesprächen aus der Welt schaffen können. Kommt ein Kind für Ihren Partner aber absolut nicht in Frage und lassen sich seine Zweifel an die Beziehung nicht aus dem Weg räumen, sollten Sie darüber nachdenken, ob sie für Sie auch ohne Kinder sinnvoll ist. Druck hilft hier gar nicht.

Kinderwunsch bei Männern: Mit Geduld wird alles gut

Bei Männern das Thema Kinderwunsch zu wecken ist meist ein langer Prozess, insbesondere wenn er zunächst kein Kind will: Erst einmal wollen sie beruflich und privat etwas erreichen, um eine solide Basis für die Familie zu schaffen, bevor sie sich dazu entschließen, Vater zu werden. Während dieses Prozesses bereiten sie sich seelisch und moralisch langsam auf das Vatersein vor. Wenn Sie als Frau ausreichend Geduld und Feingefühl aufbringen, dann stehen die Chancen gut. Denn je klarer der Kinderwunsch eines Mannes ist, desto engagierter setzt er sich später in seiner Rolle als Vater ein. Und genau darauf kommt es doch an.